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Yunnan

Provinz von China

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Yunnan, deutsch Jünnan (chinesisch 雲南 / 云南, Pinyin , Pe̍h-ōe-jī Hûn-lâm), ist eine Provinz im Südwesten der Volksrepublik China. Mit 394.100 Quadratkilometern ist sie etwa so groß wie Deutschland und die Niederlande zusammen. Traditionell zählt sie zu den ärmeren Provinzen der Volksrepublik China. Ihren Namen erhielt die Provinz aufgrund ihrer Lage südlich (南, nán – „Süden“) des Yunling-Gebirges. Etwa ein Drittel der Bevölkerung gehört nationalen Minderheiten an.

Yunnan liegt im Südwesten Chinas und hat Außengrenzen zu Myanmar im Westen sowie Laos und Vietnam im Süden. Außerdem bestehen Provinzgrenzen zu Tibet und Sichuan im Norden sowie Guizhou und Guangxi im Osten. Die Topographie Yunnans ist zu über 90 Prozent von Berg- und Hügelland geprägt. Die durchschnittliche Höhe liegt bei etwa 2000 Metern über dem Meeresspiegel, wobei enorme Unterschiede bestehen. Der höchste Punkt, der Kagebu-Gipfel des Mainri Xueshan („Mainri-Schneeberg“) im Westen, erreicht 6740 Meter und die tiefste Senke liegt bei nur 76,4 Metern.

Es lassen sich zwei Großlandschaften unterscheiden – West- und Ost-Yunnan –, die durch eine imaginäre Linie des Oberlaufs des Roten Flusses und des Flusses Lishejiang bis zur Stadt Jianchuan und dem autonomen Kreis Lijiang ungefähr voneinander abgegrenzt sind. Ost-Yunnan ähnelt von seiner Topographie her dem benachbarten Guizhou und wird oft mit diesem zusammen geographisch zu einem Plateau oder einer Hochebene zusammengefasst (Yunnan-Guizhou-Plateau). Hier finden sich Kalkstein- und Karstlandschaften, wie sie auch für Guizhou typisch sind. In Ost-Yunnan liegen die Provinzhauptstadt Kunming, der See Dian Chi und zahlreiche weitere Seen. In den Tälern Ost-Yunnans wird intensive Landwirtschaft betrieben. West-Yunnan ist durch hohe Gebirge geprägt: dem in Ost-West-Richtung verlaufenden Hengduanshan und den parallel zueinander in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Gebirgszügen des Gaoligongshan, Nushan und Yunling. Etliche Gipfel hier erreichen eine Höhe von über 5000 Metern. In den tief eingeschnittenen Tälern verlaufen in Nord-Süd-Richtung die Flüsse Lacang Jiang (der Oberlauf des Mekong), Nu Jiang (der Oberlauf des Saluen) und Jinshajiang (der Oberlauf des Jangtsekiang). Letzterer durchfließt in seinem Verlauf mit hoher Strömungsgeschwindigkeit die 16 Kilometer lange, 3000 Meter tiefe, an der Talsohne nur 30 Meter breite Tigersprung-Schlucht. Diese „drei Parallelflüsse Yunnans“ wurden in das UNESCO-Weltnaturerbe aufgenommen. In Ost-Yunnan entspringt der Nanpanjiang, der Quellfluss des Perlflusses. Auch der in Richtung Vietnam fließende und in den Golf von Tonkin mündende Rote Fluss hat in Yunnan seinen Ursprung.

Die Region ist tektonisch aktiv. Häufig kommt es zu Erdbeben. In Yunnan gibt es viele heiße Quellen, von denen die in Tengchong die bekanntesten sind.

Das Klima Yunnans ist aufgrund der topographischen Variabilität regional sehr unterschiedlich. Obwohl die Provinz an der Grenze zu den Tropen liegt (der nördliche Wendekreis verläuft durch Yunnan) sind die Temperaturen aufgrund der Höhenlage gemäßigt. Die Januar-Durchschnittswerte liegen zwischen 0 und 16 °C und die Juli-Mittelwerte zwischen 16 und 26 °C. Der Jahresniederschlag variiert zwischen 750 und 1750 mm. Das Klima ist vom Monsun beeinflusst. Die auf etwa 1900 Metern Höhe gelegene Provinzhauptstadt Kunming wird in ganz China aufgrund ihres „ganzjährigen Frühlings“ gerühmt.

Yunnan zeichnet sich durch eine sehr große Biodiversität aus. In Yunnan leben die letzten 250 wilden Elefanten Chinas, die unter strengem Naturschutz stehen. Die Naturräume sind durch den Gegensatz von schneebedeckten Bergen mit Hochgebirgsvegetation bis hin zu Tälern mit subtropischer bis tropischer Vegetation geprägt.

Auf dem Gebiet Yunnans wurden sehr alte Spuren fossiler Hominini entdeckt. Hierzu gehört der 1965 entdeckte, sogenannte Yuanmou-Mensch, der eine lokale Variante des Homo erectus ist und auf ein Alter von mindestens 700.000 Jahren datiert wurde. Verschiedene Höhlenfunde mit Überresten und Artefakten frühmoderner Menschen aus dem Paläolithikum wurden an verschiedenen Orten Yunnans gemacht, zum Beispiel in der archäologischen Ausgrabungsstätte Lijiang.

Archäologische Ausgrabungen brachten in den 1950er-Jahren in Shizhaishan bedeutende Funde zu Tage, so dass heute insbesondere die Dian-Kultur an Gestalt gewinnt. Die Geschichte Dians beginnt chinesischen Quellen (Sima Qian) zufolge in der Zeit der Streitenden Reiche mit dem Chu-General Zhuang Qiao (莊跤 / 庄跤), der einen erfolgreichen Eroberungszug Richtung Guizhou und Yunnan führte. Auf dem Rückweg in seinen Heimatstaat Chu musste er realisieren, dass dieser inzwischen vom Qin-Reich überfallen worden war (277 v. Chr.). Daraufhin verblieb Zhuang Qiao im östlichen Yunnan und begründete dort als König Zhuang (庄王 / 莊王, Zhuāng wáng) das Reich Dian. Von diesem Staat leitet sich die Abkürzung 滇, Diān für Yunnan ab. Um 109 v. Chr. wurde Dian in einem Feldzug an das China der westlichen Han-Dynastie angeschlossen, und der besiegte König erhielt Titel, Siegel und militärische Hilfe gegen benachbarte Stämme. Yunnan wurde als Yizhou-Inspektionsgebiet organisiert.

Nach dem Ende der Han-Dynastie wechselten sich chinesische Agenten und diverse einheimische Anführer in der Herrschaft ab. Literarisch sind dabei die Taten des chinesischen Volkshelden Zhuge Liang (181–234, vertrat Shu Han) und seines Gegenspielers Menghuo, aber im Allgemeinen blieb die chinesische Herrschaft in diesem Raum indirekt und schwach. Weiterhin gab es in dieser Periode verschiedene Migrationsbewegungen, die sich vorwiegend nach Süden richteten, da dort mehr und freieres Land zur Verfügung stand.

Mit der Einigung Chinas unter den Sui und Tang verstärkte sich auch der Druck auf das heutige Yunnan. Der Hof wollte unter anderem den Handel nach Indien kontrollieren, sandte Truppen gegen die Bevölkerungsgruppe der Cuan und nahm die Unterwerfung der lokalen Kleinfürsten entgegen. 621 errichtete man eine Präfektur in Yunnan, aber die Herrschaft Chinas dauerte nur bis 750. In den 30er Jahren des 8. Jahrhunderts beseitigte nämlich der Lokalfürst Pilugoe bei einem Bankett seine Rivalen und gründete das Reich Nanzhao, einen Vielvölkerstaat. Dieser behauptete sich (mit Rückendeckung durch Tibet) um 750 militärisch gegen Tang-China und umfasste dann im 9. Jahrhundert zeitweise Teile von Birma, Thailand, Vietnam und sogar Sichuan. Im 10. Jahrhundert wurde er nach wiederholten Dynastiewechseln von Duan Siping (einem Angehörigen der Bai) als Königreich Dali neu gegründet.

Die Unabhängigkeit des Staates wurde 1253/54 durch die Mongolen unter Kublai Khan beendet, der die Hauptstadt Dali angeblich mit einem Minimum an Blutvergießen eroberte und den König als Vasallen wieder einsetzte. 1274 kam mit Sayyid Adschall Schams ad-Din Umar auch ein ziviler Gouverneur nach Yunnan, dessen Erscheinen nicht nur die endgültige Angliederung an China, sondern auch die Einführung des Islams markiert. 1276 wurde die Provinz Yunnan unter ihrem heutigen Namen offiziell eingerichtet.

Beim Sturz der Mongolenherrschaft Mitte des 14. Jahrhunderts blieb die Provinz Yunnan zunächst relativ ruhig und unbeachtet: erst 1382 rückten die Ming an und der lokale Mongolenprinz Basalawarmi nahm sich das Leben. Im Zuge der Stabilisierung ihres Regimes verpflanzten die Ming dann bereits Ende des 14. Jahrhunderts Millionen unliebsamer Personen aus der Region um Nanjing nach Yunnan, speziell nach Kunming. Durch die Praxis der Errichtung von Militärkolonien (tuntian) wuchs der chinesische Bevölkerungsanteil schnell an, breitete sich bevorzugt über die Täler und Senken aus und verdrängte die einheimische Bevölkerung in die Berge. Trotzdem blieb der Süden der Provinz noch relativ autonom (vgl. Sipsongpanna).

Nach dem Sturz der Südlichen Ming durch die Mandschu 1644 verselbständigte sich der erfolgreiche General Wu Sangui in Kunming und erschuf sich dort eine Art Königreich, welches erst 1681 wieder angegliedert wurde.

Im 19. Jahrhundert wurde das Kaiserreich China durch zahlreiche innere Unruhen erschüttert, so auch in Yunnan, wo schon 1818 und 1834–40 erste muslimische Aufstände ausbrachen. Zeitgleich zum Taiping-Aufstand kam es dann 1853 zu einem großen Aufstand der Moslems, der sogenannten Panthay-Rebellion. Unter den Aufständischen setzte sich ein gewisser Du Wenxiu durch, der als Sultan in Dali regierte und auch eine Gesandtschaft nach Großbritannien schickte. Aber die Aufständischen konnten Kunming nicht halten, und 1872 wurde Yunnan schließlich von den Kaiserlichen zurückerobert. Eine Million Menschen kamen während dieses Aufstands ums Leben. In den folgenden Jahrzehnten kam die Provinz nie mehr ganz zur Ruhe.

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