Youssoufa Moukoko (* 20. November 2004 in Yaoundé, Kamerun oder 17./19. Juli 2000 als Youssoufa Mohamadou) ist ein deutsch-kamerunischer Fußballspieler, der als Leihspieler des FC Kopenhagen beim Çorum FK unter Vertrag steht. Der Stürmer spielte als Zwölfjähriger in der U17 von Borussia Dortmund und für die deutsche U16-Nationalmannschaft. Seine überdurchschnittlichen Leistungen als Jugendspieler machten ihn europaweit bekannt. Zur Saison 2020/21 rückte er im Alter von 15 Jahren in den Profikader des BVB auf und wurde zum jüngsten Spieler der Bundesliga (16 Jahre und 1 Tag) sowie der Champions League (16 Jahre und 18 Tage). Am Alter von Moukoko bestehen jedoch erhebliche Zweifel, er soll in Wahrheit vier Jahre älter sein, womit diverse aufgestellte Rekorde nichtig wären.
Moukoko wuchs in seinen ersten zehn Lebensjahren in Kameruns Hauptstadt Yaoundé im Stadtviertel Briqueterie auf. Er soll vier Geschwister haben. Eigenen Aussagen zufolge entwickelte er bereits mit vier Jahren den Wunsch, Fußballer zu werden, als er ein Spiel des Champions-League-Halbfinals 2009 zwischen dem FC Chelsea und dem FC Barcelona im Fernsehen verfolgte. Als seine leiblichen Eltern galten bis 2022 Joseph Moukoko (* 1951), der seit den 1990er-Jahren als deutscher Staatsbürger in Hamburg lebt, und dessen zu Moukokos Geburt 16-jährige Ehefrau Marie. Joseph Moukoko holte Youssoufa im Sommer 2014 nach Deutschland. Dieser besitzt die kamerunische und die deutsche Staatsangehörigkeit.
Das vorgebliche Alter Moukokos, der wegen seiner für sein Alter überdurchschnittlichen sportlichen Leistungen als „Wunderkind“ bezeichnet wurde, ist trotz einer vorgelegten Geburtsurkunde, die Joseph Moukoko direkt nach Youssoufas Geburt am deutschen Konsulat in Yaoundé erhalten haben will, seit 2017 Gegenstand von Kontroversen. Im Jahr 2016 wurde Youssoufa Moukokos Geburt mit dem Geburtsdatum 20. November 2004 im Wege der Nachbeurkundung durch das Standesamt Hamburg-Harburg in das dortige Geburtenregister eingetragen.
Der Spiegel enthüllte im November 2022, dass Joseph Moukoko als Talentscout nach Kamerun reiste und dort Youssoufa adoptierte, um ihn einfacher nach Deutschland bringen zu können. Youssoufas Tante berichtete, dass seine Eltern und die Verwandtschaft sich darüber sehr freuten, „denn wir wussten, dass er (Youssoufa) uns alle versorgen würde.“ Dem jetzigen Bunte-Journalisten Martin Heidemanns wurde im September 2022 über WhatsApp von Joseph Moukoko eine Kopie einer in Yaoundé am 17. Juli 2000 auf den Namen Youssoufa Mohamadou ausgestellten Geburtsurkunde übermittelt. Der Bericht lässt offen, ob es sich bei Youssoufa Moukokos älterem „Bruder“ Borel (* 2000), der im Dezember 2016 nach Deutschland kam, als Außenverteidiger in der Oberliga spielte und bereits angab, eine andere Mutter als Youssoufa zu haben, um einen „Adoptivbruder“ handelt. Weiter berichtete Joseph Moukoko im Oktober 2022, mit einem „Sohn Junior“ zu einem Probetraining zum englischen Verein Crystal Palace zu fliegen. Als Fakt kann Joseph Moukoko, wenn er Youssoufa 2013/14 adoptierte, nicht 2004 dessen Geburtsurkunde am deutschen Konsulat in Yaoundé beantragt haben. Der Spiegel gibt an, dass es in vielen afrikanischen Ländern leicht sei, durch Korruption an neue Dokumente zu kommen. Spieler, deren Alter in diesen Papieren herabgesetzt ist, erhalten als vermeintliche Ausnahmetalente lukrativere Verträge als mit ihrem wahren Alter.
In der Folge ließen Joseph und Youssoufa Moukoko am 15. November 2022 die Veröffentlichung und Verbreitung der Geburtsurkunde durch das Landgericht Frankfurt am Main verbieten, wobei Joseph Moukoko eidesstattlich versicherte, dass Youssoufa Moukoko als sein leiblicher Sohn am 4. November 2004 geboren sei. Einige Monate später korrigierte sich das Landgericht und entschied, dass das Verbot, die Geburtsurkunde zu veröffentlichen, unberechtigt war. Am 8. Mai 2024 gab das Oberlandesgericht Frankfurt am Main einem Eilantrag Moukokos statt und untersagte dem Spiegel die Behauptung und Verbreitung mehrerer Angaben über sein Alter und seine Herkunft. Dies geschah jedoch aus formalen Gründen (Moukoko hätte vorab ausreichend Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben werden müssen), während das Gericht in der Sache das „erforderliche Mindestmaß an Beweistatsachen“ für gegeben hielt.
Im Dezember 2024 strahlte ProSieben eine Investigativ-Reportage mit dem Titel Tricksen, Schummeln, Täuschen – Das Millionengeschäft mit den Fußball-Talenten aus, in der Joseph Moukoko eidesstattlich versichert, nicht der leibliche Vater von Youssoufa zu sein und dass dieser in Wahrheit am 19. Juli 2000 geboren worden sei. Joseph Moukoko habe nach eigener Aussage in Yaoundé eine Geburtsurkunde mit den falschen Angaben anfertigen lassen, sei damit zur deutschen Botschaft in Kamerun gegangen und habe so den Pass für seinen angeblichen Sohn bekommen. Dass Joseph Moukoko nicht sein leiblicher Vater sei, sagten auch weitere Befragte in der Dokumentation aus. Youssoufas wahrer Nachname sei zudem Mohamadou. Die Staatsanwaltschaft Hamburg bestätigte angesichts der sich widersprechenden eidesstattlichen Versicherungen Joseph Moukokos die Prüfung des Anfangsverdachts der strafbaren falschen Versicherung an Eides statt.
Anfänge in Kamerun und Hamburg
Laut eigenen Aussagen spielte Moukoko in Kamerun keinen organisierten, sondern nur Straßenfußball. Nach seinem Umzug nach Deutschland spielte er ab Oktober 2014 bei den D-Junioren (U13) des FC St. Pauli. Da zu diesem Zeitpunkt die Saison bereits beendet war, spielte Moukoko zunächst nur bei Hallenturnieren mit, bei denen er häufig Torschützenkönig wurde. Aufgrund seines enormen Talents stieg er zur Saison 2015/16 als Elfjähriger zu den C1-Junioren (U15) der Kiezkicker auf, wo er in seiner ersten vollständigen Spielzeit 23 Tore in 13 Spielen als Stürmer in der C-Junioren-Regionalliga erzielte.
2016–2020: Rekordspieler in der Jugend
Im Juli 2016 wechselte Moukoko in das Nachwuchsleistungszentrum von Borussia Dortmund. Er erzielte in der Saison 2016/17 für die C1-Junioren (U15) des BVB in 21 Spielen 33 Tore und galt seitdem als Ausnahmetalent in seiner Altersklasse. In der Saison 2017/18 spielte Moukoko als einziger „13-Jähriger“ in der B-Junioren-Bundesliga West für die B1-Junioren (U17) des BVB. Im Finale der deutschen B-Junioren-Meisterschaft in München am 17. Juni 2018 gegen den FC Bayern München erzielte er den Treffer zum 3:2-Endstand. Mit 40 Toren aus 28 Spielen wurde er Torschützenkönig der Staffel West der B-Junioren-Bundesliga. In der Saison 2018/19 wurde Moukoko mit 46 Toren in 25 Einsätzen erneut Torschützenkönig der Weststaffel, womit er den Rekord von Donis Avdijaj (44 Tore) aus der Saison 2012/13 überbot. Er erreichte mit der U17 erneut das Finale um die Meisterschaft, wo sie aber dem 1. FC Köln unterlag. Insgesamt erzielte Moukoko in der B-Junioren-Bundesliga in 50 Spielen 83 Tore.
Zur Saison 2019/20 rückte der Stürmer im Alter von 14 Jahren zu den A-Junioren (U19) auf und erzielte in seinem ersten Spiel in der A-Junioren-Bundesliga 6 Tore beim 9:2 gegen den Wuppertaler SV. Bereits am 20. Spieltag überholte der Angreifer mit seinem 34. Saisontreffer Haluk Türkeri, der in der Spielzeit 2004/05 mit 33 Toren den bisherigen Ligarekord gehalten hatte. Sein erstes Spiel in der UEFA Youth League absolvierte Moukoko am 17. September 2019 und wurde damit zum jüngsten Spieler, der in diesem Wettbewerb eingesetzt wurde. Gegen die A-Jugend von Inter Mailand erzielte er am 23. Oktober desselben Jahres das Tor zum 1:0 und wurde so auch zum jüngsten Torschützen der Youth League. Nach der Unterbrechung des europaweiten Spielbetriebs aufgrund der COVID-19-Pandemie kam der Spielbetrieb der Juniorenwettbewerbe zum Erliegen, Moukoko und der BVB wurden in der Staffel West Tabellenzweiter. Der Offensivspieler wurde mit 34 Toren in 20 Einsätzen weit vor Sebastian Müller (13; 1. FC Köln) Torschützenkönig der West-Staffel. Auch dieser Wert bedeutete einen Rekord in der A-Junioren-Bundesliga.
Der Stürmer hatte bei Borussia Dortmund einen Ausbildungsvertrag, der bis 30. Juni 2022 befristet war, sowie mit dem Sportartikelhersteller Nike einen seit 2019 laufenden Werbevertrag in Millionenhöhe. Trotz allem lebte er weiterhin im BVB-Jugendheim. Joseph Moukoko wurde von der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA ab 2018 als Videoanalyst und Scout zu einem Monatsgehalt von anfänglich 10.000,- Euro angestellt; eine Arbeitsleistung erbrachte Joseph Moukoko für die Vergütung jedoch nach eigener Aussage nicht.