An diesem Tag

Yarmouth Castle (Schiff)

Amerikanisches Passagierschiff

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Die Yarmouth Castle war ein 1927 in Dienst gestelltes US-amerikanisches Passagierschiff, das nach 38-jähriger Dienstzeit am 13. November 1965 nach Ausbruch eines verheerenden Feuers an Bord auf dem Atlantik unterging, wobei 90 Menschen ums Leben kamen. Es handelte sich um eines der größten zivilen Schiffsunglücke in nordamerikanischen Gewässern. Die Tragödie war Auslöser für neue gesetzliche Regelungen für die Sicherheit auf See.

Die Yarmouth Castle wurde 1927 für die amerikanische Reederei Eastern Steamship Lines gebaut und auf den Namen Evangeline getauft. Sie entstand auf der Werft William Cramp and Sons in Philadelphia. Sie hatte ein Schwesterschiff, die im Juni 1927 fertiggestellte, 111,4 Meter lange Yarmouth (5.043 BRT). Die Kabinen auf der Yarmouth waren mit 100 bis 400 und die auf der Evangeline mit 500 bis 800 nummeriert. Die Eastern Steamship Lines setzte sie im Liniendienst zwischen Boston, New York und Yarmouth (Nova Scotia) ein.

Im Zweiten Weltkrieg fuhr die Evangeline ab 1942 als Truppentransporter zwischen San Francisco und dem pazifischen Kriegsschauplatz und diente auch als Lazarettschiff. Nach dem Krieg wurde der Dampfer wieder der Reederei übergeben. Nachdem er von der Bethlehem Steel Corporation renoviert und modernisiert worden war (unter anderem durch den Einbau einer automatischen Sprinkleranlage), nahm er im Mai 1947 den Liniendienst zwischen New York und den Bahamas auf. Von 1948 bis 1953 war das Schiff (mit einer zweieinhalbmonatigen Unterbrechung 1950) nicht im Dienst. Es lag in dieser Zeit an Pier 18 im Hafen von Hoboken vor Anker. Die Eastern Steamship Lines hatten keine Verwendung mehr für die Evangeline und verkauften sie 1955 an die liberianische Reederei Volusia Steamship Company, für die sie unter liberianischer Flagge fuhr.

In den folgenden Jahren wechselte das Schiff noch mehrmals den Besitzer, bis es 1964, inzwischen in Panama registriert, an die Chadade Steamship Company verkauft wurde, eine amerikanische Reederei, die dem Schiffsmagnaten Jules Sokoloff gehörte. Das in die Jahre gekommene Schiff wurde neu ausgestattet, mit neuen Maschinen versehen und in Yarmouth Castle umbenannt. Zunächst für die Caribbean Cruise Lines und dann, nach der Insolvenz dieser Firma im selben Jahr, für die Yarmouth Cruise Lines machte die in Panama registrierte Yarmouth Castle nun Kreuzfahrten auf der 186 Seemeilen langen Strecke Miami–Nassau–Havanna.

Am Freitag, dem 12. November 1965, gegen 17.00 Uhr legte die Yarmouth Castle in Miami zur Überfahrt nach den Bahamas ab. Das Schiff sollte am nächsten Tag in Nassau eintreffen. Auf dieser Fahrt waren insgesamt 552 Personen an Bord, 376 Passagiere und 176 Besatzungsmitglieder. Das Schiff stand unter dem Kommando des 35-jährigen griechischen Kapitäns Byron Voutsinas. In der Nacht zum 13. November befand sich der Dampfer 60 Meilen nordwestlich der Bahamas. Viele Passagiere schliefen bereits, aber im Ballsaal auf dem A-Deck gab es noch Musik und Drinks für eine große Anzahl von Fahrgästen. Zwischen Mitternacht und 1.00 Uhr wurde zunächst im Maschinenraum, dann auch an anderen Stellen des Schiffs Rauch wahrgenommen. Sofort begannen einige Besatzungsmitglieder mit der Suche nach der Ursache. Der wachhabende Ingenieur informierte den 2. Offizier auf der Kommandobrücke, der seinerseits den Kapitän weckte, der sich an der Suche beteiligte. Als Quelle wurde ein Feuer in Kabine 610 in der Nähe des vorderen Treppenhauses ausgemacht. Löschversuche blieben ohne Erfolg, da das Feuer schon weit entwickelt war, sich sehr schnell weiter ausbreitete und außer Kontrolle geriet.

Während der 1. Offizier und andere Besatzungsmitglieder auf eigene Faust begannen, die Passagiere zu wecken und aus den Kabinen zu holen, kehrte der Kapitän auf die Kommandobrücke zurück und gab Anweisung, Feueralarm auszulösen und SOS zu senden. Dafür war es aber bereits zu spät: Der Funkraum stand schon komplett in Flammen, als der Bordfunker dort eintraf. Das mit Funk ausgestattete Motorrettungsboot und ein tragbares Notfunkgerät im Kartenhaus fielen ebenfalls den Flammen zum Opfer, so dass kein Notruf gesendet werden konnte. Passagiere und Besatzung wurden auch weder durch den Feueralarm noch durch die Lautsprecheranlage alarmiert, vermutlich, weil das Feuer bereits den entsprechenden Stromkreis zerstört hatte. Die Passagiere wurden durch Schreie und Schritte auf den Gängen aus dem Schlaf gerissen. Viele starben im Schlaf durch die massive Raucheinwirkung oder konnten nicht mehr aus ihren Kabinen fliehen, bevor das Feuer sie erreichte. Die Fenster vieler Außenkabinen ließen sich nicht öffnen. Die Feuerlöschschläuche hatten zum Teil keinen ausreichenden Wasserdruck, da der Swimmingpool an das Feuerlöschsystem angeschlossen war und durch ein geöffnetes Ventil Wasser in den Pool lief. Da der gesamte mittlere Teil der Yarmouth Castle in Flammen stand, flohen Passagiere und Besatzung zum Bug und Heck des Schiffs. Um 01.25 Uhr gab der Kapitän den Befehl, das Schiff zu verlassen. Zu diesem Zeitpunkt stand die Kommandobrücke bereits in Flammen, so dass das entsprechende Signal nicht mehr ausgelöst werden konnte. Kurz darauf brachten der Kapitän, der Zahlmeister, der Oberbootsmann und einige andere Besatzungsmitglieder ein Rettungsboot zu Wasser und verließen das Schiff.

Die Evakuierung des Dampfers verlief katastrophal. Ein Teil der Rettungsboote wurde vom Feuer zerstört, bevor sie zu Wasser gelassen werden konnten. Bei anderen waren die Taljen so dick mit Farbe bedeckt, dass sie in den Winschen blockierten und sich die Boote nicht wegfieren ließen. Letztendlich konnten nur sechs der vorhandenen 13 Boote zu Wasser gelassen werden. In den ausgesetzten Rettungsbooten fehlten zum Teil die Dollen, so dass die Boote nicht gerudert werden konnten, sondern mit den Riemen gepaddelt werden mussten.

Zahlreiche Besatzungsmitglieder brachten sich selbst in Sicherheit, ohne den Passagieren Hilfe zu leisten. Andere schlugen die Fenster der Außenkabinen ein, zogen die Passagiere nach draußen und halfen ihnen, die rettenden Strickleitern an der Bordwand zu erreichen, oder gaben Passagieren sogar ihre eigenen Schwimmwesten. Vielen Passagieren blieb nur der Sprung vom Schiff als Rettung, andere mussten sich durch Bullaugen quetschen, um aus ihren brennenden Kabinen zu entkommen. Deckstühle, Gepäckstücke, Bänke und Matratzen wurden über Bord geworfen, um den Schwimmern im Wasser als Auftriebshilfe zu dienen. Einige Passagiere, die den Sprung nicht wagten, weil sie zu alt oder zu schwach waren oder unter Schock standen, mussten ins Wasser geworfen werden, um sie vor den Flammen zu retten.

Auf dem finnischen Frachter Finnpulp, der sich etwa acht Seemeilen voraus befand, bemerkte der wachhabende Offizier gegen 01.30 Uhr auf dem Radarschirm, dass die Yarmouth Castle erheblich an Fahrt verlor, und sah dann achteraus den Flammenschein. Er weckte den Kapitän, John Lehto, der sofort wendete und mit Höchstfahrt auf die brennende Yarmouth Castle zuhielt. Nachdem die Finnpulp dreimal vergeblich versucht hatte, Funkkontakt mit Nassau aufzunehmen, konnte sie gegen 01.54 Uhr die US-Küstenwache in Miami erreichen und das brennende Schiff melden.

Der Passagierdampfer Bahama Star der Eastern Shipping Corporation war etwa zwölf Seemeilen hinter der Yarmouth Castle, als Kapitän Carl Brown gegen 02.10 Uhr ein rotes Glühen am Horizont bemerkte. Er beobachtete ein brennendes Schiff und lief mit voller Kraft auf die Unglücksstelle zu.

Die Finnpulp traf gegen 02.15 Uhr als erste am Unglücksort ein. Zu diesem Zeitpunkt war die Kommandobrücke der Yarmouth Castle bereits vollständig von lodernden Flammen eingehüllt. Das erste Rettungsboot, das längsseits kam, war nicht einmal halbvoll und 20 der 24 Insassen gehörten der Besatzung an. Unter ihnen war Kapitän Voutsinas, der als Entschuldigung vorbrachte, er habe auf die Finnpulp übersetzen wollen, um einen Notruf senden zu können. Der erzürnte Kapitän Lehto nahm die vier Passagiere an Bord und befahl den Übrigen, zurückzurudern und nach weiteren Überlebenden zu suchen. In den nächsten beiden Booten saßen ausschließlich Besatzungsmitglieder. Die Finnpulp setzte ihre beiden Rettungsboote aus, um Überlebende aufzunehmen.

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