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Yanis Varoufakis

Griechisch-australischer Wirtschaftswissenschaftler und Politiker

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Yanis Varoufakis (griechisch Γιάνης Βαρουφάκης, alternative Schreibweise Gianis Varoufakis, eigentlich Ιωάννης Βαρουφάκης Ioannis Varoufakis, * 24. März 1961 in Athen) ist ein griechischer Wirtschaftswissenschaftler und Politiker.

Er ist Autor mehrerer Sachbücher. Bei der Parlamentswahl im Januar 2015 wurde er über die Liste von Syriza erstmals ins griechische Parlament gewählt und war vom 27. Januar bis zum 6. Juli 2015 Finanzminister im Kabinett Alexis Tsipras I. Zusammen mit weiteren Mitstreitern gründete er am 8. Februar 2016 die paneuropäische Partei DiEM25 und war für die Europawahl am 26. Mai 2019 Spitzenkandidat des deutschen Ablegers MERA25, mit dem er jedoch kein Mandat für das Europäische Parlament erhielt. Bei der Parlamentswahl vom 7. Juli 2019 wurde er mit dem griechischen Ableger MeRA25 erneut ins griechische Parlament gewählt. Varoufakis besitzt neben der griechischen auch die australische Staatsangehörigkeit.

Beruflicher Werdegang als Ökonom

Nach dem Erwerb der Hochschulreife an der Privatschule Moraitis in Athen studierte Varoufakis Wirtschaftsmathematik an der Universität Essex und mathematische Statistik an der Universität Birmingham. Zwischen 1983 und 1985 lehrte er zunächst in Essex, wo er zwei Jahre später mit einer Analyse der Streikaktivitäten von Gewerkschaften in Ökonomie promoviert wurde. Von 1986 bis 1988 war er Fellow und Lehrkraft an der Universität Cambridge. Zudem dozierte er an den Universitäten von East Anglia, Glasgow und Sydney, bevor er im September 2000 als Professor für Ökonomie an die Nationale und Kapodistrias-Universität Athen berufen wurde. Ab 2013 lehrte er als Gastprofessor an der Lyndon B. Johnson School of Public Affairs der Universität Texas in Austin.

Kontakte zur Familie Papandreou

Zugang zur politischen Elite Griechenlands bekam Varoufakis im Alter von 17 Jahren. Bei der Parlamentswahl 1977 wurde mit Petros Moralis ein ehemaliger Mentor von ihm ins griechische Parlament gewählt. Moralis war seinerzeit enger Vertrauter des Parteivorsitzenden der sozialdemokratischen PASOK, des späteren Ministerpräsidenten Andreas Papandreou. Um seinen Förderer an dessen neuer Wirkungsstätte zu erleben, suchte Varoufakis Moralis im Parlament auf. Dabei lernte er auch Papandreou persönlich kennen. Bereits 1975 trat Varoufakis’ Mutter der Griechischen Frauen-Union bei, deren Vorsitz Papandreous Frau Margarita innehatte. Papandreou, promovierter Ökonom an der Harvard University, stellte Varoufakis für seine anstehende Bewerbung ein Empfehlungsschreiben aus. Im Jahr 2000 kehrte Varoufakis nach 23-jährigem Auslandsaufenthalt nach Griechenland zurück.

Als Anfang 2004 Giorgos Andrea Papandreou, der Sohn des 1996 verstorbenen Andreas Papandreou, den Vorsitz der PASOK übernahm, offerierte dieser Varoufakis eine Tätigkeit als Wirtschaftsberater der Partei. Im Dezember 2006 distanzierte sich Varoufakis jedoch von Papandreou, weil er die wirtschaftspolitische Haltung der PASOK nicht mitverantworten wolle. Ab 2007 befasste er sich neben seinen Tätigkeiten an der Universität Athen primär mit der globalen Finanzkrise, die zum Auslöser der griechischen Staatsschuldenkrise wurde.

Als Papandreou sich im April 2010, nachdem er erst wenige Monate zuvor zum Ministerpräsidenten gewählt worden war, an die EU wandte, weil es seiner Regierung nicht gelungen war, der entstandenen Rezession entgegenzuwirken, und der Staat von den Kapitalmärkten so gut wie abgeschnitten war, wurde Varoufakis zu einem seiner schärfsten Kritiker. Die Minister der Eurozone beschlossen in Zusammenarbeit mit dem IWF, für griechische Kredite zu bürgen, im Falle, dass diese festgesetzte Spar- und Reformauflagen umsetzen würden, die durch abgesandte Kontrolleure überwacht werden sollten. Diese Kontrollinstanz wurde später als Troika bekannt. Varoufakis erklärte, sein Land habe kein Liquiditätsproblem, es sei vielmehr schlicht pleite. Die gezahlten Gelder würden das Problem nur in die Zukunft verlagern, jedoch nicht lösen. Die auferlegten Maßnahmen hätten zur Folge, dass die bereits angeschlagene Wirtschaft völlig zum Erliegen komme. Er empfahl stattdessen, geliehene Summen zu reinvestieren. Wichtig war ihm zu betonen, dass sich seine Kritik gegen die Politik von Papandreou richtete und nicht gegen diesen selbst als Person. Varoufakis trat immer häufiger im Fernsehen auf und mit der Anzahl seiner Bewunderer stieg auch die Anzahl seiner Kritiker. Während die einen ihn dafür lobten, dass er auch schwierige Sachverhalte mit einfachen Worten wiedergeben könne, verurteilten ihn andere dafür, dass er sich zu sehr in die Politik einmische, von der er keine Ahnung habe und deren Komplexität er als Ganzes nicht verstehe.

International bekannt wurde Varoufakis durch sein in sechs Sprachen übersetztes Buch The Global Minotaur (deutsch: Der globale Minotaurus) über die Entstehung der Finanzkrise. Er verwendet darin die Metapher der Tribute an den Minotauros für seine zentrale These, dass seit dem Ende des Bretton-Woods-Systems Anfang der 1970er Jahre der größte Teil der Gewinne der deutschen, chinesischen und japanischen Industrie aus Exportüberschüssen in die USA zurückgeflossen sei und damit die stetig wachsende Verschuldung der USA erst ermöglicht habe. Der Verlag Zed Books zitierte die positive Rezeption des Buchs u. a. durch Steve Keen und Terry Eagleton. Als Experte gab Varoufakis immer häufiger Interviews zur Weltwirtschafts- und Eurokrise im nationalen wie internationalen Fernsehen (z. B. auf den Sendern BBC, CNN, Sky News, RT und Bloomberg TV) und in der Presse. Sein Twitter-Account hatte vor seiner Ernennung zum Finanzminister fast 130.000 Follower.

Als im November 2011 der außen- wie innenpolitisch unter Druck geratene Papandreou zurücktrat und damit den Weg für eine Übergangsregierung unter dem Technokraten Loukas Papadimos freimachte, verurteilte Varoufakis diesen Schritt; damit verschärfe die neue Regierung die Austeritätspolitik ihrer Vorgänger. Das neugebildete Kabinett wurde auch von den bis dahin oppositionellen Konservativen unter Andonis Samaras getragen, die zuvor Papandreou für die aufkommende humanitäre Krise persönlich verantwortlich gemacht hatten, nun aber seine Politik fortführten.

Varoufakis selbst war inzwischen zu einer öffentlichen Person geworden. So trat er im Dezember 2011 in der Late-Night-Show Vradi auf und äußerte sich dort auch zu seinem Privatleben. Einige Wochen zuvor hatte er, wie er in einem Blog erwähnte, eine E-Mail erhalten vom Mitbegründer und Geschäftsführer des Softwareunternehmens Valve Corporation, Gabe Newell, der durch einen seiner Aufsätze zur Finanzkrise und seinen Blog auf ihn aufmerksam geworden war. Nach einem persönlichen Treffen bot ihm Newell eine Tätigkeit im Unternehmen an. So wirkte er ab März 2012 zunächst ein Jahr lang als Ökonom und Analyst und ab März 2013 als Berater des Softwareentwicklers. Über die Ergebnisse seiner Forschungen berichtete er in einem hauseigenen Blog. Seine Analysen flossen in Spiele wie Team Fortress 2, Dota 2 oder Counter-Strike: Global Offensive ein und er forschte empirisch über die Vertriebsplattform Steam, die ihren Marktanteil im Oktober 2013 auf 75 % ausweiten konnte. Darüber hinaus widmete er sich wieder der Lehre, ab 2013 als Gastprofessor an der University of Texas.

Auch dort verfolgte Varoufakis das politische Geschehen in Griechenland und berichtete darüber in Beiträgen, unter anderem für die New York Times und Boston Review. In einer seiner Kolumnen erklärte er, warum er und seine Partnerin Griechenland verlassen hätten; er machte die desolaten Umstände an den Fakultäten des Landes mit mehrfachen Gehaltskürzungen und mangelnden Arbeitsperspektiven auch für die Auswanderung vieler Absolventen und Kollegen verantwortlich. Er habe zudem Anfang 2012 mehrmals, telefonisch und schriftlich, anonyme Todesdrohungen erhalten, die sich nicht nur gegen ihn, sondern auch gegen seine Familie sowie seine im Ausland lebende Tochter gerichtet hätten. Seit dem Regierungsantritt von Papadimos war er nicht mehr bei der staatlichen Rundfunk- und Fernsehanstalt ERT zu sehen; er protestierte jedoch im Juni 2013 gegen deren Schließung und bezeichnete den Schritt als „barbarisch“. Hierzu veröffentlichte die Frankfurter Allgemeine Zeitung einige Tage später eine Übersetzung eines Beitrags von Varoufakis mit dem Titel „Warum das Staatsfernsehen ERT nicht sterben darf“.

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