An diesem Tag

Xaver Marnitz

Deutsch-baltischer Propst und evangelischer Märtyrer

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Carl Xaver von Marnitz, verzichtete bei Unterschriften, wie in Livland nicht unüblich, auf das „von“, auch Xaver Karl Marnitz, geschrieben, lettisch Ksavers Marnics beziehungsweise Kārlis Ksavers fon Marnics, auch Iksa genannt (* 9. Augustjul. / 21. August 1855greg. im Pastorat Papendorf bei Wolmar, Gouvernement Livland, Russisches Kaiserreich; † lt. Hinrichtungsurteil am 30. Januar 1919 in der Lettischen SPR, vielleicht im Wald von Biķernieki bei Riga), war ein deutsch-baltischer Pfarrer. Er gilt als evangelisch-lutherischer Märtyrer.

Die Datumsangaben in diesem Artikel richten sich, wenn nicht anders angegeben, für den Zeitraum bis 1918 nach dem julianischen Kalender.

Xaver von Marnitz hatte deutsche Eltern, wuchs aber auf dem Land unter Letten auf, fühlte sich von Jugend an vor allem mit diesen verbunden, ohne seine eigene Herkunft zu verleugnen, und förderte deren Kultur. So war er, ebenso wie der 1905 ermordete Pastor Karl Schilling, der 1906 ermordete Propst Ludwig Zimmermann, die 1919 von Bolschewiki hingerichteten Geistlichen Hans Bielenstein, Alexander Bernewitz, Arnold von Rutkowski, Paul Fromhold-Treu, Christoph Strautmann, Karl Schlau, Eberhard Savary, Eugen Scheuermann und Wilhelm Gilbert und wie die Pastoren Gustav Cleemann und Erwin Gross, die an den Folgen ihrer Gefangenschaft bei den Bolschewiki starben, ordentliches Mitglied der Lettisch-Literärischen Gesellschaft. Diese wurde überwiegend von deutsch-baltischen Pastoren und Intellektuellen getragen. Für die Letten selbst war eine höhere Bildung zur Zeit der kaiserlich-russischen Vorherrschaft noch kaum zugänglich, ihre Kultur führte ein Schattendasein. Marnitz soll in seinem Verhalten keine Standesunterschiede gemacht haben, wie es später in einem Nachruf in der Rigaschen Zeitung hieß, der ihn als „gradsinnig, überzeugungstreu und lebensfrisch“ sowie allgemein geachtet charakterisierte.

Xaver von Marnitz galt als lernschwach, einmal Gelerntes behielt er aber lebenslang im Gedächtnis. Das Reiten und die Arbeit auf dem Acker lagen ihm sehr. Er besuchte zunächst von 1867 bis 1873 das Gymnasium in Pernau, später, von 1873 bis 1876 das Gouvernements-Gymnasium in Riga, das er mit dem Abitur abschloss. Von 1876 bis 1882 studierte er aus Überzeugung heraus Theologie an der Kaiserlichen Universität Dorpat, wo er der Fraternitas Rigensis und von 1877 bis 1878 dem Theologischen Verein Dorpat angehörte. Seine finanziellen Mittel waren gering, er schien aber seine Studentenzeit zu genießen. Er schloss sein Studium als graduierter Student ab und bestand 1882 die Prüfungen vor dem Konsistorium in Riga. 1882 bis 1883 verbrachte er sein Probejahr bei Pastor Auning in Sesswegen in Livland. Nach seiner Ordination am 20. Februar 1883 durch Generalsuperintendent Girgensohn in Riga war er Livländischer Pfarrvikar im Kirchspiel Katlekaln-Olai (lettisch: Katlakalns / Olaine). Von Oktober 1883 bis 1892 war er Pastor in Lasdohn (heute: Lazdonas, Madonas novads). 1883 bis 1889 und 1890 bis 1892 war er zugleich Pastor-Vikar in Stružan-Stirnian im Gouvernement Witebsk (Polnisch-Livland).

Von Marnitz setzte sich für Personen ein, die von der evangelischen zur russisch-orthodoxen Staatskirche konvertiert waren, und nun wieder lutherisch werden wollten. Dies führte naturgemäß zu Reibereien mit der orthodoxen Kirche. So musste er sich mehrmals vor Gericht dafür verantworten, wobei er sich selbst verteidigte. Dabei waren ihm seine Russisch-Kenntnisse dienlich. 1889 wurde er wegen dieser Konflikte für eine gewisse Zeit vom Dienst suspendiert.

Pastor von Uexküll und Kirchholm

1892 wurde Xaver von Marnitz Pastor der mitgliederstarken Gemeinde Uexküll-Kirchholm bei Riga.

1893 wurde er Direktor der Prediger Wittwen- und Waisenkasse des Sprengels Riga.

Am 13. Januar 1893 wurde von Marnitz bei deren 572. Versammlung in Riga in die Gesellschaft für Geschichte und Alterthumskunde der Ostseeprovinzen Rußlands als ordentliches Mitglied aufgenommen.

Ein weiterer Prozess gegen von Marnitz fand am 8. Juli 1893 in nichtöffentlicher Sitzung vor der Delegation des Rigaer Bezirksgerichts in Wenden statt. Die Anklage lautete auf Verstoß gegen die Artikel 193 und 1576 des Strafgesetzbuches, da er orthodoxen Christen die Sakramente gespendet und Mischehen zwischen orthodoxen und anderen Christen ohne vorherige Einsegnung durch einen orthodoxen Geistlichen geschlossen habe. Die Urteilsverkündung erfolgte in öffentlicher Sitzung: von Marnitz wurde für schuldig befunden, gegen die Artikel 193, 1576 und 152 verstoßen zu haben, und für sechs Monate erneut von seinem Amt suspendiert. Ferner hatte er die Gerichtskosten von 25 Rubeln und 74 Kopeken zu tragen. Das Urteil wurde nach Appellation an die Gerichtspalate in Sankt Petersburg durch diese bestätigt; das Rigasche Bezirksgericht erhielt im März 1894 den Bescheid zur Urteilserfüllung.

An Exaudi, dem 5. Maijul. / 17. Mai 1896greg., wurde der Grundstein für die Erweiterung der örtlichen Kirche gelegt; von Marnitz als zuständiger Pastor wird in Text und Unterschrift der darin eingelegten Urkunde erwähnt.

1899 spendete er 23 Rubel an den Damenkreis zur Sammlung von Geldspenden für die Nothleidenden.

1900 wurde er Schulrevident des Kreises Riga.

Aus der großen Industriestadt Riga wurden revolutionäre Überzeugungen nach Uexküll und Kirchholm getragen. Von Marnitz' Gemeindearbeit galt als zuverlässig, wobei er seinem Vater als Seelsorger nacheiferte. Er galt als offen und geradlinig, womit er sich unter Personen mit anderer Weltanschauung Feinde machte. Von Marnitz drückte des Öfteren sein Bedauern über seine hitzige Natur aus. Er hatte anscheinend keine Probleme damit, offen seine Meinung zu sagen.

Auswirkungen der Russischen Revolution von 1905

Während der Russischen Revolution von 1905 wurde Xaver von Marnitz von Revolutionären massiv bedroht, blieb aber trotz äußerster Gefahr bei seiner Gemeinde. Als Freunde ihn zur Flucht überreden wollten, sagte er:

Er hielt täglich Fürbitte für Gemeindemitglieder, welche die Verantwortung für Kirchenschändungen trugen. Viele Nächte verbrachte er im Gebet für seine Gemeinde. In aller Öffentlichkeit wurde er auf der Straße von Revolutionären gefangen genommen und für zwei Tage in Isolationshaft gehalten. Seine Rettung aus dieser und anderen Situationen wurde als Hilfe Gottes gewertet; es kam auch das Gerücht auf, er trage einen Panzer, der ihn vor sämtlichen Hieben und Stichen schütze.

Nach der Ermordung des Propstes Ludwig Zimmermann übernahm er stellvertretend dessen Amt als Propst des Rigaschen Sprengels, da er als standhaft und besonnen galt. Danach wurde er wie andere Landpastoren im September 1906 in Drohbriefen aufgefordert, sein Pastorat zu verlassen; andernfalls werde er ebenfalls getötet. Andere Geistliche, die der Aufforderung nicht nachkamen, bezahlten ihre Entscheidung tatsächlich mit dem Leben (siehe Navigationsleiste). Seine Amtszeit galt als die chaotischste, mit der ein Propst zu kämpfen hatte, seine Arbeit galt aber als mutig und zuverlässig. Von Marnitz erhöhte durch sein Ausharren bei seiner Gemeinde die Zuneigung seiner lettischen Gemeindeglieder, wie der lettische Pastor Behrsing in seiner Laudatio zum 25-jährigen Amtsjubiläum später urteilte (siehe unten). Schreibarbeit schätzte von Marnitz nicht, er war mehr an der Praxis orientiert und stand in dem Ruf, dass seine Urteilsfähigkeit immer den Punkt traf. Die besten Inspirationen für seine Predigten erhielt er bei der Feldarbeit. von Marnitz galt als sehr heimatverbunden.

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