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Xanana Gusmão

Osttimoresischer Politiker (Präsident 2002–2007, Premierminister 2007–2015)

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Kay Rala Xanana Gusmão CNZM (* 20. Juni 1946 als José Alexandre Henriques Gusmão in Laleia, Manatuto/Portugiesisch-Timor) ist ein Politiker aus Osttimor und aktueller Premierminister. Er war von Mai 2002 bis zum 20. Mai 2007 der erste Präsident Osttimors nach der indonesischen Besatzungszeit, von 2007 bis 2015 erstmals Premierminister des Landes und von 2015 bis 2017 in der Regierung Araújo „Beratender Minister“ und Minister für Planung und strategische Investitionen. Am 1. Juli 2023 wurde er zum zweiten Mal als Premierminister vereidigt, als Chef der IX. Regierung Osttimors.

Seit dem 30. April 2007 ist Gusmão Führer der Partei Congresso Nacional da Reconstrução Timorense (CNRT, deutsch Nationalkongress für den timoresischen Wiederaufbau).

Xanana Gusmãos Vorfahren stammen aus den timoresischen Ethnien der Galoli, Makasae und Midiki. Gusmão betonte mehrfach, dass er im Gegensatz zu vielen Führern der Unabhängigkeitsbewegung weder von Portugiesen, noch von adligen Timoresen stammt. Seine Familie seien einfache Bauern gewesen. Seine katholischen Eltern, Antonia Hendrique Gusmão und Manuel Gusmão, erhielten jedoch eine Ausbildung an katholischen Schulen und waren Katecheten. Der Vater starb nach Krankheit mit 83 Jahren in Dili am 24. Dezember 1999. Berichte, er wäre bereits in der Krise 1999 ermordet worden, hatten sich als falsch erwiesen. Von seinem Großvater mütterlicherseits hat Xanana seinen Vornamen: Kai Rala Alexandre Henriques. „Xanana“ leitet sich von der Aussprache des mittleren Teils des Vornamens „Alexandre“ ab und wurde vom Lied Get a job der Gruppe The Silhouettes aus den 1950er Jahren inspiriert. Nach einer anderen Angabe ist der Name von der 1970er Rock-’n’-Roll-Band Sha Na Na übernommen und wird auch so ausgersprochen.

Xanana ist das zweitälteste von sieben Kindern, die das Erwachsenenalter erreicht haben (ein Kind starb) und hat einen Bruder und fünf Schwestern. Der jüngere Bruder Manuel Higino Gusmão ist Präsident der 2017 registrierten Partido Esperança da Pátria (PEP). Auch die Schwester Armandina Maria Gusmão dos Santos ist politisch aktiv und Diplomatin. Ihr Sohn Nilton Gusmão dos Santos ist Unternehmer und Präsident der Liga Futebol Amadora.

In erster Ehe war Xanana Gusmão mit Emilia Baptista verheiratet. Aus dieser Ehe hat Xanana zwei Kinder: seinen Sohn Eugenio und seine Tochter Zenilda. Zenilda ist mit dem hochrangigen Polizeioffizier Pedro Belo verheiratet.

In zweiter Ehe war Gusmão seit 2000 mit der Australierin Kirsty Sword verheiratet und hat mit ihr drei Söhne: Alexandre, Kay Olok und Daniel. 2015 ließen sich Xanana und Kirsty scheiden.

Als Gusmão geboren wurde, war Osttimor noch eine portugiesische Kolonie (Portugiesisch-Timor). Er verbrachte seine Kindheit in seinem Geburtsort Laleia, wo man Galoli spricht, doch Gusmão lernte von seinem Vater Portugiesisch. In Ossu, wo die Familie ab 1952 lebte, ging Gusmão drei Jahre auf die Grundschule von Sta. Teresina, bevor er im Alter von zwölf Jahren auf die Jesuitenschule Nossa Senhora da Fatima in Dare geschickt wurde, die er 1962 aus finanziellen Gründen wieder verließ.

Tagsüber verdiente er sich sein Geld mit Gelegenheitsarbeiten, danach besuchte er die Abendschule des Liceu Dr. Francisco Machado in Dili und machte sein Abitur. 1965 traf er seine zukünftige erste Frau Emilia Batista zum ersten Mal, die ebenfalls 19 Jahre alt war. Unter anderem arbeitete Gusmão als Landvermesser und Lehrer an der Chinesischen Schule in Dili. 1966 erhielt er eine Stelle im öffentlichen Dienst. In der portugiesischen Armee musste Gusmão ab 1968 für drei Jahre Militärdienst leisten und erreichte den Rang eines Korporals. 1970 heiratete er Emilia Batista.

Gusmão beendete seine Armeezeit, sein erster Sohn wurde geboren, und er beteiligte sich in der nationalen Organisation unter Führung von José Ramos-Horta, die friedlich gegen das koloniale System protestierte. Diese Zeit war ein Wendepunkt in seinem Leben. Ab April 1974 arbeitete Xanana Gusmão für die Zeitung A Voz de Timor („Stimme Timors“) und wurde Mitglied der Sozialdemokratischen Partei Osttimors (ASDT), die später in FRETILIN umbenannt wurde. Er übernahm den Posten des stellvertretenden Direktors der Informationsabteilung. Bekannt war Gusmão mehr als Fußballtorwart für den Académica FC und Verfasser kleiner Gedichte, denn als Politiker.

Als Indonesien 1975 Osttimor völkerrechtswidrig besetzte, ging Xanana Gusmão in den bewaffneten Widerstand. 1977 war Gusmão der Adjutant des politischen Kommissars der FRETILIN Abel Larisina und organisierte die Versorgung der Zivilisten in der Widerstandsbasis am Matebian. Im November 1978 wurde die Basis von den Indonesiern zerstört. Im März 1981 wählte ihn eine geheime Nationalkonferenz in Lacluta zum Chef der FALINTIL, als Nachfolger des getöteten Nicolau dos Reis Lobatos. 1988 wurde Gusmão Anführer des neu geformten nationalen Rats des Widerstandes CNRT. Um nicht als parteiisch zu gelten, verließ Gusmão dafür die FRETILIN. Unter seiner Führung vertraute die FALINTIL mehr auf heimliche Untergrundnetzwerke und setzte kleine Gruppen ein, um indonesische Ziele anzugreifen.

Indonesische Truppen (TNI) versuchten am 14. November 1990 in dem Gebiet um Same und Ainaro mit der Operasi Senyum („Operation Lächeln“) Gusmão zu fangen. Vier Tage zuvor war eine Frau gefangen genommen worden, die beim Verhör aussagte, dass sich der Rebellenführer bei einem nahegelegenen Berg aufhielt. Xanana Gusmão konnte aber vermutlich eine Nacht vor dem Angriff entkommen. Nach dem Angriff, bei dem zwölf Bataillone und vier Hubschrauber im Einsatz waren, gab das Militär an, etwa 100 Kämpfer gefunden zu haben. Weiterhin wurde ein Behälter gefunden mit Gusmãos Dokumenten, einer Videokamera und seiner Schreibmaschine. Unter den Dokumenten befanden sich unter anderem Briefe des Papstes und Bischof Belos. Nach einer traditionellen, timoresischen Legende konnten manche Krieger sich in Hunde verwandeln, um ihren Häschern zu entkommen. Das Tetum-Wort für Held asuwain bedeutet in etwa „wie ein Hund“. Diesen Mythos aufgreifend verbreitete sich die Legende, auch Gusmão könne sich in einen weißen Hund verwandeln und so unbemerkt im Dorf herumlaufen, während die indonesischen Soldaten ihn suchen.

Am 20. November 1992 wurde Gusmão schließlich bei einer großangelegten Aktion des indonesischen Militärs mit 40.000 Soldaten im Haus der Familie von Aliança Araújo in Lahane bei Dili gefangen genommen und nach Bali gebracht. Im indonesischen Fernsehen war am 25. November ein Interview mit ihm zu sehen. Ein Jahr später, im Mai 1993, wurde er zu seinem Gerichtsverfahren zurück nach Dili gebracht. Nur Minuten nach dem Start seiner 27-seitigen Verteidigungsrede am 17. Mai unterbrach ihn der Richter mit der Aussage, dass seine Verteidigung „irrelevant“ sei. Das Gericht verurteilte Gusmão zu lebenslanger Haftstrafe. Er wurde in das Hochsicherheitsgefängnis Cipinang nach Jakarta gebracht.

Später wurde Gusmão unter Hausarrest in der indonesischen Hauptstadt Jakarta gestellt. Es gelang ihm aber, aus der Gefangenschaft heraus, über seine spätere neue Frau Kirsty Sword, eine wichtige Rolle als Führer im Widerstand gegen die indonesische Besatzung zu spielen. Nach dem erfolgreichen Unabhängigkeitsreferendum in Osttimor 1999 bot das Vereinigte Königreich Gusmão politisches Asyl an. Der Xanana Room in der britischen Botschaft in Jakarta erinnert heute daran. Noch im selben Jahr kam Gusmão frei und kehrte noch im Oktober nach Osttimor zurück. Kurz darauf ließ er sich von seiner ersten Frau Emilia nach 28 Jahren Ehe scheiden.

1999 wurde Xanana Gusmão zum Sprecher des National Consultative Council (NCC) gewählt, einer Art Übergangsparlament während der UN-Verwaltung Osttimors. Am 23. Oktober 2000 wurde Gusmão auch Sprecher des nachfolgenden National Council (NC).

Gusmão gewann am 14. April 2002 souverän die Präsidentschaftswahl mit 82,7 % gegen seinen Gegenkandidaten Francisco Xavier do Amaral und wurde damit am 20. Mai 2002 zum ersten Präsidenten des unabhängigen Osttimors. Während der Unruhen in Osttimor 2006 kam es zum Machtkampf zwischen Gusmão und dem damaligen Premierminister Marí Alkatiri, wobei sich Alkatiri auf die Polizei (PNTL) und Gusmão auf die Unterstützung des größten Teils der Armee stützen konnte. Alkatiri war unter den Verdacht geraten, Zivilisten zur Beseitigung politischer Gegner bewaffnet zu haben. Gusmão forderte Alkatiri zum Rücktritt auf und drohte ansonsten mit seinem eigenen. Schließlich gab Alkatiri auf und legte sein Amt nieder. Nachfolger wurde Gusmãos politischer Freund José Ramos-Horta, der Gusmão 2007 auch im Amt als Staatspräsident folgte.

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