An diesem Tag

Wolfgang Wodarg

Deutscher Arzt und Politiker (Die Basis, SPD), MdB

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Wolfgang Wodarg (* 2. März 1947 in Itzehoe) ist ein deutscher Internist, Sozial- und Umweltmediziner sowie Politiker (dieBasis, vorher SPD).

Wodarg war von 1994 bis 2009 Abgeordneter der SPD-Fraktion im Bundestag. Als Europapolitiker war er für Fragen der Sicherheit, Medizin und Gesundheit zuständig und initiierte eine Untersuchung des Europarates zur Pandemie H1N1 2009/10.

Seine Stellungnahmen während der COVID-19-Pandemie in Deutschland stießen bei Wissenschaftlern, Politikern und Medien auf breite Kritik: Wodarg verharmlose Charakter und Wirkungen der Pandemie. Im Jahr 2021 trat Wodarg aus der SPD aus und in die Partei dieBasis ein, für die er als Spitzenkandidat bei der Bundestagswahl 2021 in Mecklenburg-Vorpommern und im Bundestagswahlkreis Mecklenburgische Seenplatte I – Vorpommern-Greifswald II als Direktkandidat kandidierte. Das Ergebnis (Wodarg/Erststimmen 2,2 %, Partei/Zweitstimmen 1,9 %) überschritt nicht die Fünf-Prozent-Hürde.

Nach dem Abitur im Jahr 1966 studierte Wodarg Medizin und Sozialpädagogik in Hamburg und Berlin. Im Rahmen seiner Ausbildung erlernte er Gesprächspsychotherapie (nach Tausch) und arbeitete als Medizinalassistent und Stationsarzt, u. a. im Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg. 1973 erhielt er seine Approbation als Arzt. Anschließend war Wodarg zunächst als Schiffsarzt tätig und ließ sich nach einer Forschungsreise nach Südamerika als Hafenarzt in Hamburg nieder. 1974 erfolgte seine Promotion zum Dr. med. an der Universität Hamburg mit der Arbeit Psychische Krankheiten der Seeleute. Untersuchung über Selbsttötung, Alkoholismus und andere wichtige psychiatrische Erkrankungen. Von 1975 bis 1979 arbeitete er als Lehrer an der Krankenpflegeschule des Allgemeinen Krankenhauses Hamburg-Wandsbek (heute Asklepios Klinik Wandsbek). Seine internistische und pneumologische Facharztausbildung absolvierte er im AK Wandsbek und in der Lungen-Fachklinik Großhansdorf.

Wodarg besitzt insgesamt drei Facharztqualifikationen: Facharzt für Innere Medizin und Pneumologie, Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin und Facharzt für Öffentliches Gesundheitswesen – Sozialmedizin.

Im Jahr 1981 übernahm er die Leitung des Gesundheitsamts der Stadt Flensburg, wo er bis 1994 als Amtsarzt arbeitete. Dort leitete er unter anderem die reisemedizinische Beratungsstelle, die Gelbfieberimpfstelle und die AIDS-Beratung sowie die Abteilung Lungen- und Bronchialheilkunde. 1982 stellte Wodarg den Hochstapler Gert Postel ein, der sich als Psychiater ausgab und eine Stelle als stellvertretender Amtsarzt erhielt, diese aber wegen einer geplanten Versetzung nach wenigen Monaten kündigte. 1983 ließ Wodarg sich an der Akademie für Öffentliches Gesundheitswesen in Düsseldorf zum Facharzt für Öffentliches Gesundheitswesen weiterbilden. Von 1985 bis 1986 besuchte er die Akademie für Arbeitsmedizin in Berlin.

Ab 1985 war er Dozent für Gesundheitspädagogik an der Pädagogischen Hochschule Flensburg und unterrichtete Medizin und Arbeitsschutz für Schiffsoffiziere an der Fachhochschule Flensburg. In dieser Zeit entwickelte er eine Gesundheitsverträglichkeitsprüfung als Teil der kommunalen Umweltverträglichkeitsprüfung und war von 1986 bis 2003 Vorsitzender des Fachausschusses Gesundheitlicher Umweltschutz bei der Ärztekammer Schleswig-Holstein, wo er die Erarbeitung eines Curriculums für Umweltmedizin koordinierte. Von 1985 bis 1994 gehörte er den Prüfungsausschüssen für Umweltmedizin, Lungen- und Bronchialheilkunde und für Sozialmedizin der Ärztekammer an. Wodarg führte Lehrveranstaltungen an der Charité Berlin sowie an weiteren europäischen Hochschulen zu verschiedenen medizinethischen und sozialmedizinischen Themen durch.

Im Jahr 1991 erhielt er ein Stipendium des DAAD für eine Weiterbildung in Epidemiologie und Gesundheitsökonomie an der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore (USA). Während dieser Zeit vertiefte er seine Kenntnisse in der Evaluation von Gesundheitsmaßnahmen, HTA und in epidemiologischer Methodik.

Seit 1972 ist Wodarg Mitglied der ÖTV/Ver.di, Personalrat im Krankenhaus Hamburg-Wandsbek und war ab 1988 Mitglied der SPD. Von 1986 bis 1998 gehörte er dem Gemeinderat seines Heimatortes Nieby an. In den Jahren 1992 bis 2002 gehörte er dem Vorstand des SPD-Kreisverbandes Schleswig-Flensburg an. Vom 19. November 2005 bis zum 1. Dezember 2007 war Wodarg Vorsitzender des SPD-Kreisverbandes Flensburg.

Nachdem Wodarg schon seit 1990 dem Bundesvorstand der Arbeitsgemeinschaft der Sozialdemokraten im Gesundheitswesen angehörte, wurde er 1994 zum stellvertretenden Bundesvorsitzenden und 2002 zum Vorsitzenden des Bundesausschusses gewählt.

Wodarg zog 1994 über die Landesliste Schleswig-Holstein und danach stets als direkt gewählter Abgeordneter des Wahlkreises Flensburg – Schleswig in den Bundestag ein. Als Mitglied des Deutschen Bundestages war Wodarg von 1999 bis 2005 in der 14. und 15. Legislaturperiode Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion in der Enquête-Kommission Recht und Ethik (bis 2002) bzw. Ethik und Recht der modernen Medizin und verfasste Berichte zu den Themen Patientenverfügung, Organlebendspende, ethische Prinzipien der medizinischen Versorgung (Allokations-Ethik), Priorisierung im Gesundheitswesen, Gen-Diagnostik, ethische Fragen der Medizin am Lebensanfang, am Lebensende und in der Forschung, Patentierung von Genen, Lebewesen oder deren Teilen, Kommerzialisierung der Organ- und Gewebespenden.

Während seiner Tätigkeit im Ausschuss für „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“ von 2005 bis 2009 war Wodarg Berichterstatter für alle gesundheitsbezogenen Themen, für den zentralafrikanischen Raum und EU-Berichterstatter für den AWZ mit folgenden Schwerpunkten zuständig: Maßnahmen im weltweiten Kampf gegen HIV/Aids, Malaria, Tuberkulose und vernachlässigten Krankheiten in den armen Ländern (Gesundheit und Armut), Zugang zu Medikamenten und gesundheitlichen Hilfe für alle, Bevölkerungspolitik, regenerative Energie in Entwicklungsländern, Mikrokredite, Menschenrechtsfragen, Trinkwasserversorgung und -sicherheit, Krisenprävention, die Rolle der Gewaltökonomien und des wachsenden Marktes für Militär und Sicherheitsfirmen, Zusammenarbeit mit den in diesen Feldern aktiven staatlichen und nicht-staatlichen Organisationen.

Zudem war er in den Ausschüssen für „Landwirtschaft, Ernährung und Verbraucherschutz“, „Angelegenheiten der Europäischen Union“, stellvertretend im Umweltausschuss sowie Sprecher für Fragen der Minderheiten im deutsch-dänischen Grenzgebiet. Bei der Bundestagswahl 2009 unterlag er im Wahlkreis Wolfgang Börnsen (CDU), so dass er dem 17. Deutschen Bundestag nicht mehr angehörte.

Ab 1999 gehörte Wodarg auch der Parlamentarischen Versammlung des Europarates an. In den Jahren 2002 bis 2010 war er dort stellvertretender Vorsitzender der sozialistischen Fraktion, ab 2006 Sprecher der deutschen Sozialdemokraten, von 2006 bis 2010 stellvertretender Leiter der deutschen Delegation und wurde dadurch nach seinem Ausscheiden automatisch Ehrenmitglied.

Er war Vorsitzender des Unterausschusses Gesundheit, stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für Kultur, Bildung und Wissenschaft, Mitglied im Politischen Ausschuss und Vertreter der Parlamentarischen Versammlung des Europarates im CDBI (Comité Directeur pour la Bioéthique) und im North-South-Center (Lissabon). Wodargs Berichterstattungsthemen im Europarat waren: die Entwicklung der grünen Gentechnik in den Staaten des Europarates, Palliativmedizin in Europa, Sterbehilfe, Bioethik-Konvention und Zusatzprotokolle, nationale und internationale Regeln für private Militär- und Sicherheitsfirmen, Einrichtung eines europaweiten Medien-Monitoring und weitere Einzelthemen. Er war der Initiator der Untersuchungen des Europarates zur Pandemie H1N1 2009/10 zur Rolle der Impfstoff-Hersteller und der WHO.

Politische Themen und Schwerpunkte während des Mandates (1994 bis 2010):

In dieser Zeit war Wodarg Berichterstatter bei zahlreichen gesundheitspolitischen Projekten; z. B.: Infektionsschutzgesetz, Transplantationsgesetz, mehrere Gesundheitsreformgesetze, Gendiagnostikgesetz, Stammzellgesetz, Gesetz zur Patientenverfügung, Europäische Dienstleistungsrichtlinie, Arzneimittelgesetz, Umsetzung der EU-Biopatent-Richtlinie und Themen wie HIV/AIDS, Prävention, Epidemiologie, gesundheitlicher Umweltschutz, Infektionsschutz (BSE, Influenza und andere Viruserkrankungen, Tierseuchen, Antibiotika-Resistenzen) und in Fragen der Gen-Technik: enge und kontinuierliche Zusammenarbeit mit dem Landwirtschaftsausschuss. Des Weiteren war er EU-Berichterstatter für die SPD-Fraktion von 1998 bis 2009.

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