Wolfgang Würfel (* 31. März 1932 in Leipzig; † 26. Januar 2025 in Berlin) war ein deutscher Grafiker, Illustrator und Maler.
Die Familie Würfels zog nach dem Zweiten Weltkrieg aus Leipzig nach Plaue, wo sein Vater als Gutsverwalter arbeitete. Würfel besuchte die Grund- und Mittelschule in Flöha. Von 1946 bis 1949 absolvierte er eine Lehre im Malerhandwerk und schloss mit der Gesellenprüfung ab. Nebenher ging er zum abendlichen Aktzeichnen zur Volkshochschule in Chemnitz.
1949 wurde er an der Kunsthochschule Dresden (heute: Hochschule für Bildende Künste Dresden) angenommen. Das Studium konnte er aber aus finanziellen Gründen nicht aufnehmen, weil er wegen seiner „bürgerlichen“ Herkunft kein Stipendium bekam. Von 1950 bis 1955 studierte er an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee Hochschule für Gestaltung bei Arno Mohr und Ernst Rudolf Vogenauer. Hier belegte er auch Gastvorlesungen bei Werner Klemke, der ihn zur Illustration und den grafischen Techniken, wie Holzstich, anregte. Ab 1951 arbeitete Würfel erstmals im Rahmen der Weltfestspiele der Jugend für die DEWAG. Dort wurde er mit gebrauchsgrafischen Arbeiten betraut, womit er sein Studium finanzieren konnte. 1955 beendete er sein Studium mit einer Diplomarbeit zu Lion Feuchtwanger und begann eine freiberufliche Tätigkeit als Maler und Grafiker. Von 1977 bis 2023 lebte Wolfgang Würfel in Glienicke/Nordbahn und seitdem in Berlin-Oberschöneweide.
Würfel war einer der produktivsten Buchgraphiker der DDR. Er illustrierte über 200 Bücher mit Belletristik, Kinderbücher, Schul- und Lehrbücher. Dabei bediente er sich vor allem der Techniken des Holzstichs, der Schabkunst, Ölgrafik und Federzeichnung. Von 1968 bis 1991 illustrierte er um die tausend Feuilletons von Heinz Knobloch, die unter der Rubrik „Mit beiden Augen“ in der Wochenpost erschienen. Für den Progress-Filmvertrieb entwarf er Filmplakate.
Würfel war bis 1990 Mitglied des Verbands Bildender Künstler der DDR.
Er war zwei Mal verheiratet. Aus der ersten Ehe hatte er zwei Töchter und aus der zweiten Ehe einen Stiefsohn.
1971: Goldmedaille für Illustration Internationale Buchkunst-Ausstellung, Leipzig
1976: Certificate of Honor „Hans Christian Andersen“
1987: Hans-Baltzer-Preis des Kinderbuchverlags für Illustration
1962, 1963, 1965, 1968, 1971, 1972, 1975, 1976, 1979 und 1983: Ehrung im Wettbewerb Schönste Bücher der DDR
Gottfried August Bürger: Wunderbare Reisen zu Wasser und Lande des Freyherrn von Münchhausen. Aufbau-Verlag, Berlin, 1958
Erich Kästner: Die verschwundene Miniatur oder auch Die Abenteuer eines empfindsamen Fleischermeisters. Eulenspiegel Verlag, Berlin, 1965
Hanna-Heide Kraze: Heimliche Briefe. Union-Verlag, Berlin, 1965
Moritz August von Thümmel: Wilhelmine. Ein prosaisch-komisches Gedicht. Union-Verlag, Berlin, 1966
Theodor Storm: Renate. Historische Novellen. Buchverlag der Morgen, Berlin, 1966
Gottfried Keller: Das Sinngedicht. Verlag Neues Leben, Berlin, 1970
Werner Heiduczek: Mark Aurel oder ein Semester Zärtlichkeit. Verlag Neues Leben, Berlin, 1971
Heinz Knobloch: Rund um das Buch. Offizin Andersen Nexö, Leipzig, 1974 (Minibuch in zwei Bänden)