Wolfgang Schwabenicky (* 4. Juli 1940 in Mittweida; † 28. September 2025) war ein deutscher Pädagoge, Chorleiter, Historiker, Archäologe, Bauforscher und Denkmalpfleger. Er gilt als einer der bedeutendsten Bergbauarchäologen Mitteleuropas.
Schwabenicky war zunächst Lehrer für Musik und für Chemie an der Oberschule II/Maxim-Gorki-Oberschule in Hainichen, in den späten 1980er Jahren auch an der Erweiterten Oberschule "Ernst Schneller" in Frankenberg/Sa. Zudem leitete er über Jahrzehnte hinweg eine Schülerarbeitsgemeinschaft "Ur- und Frühgeschichte", die auch die ältere Abteilung des Stadtmuseums Mittweida betreute, und er war Leiter mehrerer Kinder- und Jugendchöre. Bereits frühzeitig stand Schwabenicky in Kontakt mit dem Landesmuseum für Vorgeschichte Dresden, das für die staatliche Bodendenkmalpflege in den Bezirken Dresden, Leipzig und Karl-Marx-Stadt zuständig war. Im Jahre 1966 wurde Schwabenicky zum ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger ernannt und 1970 in den Bezirksfachausschuss für Ur- und Frühgeschichte Karl-Marx-Stadt in der Gesellschaft für Heimatgeschichte des Kulturbundes der DDR berufen, deren Vorsitzender er schließlich im Jahr 1985 wurde.
Der Kontakt zum Landesmuseum für Vorgeschichte Dresden hatte sich intensiviert, nachdem am 2. Januar 1963 am Markt in Mittweida fünf Häuser abgebrannt waren und Wolfgang Schwabenicky unter Anleitung von [[Heinz-Joachim Vogt]] die Erdarbeiten zur Wiederbebauung 1964/65 baubegleitend archäologisch betreute. Die erste größere eigene Grabung Schwabenickys war die Untersuchung der Wasserburg Beerwalde 1967 bis 1970, die als eine der ganz wenigen derartigen Anlagen in Mitteldeutschland vollständig publiziert worden ist. Kleinere Untersuchungen, so wiederholt im Mittweidaer Stadtkern und auf Burg Kriebstein, schlossen sich an.
Zwischen 1977 und 1996 fanden unter maßgeblicher Mitwirkung Wolfgang Schwabenickys umfangreiche archäologische Ausgrabungen auf dem Treppenhauer bei Frankenberg/Sa. statt. Freigelegt wurden u. a. zahlreiche Überreste der umwallten Bergstadt Bleiberg, die in Quellen des 14. Jahrhunderts zweimal erwähnt wurde und heute als Bodendenkmal geschützt ist. In Bleiberg wurden von 1250 bis etwa 1350 silberhaltige Erze in großer Menge abgebaut. Wegen dieser Untersuchungen gilt er als Nestor der Montanarchäologie in Sachsen und er war einer der bedeutendsten Bergbauarchäologen in Mitteleuropa.
1988 gründete Schwabenicky die „Kreisarbeitsstelle für Bodendenkmalpflege Mittweida“. 1992 wurde er an der Humboldt-Universität zu Berlin über die Ausgrabungsergebnisse auf dem Treppenhauer promoviert. Der Titel seiner Dissertation lautet Der mittelalterliche Silber-, Blei- und Kupferbergbau im mittleren und westlichen Erzgebirge sowie im Erzgebirgsvorland unter besonderer Berücksichtigung der Grabungsergebnisse vom Treppenhauer bei Sachsenburg.
Seit dem Amtsantritt Judith Oexles als Landesarchäologin 1993 wendete sich Wolfgang Schwabenicky verstärkt der Bauarchäologie und Baugeschichte zu. Zahlreiche Untersuchungen an Bürgerhäusern vor allem in Mittweida und an den Dorfkirchen in Auerswalde, Breitenborn, Göhren, Niederrossau, Sachsenburg und Tanneberg sowie an der Stadtkirche in Mittweida sind die Früchte dieser Arbeit. Besondere Beachtung haben weiterhin die bauarchäologischen Untersuchungen an Bauernhäusern im Kreis Mittweida verdient, in deren Folge erstmals ein naturwissenschaftlich abgesichertes Entwicklungsschema für die ländliche Fachwerkarchitektur von der Mitte des 16. Jahrhunderts bis in das 19. Jahrhundert hinein in einem kleinen Gebiet Sachsens entstand.
Zu den wichtigsten Untersuchungen seiner letzten Wirkungsjahre gehörte die archäologische und bauarchäologische Untersuchung des Schlosses Sachsenburg von 2002 bis 2009, in deren Folge eine umfassende Baumonographie entstand. Gemeinsam mit dem Kuratorium Schloß Sachsenburg e. V. setzte sich Schwabenicky für die Sicherung und Sanierung der Substanz von Schloss Sachsenburg ein, wobei er die Bauarbeiten mit intensiven Bauuntersuchungen begleitet. Seit dem Eintritt in den Ruhestand widmete sich Schwabenicky den von ihm vorgenommenen und bis dahin unpublizierten Ausgrabungen und Bauuntersuchungen.
Wenige Tage vor seinem Tod vollendete er sein Buch Mittweida bis um 1700. Forschungen zu 600 Jahren Stadtgeschichte. Dieses Werk wurde im Jahre 2026 postum herausgegeben.
Wolfgang Schwabenicky war Mitorganisator der regelmäßigen Veranstaltung Saxonia Cantat auf Schloss Sachsenburg sowie auch nach seinem aktiven Schuldienst Leiter verschiedener Chöre, wie der Singevereinigung „Vivat canticum“ Altmittweida e. V. und dem Ensemble „Cantemus“ in Mittweida.
Anlässlich seines 65. Geburtstages erhielt er 2005 vom Landrat die 1. Ehrenurkunde des Landkreises Mittweida verliehen.
Ferner wurde ihm 2005 der Andreas-Möller-Geschichtspreis der Stiftung für Kunst und Kultur der Kreissparkasse Freiberg zuerkannt.
Im Jahre 2010 wurde ihm von der Stiftung Pro Archaeologia Saxoniae der Werner-Coblenz-Preis verliehen.
Im Jahre 2017 erhielt der den Denkmalschutzpreis des Landkreises Mittelsachsen.
Die hochmittelalterliche Wehranlage „Waal“ in Beerwalde, Kr. Hainichen. In: Arbeits- und Forschungsberichte zur sächsischen Bodendenkmalpflege 24/25, 1982, S. 311–382.
Die Entstehung und Entwicklung der Stadt Mittweida vom 12. bis zum 17. Jahrhundert. (= Historische Serie des Kreises Hainichen, Heft 3), Mittweida 1987.
Ergebnisse der Stadtkernforschung in Mittweida. In: Arbeits- und Forschungsberichte zur sächsischen Bodendenkmalpflege 31, 1987, 325–368.
Die mittelalterliche Bergbausiedlung auf dem Treppenhauer bei Sachsenburg (Kr. Hainichen). Ein Vorbericht. In: Arbeits- und Forschungsberichte zur sächsischen Bodendenkmalpflege 32, 1988, S. 237–266.
(zusammen mit Uwe Richter) Die Geschichte von Hainichen und Umgebung bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts. (= Historische Serie des Kreises Hainichen, Heft 4) Hainichen 1988.