Wolfgang Schmidbauer (* 15. Mai 1941 in München) ist ein deutscher Psychologe, Psychoanalytiker und Schriftsteller.
Wolfgang Schmidbauer wurde als zweiter Sohn des Juristen im Staatsdienst Eduard Schmidbauer und der Lehrerin Elisabeth Schmidbauer, geborene Günther, geboren. Der Vater starb 1944 im Zweiten Weltkrieg in der Ukraine. Schmidbauer selbst äußerte 2024, dass dieser frühe Verlust seine eigene Vaterrolle geprägt habe. Er habe diese Rolle von seinen Kindern gelernt. Schmidbauer wuchs an verschiedenen Orten in Bayern auf.
Auf einer Exkursion lernte Schmidbauer 1964 seine erste Ehefrau Silke kennen, die 2005 starb. Er hat drei Töchter und lebt in München und in Dießen am Ammersee.
Von 1960 bis 1966 studierte Schmidbauer Psychologie an der LMU München. 1970 wurde er bei Albert Görres in München mit der Arbeit „Mythos und Psychologie – Methodische Probleme, aufgezeigt an der Ödipussage“ promoviert.
Seit 1973 arbeitet Schmidbauer neben seiner Tätigkeit als Autor in freier Praxis als analytischer Einzel- und Gruppentherapeut und Supervisor. 1977 publizierte er den Bestseller Die hilflosen Helfer – ein Werk, das auch aktuell noch rezipiert wird – und prägte darin den Begriff „Helfersyndrom“. Er war außerdem einer der ersten Kritiker der Konsumgesellschaft aus ökologisch-psychologischer Sicht (Homo consumens, 1972; Jetzt haben, später zahlen, 1995). Schmidbauer gehört zu den aktivsten Fachschriftstellern in Deutschland.
Von 1976 bis 1980 hatte er einen Lehrauftrag für Klinische Psychologie an der LMU München. 1986 nahm er eine Gastprofessur für Psychoanalyse an der Gesamthochschule Kassel wahr.
Er ist Ehrenvorsitzender der Gesellschaft für analytische Gruppendynamik, in der Gruppenleiter, Supervisoren und Familientherapeuten ausgebildet werden, und Lehranalytiker der Münchner Arbeitsgemeinschaft für Psychoanalyse.
Mythos und Psychologie. Methodische Probleme, aufgezeigt an der Oedipus-Sage. Reinhardt, München 1970; 2., aktualisierte und erweiterte Auflage 1999, ISBN 3-497-01481-8 (Dissertation, Universität München, 1970).
Psychotherapie. Ihr Weg von der Magie zur Wissenschaft. Nymphenburger, München 1971; Neuausgabe: Vom Umgang mit der Seele. Ebd. 1998; Fischer, Frankfurt am Main 2000, ISBN 3-596-14696-8; vollständig überarbeitete Neuausgabe: Die Geschichte der Psychotherapie: Von der Magie zur Wissenschaft. Herbig, München 2012, ISBN 978-3-7766-2705-3.
Handbuch der Rauschdrogen (mit Jürgen vom Scheidt). Nymphenburger, München 1971; überarbeitete und erweiterte Neuausgabe: Fischer, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-596-16277-7.
Homo consumens. Der Kult des Überflusses. DVA, Stuttgart 1972, ISBN 3-421-02637-8.
Sensitivitätstraining und analytische Gruppendynamik. Piper, München 1973, ISBN 3-492-00356-7.
Emanzipation in der Gruppe. Piper, München 1974, ISBN 3-492-00381-8.
Vom Es zum Ich. Evolution und Psychoanalyse. List, München 1975; Neuausgabe: Leutner, Berlin 2005, ISBN 978-3-934391-28-4.
Die hilflosen Helfer. Über die seelische Problematik der helfenden Berufe. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1977, ISBN 3-498-06123-2.
Alles oder nichts. Über die Destruktivität von Idealen. Rowohlt, Reinbek 1980, ISBN 3-498-06142-9.
Helfen als Beruf. Die Ware Nächstenliebe, Rowohlt, Reinbek 1983, ISBN 3-498-06159-3.
Die Angst vor Nähe. Rowohlt, Reinbek 1985, ISBN 3-498-06177-1.