Wolfgang Joachim Kubicki (Aussprache [kuˈbɪki]; * 3. März 1952 in Braunschweig) ist ein deutscher Politiker (FDP) und Rechtsanwalt. Seit Mai 2026 ist er Bundesvorsitzender seiner Partei.
Er war von 1990 bis 1992 sowie von 2017 bis 2025 Mitglied des Deutschen Bundestages und von 2017 bis 2025 dessen Vizepräsident. Von 1992 bis 2017 war er Abgeordneter im Landtag Schleswig-Holsteins, wo er mit Ausnahme der Zeit zwischen 1993 und 1996 den FDP-Fraktionsvorsitz innehatte.
Wolfgang Joachim Kubicki wurde 1952 im Braunschweiger Stadtteil Lehndorf als jüngstes von drei Kindern eines Angestellten und einer Verkäuferin in eine evangelisch geprägte Mittelschichtfamilie geboren. Nach dem Abitur 1970 an der Hoffmann-von-Fallersleben-Schule in Braunschweig studierte Kubicki Volkswirtschaftslehre an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, wo Peer Steinbrück zu seinen Kommilitonen gehörte. Das Studium schloss er 1975 als Diplom-Volkswirt ab. Er arbeitete anschließend zuerst für eine Unternehmensberatung, dann bis 1981 für ein Steuerberatungsbüro und von 1981 bis 1983 als wissenschaftlicher Mitarbeiter für die FDP-Fraktion im schleswig-holsteinischen Landtag.
Neben seiner beruflichen Tätigkeit absolvierte Kubicki ab 1975 ein Studium der Rechtswissenschaft an der Universität zu Kiel, das er 1983 mit dem ersten juristischen Staatsexamen abschloss. Er war von 1983 bis 1985 Rechtsreferendar und schloss 1985 das zweite juristische Staatsexamen ab. Seitdem ist er als Rechtsanwalt zugelassen und übt diesen Beruf als Steuerstrafverteidiger neben seinem Abgeordnetenmandat weiter aus. In den 1980er Jahren betrieb Kubicki nebenberuflich eine Kneipe in Kiel.
Er ist langjähriges Mitglied im Beirat der Deutsch-Arabischen Gesellschaft.
Nach seinem Ausscheiden aus dem Bundestag im Mai 2025 wurde Kubicki ehrenamtlich Geschäftsführer der Deutsche Pfandlotterie gGmbH. Er hält seitdem außerdem vier Prozent der Gesellschaftsanteile der Firma.
Kubicki ist seit 1997 in dritter Ehe mit der Strafverteidigerin Annette Marberth-Kubicki verheiratet.
Er ist Vater erwachsener Zwillingstöchter aus seiner zweiten Ehe und wohnt in Strande bei Kiel. In Santa Ponça auf Mallorca unterhält er eine Nebenwohnung, daheim an der Kieler Förde eine Motoryacht.
Jörn Kubicki (1965–2020), der verstorbene Lebenspartner von Klaus Wowereit, war ein Cousin zweiten Grades von Wolfgang Kubicki.
Kubicki trat 1971 als 19-jähriger VWL-Student in die FDP ein. 1972/73 war er stellvertretender Bundesvorsitzender des Liberalen Hochschulverbandes und 1975/76 Landesvorsitzender der Jungdemokraten in Schleswig-Holstein. Anschließend wurde Kubicki erstmals 1976 in den Landesvorstand der FDP Schleswig-Holstein gewählt, dem er bis 1988 angehörte, zuletzt als stellvertretender Landesvorsitzender.
Von 1987 bis 1989 war er Vorsitzender des FDP-Kreisverbandes Rendsburg-Eckernförde. Dieses Amt gab er nach seiner Wahl zum Landesvorsitzenden am 9. September 1989 auf. Im September 1993 trat Kubicki im Zuge der Affäre um die Deponie Schönberg als Landesvorsitzender zurück. Als Landesvorsitzender war Kubicki auch im Bundesvorstand der Liberalen. Seit 1997 ist er dies erneut. Zudem war er Spitzenkandidat seiner Partei bei den Landtagswahlen 1992, 2000, 2005, 2009, 2012 und 2017. Er galt nach der langjährigen Ministerpräsidentin Heide Simonis als der bekannteste Politiker des nördlichsten Bundeslandes. Kubicki war ein öffentlich bekennender Freund Jürgen W. Möllemanns, der 2003 bei einem Fallschirmsprung verstarb. Beide waren auch die geistigen Urheber der damaligen Strategie der FDP, der Strategie Projekt 18.
Kubicki setzte sich seit dem Jahre 2000 dafür ein, dass Guido Westerwelle von der FDP zu ihrem Bundesvorsitzenden gewählt und Fraktionsvorsitzender der FDP-Bundestagsfraktion werde. Westerwelle drängte seinerzeit damit Wolfgang Gerhardt aus beiden Positionen. Mitte Dezember 2010 sprach sich Kubicki öffentlich für die Ablösung Westerwelles als Parteivorsitzender der FDP aus. Er verglich die Situation der FDP mit der Spätphase der DDR und gab der Parteispitze die Schuld an den Umfrageergebnissen unter 5 %.
Bei der Landtagswahl 2012 erhielt die FDP mit Kubicki als Spitzenkandidat ein Ergebnis von 8,2 Prozent der Zweitstimmen. Dies war zwar ein deutlicher Verlust gegenüber der Landtagswahl 2009, als 14,9 Prozent erreicht wurden, aber dennoch das zweitbeste in Schleswig-Holstein erzielte Wahlergebnis. Zuvor war die FDP aus sechs Landesparlamenten ausgeschieden. Daher galt das Ergebnis als außerordentlicher Erfolg, den man vor allem Kubicki zuschrieb („Kubicki-Effekt“). In Umfragen erreichte er 54 Prozent Zuspruch der Wahlbevölkerung Schleswig-Holsteins (im Vergleich zu 18 Prozent für Philipp Rösler) und 63 Prozent sahen große Unterschiede zwischen Landes- und Bundes-FDP. Obwohl Kubicki nie mit Kritik an der Bundespolitik seiner eigenen Partei gespart hatte, betonte er bereits in der Wahlsendung des ZDF, dass dieses als Wahlsieg empfundene Ergebnis gerade auch ein Erfolg für die Bundespartei sei. Damit trat er zuvor öffentlich aufgekommenen Putschgerüchten gegen den Vorsitzenden der Bundes-FDP Philipp Rösler noch vor Ablauf des Wahlabends klar entgegen. Im August 2012 kündigte Kubicki an, bei der Bundestagswahl 2013 als Spitzenkandidat der FDP Schleswig-Holstein antreten zu wollen.
Auf dem FDP-Bundesparteitag 2013 wurde Kubicki als Beisitzer im Bundespräsidium Nachfolger des damaligen Entwicklungsministers Dirk Niebel, der bereits im ersten Wahlgang ausschied. Kubicki gewann dann in einer Kampfabstimmung gegen Gesundheitsminister Daniel Bahr. Der Außerordentliche Parteitag der FDP im Dezember 2013 wählte Kubicki mit 89,87 % der Stimmen zum 1. Stellvertreter des neuen Parteivorsitzenden Christian Lindner. Hier wurde er mehrmals im Amt bestätigt, darunter auf dem Parteitag 2015 mit 94,2 % der Stimmen und 2017 mit 92,29 %. sowie zuletzt 2023 mit 72 % und 2025 mit 69 %.
Nach dem Rückzug des FDP-Bundesvorstands im März 2026 erklärte Kubicki seine Kandidatur als Vorsitzender auf dem Bundesparteitag im Mai 2026. Generalsekretär sollte nach seinem Willen Martin Hagen werden. Hierauf gab der bisherige Parteivorsitzende Christian Dürr seine erneute Kandidatur auf und unterstützte nun Kubicki. Der danach verbliebene weitere Kandidat Henning Höne zog am 15. Mai seine Kandidatur zugunsten von Kubicki zurück und entschied sich stattdessen für eine erneute Kandidatur als stellvertretender Bundesvorsitzender.
Auf dem Parteitag am 30. Mai 2026 setzte sich Kubicki gegen Marie-Agnes Strack-Zimmermann, die ihre Gegenkandidatur erst kurzfristig angekündigt hatte, durch und wurde mit etwa 59 Prozent der Stimmen zum Bundesvorsitzenden gewählt.
Landtagsabgeordneter (1992–2017)
Von 1992 bis 2017 war Kubicki Mitglied des Landtags von Schleswig-Holstein. Dabei zog er stets über die Landesliste in den Landtag ein. Er wurde 1992 sogleich Vorsitzender der FDP-Landtagsfraktion. 1993 legte er das Amt während der Affäre um die Deponie Schönberg nieder. Nach der Landtagswahl 1996 löste er seinen Nachfolger Ekkehard Klug wieder ab und wurde erneut Fraktionsvorsitzender. Nach Bildung der großen Koalition unter Ministerpräsident Peter Harry Carstensen am 27. April 2005 wurde Kubicki Oppositionsführer in Schleswig-Holstein. Mit dem Koalitionsbruch im Juli 2009 ging diese Funktion an den SPD-Fraktionsvorsitzenden Ralf Stegner über. Zwischen 2004 und 2009 war Kubicki als Vertreter des Landtags Mitglied im Beirat der HSH Nordbank. Nach dem Bruch der großen Koalition des CDU-Ministerpräsidenten Carstensen im Juli 2009 sprach sich Kubicki für eine schwarz-gelbe Koalition nach der Neuwahl im September 2009 aus. Er wurde nicht Mitglied der bis 2012 CDU-FDP-geführten Landesregierung, sondern blieb Fraktionsvorsitzender. Als Regierungsmitglied hätte er seine Anwaltstätigkeit ruhen lassen müssen. In der Welt äußerte Kubicki im Zusammenhang mit den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Hannover gegen Christian Wulff, dass ein Prozess in einer Blamage für die Justiz enden werde, und bezeichnete das staatsanwaltschaftliche Angebot, das Verfahren gegen 20.000 Euro einzustellen, als „Verzweiflungstat“.