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Wolfgang Kermer

Deutscher Kunsthistoriker und Kunstpädagoge

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Wolfgang Kermer (* 18. Mai 1935 in Neunkirchen (Saar)) ist ein deutscher Kunsthistoriker, Kunstpädagoge, Autor, Herausgeber und Hochschullehrer, von 1971 bis 1984 Rektor der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. Unter seinem Rektorat wurde die während der Studentenunruhen in Kritik geratene Hochschule inhaltlich und organisatorisch neu strukturiert. Er war Gründer und Herausgeber der Schriftenreihen Akademie-Mitteilungen, Beiträge zur Geschichte der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart und WerkstattReihe.

Kindheit, Jugend und Ausbildung

Wolfgang Kermer ist der Sohn des österreichischen Kapellmeisters Franz Kermer (1893–1936) und dessen Ehefrau Luise Kermer, geborene Kunz (1904–1978).

Im Alter von einem Jahr verlor er seinen Vater. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er in Neunkirchen an der Saar, wo er die Bachschule und danach das Gymnasium am Krebsberg besuchte.

Ab dem sechsten Lebensjahr erhielt Wolfgang Kermer Klavierunterricht, der nach dem Verlust des eigenen Instruments bei einem Fliegerangriff 1944 erst nach Kriegsende wieder kontinuierlich fortgesetzt werden konnte. Eine Zeitlang trat er als Pianist eines von ihm gegründeten Jazztrios, dem auch sein Schulfreund Horst Linn als Drummer angehörte, öffentlich in Erscheinung, um sich zugleich der Malerei und Grafik zu widmen. Seine künstlerischen Interessen wurden von seinen Zeichenlehrern Ernst Germer und Wolfram Huschens gefördert.

1954 fand Kermers erste Einzelausstellung in der Stadtbücherei seiner Heimatstadt statt. „Wolfgang Kermer hat eine interessante Kollektion ausgestellt“, so die Saarbrücker Zeitung, „und nach ihr zu urteilen, darf man bei ihm von einer ‚Hoffnung‘ sprechen, die sich vielleicht erfüllen wird auf dem schweren Pfad, den die Kunst ihren Jüngern zu gehen vorschreibt.“ 1955 und 1956 nahm er an den von Wilhelm Weber im Museum der Stadt Homburg organisierten Ausstellungen „Die Jungen im Lande“ teil.

Nach dem Abitur 1956 studierte er an der Staatlichen Schule für Kunst und Handwerk in Saarbrücken bei Peter Raacke, Oskar Holweck und als Gast bei Otto Steinert sowie an der Universität des Saarlandes bei Josef Adolf Schmoll genannt Eisenwerth und wechselte 1957 an die Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, wo er bei Hannes Neuner, Peter Steiner, Christoff Schellenberger und Rudolf Yelin Kunst- und Werkerziehung, Malerei und Grafik studierte. Von Einfluss auf seine künstlerische Arbeit war besonders Hannes Neuner, dessen Unterricht er in Stuttgart besuchte. Nach einem Besuch der Pollock-Ausstellung im Sommer 1958 in der Kunsthalle Basel entstanden großformatige Tuschezeichnungen, die er „Bodman-Folgen“ nannte und auszugsweise beim „Pfalzpreis für Graphik 1958“ zeigte. Im gleichen Jahr schuf Kermer mehrere abstrakte Bronze- und geschweißte Eisenplastiken, worauf die galerieampavillon in Saarbrücken erstmals 2025 zu Kermers neunzigstem Geburtstag hinwies.

1959 studierte Kermer mit einem Stipendium der französischen Regierung Kunstgeschichte an der École du Louvre in Paris. Zu dieser Zeit begegnete er K. R. H. Sonderborg in Paris, fühlte sich angezogen von der ausdrucksmäßigen Freiheit, die dieser Künstler mit seinen in Hayters Atelier 17 geschaffenen Radierungen erreichte. Nach der Prüfung in Werkarbeit 1959 legte er zwei Jahre später an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart das Staatsexamen für das Künstlerische Lehramt an Gymnasien ab. Von 1956 bis 1962 studierte er Philosophie und Erziehungswissenschaften an der Universität des Saarlandes und später an der TH Stuttgart.

Nachdem seine Zeichnungen und Radierungen beim „Pfalzpreis für Graphik 1958“ in Kaiserslautern und in der Ausstellung „Junge Künstler“ im Württembergischen Kunstverein Stuttgart 1960 positive Resonanz gefunden hatten, wurde Kermer im Oktober desselben Jahres in die Neue Gruppe Saar aufgenommen und nahm von 1961 bis 1963 an deren Ausstellungen in Saarbrücken, Tübingen und Zweibrücken teil. 1963 beteiligte er sich an der Katalogedition der Gruppe mit graphischen Werken der Mitglieder. Sowohl das damalige Ministerium für Kultus, Unterricht und Volksbildung in Saarbrücken als auch Privatsammlungen erwarben Beispiele seiner der „art informel“ nahestehenden Arbeiten. Dem Verband Bildender Künstler und Künstlerinnen Württemberg (VBKW) gehörte er ab 1961 einige Jahre an.

1961 bis 1962, in einer Zeit, in der die Frankfurter Zimmergalerie Franck, das Graphische Kabinett Saarbrücken sowie der Bücherdienst Eggert in Stuttgart Einzelausstellungen von Kermers graphischen Arbeiten zeigten und Beispiele seiner Malerei in der Ausstellung des Württembergischen Kunstvereins „Deutscher Kunstpreis der Jugend 1962“ vertreten waren, war er künstlerischer und wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Maximilian Debus am Lehrstuhl für Zeichnen und Modellieren der TH Stuttgart und unterrichtete innerhalb der Grundlehre für Gestaltung und Entwerfen insbesondere die Fächer Schrift und Aktzeichnen für angehende Architekten. Mit Druckgrafik war Kermer zuletzt in der 1962 gestarteten, in 28 Städten der Bundesrepublik gezeigten Wanderausstellung „Neue Deutsche Graphik“ präsent, mit Malerei zusammen mit Horst Linn 1964 in der Galerie Elitzer Saarbrücken sowie bei den Jahresausstellungen des Künstlerbundes Baden-Württemberg und des Saarländischen Künstlerbundes.

Ab 1962 studierte Kermer an der Eberhard Karls Universität Tübingen Kunstgeschichte, im Nebenfach Vor- und Frühgeschichte sowie Kulturgeographie. 1966 wurde er mit der Dissertation Studien zum Diptychon in der sakralen Malerei: von den Anfängen bis zur Mitte des sechzehnten Jahrhunderts: mit einem Katalog an der Universität Tübingen mit dem Prädikat magna cum laude zum Dr. phil. promoviert. 1967 veröffentlichte er die von ihm erbrachte erste Bestandsaufnahme überlieferter und verloren gegangener Denkmäler bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts.

Professur und Rektorat an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart

Seit 1966 lehrte er Kunstgeschichte an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, ab 1970 als Dozent, ab 1972 als Professor und Lehrstuhlinhaber. Von 1971 bis 1972 war er Vorsitzender des Landesverbands Württemberg im Bund Deutscher Kunsterzieher. Am 16. November 1971 wählte erstmals der aus Vertretern sämtlicher Hochschulgruppen gebildete Große Senat der Stuttgarter Akademie in einer hochschulöffentlichen Sitzung Wolfgang Kermer zum Rektor, ein Amt, das er, mehrmals wiedergewählt, bis 1984 innehatte. „Ein unbequemer Rektor“, schrieben die Stuttgarter Nachrichten anlässlich der Vorlage seines Rechenschaftsberichts für das Jahr 1972, in dem Kermer seine Vorstellungen zur Akademiereform zusammenfasste und „vom Kultusministerium endlich Taten“ verlangte, nachdem „die rechtlichen Grundlagen der Akademieverfassung […] von den Verwaltungsgerichten immer wieder in Zweifel gezogen“ worden waren.

Kermer begründete die Schriftenreihen Akademie-Mitteilungen (1972–1978) sowie Beiträge zur Geschichte der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart (1975–2004), zu denen später die WerkstattReihe (1996–2006) hinzukam. Er war sowohl Herausgeber wie verantwortlicher Schriftleiter und lieferte zugleich Beiträge als Autor.

2008 begann Kermer mit der Herausgabe der Schriftenreihe Die Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart im Spiegel der Presse. Die beiden ersten Ausgaben beziehen sich auf die Jahre hochschulpolitischer Spannung 1970 sowie 1971. „Unermüdlich in seiner Forschungsarbeit“, nannten ihn die Stuttgarter Nachrichten aus Anlass seines fünfundsiebzigsten Geburtstags „das Gedächtnis der Stuttgarter Kunstakademie“.

1975 gründete er die Akademie-Sammlung, die er bis 1997 nebenamtlich betreute und deren erste Bilanz er 1985 in Form einer ganzjährigen Präsentation von Hauptwerken im Ministerium für Wissenschaft und Kunst in Stuttgart aufzeigte. Ebenfalls 1975 kuratierte er den gemeinsamen Ausstellungsauftritt der neu gebildeten Fachgruppe „Freie Kunst“ im Großen Haus des Staatstheaters Stuttgart mit Werken von Herbert Baumann, Gunter Böhmer, Paul Uwe Dreyer, Uli Günther, Rudolf Haegele, Rudolf Hoflehner, Alfred Hrdlicka, Erich Mansen, K. R. H. Sonderborg und Hans Gottfried von Stockhausen. „Karl Rössing zum 80. Geburtstag“ lautete die 1977 an der Akademie durchgeführte Ausstellung von Hauptexponenten der „Rössing-Schule“ wie Wolfgang Gäfgen, Christine Heuer, Heinrich Heuer, Friedrich Meckseper, Walter Rabe, Malte Sartorius, Günter Schöllkopf und Hans Peter Willberg. Zu den von Kermer ausgerichteten Veranstaltungen zählen insbesondere auch die in mehreren Jahren Willi Baumeister gewidmeten Ausstellungen, die sich verschiedenen Facetten seiner Tätigkeit zuwandten: Willi Baumeister: Lithographien und Radierungen, gedruckt von Erich Mönch (1975), Hommage à Baumeister (1979), Willi Baumeister: Typographie und Reklamegestaltung (1989 und 1990). Kermer sah in diesen Veranstaltungen „auch eine Art Wiedergutmachung seitens der Akademie, an der […] Baumeister nach dem Krieg einen schwierigen Stand hatte“. Eine Reihe von Veröffentlichungen über Baumeister markieren einen Schwerpunkt der wissenschaftlichen Arbeit Kermers.

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