Wolfgang Fahrian (* 31. Mai 1941 in Klingenstein, heute zu Blaustein; † 12. April 2022) war ein deutscher Fußballspieler und Spielervermittler. Bundestrainer Sepp Herberger setzte den damaligen Torwart der TSG Ulm 1846 bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1962 in Chile in allen vier Partien der deutschen Mannschaft ein. Insgesamt spielte Fahrian von 1962 bis 1964 zehnmal für die deutsche Fußballnationalmannschaft.
Wolfgang Fahrian begann das Fußballspielen im Verein im Alter von zehn Jahren bei TuS Klingenstein, schloss sich 1952 der TSG Ulm 1846 an und durchlief mit Erfolg die verschiedenen Altersklassen der Jugendabteilung der „Spatzen“. Als A-Jugendlicher gewann er – noch als Verteidiger – zweimal die Württembergische Meisterschaft. Er wurde auch in die süddeutsche Jugendauswahl berufen. Mit 18 Jahren wurde er zum Torhüter umgeschult. Mit seinem Talent und seinem Ehrgeiz sowie einem intensiven Training, auch zusätzlich zu den Einheiten im Verein, entwickelte sich Fahrian gewaltig. Hinzu kam, dass der bisherige Stammtorwart der Ulmer in der Oberliga Süd, Manfred Paul, zur Saison 1960/61 zum Karlsruher SC gewechselt war und der langjährige Ersatztorwart Artur Kießling die Lücke nicht ausfüllen konnte. Bereits am vierten Spieltag (4. September 1960) debütierte das 19-jährige Talent in der Fußball-Oberliga Süd im Heimspiel gegen den FC Schweinfurt 05. Trainer Fred Hoffmann setzte auf den jungen Fahrian im Kampf um den Klassenerhalt. Dieser zeichnete sich im Saisonverlauf durch überdurchschnittliches Reaktionsvermögen, Sprungkraft und spektakuläre Paraden auf der Linie aus. Er machte sich trotz des Abstiegs der Ulmer in die II. Division Süd – die „Spatzen“ verpassten den Klassenerhalt mit nur einem Punkt Rückstand gegenüber den Konkurrenten Schweinfurt und Waldhof – auf Anhieb einen Namen. Fahrian hütete 1960/61 in 24 Spielen das Tor der Ulmer. Er schaffte mit seiner Mannschaft mit dem zweiten Platz 1961/62 in der II. Division Süd die sofortige Rückkehr in die Oberliga Süd. Zum sportlichen Höhepunkt wurden aber seine Berufung in die Nationalmannschaft für das Spiel am 11. April 1962 in Hamburg gegen Uruguay und seine Teilnahme an der Fußballweltmeisterschaft 1962 in Chile.
Im letzten Jahr der erstklassigen Oberliga 1962/63 belegte der junge Nationaltorhüter der WM-Tage in Chile mit Aufsteiger Ulm in der Süd-Oberliga den respektablen achten Tabellenrang. Er absolvierte alle 30 Pflichtspiele an der Seite der beiden torgefährlichen Angreifer Helmut Siebert (22 Tore) und Manfred Ruoff (20 Tore). Zur großen Überraschung der Fußballinteressierten schloss sich der umworbene Torhüter keinem der 16 nominierten Bundesligavereine zur Debütrunde 1963/64 an, sondern spielte mit Ulm in der zweitklassigen Fußball-Regionalliga Süd. In 32 Spielen – Jürgen Modic vertrat ihn in sechs Spielen – konnte er zwar seine Klasse demonstrieren, aber Ulm war kein ernsthafter Anwärter auf einen Spitzenplatz im Süden. Dort zogen Hessen Kassel, Bayern München und Kickers Offenbach ihre Kreise, Ulm belegte den achten Rang. Für die zweite Saison der Fußball-Bundesliga, 1964/65, unterschrieb Fahrian einen Lizenzspielervertrag bei Hertha BSC und wechselte zusammen mit Willibert Kremer (Viktoria Köln), Jürgen Sundermann (RW Oberhausen), Michael Krampitz (Hertha 03 Zehlendorf) und dem heimkehrenden Berliner Kurt Schulz (FC Luzern) an die Spree.
Berlin, München, Düsseldorf und Köln, 1964 bis 1976
Der erste Bundesligaspieltag führte die Hertha am 22. August 1964 zum klar favorisierten Titelverteidiger 1. FC Köln. Mit den vier Neuzugängen Fahrian, Sundermann, Kremer und Schulz schaffte die Mannschaft von Trainer Jupp Schneider einen unerwarteten 3:2-Auswärtserfolg. Nach der Vorrunde stand die Hertha mit 15:15 Punkten auf dem neunten Rang. Nach Abschluss einer unbefriedigenden Rückrunde – wegen der sportlichen Misere war Jupp Schneider am 9. März 1965 durch Gerhard Schulte abgelöst worden – rangierte sie mit 25:35 Punkten auf dem 14. Tabellenplatz und hatte mit einem Punkt Vorsprung vor dem Karlsruher SC den Klassenerhalt geschafft. Fahrian hatte 25 Ligaspiele absolviert und war von Hans-Jürgen Krumnow in drei beziehungsweise Wolfgang Tillich in zwei Spielen vertreten worden. In der Spielerbenotung wurde er mit dem Durchschnittswert von 2,48 (gemeinsam mit Werner Krämer und Klaus-Dieter Sieloff) auf dem zweiten Platz hinter Hans Tilkowski mit 2,41 in der Saisonwertung notiert. In der Saisonanalyse wurde festgehalten, „dass die Hertha mit Ex-Nationaltorwart Fahrian endlich einen Klassemann zwischen den Pfosten hatte, ohne den wahrscheinlich auch sportlich der Abstieg kaum zu verhindern gewesen wäre“. Im Oktober 1964 hatte er in den beiden Spielen im Messepokal gegen Royal Antwerpen (2:1/0:2) zusätzliche Einsätze.
Nach der Saison wurde Hertha BSC wegen erheblicher Verstöße gegen das Lizenzspielerstatut die Zugehörigkeit zur höchsten Spielklasse aberkannt und in die Regionalliga zwangsversetzt. Gerade die überhöhten Handgeldzahlungen an Fahrian waren ausschlaggebend für den Ausschluss der Berliner. Der DFB sprach gegen ihn persönlich eine Geldstrafe und eine zwölfmonatige Sperre aus. Diese wurde später um die Hälfte reduziert und Fahrian konnte in der Berliner Regionalliga 1965/66 mit der Hertha – sie holte mit dem Torverhältnis von 136:25 und 58:2 Punkten überlegen die Meisterschaft – in der Rückrunde noch 17 Spiele bestreiten und in die Aufstiegsrunde zur Bundesliga einziehen. Fahrian stand gegen die Konkurrenten Fortuna Düsseldorf, FK Pirmasens und Kickers Offenbach in allen sechs Spielen im Hertha-Tor, konnte aber den Aufstieg nicht erzwingen.
Zur Saison 1966/67 nahm er das Angebot des neuen Deutschen Meisters TSV 1860 München an. Trainer Max Merkel erhoffte sich durch die Klasse von Fahrian, in puncto Disziplin Druck auf den von Fans und den Medien gefeierten „Startorhüter“ Petar Radenković ausüben zu können. „Druck“ gab es dann zwar bei den „Löwen“, aber gegen den autoritären Trainer. Nach dem Ausscheiden im Europacup gegen Real Madrid im November 1966 gipfelte dieser im Rausschmiss des Österreichers am 10. Dezember 1966. Fahrian war bei Merkels Auseinandersetzung mit Teilen der Mannschaft zwischen die „Mühlsteine“ geraten, wobei Merkels Zwist mit Radenković die Hauptrolle spielte. Nach der 0:3-Derby-Niederlage am 15. Oktober 1966 gegen den FC Bayern kam er in der Hinrunde nicht mehr zum Einsatz. Als Trainer Gunther Baumann das erste Spiel unter seiner Verantwortung am 18. Februar 1967 im Stadion an der Grünwalder Straße mit Torhüter Fahrian mit 0:2 gegen Schalke 04 verlor, war die Saison für den Mann aus Ulm gelaufen. Fortan hütete wieder Radenković das Tor der „Löwen“. In der ersten Runde des Landesmeisterwettbewerbs gegen Omonia Nikosia hatte Merkel noch im September 1966 auf die Fangkünste des „Schwarzen Panthers“ gesetzt. Nach lediglich acht Bundesligaeinsätzen war das Kapitel München für Fahrian beendet.
Bei Fortuna Düsseldorf, wo er einen neuen Anlauf nahm, kam Fahrian von 1967 bis 1969 in zwei Regionalliga-Spielzeiten auf 64 Einsätze. Er bewies, dass er immer noch ein Torhüter der Spitzenklasse war; leider traf das nicht für die Fortuna zu. Waren im ersten Jahr Bayer 04 Leverkusen, RW Essen und RW Oberhausen der Fortuna in der Tabelle deutlich überlegen – mit 14:20 Punkten in den Auswärtsspielen war man nicht konkurrenzfähig –, traf dies 1968/69 auch auf die drei Spitzenreiter RW Oberhausen, RW Essen und VfL Bochum zu. Zwar holten die Fortunen zehn Punkte mehr als im Vorjahr, aber mehr als der vierte Rang kam dabei nicht heraus. Im Sommer überraschte der frühere Nationaltorhüter dann mit seinem Wechsel zum Kölner Namensvetter SC Fortuna. Der Verein von Präsident Jean Löring war 1967 erst in die Regionalliga aufgestiegen und hatte die Saison 1968/69 auf dem 13. Platz abgeschlossen.
Ab der Serie 1970/71 ging es unter Trainer Ernst-Günter Habig bei Fortuna Köln aufwärts. Im November 1972 wurde Habig von Martin Luppen abgelöst und die Löring-Elf zog nach der Vizemeisterschaft – mit 85:29 Toren in 34 Spielen wies die von Fahrian dirigierte Abwehr die beste Bilanz auf – hinter RW Essen in die Aufstiegsrunde. Dort setzten sich die Kölner überlegen vor dem FC St. Pauli, Mainz 05, Karlsruher SC und BW Berlin (wieder mit der eindeutig besten Abwehr) durch und stiegen in die Fußball-Bundesliga auf. Fahrian hatte in allen acht Aufstiegsspielen im Tor gestanden und lediglich fünf Gegentreffer einstecken müssen. Insgesamt absolvierte er von 1969 bis 1973 mit Fortuna Köln in der Regionalliga West 132 Spiele.