An diesem Tag

Wolf Vostell

Deutscher Maler, Bildhauer und Happeningkünstler (1932–1998)

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Wolf Vostell (* 14. Oktober 1932 in Leverkusen; † 3. April 1998 in Berlin) war ein deutscher Maler, Bildhauer, Fluxus- und Happeningkünstler der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Wolf Vostell gilt als einer der Wegbereiter des Environments, der Installation, der Videokunst, des Happenings und der Fluxus-Bewegung und arbeitete mit dem Verfahren des Einbetonierens und in den 1960er Jahren mit der Technik der Verwischung. Dé-coll/agen nannte Vostell seine Plakatabrisse, seine TV-Dé-coll/agen und seine Dé-coll/age-Happenings. 1954 wurde Dé-coll/age für Wolf Vostell zum Kunstprinzip und 1961 „Kunst ist Leben, Leben ist Kunst“ zum umfassenden Kunstbegriff.

Wolf Vostell war der Sohn von Hubert Schäfer (1896–1982) und dessen Ehefrau Regina Schäfer (1901–1975), geborene Vostell. 1942 siedelte sein Mutter mit ihm und seiner jüngeren Schwester Isolde ins Sudetenland um, wo sie in Liebental die Kriegsjahre verbrachten. Nach der Befreiung Deutschlands vom Nationalsozialismus kehrten sie 1945 über Komotau nach Leverkusen zurück. Als Schüler zeichnete er in den Jahren 1945 bis 1950 mit Tusche und Aquarell. 1952 nahm er den Geburtsnamen seiner Mutter an.

1958 lernte er in Guadalupe die junge Lehrerin Mercedes Guardado Olivenza kennen. 1959 heirateten sie in Cáceres und gingen anschließend nach Köln. Sie war für ihn „Muse, Mutter, Modell, engste Mitarbeiterin, Museumsgründerin, Familienunternehmerin“ wie aus einem Feature mit ihr hervorgeht. Er bezeichnete sie als seine „unzertrennliche Kooperantin“.

1960 bekamen Mercedes Vostell und Wolf Vostell ihren ersten Sohn, David Vostell. Fünf Jahre später kam der zweite Sohn Rafael zur Welt. 1971 zog die Familie nach Berlin.

1974 besuchte Vostell das westspanische Dorf Malpartida de Cáceres in der Extremadura und die in der Nähe liegende Felsenlandschaft Los Barruecos. Die bizarren Granit-Findlinge erinnerten ihn an seine eigenen Betonplastiken und er erklärte den Ort zu einem „Kunstwerk der Natur“. Inmitten dieser Landschaft lag die Anlage des Lavadero de Lanas, einer verfallenen Wollwäscherei aus dem 18. Jahrhundert und gemäß seinem Kunstbegriff Kunst ist Leben, Leben ist Kunst beschloss er, hier einen „Treffpunkt für Kunst, Leben und Natur“ einzurichten.

Es entstand die Idee zum „Museum für den Kunstbegriff der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts“. Zunächst musste jedoch Überzeugungsarbeit geleistet werden. Einen Unterstützer fand Vostell im Bürgermeister, der auch den zunächst skeptischen Gemeinderat für das Projekt gewinnen konnte. 1976 erwarb die Gemeinde das Areal des Lavadero de Lanas, und stellte es zusammen mit einem angrenzenden Teil der Los Barruecos dem Künstler zur Verfügung.

Im Oktober 1976 wurde das Museo Vostell Malpartida (MVM) mit dem Einbetonieren von Vostells schwarzen Opel Admiral B (Baujahr 1970) in Los Barruecos gegründet. Diese Aktionsplastik mit dem Titel VOAEX (Viaje de (H)ormigon por la Alta Extremadura / Betonreise durch die Obere Extremadura) war das erste Werk in der Sammlung des Museums. Vostell schuf für das Museum weitere Werke wie die Installation Requiem für die Vergessenen oder Das Ende von Parzival (El Fin de Parzival) einen Vorhang aus 20 Motorrädern nach einer Idee von Salvador Dali. Ende 1993 hielt er den Aufbau des Museums für abgeschlossen. Zum Bestand des Museums gehören etwa 50 Arbeiten Vostells aus vier Jahrzehnten: Skulpturen, Reliefs, Gemälde, Zeichnungen und Installationen.

Mercedes und Wolf Vostell erwarben 1977 das schlecht erhaltene Herrenhaus Palacio de Topete in Malpartida de Cáceres aus dem 18. Jahrhundert und renovierten es nach und nach. Im Januar 1978 organisierte Vostell dort die Woche der Zeitgenössischen Kunst (SACOM), eine der ersten Ausstellungen zeitgenössischer Kunst in der Extremadura mit dem Titel Koexistenz. Das Dorf wurde neben Berlin zu ihrem zweiten Wohnsitz. Für den Rest seines Lebens blieb er mit dem Ort verbunden und pendelte ständig zwischen Berlin und Malpartida de Cáceres.

1998 starb Wolf Vostell während eines Aufenthaltes in Berlin an Herzversagen. Sein Grab und das seiner 2023 verstorbenen Frau Mercedes Vostell befindet sich, entsprechend ihrer Wünsche, auf dem Cementerio de la Almudena in Madrid.

Nach seinem Ableben übernahm seine Frau die künstlerische Leitung des Museums und kuratierte den Nachlass ihres Mannes. Mercedes Guardado Olivenza Vostell, wie ihr vollständiger Namen lautete, verwendete gelegentlich auch eine kürzere Form: „Mercedes Guardado de Vostell“, ein kleines Wortspiel unter Verwendung ihres ersten Nachnamens, der dem Partizip Perfekt des spanischen Wortes „guardar“ entspricht und die Bedeutungen von halten, bewahren oder hüten hat. Dadurch wurde sie buchstäblich zur „Bewahrerin von Vostell“. Das Prinzip des Bewahrens findet sich auch in der Biografie, die sie 2011 auf Spanisch und 2012 auf Deutsch veröffentlichte. Mercedes Vostell starb am 15. Oktober 2023.

Von 1950 an setzte Vostell erste künstlerische Ideen um, 1953 begann er eine Lithografenlehre und besuchte die Werkkunstschule an der Bergischen Universität bei Ernst Oberhoff in Wuppertal. Am 6. September 1954 fand er in Paris auf der Titelseite des Le Figaro das Wort décollage (dt. „abheben“, „losmachen“, „sich Lösen des Geleimten“, „trennen“), das im Zusammenhang mit einem Absturz einer Lockheed Super Constellation in den Shannon benutzt wurde. Vostell änderte für sich die Schreibweise in Dé-coll/age und übertrug den Begriff auf seine Plakatabrisse und Happenings. Dé-coll/age wurde für Wolf Vostell zum Kunstprinzip.

1955/1956 besuchte er die Pariser École nationale supérieure des beaux-arts und 1957 die Kunstakademie Düsseldorf. Vostells Happening Das Theater ist auf der Straße von 1958 in Paris war das erste Happening in Europa. Sein Happening Cityrama von 1961 in Köln war das erste Happening in Deutschland. Vostell schuf erste Werke mit Fernsehgeräten und Autoteilen. Beeinflusst von der Arbeit Karlheinz Stockhausens im elektronischen Studio des WDR entstanden 1959 elektronische TV-Dé-coll/agen. Damit begann sein Engagement in der Fluxus-Bewegung, die er 1962 mitbegründete.

1970 gründete Vostell das Vostell Happening Archiv in Berlin. Wolf Vostell sammelte Fotografien, künstlerische Texte, persönliche Korrespondenz mit Weggefährten wie Nam June Paik, Joseph Beuys, Dick Higgins, sowie weitere Objekte, die das Schaffen der Künstler seiner Generation dokumentierten. Seit den 1990er Jahren ist Vostells Privatbibliothek Teil des Archivs. Sein Werk ist fotografisch dokumentiert und ebenfalls Bestandteil des Archivs, das sich seit 2006 im Museo Vostell Malpartida befindet.

Vostell initiierte weitere Happenings, unter anderem 1963 9 Nein Dé-coll/agen in Wuppertal, 1964 in New York das Happening You und weitere in Berlin, Köln, Wuppertal und Ulm. 1963 wurde Wolf Vostell mit der Installation 6 TV Dé-coll/age, Teil der Sammlung des Museo Reina Sofía Madrid, und mit dem Video Sun in Your Head zum Pionier der Videokunst. 1965 nahm er am 24-Stunden-Happening in der Galerie Parnass in Wuppertal teil. 1967 setzte er sich im Happening Miss Vietnam mit dem Vietnamkrieg auseinander. 1968 erfolgte in Zusammenarbeit mit dem Komponisten Mauricio Kagel und anderen die Gründung des Labor e. V. welches akustische und visuelle Ereignisse erforschen sollte.

Vostell gilt als der erste Künstler, der ein Fernsehgerät in ein Kunstwerk integrierte. Diese aus drei Assemblagen bestehende Installation aus dem Jahre 1958 mit dem Titel Das schwarze Zimmer (Deutscher Ausblick, Treblinka, Auschwitz-Scheinwerfer 568) ist Teil der Sammlung der Berlinischen Galerie. Frühe Werke mit Fernsehern sind der Zyklus Transmigración, I-III, aus dem Jahre 1958 und Elektronischer dé-coll/age Happening Raum, eine Installation aus dem Jahr 1968.

Ab den 1950er Jahren thematisierte Wolf Vostell in zahlreichen Werken den Holocaust. Er wollte mit seinem Äußeren nicht zum Ausdruck bringen, dass er jüdisch sei. Durch sein Erscheinungsbild trug er vielmehr seine Werte nach außen und richtete sich damit gegen die Gefahr, die Vernichtung der europäischen Juden durch die deutschen Nationalsozialisten zu verdrängen oder gar zu vergessen. Mit Schläfenlocken, Pelzhut und Kaftan entsprach er genau dem Feindbild, das die Propaganda des Hitler-Regimes nach dem Vorbild der osteuropäischen Juden als antisemitisches Stereotyp gezeichnet hatte. Er übersteigerte dieses Bild durch Verwendung weiterer Attribute, wie protzigen Ringen an den Fingern und einer ebenso dicken Zigarre, die in verleumderischen Karikaturen aus der NS-Zeit dem „geldgierigen, jüdischen Wucherer“ symbolisch an die Hand gegeben worden waren.

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