Wolf Haas (* 14. Dezember 1960 in Maria Alm am Steinernen Meer, Land Salzburg) ist ein österreichischer Schriftsteller. Bekannt wurde er als Autor von Kriminalromanen, insbesondere durch jene mit Detektiv Brenner, und erhielt zahlreiche Literaturpreise.
Wolf Haas wurde als einer von zwei Söhnen in Maria Alm im Salzburger Pinzgau in der Nähe von Zell am See geboren. Die Eltern waren Saisonkellner und er wuchs in einfachen Verhältnissen in Maria Alm auf.
Ab 1971 besuchte er als Internatsschüler das katholische Privatgymnasium Borromäum in Salzburg. Nach bestandener Matura studierte er ab 1979 an der Paris-Lodron-Universität Salzburg Germanistik und Linguistik und promovierte 1987 mit einer Studie über Die sprachtheoretischen Grundlagen der konkreten Poesie. Von 1988 bis 1990 arbeitete er als Universitätslektor in Swansea in Südwales. Heute lebt er in Wien.
Insgesamt sind seit 1996 neun „Brenner-Romane“ erschienen, sie spielen an verschiedenen Orten und sind eigenständig hinsichtlich Plot und Figurenensemble. Die ersten sechs Brenner-Romane erschienen zwischen 1996 und 2003. Anfangs wurden die Krimis in der Taschenbuchreihe rororo-thriller publiziert, erst nach dem großen Erfolg der Serie erschien 2001 der fünfte Brenner „Wie die Tiere“ als Hardcover.
Im ersten Band der Reihe ist Privatdetektiv Simon Brenner 44 Jahre alt (in etwa 10 Jahre älter als der Autor). Er stammt aus dem Grazer Bezirk Puntigam – ein Ort, an dem der Autor nie gewesen ist –, ist Junggeselle, breitschultrig, untersetzt und hat einen Kantschädel mit roter Nase und wasserblauen Augen. Seit er sich das Rauchen abgewöhnt hat, bekommt er regelmäßig Migräneanfälle. Bei der Kripo ist Brenner aufgrund seines eigenwilligen Vorgehens nie über den Rang eines Inspektors hinausgekommen. Er hat Schwierigkeiten mit seinem Vorgesetzten, kündigt und beginnt beim Detektivbüro Meierling zu arbeiten – sein letzter Fall als Kriminalbeamter ist gleichzeitig der Beginn der Brenner-Bücher. Vor zwölf Jahren hat ihn seine Verlobte Josefine, kurz Fini, verlassen. Er hat selten einen festen Wohnsitz, schließt aber schnell Frauenbekanntschaften. Wolf Haas wollte Brenner typische Männereigenschaften der Nachkriegszeit verleihen und ihn leicht ironisiert sympathisch erscheinen lassen. Detektiv Brenner hat in seiner Wortkargheit ein besonderes Verhältnis zur Erzählstimme der Romane, Wolf Haas charakterisierte sie als „kommunikationsgestörtes Gespann. Was der Brenner zu maulfaul ist, ist der Erzähler zu mitteilungsbedürftig“.
Hier erscheint erstmals der Detektiv Brenner, der nach seiner Zeit bei der Polizei als privater Ermittler einem Verbrechen in einem Ort namens „Zell“ nachgeht. Zwei Erfrorene werden am Morgen auf einem Skilift gefunden. Die Leichen sitzen zwar nebeneinander, allerdings nicht auf demselben Sessel. Der eine fährt bergauf, der andere bergab. Wieso der Lift genau in dem Moment stehenblieb, als sie sich begegneten, gibt dem Detektiv Rätsel auf. Dass es sich bei „Zell“ um den Ort „Zell am See“ handelt, ist aufgrund der Geografie wahrscheinlich. Der Autor erklärte, für ihn sei die Wortbedeutung von „Zelle“ eine Anspielung auf das Motiv des „geschlossenen Raums“ des traditionellen Kriminalromans gewesen.
In einer steirischen Brathendlstation namens Löschenkohl tauchen zwischen den Knochenresten Menschenreste auf. Brenner reist an, um zu ermitteln. Wie schon im ersten Roman wohnt er im Hotel – hier praktischerweise in der Grillstation, wo er noch im Zimmer das Mahlen der Knochenmehlmaschine im Keller hört. Auch in den späteren Romanen hat Brenner meist keinen regulären Wohnsitz. Zwischen den Fällen, so der Autor, scheint er nicht zu existieren.
Brenner jobbt in Wien als Rettungsfahrer und hat in der Rettungszentrale eine Dienstwohnung. Dass vor dem Würstelstand auf dem Krankenhausgelände ein küssendes Paar erschossen wird, erregt sein Interesse. Der Kunstschuss tötete die Liebenden mit einer einzigen Kugel, die durch die weit geöffneten Münder wenig Widerstand findet und auch noch in den zweiten Kopf eindringt. Durch die Hitzeentwicklung verschmelzen die Zungen der beiden Küssenden. Schnell zeigt sich, dass zwischen den beiden Rettungsorganisationen „Kreuzretter“ und „Rettungsbund“ ein blutiger Konkurrenzkampf ausgebrochen ist.
Brenner wird in ein katholisches Internat gerufen, wo im Tischfußballtisch eine zerstückelte Leiche auftaucht. Wohnen kann er im Internat, die Ermittlungen führen ihn von dort in das Reich der Salzburger Festspiele. Wenige Jahre nach dem Missbrauchsskandal um den Wiener Kardinal Groër erschienen, findet sich das Detail der in der Groër-Aufarbeitung häufig erwähnten Internatsdusche in dem Roman wieder.
Im Wiener Augarten gibt es einen erbitterten Kampf zwischen den Haltern von Kampfhunden und kämpferischen Müttern von Kleinkindern, die in dem Roman auch als „Kampfmütter“ bezeichnet werden. Der Schauplatz ist hier von besonderer Bedeutung, da sich im Augarten zwei Flak-Türme als Relikte des Zweiten Weltkrieges befinden. Einer davon soll in ein Tierheim umgebaut werden. Im Finale wird dem flüchtigen Mörder auf dem Dach des Flakturms von einem Hubschrauber-Rotorblatt der Kopf abgeschlagen, und das letzte Kapitel des Romans wird aus der Sicht des nur langsam sein Bewusstsein verlierenden, über den Augarten segelnden Kopfes erzählt.
Diesen sechsten Roman hat der Autor als den letzten der Serie angekündigt. Dies ermöglichte ihm, mit der Erwartungshaltung zu spielen, ob der Detektiv am Ende dieses Romans stirbt oder nicht. Brenner kehrt in seine Heimatstadt Graz zurück und erwacht am Beginn des Romans in der Intensivstation. Die Kugel in seinem Kopf wirft die Frage auf, ob er Selbstmord begehen wollte, oder ob jemand anderer dahintersteckt. Eine verdrängte Geschichte aus der Polizeischulzeit holt ihn ein, und die Frage, ob der Detektiv am Ende der Serie stirbt oder nicht, wird vom Autor auf überraschende Weise gelöst.
Der Brenner und der liebe Gott (2009)
Die bis dato drei Brenner-Romane nach dem angekündigten Ende der Serie erschienen in größeren zeitlichen Intervallen beim Hamburger Verlag Hoffmann und Campe. Brenner arbeitet in Wien als Chauffeur für die Familie einer Ärztin, deren Mann in München lebt, und deren Tochter häufig zwischen den beiden Elternteilen hin und her gebracht werden muss. An einer Tankstelle kommt ihm das kleine Mädchen abhanden, und das gesamte Buch ist von dem verzweifelten Versuch geprägt, das entführte Kind wiederzufinden. Da die Ärztin von Abtreibungsgegnern in die Enge getrieben wird und ihr Mann in dubiose Geschäfte verwickelt ist, stellen sich dem Detektiv viele Hindernisse in den Weg.
Der Brenner hat endlich eine Lebensgefährtin (Brennerova ist in slawischen Sprachen die weibliche Form des Familiennamens Brenner) mit einer eigenen Wohnung. Da die Freundin Herta auf Wanderurlaub nach Marrakesch fährt, treibt die Langeweile Brenner in die Fänge einer Dating-Plattform. Die attraktive Russin Nadeshda, mit der er korrespondiert, sucht allerdings keinen Liebhaber, sondern ausgerechnet einen Detektiv. Ihre Schwester ist in Österreich verschollen, und der Brenner soll sie finden. Von einem Russland-Trip kommt der Brenner schwer malträtiert und geläutert zurück und will mit Nadeshda nichts mehr zu tun haben. Doch ausgerechnet die heimkehrende Lebensgefährtin Herta überredet ihn, sich des Falles der verschwundenen Schwester anzunehmen. Im Jahr 2015 mit dem Deutschen Hörbuchpreis für „Beste Unterhaltung“ ausgezeichnet.
Der Brenner hat eine fixe Anstellung gefunden. In Wien, wo die Mülldeponien „Mistplätze“ heißen, arbeitet er als Müllmann. Erst als dort auf Grund des Fundes eines menschlichen Knies die Polizei auftaucht, erfahren seine Kollegen von Brenners Vergangenheit als Polizist. Im Lauf der Recherche gesellt sich zu dem aufgetauchten Knie die Thematik des Organhandels. Diesem eröffnen sich durch eine unterschiedliche Gesetzgebung in Deutschland und Österreich interessante „Marktchancen“.
„Müll“ war der erste Brenner-Krimi, der auch in Deutschland Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste erreichte.