Wladimir Wladimirowitsch Klitschko (russisch Влади́мир Влади́мирович Кличко́, ukrainisch Володи́мир Володи́мирович Кличко́, Wolodymyr Wolodymyrowytsch Klytschko; * 25. März 1976 in Semipalatinsk, Kasachische SSR, Sowjetunion; heute Semei, Kasachstan) ist ein ehemaliger ukrainischer Boxer (1996–2017) und mehrfacher Weltmeister im Schwergewicht nach Version der IBF, WBO, WBA und IBO. Er galt über viele Jahre bei Fachzeitschriften und in den unabhängigen Ranglisten als Nummer 1 im Schwergewicht. Er ist der jüngere Bruder von Vitali Klitschko.
Wladimir Klitschkos Großvater väterlicherseits, Rodion Klitschko (1910–?), war Mitarbeiter des Volkskommissariats für innere Angelegenheiten (NKWD). Die Großmutter väterlicherseits, Tamara Jefimowna, geborene Etkinson, war Dorfschullehrerin und Holocaustüberlebende. Ihre Eltern, ein Bruder und ihr ältester Sohn wurden ermordet. Sie selbst wurde von ihrem Ehemann bis zur Befreiung versteckt.
Wladimir Klitschko wurde als Sohn des Offiziers der sowjetischen und später der ukrainischen Luftstreitkräfte Wladimir Rodionowitsch Klitschko (* 24. April 1947 in Olchowaja, Ukrainische SSR; † 13. Juli 2011 in Kiew) und der ukrainischen Grundschullehrerin Nadeschda Uljanowna Klitschko in Semipalatinsk (Kasachische SSR) geboren. Seine Muttersprache ist Russisch. Seit Beginn der russischen Invasion der Ukraine im Februar 2022 spricht er zunehmend Ukrainisch und gibt auch öffentliche Interviews zunehmend in ukrainischer Sprache. Klitschko spricht fließend Deutsch und war häufig Interviewpartner deutschsprachiger Medien.
Der Vater stieg in den Ukrainischen Streitkräften bis zum Generalmajor auf und war zuletzt Militärattaché der ukrainischen Botschaft in Deutschland und bei der NATO. Von 1980 bis 1985 war Klitschkos Vater auf dem Truppenübungsplatz Ralsko in der Tschechoslowakei stationiert; die Familie lebte in Hradčany. Klitschko wurde in der Gagarin-Schule in Letná eingeschult, die auch sein Bruder Vitali besuchte.
Klitschko studierte Sportwissenschaft und Philosophie an der Pädagogischen Universität Hryhorij Skoworoda im ukrainischen Perejaslaw. 2001 erfolgte an der Nationalen Taras-Schewtschenko-Universität Kiew seine Promotion in Sportwissenschaft. Das Thema seiner Dissertation war Pädagogische Kontrolle im Sport.
Seit 1996 engagieren sich Wladimir Klitschko und sein Bruder Vitali neben dem Sport für diverse Wohltätigkeitsprojekte. Sie haben eine Stiftung für sozial benachteiligte Kinder gegründet und starteten in Marokko und Brasilien Hilfsprojekte. Sie unterstützen Schulungs- und Bildungsaktivitäten für Kinder in Afrika, Asien und Südamerika. Für ihren Einsatz wurden sie von der UNESCO als „Heroes for Kids“ ausgezeichnet, als Vorbilder für Fairness, sportlichen Erfolg und Bildung.
Von 1996 bis 1998 war Klitschko mit Alexandra Klitschko verheiratet. Von Januar 2010 bis Mai 2011 war er mit der Schauspielerin Hayden Panettiere liiert. 2013 erneuerten sie ihre Liaison. Im Oktober 2013 wurde die Verlobung der beiden bestätigt. Im Dezember 2014 wurden Klitschko und Panettiere Eltern einer Tochter. Im Jahr 2018 trennte sich das Paar, und Klitschko erhielt das volle Sorgerecht für die gemeinsame Tochter. Panettiere verstarb am 16. August 2026.
Im Vorfeld des russischen Überfalls auf die Ukraine 2022 trat Klitschko in die Reservearmee der Ukrainischen Streitkräfte ein. Zusammen mit seinem älteren Bruder Vitali Klitschko, Bürgermeister von Kiew, kündigte er an, die Ukraine verteidigen zu wollen. Am ersten Tag des Krieges richtete er einen Appell zur Unterstützung der Ukraine an die deutsche Öffentlichkeit. Zusammen mit seinem Bruder forderte Klitschko Papst Franziskus, den Dalai Lama und weitere geistliche Oberhäupter im März 2022 auf, nach Kiew zu kommen und ihre Solidarität mit dem ukrainischen Volk zu zeigen. Ende März bis Anfang April 2022 vertrat Klitschko sein Land als Teil einer nach Deutschland gereisten ukrainischen Delegation und traf mehrere Personen aus dem Kabinett Scholz, unter anderem auch den Bundeskanzler selbst. Sein Unternehmen Klitschko Ventures, das eigenen Angaben zufolge nicht gewinnorientiert ist, verlagerte die Geschäftstätigkeit in der Folge vom Coaching hin zu Logistik von Hilfslieferungen. Im Mai 2022 widersprach er öffentlich den 28 deutschen Prominenten, die in einem offenen Brief behauptet hatten, es würde den Krieg verlängern, wenn westliche Staaten Waffen an die Ukraine liefern würden. Auch zwei Jahre nach Kriegsausbruch reiste Wladimir Klitschko nach Angaben seines Bruders viel umher, um für materielle Unterstützung der Ukraine zu werben.
Wladimir Klitschko begann seine Sportlerkarriere mit 14 Jahren. Als Amateur gewann er 112 Kämpfe bei nur 6 Niederlagen (laut Boxing Digest März 1999, sogar 134-6 mit 65 K.-o.-Siegen). 1993 wurde er in Thessaloniki Junioreneuropameister im Schwergewicht. Die Juniorenweltmeisterschaft 1994 in Istanbul beendete er mit dem zweiten Platz, er verlor dort gegen den Kubaner Michel López. Bei seiner Teilnahme an der Amateurweltmeisterschaft 1995 in Berlin scheiterte er aufgrund einer Punktniederlage im Viertelfinale an Luan Krasniqi, konnte ihn aber wenige Monate später im Finale der Militärweltmeisterschaft im italienischen Ariccia besiegen und sich dort die Goldmedaille sichern. In der Saison 1995/96 bestritt er, in Vertretung für seinen Bruder Vitali, dem in einer Dopingprobe die Einnahme des Steroids Nandrolon nachgewiesen worden war, in der Bundesliga für den BC Sparta Flensburg zehn Kämpfe, die er alle gewann.
Im Jahre 1996 wurde Wladimir Klitschko Zweiter bei den Europameisterschaften in Vejle; er unterlag im Finale dem Russen Alexei Lesin. Seinen größten Erfolg als Amateur errang er bei den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta, als er als erster Weißer die Goldmedaille in der Gewichtsklasse über 91 kg (Superschwergewicht) gewann. Ursprünglich hatte man seinen Bruder Vitali in dieser Gewichtsklasse für die Olympischen Spiele nominiert, nachdem dieser aber positiv auf ein Steroid getestet und gesperrt worden war, rückte Wladimir nach. Auf dem Weg zum Olympiasieg schlug er den US-Amerikaner Lawrence Clay-Bey, Attila Levin aus Schweden, Alexei Lesin und im Finale Paea Wolfgramm aus Tonga.
1996–2000: Einstieg in den Profiboxsport
Wladimir und Vitali Klitschko wurden anschließend vom Hamburger Boxstall Universum Box-Promotion des Promoters Klaus-Peter Kohl unter Vertrag genommen. Seinen ersten Profikampf bestritt Wladimir am 16. November 1996. Er erreichte nicht ganz die Schlaghärte seines Bruders Vitali, galt dafür jedoch als der schnellere, variablere und technisch vielseitigere Boxer. Im September 1998 gewann er gegen den völlig unbekannten Steve Pannell durch K. o. in der zweiten Runde, ging im Verlauf dieses Kampfes jedoch erstmals in seiner Profikarriere zu Boden; diesbezüglich wurden erstmals seine Nehmerfähigkeiten diskutiert (siehe auch „Glaskinn“).
In den ersten zwei Jahren bestritt er 24 Profikämpfe. Seine erste, überraschende Niederlage erlitt er am 5. Dezember 1998 im Sportpalast Kiew beim einzigen Profikampf in seinem Heimatland gegen den US-Amerikaner Ross Puritty durch technischen K. o. in der elften Runde. Bis kurz vor Schluss dominierte er Puritty vollkommen, bekam gegen Ende des Kampfes allerdings starke Konditionsprobleme. So wurde er in der zehnten Runde zu Boden geschlagen und wurde dann von seinem Trainer Fritz Sdunek in der elften Runde völlig erschöpft aus dem Kampf genommen. Es war das erste Mal, dass er in einem Kampf mehr als acht Runden im Ring stand.
Im September 1999 gewann er mit einem souveränen TKO-Sieg in der achten Runde über Axel Schulz den Europameistertitel, den er nach nur einer Titelverteidigung wieder niederlegte. Ein aus späterer Sicht bedeutender Sieg seiner Aufbauphase ist der K.-o.-Sieg gegen Monte Barrett, der Anfang 2006 unter den Top 10 im Ring Magazine aufgeführt wurde.
2000–2003: Kämpfe um den WBO-Titel
Klitschko wurde am 14. Oktober 2000 durch einen ungefährdeten Punktsieg über den Rechtsausleger Chris Byrd Weltmeister der WBO. Jedoch gehörte die WBO damals noch nicht zu den bedeutenden Verbänden. Byrd hatte den Titel wenige Monate zuvor durch die verletzungsbedingte Aufgabe des Titelverteidigers Vitali Klitschko gewonnen und war aufgrund dieses glücklichen Sieges ein Weltmeister mit wenig Ansehen.