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Wladimir Jakowlewitsch Propp

Russischer Folklorist

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Wladimir Jakowlewitsch Propp (russisch Владимир Яковлевич Пропп, wiss. Transliteration Vladimir Jakovlevič Propp; * 17. Apriljul. / 29. April 1895greg. in Sankt Petersburg; † 22. August 1970 in Leningrad) war ein russischer Folklorist deutscher Abstammung. Er gilt als einer der größten Philologen des 20. Jahrhunderts.

Propp gilt als Begründer der morphologischen oder strukturalistischen Folkloristik. Zwischen 1914 und 1918 studierte er russische und deutsche Philologie. Danach unterrichtete er die deutsche Sprache an verschiedenen Hochschulen in Leningrad. Von 1938 bis 1969 war er Professor für Germanistik, russische Literatur und Folklore an der Staatlichen Universität Leningrad.

1928 erschien sein bahnbrechendes Werk Morphologie des Märchens. Das Buch wurde 1958 in den USA in englischer Sprache veröffentlicht, was Propp weltweite Anerkennung verschaffte. 1946 erschien das Buch Die historischen Wurzeln des Zaubermärchens.

Der Untersuchung liegt ein Korpus von hundert russischen Zaubermärchen zugrunde, die hinsichtlich ihrer Ereignisfolgen miteinander verglichen werden. Propp stellt dabei fest, dass hinter den inhaltlich variierenden Märchen eine unveränderliche Tiefenstruktur der Handlung zum Vorschein kommt. Für alle untersuchten Texte lassen sich dabei grundlegende narrative Einheiten (Narrateme) abstrahieren, die Propp als Funktionen bezeichnet. Er kommt zu dem Schluss, dass alle von ihm analysierten Märchen eine feste Handlungsstruktur gemein haben.

Solche invarianten Elemente, also unveränderliche Tiefenstrukturen, bleiben im gesamten Textkorpus konstant, Propp bezeichnete sie als Funktion. Für Propp sind die Funktionen die grundlegenden narrativen Einheiten. Eine Erzählung ist dann eine Kombination von Funktionen.

Propp unterscheidet 31 invariante Funktionen, die zwar nicht in jedem Märchen vollständig realisiert sein müssen, in ihrer Abfolge aber stets gleich sind. Auf einer weiteren Abstraktionsstufe werden die 31 Funktionen des russischen Zaubermärchens zu sieben Handlungskreisen zusammengefasst, die jeweils einem bestimmten Aktanten zugeordnet sind (z. B. Gegenspieler, Helfer usw.).

Der Auslöser für das Handeln ist eine Schädigung, eine Mangelsituation oder eine Verletzung eines Verbots bzw. Gebots

Ein Held/Heldin wird beauftragt/beauftragt sich die Übel zu beseitigen

Er/sie verlässt die gewohnte Umgebung

Wird auf die Probe gestellt, besteht diese und gewinnt ein magisches Werkzeug (Zaubermittel, Gegenstand) oder eine übernatürliche Agentur (Helfer)

Der Held erreicht das Ziel oder den Aufenthaltsort des gesuchten Gegenstandes

Der Held und sein Kontrahent wettstreiten in einem Kampf

Die anfängliche Situation des herbeigeführten Ungleichgewichts, die Schädigung, Verbotsverletzung oder Mangelsituation wird aufgehoben

Der Held reist in seine gewohnte Umgebung zurück

Er/sie wird verfolgt, aber vor seinen Verfolgern gerettet

Er/sie gelangt unerkannt nach Hause zurück

Ein falscher Held/Heldin macht unberechtigt seine Ansprüche geltend

Dem Helden wird eine Aufgabe gestellt um sich als authentischer Heroe/Heroine zu beweisen

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