An diesem Tag

Willy Meller

Deutscher Bildhauer

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Willy Meller (* 4. März 1887 in Köln; † 12. Februar 1974 in Rodenkirchen-Weiß; vollständiger Name: Jakob Wilhelm Meller) war ein deutscher Bildhauer. Bekanntheit erlangte er durch seine Arbeiten mit dem Architekten Clemens Klotz zur Zeit des Nationalsozialismus, unter anderem für das Olympiastadion Berlin, die NS-Ordensburg Vogelsang und die NS-Ordensburg Krössinsee.

Nach dem Besuch der Volksschule machte Meller eine Lehre in der Kölner Bildhauerwerkstatt von Hugo Rothe, die er 1905 abschloss. Zwei Jahre arbeitete Meller am Bau, bis er 1907 an die Kunstgewerbeschule Köln ging, wo er Schüler des Bildhauers Georg Grasegger wurde.

Nachdem er die Kunstgewerbeschule verlassen hatte, beteiligte Meller sich 1910 an einem Wettbewerb für den Kölner Römerbrunnen, bei dem er 1911 den zweiten Preis erhielt. Sein Entwurf wurde nicht ausgeführt, er erhielt allerdings von der Stadt Köln ein Stipendium für ein dreijähriges Studium an der Kunstakademie München. Meller trat in die von Erwin Kurz, einem Schüler von Adolf von Hildebrand, geleitete Bildhauerklasse ein. Die Ausbildung vermittelte kaum neue Tendenzen der modernen abstrakten Plastik und hatte auf Mellers Entwicklung insofern Einfluss, dass er zeit seines Lebens bei einer gegenständlich-figürlichen Bildhauerei blieb. Das zeigen schon zwei Skulpturen, die Meller in dieser Münchner Zeit schuf: ein als Grabmal konzipierter weiblicher Torso und ein sitzender Frauenakt.

Das Studium in München beendete Willy Meller 1914, nachdem er bereits im Jahr zuvor in Köln einen Brunnen fertigstellen konnte. 1914 kehrte er nach Köln zurück, beteiligte sich im gleichen Jahr an der Kölner Werkbundausstellung und erhielt den Auftrag für die bauplastische Gestaltung eines Gartenhauses in der zu dieser Zeit noch eigenständigen Stadt Mülheim am Rhein (heute Köln-Mülheim). Weitere Aufträge verhinderte zunächst der Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Meller wurde am 17. Juli 1915 eingezogen und kam an die Westfront. Das Ende des Krieges erlebte er bei der Zivilverwaltung in Belgien, wo er für die Ausgestaltung von Soldatenfriedhöfen eingesetzt wurde.

Nach dem Ende des Krieges ging Willy Meller als freischaffender Künstler nach Köln zurück. Hier arbeitete er unter anderem mit dem Architekten Paul Bonatz zusammen. Hauptsächlich schuf er jedoch bauplastische Arbeiten für Gebäude, die sein Jugendfreund, der Architekt Clemens Klotz, entworfen hatte. „Bei allen seinen bauplastischen Arbeiten in den zwanziger Jahren beschränkte sich Mellers plastische Arbeit meist auf wenige figürliche oder ornamentale Elemente, die zur Hervorhebung repräsentativer Bereiche, wie zum Beispiel der Eingangsbereiche dienten. Die Verbindung zur Architektur erfolgte vorwiegend durch Applikation auf die jeweils zu akzentuierenden Bauteile. Entscheidend bei der formalen Gestaltung der Plastik war für Meller dabei immer die harmonische Verbindung mit der Architektur.“

Neben seinem bauplastischen Schaffen fertigte Meller kunsthandwerkliche Arbeiten an. Außerhalb von Köln schuf er darüber hinaus meist zusammen mit befreundeten Architekten etliche Kriegerdenkmäler, so in Lüdenscheid, Bochum und Dülken. Diese Denkmäler empfahlen in ihrer Aussage und in ihrer Formensprache Meller den Nationalsozialisten.

Figur des Kriegerehrenmals in Lüdenscheid

Eine Plastik, die für Willy Mellers Entwicklung in den 1920er und 1930er Jahren charakteristisch ist, stellt die mehrfach veränderte Skulptur des Kriegerehrenmals in Lüdenscheid dar. Am 15. Mai 1922 fasste der Kriegerverein der Stadt- und Landgemeinde Lüdenscheid den Beschluss, den Magistrat der Stadt Lüdenscheid aufzufordern, den im Weltkrieg 1914–1918 gefallenen Mitbürgern einen Gedenkstein an einem geeigneten Platz errichten zu lassen. Wegen politischer Unruhen nach der Ermordung des deutschen Außenministers Walter Rathenau am 24. Juni 1922 wurde das Projekt zunächst eingestellt; erst 1924 wurde die Denkmalfrage erstmals wieder in der Öffentlichkeit erörtert. Im Oktober 1924 gründete sich ein Arbeitsausschuß für die Errichtung eines Denkmals zu Ehren der Gefallenen der Stadt Lüdenscheid. Im Januar 1925 wurde die Stadtparkterrasse als Standort des zu errichtenden Denkmals bestimmt. Nach mehrjährigen Auseinandersetzungen, die das Projekt insbesondere wegen fehlender Geldmittel ins Stocken brachten, wurde am 13. Juni 1927 ein Wettbewerb mit dreimonatiger Frist ausgelobt, in dem Bildhauer und Architekten geeignete Entwürfe einreichen konnten. Unter 18 eingegangenen Entwürfen war es der Gemeinschaftsentwurf „Pro Patria“ von Architekt Fritz Fuß und Bildhauer Willy Meller, der den mit 600 Reichsmark dotierten 1. Preis erhielt.

In diesem ersten Wettbewerbsentwurf vermittelte die Figur für das Ehrenmal den Eindruck eines sterbenden Menschen, „der sich im Todeskampf noch ein letztes Mal kraftlos aufzurichten versucht. Die Haltung impliziert, daß die dargestellte Gestalt im nächsten Moment zurückfallen wird. Dieser Eindruck wird durch den leidenden Ausdruck des Gesichts bestätigt. Sein Körper ist insgesamt schlank in seinen Proportionen, die einzelnen Muskelpartien sind zwar dargestellt, wirken aber nicht übermäßig ausgeprägt. Die Körperoberfläche ist lebendig modelliert. Es handelt sich also insgesamt um eine weitgehend naturgetreue Darstellung, die in pathetischen Gebärden einen sterbenden jungen Mann zeigt.“

Zu einer Ausführung des Ehrenmals kam es aufgrund fehlender finanzieller Mittel erst einmal nicht. Im Zuge einer Spendenkampagne, bei der eine Abbildung von Mellers Figur in der Stadt gezeigt wurde, tauchten neben der Interpretation als Sinnbild des Opfertods des Gefallenen auch revanchistische Interpretationen auf. Darin wurde die Figur als Ausdruck angesehen, dass Deutschland sich gegen die Schmach der Niederlage im Ersten Weltkrieg erheben würde. Ein Beitrag in der Lokalzeitung aus dem Jahr 1929 sah in der Figur „die Idee des Kampfes und des Opfertodes“ ausgedrückt. Zu einer Realisierung der Pläne kam es auch in dieser Zeit nicht. Mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten änderte sich die Situation. Die örtlichen Führer setzten sich mit Nachdruck für den Bau des Denkmals ein und auch Meller bewegte sich. 1933 legte er einen neuen Entwurf für die Figur vor, während er die architektonische Inszenierung in ihrer ursprünglichen Gestaltung beließ. „Meller schuf hier formal die Gestalt eines jungen, männlichen und durchtrainierten Heroen, dem Prototyp der Monumentalplastik, wie sie sich in der Bildhauerei des Nationalsozialismus etablieren sollte. Aus dem ‚Gefallenen‘ war ein ‚Erwachender‘ geworden.“

Am 17. März 1935 fand die feierliche Einweihung des Ehrenmals statt. Eine Würdigung des Denkmals aus dem Jahr 1936 sah die Bedeutung der Plastik Mellers darin, „nicht mehr Opfer des Krieges, nicht mehr sein Leid und seine Not der Nachwelt zu überliefern, sondern die Hoffnung zum Ausdruck bringen (zu wollen), daß auf diese große Schicksalsprüfung eine Wiederauferstehung unseres Volkes folgen müsse.“

Nach dem Ende des „Dritten Reichs“ diente das Ehrenmal als Gefallenenehrenmal, lediglich die nationalsozialistischen Hoheitszeichen wurden 1946 entfernt. Am 2. Juni 2003 wurde es unter der laufenden Nummer 148 in die Denkmalliste der Stadt Lüdenscheid eingetragen.

Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten setzte Meller seine Zusammenarbeit mit Klotz fort, der schnell einer der wichtigsten NS-Architekten wurde. Schon 1933 ernannten ihn die Nationalsozialisten zum beauftragten Architekten der Reichsleitung für die Errichtung der Schulungsbauten der NSDAP und der Deutschen Arbeitsfront (DAF). Meller schuf Bauplastiken für Gebäude, die Klotz für die DAF geplant und ausgeführt hat. Dazu zählen die Ordensburg Vogelsang und die Ordensburg Crössinsee. Die Aufträge wurden in dieser Zeit so umfangreich, dass Meller neben seinem Kölner Atelier auch Ateliers an diesen beiden Orten und in Berlin einrichtete.

Die höchste staatliche Anerkennung, die Bildhauer im „Dritten Reich“ bekommen konnten, errang Meller durch die Vergabe von zwei Arbeiten an ihn für das Olympiastadion Berlin. Dafür erhielt er am 22. März 1937 das Deutsche Olympia-Ehrenzeichen II. Klasse. Am 13. Oktober 1937 beantragte Meller die Aufnahme in die NSDAP und wurde rückwirkend zum 1. Mai desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 5.613.963). Am 20. April 1939, anlässlich dessen 50. Geburtstages, ernannte Adolf Hitler ihn zum Professor. Während des Krieges verhalf ihm seine Aufnahme in die von Joseph Goebbels erstellte Liste der Künstler im Kriegseinsatz dazu, vom Dienst in der Wehrmacht und vom Einsatz in Rüstungsbetrieben freigestellt zu werden.

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