Wilhelm „Willibald“ Kreß (* 13. November 1906 in Frankfurt am Main; † 27. Januar 1989 in Gießen) war ein deutscher Fußballspieler und -trainer.
Als Torhüter spielte er zwischen 1922 und 1949 27 Jahre lang in den obersten deutschen Spielklassen. Er absolvierte von 1929 bis 1934 in der A-Nationalmannschaft 16 Länderspiele und nahm mit der DFB-Auswahl an der Weltmeisterschaft 1934 in Italien teil. Er galt zwischen den Weltkriegen als eine der schillerndsten Persönlichkeiten im deutschen Fußball und wurde oft in einem Atemzug mit dem Spanier Zamora, dem Österreicher Hiden und dem Italiener Combi, den ganz großen Torhütern dieser Jahre, genannt.
Die elterliche Wohnung des Knaben Willibald Kreß im Frankfurter Stadtteil Bockenheim lag direkt neben dem Platz des Fußballclubs Amicitia, einem der frühen Vereine des zu diesem Zeitpunkt noch jungen Fußballsports in Deutschland. Er entwickelte sich bald zu einem leidenschaftlichen Spieler; er hatte Bewegungstalent, Angriffsgeist und spielte in der Jugend am liebsten in der Position des Mittelstürmers. Bereits mit 15½ Jahren debütierte er in der Seniorenmannschaft des am 26. August 1919 aus einer Fusion von Amicitia und Germania Bockenheim entstandenen VfR 1901 Frankfurt. Der VfR zählte in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg zu den besseren Vereinen im Rhein-Main-Gebiet und belegte 1921/22 im Kreis Nordmain hinter Eintracht Frankfurt, FSV Frankfurt und dem FC Hanau 93 den vierten Rang. Sein Talent führte zu Berufungen in die Frankfurter Stadtauswahl, wo er mit den Stars der Eintracht (Hans Bechtold, Walter Dietrich, Willi Pfeiffer, Willy Trumpp) und des FSV (Robert Pache, Arno Strehlke, Jean-Louis Bretteville) gemeinsam auf dem Platz stand.
Nach der Fusion des VfR 1901 mit dem FC Helvetia Bockenheim 1926 zum SC Rot-Weiß konnte der samstags in der Reserve als Mittelstürmer auf Torjagd gehende und sonntags als Torverhinderer in der Ersten von Rot-Weiß auftretende Keeper über die Grenzen Frankfurts hinaus auf sich aufmerksam machen.
In den Spielzeiten 1929/30 und 1930/31 erreichte Rot-Weiss Platz 2 in der Bezirksliga Main, jeweils hinter Eintracht Frankfurt, und zog in die Endrunde um die Süddeutsche Meisterschaft ein.
1932 kam Ungemach, als Rot-Weiss Frankfurt und mehrere seiner Spieler bei Verstößen gegen das Amateurstatut überführt wurden.
Über den Hintergrund dieser Affäre kursieren zwei Versionen: Nach der einen sollen er und seine Mitspieler bei Rot-Weiß Frankfurt für eine höhere Aufwandsentschädigung gestreikt haben; nach der anderen hatte sein Verein sich verpflichtet, bei Freundschaftsspielen mit Kreß anzutreten, und musste, nachdem der wegen einer Diphtherie nicht mit auflaufen konnte, an den gegnerischen Klub 1.000 RM Vertragsstrafe bezahlen, was der DFB – nicht ganz unlogisch – so interpretierte, dass Rot-Weiss normalerweise mindestens 1.000 RM Antrittsprämie bekommen und einen Teil davon verbotenerweise an seine Spieler weitergegeben hätte.
Einstweilen versuchten Kreß, sein Schwager Anton Engelhardt und Fritz Engel, zwei weitere Leistungsträger der Hessen, ihre Profikarriere beim Elsässer Meister FC Mulhouse in Frankreich fortzusetzen. Dort bereitete der Österreicher Ferdinand Swatosch – der sich selbst wenige Jahre zuvor bei der Kölner SpVgg Sülz 07 gegen die deutschen Amateurbestimmungen versündigte und gesperrt wurde – die Mannschaft auf die erste Saison der professionellen Ära in Frankreich vor.
Am 13. August 1932 waren die drei dabei, als die Profimannschaft des FC Mulhouse mit einem 2:2-Sieg gegen eine Auswahl aus dem badischen Freiburg ihren Einstand gab. Am 6. August folgte ein 8:0-Sieg gegen den deutschen Zweitligisten FV Lörrach und am 20. August ein 5:2 gegen AS Straßburg. Am 27. August 1932 spielte Kreß zusammen mit Engel und Engelhardt in einem Freundschaftsspiel gegen den FC Sochaux, das 3:3 endete. Vor dem ersten Ligaspiel der Saison am 12. September verweigerte der DFB endgültig die Freigabe der deutschen Profis. Willibald Kreß' Posten im Tor wurde durch den vom FC Barcelona gekommenen ungarischen Stareinser Ferenc Plattkó eingenommen, der im November auch Ferdl Swatosch als Spielertrainer ablösen sollte, der aber den Abstieg der Mülhauser nicht zu verhindern vermochte.
Ende September sprach der DFB sein Urteil in der Angelegenheit. Der Vereinspräsident von Rot-Weiss Frankfurt Paul Hahn wurde auf Lebenszeit gesperrt, zwei weitere Funktionäre auf eine schwarze Liste gesetzt. Willi Rutz wurde für drei Jahre, Fritz Engel für zwei Jahre gesperrt. Willibald Kreß und Anton Engelhardt kamen mit eineinhalb Jahren davon und Karl Strehle und Richard Scholz traf es mit achtmonatigen Sperren nur relativ glimpflich.
Die drei Deutschen kamen am 5. Oktober noch einmal bei einem 1:1 in einem Privatspiel beim FC Young Fellows Zürich zum Einsatz.
Kreß fand auf Vermittlung des auch mit den Amateurbestimmungen in Konflikt geratenen Nationalspielers Richard Hofmann beim Dresdner SC eine neue Wirkungsstätte. Fritz Engel setzte seine Profikarriere bei den Grasshopper Club Zürich fort, ehe er nach Brasilien weiterzog und dort indirekt nachhaltigen Einfluss auf den dortigen Fußball ausüben sollte. Der weitere Weg von Anton Engelhardt bleibt zu eruieren. Möglicherweise fand er bei SV Darmstadt 98 eine neue Bleibe.
Nach seiner frühen Begnadigung debütierte er für seinen neuen Verein am 20. Juli 1933 bei einem 4:1-Sieg vor 20.000 Zusehern in einem "Gesellschaftsspiel", wie man weiland mancherorts freundschaftliche Fußballwettkämpfe zu nennen pflegte, in Dresden gegen den amtierenden Deutschen Meister Fortuna Düsseldorf. Er spielte nun für einen Verein, der in den nächsten Jahren in der Gauliga Sachsen sechs Mal die Meisterschaft gewann (1934, 1939, 1940, 1941, 1943, 1944), in den Endrunden fünf Mal in das Halbfinale einzog und 1943 und 1944 als Krönung die Deutsche Meisterschaft nach Dresden holen konnte. Daneben triumphierte der DSC mit Torhüter Kreß auch noch zweimal 1940 und 1941 im Tschammerpokal. Gleich in seiner ersten Runde in Dresden, 1933/34, setzte sich der „schöne Willibald“ – wegen seines guten Aussehens und seiner eleganten Spielweise war er über die Fußballwelt hinaus so bekannt –, mit seinen Mitspielern Walter Kreisch, Kurt Stössel, Georg Köhler, Rudolf Berthold, Karl Schlösser, Richard Hofmann, Helmut Schön, Friedrich Müller und August Sackenheim in der Gauliga Sachsen nach spannendem Kampf gegen den punktgleichen VfB Leipzig knapp durch und gewann die Meisterschaft. In der Endrunde um die deutsche Meisterschaft hatte Kreß mit seinen Mannschaftskameraden zwar das Hinspiel am 22. April beim härtesten Rivalen 1. FC Nürnberg mit 2:1 Toren für sich entschieden, verloren aber am letzten Gruppenspieltag, den 13. Mai, das Heimspiel gegen den „Club“ vor 46.000 Zuschauern mit 0:1 Toren und büßten somit den Zweipunktevorsprung ein. Nürnberg zog punktgleich, über den Torquotientenvergleich, anstelle von Dresden in das Halbfinale ein. Die Leistungen von Kreß hatten aber Reichstrainer Otto Nerz überzeugt und so kehrte Kreß wieder in die Nationalmannschaft zurück. Nach knapp zweijähriger Pause feierte der Ex-Frankfurter am 14. Januar 1934 in seiner Heimatstadt beim 3:1-Erfolg gegen Ungarn sein Comeback in der DFB-Auswahl und gehörte auch kurz nach der Endrunde um die deutsche Meisterschaft (April/Mai 1934) dem Aufgebot für die Weltmeisterschaft 1934 in Italien (Mai/Juni 1934) an. Kreß ragte zusammen mit Richard Hofmann und Helmut Schön noch aus der exzellent besetzten Meistermannschaft des Dresdner SC heraus und gilt bis heute (2011) als der beste Torhüter in der Geschichte der „Mohnroten“ aus dem Ostragehege. Er absolvierte von 1934 bis 1944 für den DSC 39 Endrundenspiele und hat damit in nur zwei Spielen – 1944, kriegsbedingt gegen Germania Königshütte und Borussia Fulda – in elf Runden gefehlt. Den „Beherrscher des Strafraums“ zeichnete auch Disziplin, Leistungswille, Zuverlässigkeit und jahrzehntelanges konsequentes Training zum Gelingen seiner langen Spielerlaufbahn aus.
Helmut Schön, Mitspieler von Willibald Kreß beim DSC und späterer Bundestrainer, beschreibt seine Torhüter-Qualitäten so: