William de Valence, 1. Earl of Pembroke (auch Guillaume de Lusignan) (* zwischen 1227 und 1231; † 16. Mai 1296 in Brabourne) war ein anglo-französischer Adliger. Er war einer der führenden Lusignans, der aus Frankreich stammenden Halbbrüder des englischen Königs Heinrich III. Als Ausländer geschmäht, hatte er unter den englischen Baronen ein schlechtes Ansehen. Obwohl er jahrelang loyal dem König diente, machte er sich durch sein Verhalten Gegner und wurde zum Feindbild der Adelsopposition unter Simon de Montfort. Während des Zweiten Kriegs der Barone hatte er wichtigen Anteil am Sieg der Partei des Königs. Nach dem Bürgerkrieg diente er seinem Neffen Eduard I. als Diplomat und Militär bis an das Lebensende.
William de Valence entstammte der französischen Adelsfamilie Lusignan. Er war der vierte oder fünfte Sohn von Isabella von Angoulême und von ihrem zweiten Ehemann Hugo X. von Lusignan, Graf von La Marche. William wurde vermutlich zwischen 1227 und 1231 vermutlich in Valence, einem Dorf bei Couhé im Poitou geboren. Seine Mutter war die Witwe des englischen Königs Johann Ohneland, damit war Valence ein Halbbruder des englischen Königs Heinrich III. 1242 scheiterte eine Rebellion seines Vaters gegen den französischen König Ludwig IX., danach zog sich sein Vater aus der Politik zurück und teilte seine Ländereien unter seinen Söhnen auf. Obwohl Valence noch minderjährig war, wurde er nun Seigneur von Montignac, Bellac, Rancon und Champagnac.
Übersiedlung nach England und Verheiratung
Im Sommer 1247 folgte Valence zusammen mit mehreren seiner Geschwister einer Einladung ihres Halbbruders Heinrich III. nach England. Während seine Brüder Guy und Geoffroi schließlich wieder in die Gascogne zurückkehrten, blieben William und sein Bruder Aymer sowie seine Schwester Alice in England. Der König hoffte, dass seine im Vergleich zu den englischen Baronen kultivierten südwestfranzösischen Verwandten seinen Hof bereicherten, seine Bindung an die südwestfranzösischen Besitzungen festigten und vermutlich durch die Schaffung einer großen Herrscherfamilie seine Stellung als König stärkten. Am 13. August 1247 wurde Valence mit Joan de Munchensi verheiratet, die Erbin eines umfangreichen Teils der Besitzungen der Familie Marshal war. Valence wurde durch die Heirat Lord von Pembroke und Goodrich Castle in den Welsh Marches sowie von Wexford in Irland. Dazu wurde vermutlich im Heiratsvertrag vereinbart, dass der König seinen landlosen Halbbruder ebenfalls Besitzungen übergeben musste, weshalb Valence Hertford Castle übergeben wurde. Aus den Ländereien seiner Frau bezog Valence jährliche Einkünfte von über £ 700, daneben erhielt er vom König eine jährliche Pension von 500 Mark. Weitere 500 Mark sollte er jährlich erhalten, bis ihm der König Ländereien mit entsprechenden Einkünften übergeben konnte. Dazu erhielt er von seinem Halbbruder noch weitere Einkünfte, so dass Pembroke 1252 die Besitzungen der Familie Pont de l'Arche in Südwestengland und in den 1260er Jahren die Besitzungen der Familie Bertram in Northumberland kaufen konnte. Angesichts dieser umfangreichen Besitzungen in England und Irland übergab er bei einer Reise ins Poitou am 22. August 1248 seine dortige Herrschaft Montignac seinem Bruder Geoffroi.
Am 13. Oktober 1247 schlug der König Valence in Westminster feierlich zum Ritter, und während der nächsten zehn Jahre lebte Valence vorwiegend am Königshof. Nach Matthew Paris bekam er rasch erheblichen Einfluss auf den König. Dies kann jedoch nach den erhaltenen Urkunden und Dokumenten nicht zweifelsfrei belegt werden, im Gegenteil, Valence agierte teils widerspenstig, vermutlich, weil der König seiner Ansicht nach zu zögerlich seine Geldzuwendungen in Lehen umwandelte. Bis 1249 nahm Valence mehrmals an Turnieren teil, bis ihm der König dies untersagte und zur Strafe im Oktober 1249 zeitweilig seine Besitzungen beschlagnahmte. Durch die Turniere gewann er jedoch die ersten englischen Ritter, die schließlich zu seinem Gefolge gehörten, sowie einflussreiche Freunde wie sein späterer Schwager John de Warenne, 6. Earl of Surrey und Richard de Clare, 2. Earl of Gloucester. Zusammen mit dem König legte er am 6. März 1250 in Westminster Hall ein Kreuzzugsgelübde ab, doch im November 1251 untersagte der Könige allen Rittern und Baronen, die zur Rettung des in Ägypten gefangen genommenen französischen Königs Ludwig IX. ins Heilige Land aufbrechen wollten, die Ausreise und ließ die englischen Häfen schließen. Auch Valence hatte Vorbereitungen getroffen, um zum Kreuzzug aufzubrechen, wozu ihm der Papst eine Unterstützung in Höhe von 2200 Mark versprochen hatte. Bis Anfang 1252 wandelte der König schließlich die jährliche Zuwendung von 500 Mark in die Übertragung von einträglichen Vormundschaften um. Bis 1268 blieb Valence Verwalter der Güter von Robert Fitzjohn of Warkworth in Northumberland, dazu erhielt er weitere Güter in anderen Teilen Englands.
Machtkampf zwischen den Lusignans und ihren Rivalen am Hof
Unterstützung von Heinrichs Expedition in die Gascogne
Als es 1252 zu einer Rebellion in der dem englischen König gehörende Gascogne kam, stieg der Einfluss der Lusignans am englischen Hof rasch an. Im Januar 1252 gehörte Valence dem Kronrat und schlichtete dabei den Streit zwischen dem König und Simon de Montfort, der zuvor King’s Lieutenant der Gascogne gewesen war. In der Überzeugung, dass der König sie nicht bestrafen würde, begannen Valence und die anderen Lusignans Händel mit anderen Magnaten. Im Oktober 1252 plünderte Valence Besitzungen von Bischof Hugh von Ely bei Hatfield, und Ende des Jahres unterstützte er seinen Bruder Aymer, als dieser die Paläste von Bonifatius von Savoyen, Erzbischof von Canterbury plünderte. Matthew Paris und anderen Chronisten zufolge war der Königshof ab diesem Zeitpunkt in das Lager der mit dem König verwandten Lusignans und dem Lager der mit Königin Eleonore verwandten Savoyarden gespalten, zu denen unter anderem Thomas und Peter von Savoyen gehörten. Valence blieb weiterhin mit dem mächtigen Earl of Gloucester befreundet, dessen Sohn und Erbe Gilbert im Januar 1253 seine Nichte Alice heiratete. Kurz danach brachen Gloucester und er zu einer Reise nach Frankreich auf, während der sie an mehreren Turnieren teilnahmen. Vor Oktober 1253 stieß er schließlich in der Gascogne zu Heinrich III., der dort versuchte, die Rebellion niederzuschlagen. Zusammen mit seinen Verwandten im Poitou stellte Valence eine Streitmacht von über 100 Rittern aus dem Poitou auf, die den König unterstützten. Dazu half Valence, die Bergregionen von Bergerac und Gensac zu befrieden sowie den Streit zwischen Simon de Montfort und Gaston de Béarn über Bigorre beizulegen. Typischerweise versuchte er jedoch auch, den König zur Übergabe weiterer Ländereien zu bewegen, erhielt jedoch nur das Versprechen, eine weitere einträgliche Vormundschaft zu bekommen. Nachdem sie die Gascogne befriedet hatten, begleitete er im Winter 1254 den König, als dieser über Paris nach England zurückreiste. 1255 übertrug ihm der König für ein Jahr die Vormundschaft über seinen reichen, aber noch minderjährigen Schwager William de Munchensi.
Zunehmender Einfluss von Valence auf die Politik des Königs
In England stand Valence beim König in hoher Gunst, hatte dabei aber offensichtlich weniger Einfluss als seine Rivalen bei Hofe, vor allem den Savoyarden. Dabei holte der König seinen Rat nur ein, wenn es ihm nützlich erschien, beispielsweise im Januar 1256 zu Fragen über die Gascogne. Im September 1255 hatte Valence den König nach Nordengland begleitet, wo dieser Verhandlungen mit der Minderjährigkeitsregierung für den jungen schottischen König Alexander III. führte. Im Oktober 1255 bezeugte er in Windsor, wie der König das Angebot des Papstes über die sizilianische Thronfolge akzeptierte, dabei war er jedoch kein eindeutiger Befürworter dieses sizilianischen Abenteuers. Nur als der König Weihnachten 1256 der Kandidatur seines jüngeren Bruders Richard von Cornwall als römisch-deutscher König zustimmte, hatte Valence möglicherweise größeren Einfluss. Nachdem Richard von Cornwall im April 1257 nach Deutschland aufgebrochen war, hatte sich der in großen Finanznöten befindliche König zunehmend an die Lusignans gewandt, um sie um Rat zu fragen und um sich Geld bei ihnen zu leihen. Im November 1257 hatte Valence beispielsweise dem König 1100 Mark geliehen, wofür ihm der Thronfolger Lord Eduard Stamford und Grantham verpfändet hatte. Daraus entstand ein Bündnis zwischen Valence und dem Thronfolger, der durch den walisischen Aufstand ab Ende 1256 selbst zahlreiche Besitzungen verloren hatte. Dieses Bündnis, durch das Valence weiteren Einfluss auf die Regierung erhielt, erzürnte seine Gegner weiter, und zahlreiche alte Rivalitäten wurden nun als offene Fehde ausgetragen. Der König hatte im November 1256 noch verfügt, dass keine Prozesse gegen seine Günstlinge, besonders die Lusignans, geführt werden dürfen. Dabei bevorzugte der König Valence gegen andere Höflinge bei der Vergabe von Vormundschaften und Ländereien weiter, was den Konflikt weiter schürte. Die Freundschaft zwischen Valence und dem Thronfolger zerstörte seine Freundschaft mit dem Earl of Gloucester, der in den Welsh Marches ein Rivale von Eduard war.