An diesem Tag

William de Longchamp

Lordkanzler von England, Bischof von Ely

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William de Longchamp (franz.: Guillaume de Longchamps; † 28. oder 31. Januar 1197 in Poitiers) war ein anglonormannischer Geistlicher. Als Sohn eines kleinen Ritters wurde er ein Vertrauter von König Richard Löwenherz, der ihn zum Bischof von Ely wählen ließ. Longchamp diente dem König als Diplomat und stieg als Justiciar und Kanzler von England bis in höchste weltliche Ämter auf. Damit gilt Longchamp als einer der New Men, die im Dienst der angevinischen Könige aufstiegen. Durch seine Ämter machte er sich jedoch zahlreiche Feinde. Obwohl er aus der dem englischen König gehörenden Normandie stammte, war er vermutlich der erste Normanne, der nach der normannischen Eroberung Englands vom Adel wieder als Ausländer geschmäht wurde.

William de Longchamp entstammte einer niederen normannischen Adelsfamilie. Seine relativ niedrige Herkunft wurde von vielen Chronisten ungewöhnlich negativ bewertet. Sie wiederholten die Behauptung von Bischof Hugh de Nonant von Coventry, nach der Longchamp der Enkel eines Kleinbauern aus der Gegend von Beauvais war, der in die Normandie geflüchtet sei. Als gesichert gilt, dass er ein Sohn des Ritters Hugues de Longchamps war. Die Angaben über seine Familie sind allerdings widersprüchlich. Nach den einen Angaben stammte sie aus Longchamps (heute im Département Eure), nach anderen Angaben wurde Longchamps vermutlich in der Nähe von Argentan in der Normandie geboren, wo sein Vater als Vasall von König Heinrich II. die Herrschaft Conches verwaltete. Dazu besaß sein Vater Grundbesitz im englischen Herefordshire. Der Name von William de Longchamps Mutter ist nicht gesichert. Sie hieß vermutlich Eva und gehörte womöglich zur Familie Lacy oder zu einer Familie von deren Vasallen, da sie ein Lehen der Lacys in England mit in die Ehe brachte. Mehrere von Longchamps Geschwistern folgten ihm nach England. Sein Bruder Stephan wurde Steward of the royal household und nahm am Dritten Kreuzzug teil. Als Justiciar ernannte Longchamp seine Brüder Osbert und Henry zu Sheriffs. Robert de Longchamp wurde Prior von Ely und schließlich des Klosters St Mary’s in York. Seine Schwester Richeut heiratete Matthew de Clere, den Longchamp zum Constable von Dover Castle ernannte. Auch seine Schwester Melisend folgte ihm nach England, ebenso wie ein Neffe und eine Nichte, die er beide gut verheiratete. Ein weiterer Bruder war vermutlich der Ritter Étienne de Longchamps.

Longchamp besaß eine beachtliche Bildung und galt als kultivierter Geistlicher. Zu seinen Freunden gehörten prominente Dichter wie Nigel of Canterbury und Petrus von Blois. Um 1185 verfasste er das Werk Practica Legum et decretorum, eine Abhandlung über die Anwendung des römischen und des kanonischen Rechts im angevinischen Reich. Seine Karriere begann im Dienst von Geoffrey, einem unehelichen Sohn von König Heinrich II., als dieser Archidiakon von Rouen war. Später wechselte er als Kanzler in den Dienst von Geoffreys Halbbruder Richard, als dieser Graf des Poitou war. Als Richard 1189 englischer König wurde, ernannte er Longchamp zu seinem königlichen Kanzler, wofür Longchamp allerdings eine Gebühr von £ 3000 zahlen musste. Dafür erhöhte Longchamp die Gebühren, die er als Kanzler für die Besiegelung von Urkunden verlangte. Während der Ratsversammlung in Pipewell Abbey im September 1189 vergab König Richard vier Bischofssitze an langjährige Beamte von ihm. Longchamp wurde Bischof der Diözese Ely. Seine Weihe zum Bischof erfolgte am 31. Dezember 1189, am 6. Januar 1190 die Inthronisation.

Bevor König Richard wenig später zum Dritten Kreuzzug aufbrach, ernannte er William de Mandeville, Earl of Essex und Bischof Hugh de Puiset zu Justiciaren, die während seiner Abwesenheit die Regierung von England führen sollten. Nachdem Mandeville im Dezember 1189 überraschend gestorben war, ernannte Richard William de Longchamp zu dessen Nachfolger. Mitte März 1190 änderte der König noch während der Ratsversammlung in Nonancourt in der Normandie die Zuständigkeiten der beiden Justiciare. Anstatt dass sie weiter gemeinsam die Regierungsverantwortung hatten, benannte der König nun Longchamp zum Chief Justiciar von England, während Hugh de Puisets Zuständigkeit auf Nordengland nördlich des Humber begrenzt wurde. Da Longchamp zudem Kanzler war und das königliche Siegel führte, war er damit während der Abwesenheit des Königs faktisch zum Regenten von England ernannt worden. Um seine Autorität zu stärken, übertrug ihm der König dazu die Verantwortung für eine Reihe wichtiger Burgen.

Im späten Frühjahr 1190 kehrte Longchamp aus Frankreich nach England zurück, um dort die Regierung zu übernehmen. Dazu ernannte ihn Papst Clemens III. am 5. Juni zum päpstlichen Legaten für England, so dass er auch die Führung der englischen Geistlichen beanspruchen konnte. König Richard hatte es jedoch versäumt, die Aufgaben von Hugh du Puiset genau zu benennen. Longchamp nutzte dies aus. Er übernahm alleine die Kontrolle des Schatzamts, schloss Puiset nahezu völlig von der Regierung aus und nötigte ihn schließlich, ihm die von ihm gehaltenen königlichen Burgen zu übergeben.

Als Justiciar und Kanzler begann Longchamp seine Regentschaft energisch. Als Legat leitete er am 1. August eine Ratsversammlung der Kirche in Gloucester und am 13. Oktober eine in Westminster. Nachdem es in York zu Pogrom gegen die jüdische Bevölkerung gekommen war, stellte Longchamp dort die Ordnung wieder her. Im Sommer 1190 berief er Gerichtsverhandlungen ein, für die er selbst in Westminster den Vorsitz führte. Dazu unternahm er einen Feldzug gegen Rhys ap Gruffydd, den mächtigsten der südwalisischen Fürsten. Longchamps Ziel war es, möglichst viel Geld einzutreiben, um den Kreuzzug des Königs zu unterstützen. Deshalb beauftragte er beispielsweise einen Beamten, die enorm hohe Steuerschuld eines jüdischen Geldverleihers namens Aaron aus Lincoln einzutreiben. Als Kanzler ließ er erstmals das genaue Datum auf Urkunden angeben und führte, wohl nach dem Vorbild der päpstlichen Kanzlei, den Pluralis Majestatis in königlichen Urkunden ein.

Obwohl Longchamp zweifellos ein fähiger Verwalter war, machte er sich viele Feinde. Als aus kleinen Verhältnissen aus der Normandie stammender Ausländer zog er mit einem großen Gefolge durch England, womit er die englischen Barone verärgerte. Dazu soll er der englischen Sprache nicht mächtig gewesen sein und die Engländer und auch die Barone arrogant behandelt haben. Als Ausländer aus der damals bereits als Ausland empfundenen Normandie und wegen seiner Funktion als rücksichtsloser Geldeintreiber für den Kreuzzug des Königs war er selbst bei den anderen Bischöfen unbeliebt. Andere ranghohe Beamte soll er missachtet haben, stattdessen besetzte er zahlreiche Ämter mit eigenen Vertrauten. So ernannte er bis Herbst 1191 in zwölf Counties neue Sheriffs. Unter ihnen waren seine Brüder Henry, der Sheriff von Herefordshire wurde, und sein Osbert, der Sheriff von Yorkshire und später noch von Norfolk und Suffolk wurde.

So entstanden bald zahlreiche Gerüchte über sein Privatleben, nach denen er homosexuell gewesen sein sollte.

Machtkampf mit Johann Ohneland

Longchamps größte Herausforderung war jedoch Johann Ohneland, Graf von Mortain, der jüngere Bruder von König Richard. Dieser besaß umfangreiche Besitzungen in England, doch sein Bruder hatte ihm verboten, während seiner Abwesenheit nach England zu kommen. 1191 kam er jedoch entgegen diesem Verbot nach England. Er erklärte sich zum voraussichtlichen Thronfolger seines bislang kinderlos gebliebenen Bruders und nutzte die Unzufriedenheit der Barone aus, um Longchamps Autorität zu schwächen und um selbst an Macht und Einfluss zu gewinnen. Ein Streitpunkt zwischen Johann und Longchamp war die Wahl eines neuen Erzbischofs von Canterbury, nachdem die Nachricht vom Tod von Erzbischof Balduin vor Akkon England erreicht hatte. Longchamp spekulierte, sich selbst um die Wahl zum Oberhaupt der englischen Kirche zu bewerben, was Johann jedoch ablehnte. Entscheidend wurde schließlich die Frage, wer die königlichen Burgen kontrollieren durfte. Einige von ihnen befanden sich innerhalb von Johanns Besitzungen, wurden aber von Verwaltern von Longchamp gehalten. 1191 begann Longchamp, ausländische Söldner anzuwerben, um die Besatzungen der Burgen zu verstärken. Angesichts der Beschwerden aus England, die König Richard erreichten, entschloss sich dieser zum Handeln. Von Sizilien aus, wo er auf dem Weg nach Palästina überwintert hatte, sandte er im späten Frühjahr 1191 Walter de Coutances, den Erzbischof von Rouen zurück nach England. In einem Brief befahl er Longchamp und die anderen Mitglieder der Regierung, sich mit Coutances abzustimmen, und in einem zweiten Brief ermächtigte er Coutances, notfalls die gleichen Vollmachten wie Longchamp zu beanspruchen. Dieser verlor dazu mit dem Tod von Papst Clemens III. am 20. März 1191 seine Stellung als päpstlicher Legat.

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