William Wilberforce, FRSA (* 24. August 1759 in Kingston upon Hull, Yorkshire; † 29. Juli 1833 in Chelsea) war ein britischer Parlamentsabgeordneter und Anführer im Kampf gegen die Sklaverei und den Sklavenhandel in der westlichen Welt.
Wilberforce war der einzige Sohn und Erbe des Robert Wilberforce (1729–1768), eines Kaufmanns im Ostseehandel aus Kingston-upon-Hull, aus dessen Ehe mit Elizabeth Bird (1727–1798). Als seine Schwester war Sarah Wilberforce Stephen (1758–1816) namentlich bekannt. Als Kind soll Wilberforce den ehemaligen Sklavenhändler John Newton kennengelernt haben und mit ihm befreundet gewesen sein, weil er Pastor seiner Kirche war. Er besuchte die Hull Grammar School, wo er vom anglikanischen Pastor Joseph Milner unterrichtet wurde. Als sein Vater 1768 starb, kam der Neunjährige zu einem Onkel und einer Tante, die in der Nähe Londons wohnten und Methodisten waren. Dort lernte er den bekannten, einflussreichen Prediger George Whitefield kennen. Er studierte ab 1776 am St John’s College der Universität Cambridge, und er genoss das Leben als reicher Mann der Oberschicht.
1780 wurde der 21-jährige, redebegabte Mann erstmals ins britische Unterhaus gewählt. Er gab 8.000 Pfund für die Wahl aus. Von 1780 bis 1784 war er Abgeordneter für seine Heimatstadt Kingston upon Hull, vom 7. April 1784 bis am 24. November 1812 für das County Yorkshire und vom 7. Oktober 1812 bis am 31. Dezember 1825 für Bramber in Sussex.
1784 und 1785 machte Wilberforce eine Reise durch Kontinentaleuropa, auf der ihn der Mathematiker Isaac Milner begleitete. Unterwegs führten diese mehrere ausführliche Gespräche über religiöse Fragen und lasen gemeinsam das Buch The Rise and Progress of Religion in the Soul von Philip Doddridge. Wilberforce begann daraufhin das Studium des griechischen Neuen Testaments und konvertierte zum evangelikalen Protestantismus in methodistischer Ausprägung.
Mit seinem Studienfreund William Pitt setzte er sich für Parlamentsreformen und die politische Emanzipation der Katholiken ein. Im September 1792, nach der Französischen Revolution, wurde ihm die französische Ehrenbürgerschaft verliehen. Er setzte sich auch für die Arbeiterklasse ein, indem er ab 1815 für das Korngesetz eintrat, das die Preise für importiertes Getreide regelte.
Wilberforce begann 1787 seine Mission zur Reform der Sitten (englisch: Proclamation Society) und zur Beendigung des Sklavenhandels, unterstützt von Abolitionisten wie Granville Sharp, Thomas Clarkson, Quäkern und Methodisten. Die Quäker hatten als Erste bereits 1783 ein Komitee gegen den Sklavenhandel gegründet; Sharp, Clarkson und weitere Personen 1787 eine Gesellschaft zum Verbot des Sklavenhandels (englisch: Society for the Abolition of the Slave Trade).
In einer Parlamentssitzung im Jahre 1789 beantragte er gemeinsam mit seinem Freund William Pitt, dem damaligen Premierminister, die Abschaffung des britischen Sklavenhandels. Von diesem Zeitpunkt an wiederholte er die Einbringung der Gesetzesvorlage in das Parlament jedes Jahr, außer in den Jahren 1800 bis 1803.
1797 gründete er mit Granville Sharp, Thomas Clarkson, Henry Thornton, Charles Grant, Edward James Eliot, Zachary Maucalay und James Stephen die Clapham Sect, die zuerst die Saints (deutsch: Heilige) genannt wurden.
1807, nach 18 Jahren Kampagnen und Kampf gegen die Sklaverei, hatte Wilberforce schließlich Erfolg. Nach einer zehnstündigen Debatte im Parlament wurde das Gesetz gegen den Sklavenhandel (Slave Trade Act) am 24. Februar 1807 um vier Uhr morgens mit einer unerwarteten und überwältigenden Mehrheit von 283 zu 16 Stimmen angenommen. Einen Monat später, am 25. März 1807, trat das Gesetz in Kraft. Von da an war der afrikanische Sklavenhandel im britischen Machtbereich verboten, und Sklavenhändler wurden den Piraten gleichgestellt. Der interne Sklavenhandel in den außerafrikanischen Kolonien blieb allerdings weiterhin erlaubt. Die Vereinigten Staaten beschlossen ein entsprechendes Gesetz (Act Prohibiting Importation of Slaves); es trat aufgrund einer Festlegung in der amerikanischen Verfassung, die den Sklavenhandel bis 1808 garantierte, am 1. Januar 1808 in Kraft.
Wilberforce richtete nun seine Bemühungen darauf, dieses Verbot auch in den übrigen westlich dominierten Gebieten durchzusetzen. Auf seine Veranlassung hin brachte Lord Castlereagh die Angelegenheit auf dem Wiener Kongress zur Sprache. Nach dem Abschluss der Verträge, in denen sich Frankreich, Spanien und Portugal zum Verbot des Sklavenhandels verpflichteten, setzte er sich für die Überwachung des Beschlusses ein.
Nach Abschaffung des Sklavenhandels engagierte er sich für die Beseitigung der Sklaverei überhaupt. Schon 1816 stellte er im Parlament einen Antrag auf Verringerung der Sklaven im britischen Westindien, und als die Regierung seit 1823 die völlige Emanzipation vorbereitete, entfaltete er großen Eifer und führte mit Thomas Buxton an seiner Seite im Unterhaus heftige Debatten.
Wilberforce entfaltete sein evangelikal geprägtes soziales Engagement bei den Flüchtlingen aus Frankreich, den armen Werktätigen und in vielen Organisationen Großbritanniens. Er war Mitglied in bis zu 69 Organisationen, darunter die Church Missionary Society, die British and Foreign Bible Society, die Proclamation Society Against Vice and Immorality, die School Society, die Sunday School Society, die Society for Bettering the Condition of the Poor und die Vice Society.
1824 bis 1826 wohnte er in The Chestnuts, Honeycroft Hill in Uxbridge. 1825 trat er als Parlamentarier zurück und lebte aus gesundheitlichen Gründen zurückgezogen mit seiner Familie.
Seine Argumente gegen den Sklavenhandel
Wilberforce und seine Mitstreiter sammelten akribisch Informationen gegen die Sklaverei, den Sklavenhandel und machten deren brutale Realität vielerorts erstmals bekannt. Ihre Argumente beeinflussten auch den bedeutenden amerikanischen Schriftsteller Frederick Douglass und den US-Präsidenten Abraham Lincoln.
Sklavenhandel ist eines der größten Übel, das die Menschheit heimgesucht hat. Seine Auswirkungen erstrecken sich auf alle Ebenen aller Gesellschaften; es ist unmoralisch, unmenschlich und sogar unpraktisch.
Die Erniedrigung des afrikanischen Kontinents ist eine Folge des Sklavenhandels. Anstatt gewinnbringenden Handel zu betreiben, bietet die Sklaverei materielle Anreize, die dann hauptsächlich Kriege in Afrika verursachen.
Die Realität des Sklaventransports zeigt dessen Unmenschlichkeit: 600 bis 700 Menschen auf engstem Raum in einem Schiff werden geschlagen, misshandelt und sogar noch gezwungen, die Besatzung zu unterhalten. Die Todesrate ist erschreckend hoch: 12,5 % sterben auf der Atlantiküberquerung; 4,5 % sterben an Land an Krankheiten, bevor sie verkauft werden. Die gesamte Sterblichkeit beträgt 50 % innerhalb des ersten Jahres nach dem Aufenthalt als Sklave in der Neuen Welt.