William Tecumseh Sherman (* 8. Februar 1820 in Lancaster, Ohio; † 14. Februar 1891 in New York City, New York) war ein US-amerikanischer General of the Army, Militärstratege und eine der prägenden Persönlichkeiten des Sezessionskriegs (1861–1865). Als Oberbefehlshaber der Unionsarmee im Westen erlangte er vor allem durch den Atlanta-Feldzug sowie seinen „Marsch zum Meer“ internationale Bekanntheit. Dabei wandte er eine Strategie der verbrannten Erde an, um die wirtschaftliche und moralische Widerstandskraft der Konföderation zu brechen. Sherman galt als enger Vertrauter von General Ulysses S. Grant und spielte eine entscheidende Rolle bei der militärischen Niederlage der Südstaaten. Nach dem Krieg diente er bis 1883 als Oberbefehlshaber der US-Armee und prägte die Militärpolitik der Vereinigten Staaten in der Phase der Reconstruction. Shermans Kriegsführung und seine Ansichten über den totalen Krieg sind bis heute Gegenstand historischer Debatten.
William Tecumseh Sherman wurde am 8. Februar 1820 in Lancaster, Ohio, in eine politisch einflussreiche Familie hineingeboren. Seinen zweiten Vornamen Tecumseh erhielt er in Anlehnung an den gleichnamigen Häuptling der Shawnee, dem sein Vater große Verehrung entgegenbrachte. Sein Vater, Charles Robert Sherman, war Richter am Obersten Gerichtshof des US-Bundesstaates Ohio, starb jedoch bereits 1829 unerwartet, als Sherman erst neun Jahre alt war. Der frühe Tod des Vaters stürzte die Familie in wirtschaftliche Unsicherheit und führte dazu, dass die elf Kinder auf Verwandte und Freunde verteilt wurden. Sherman wurde daraufhin in den Haushalt des befreundeten Politikers Thomas Ewing aufgenommen, einer bedeutenden Persönlichkeit der Whig-Partei, der später unter anderem als US-Senator und Finanzminister amtierte. Ewing übernahm eine Art Vormundschaft und förderte Shermans Ausbildung und soziale Integration. In diesem Umfeld wuchs Sherman zusammen mit Ewings Kindern auf, darunter auch seine spätere Ehefrau Eleanor Boyle Ewing.
Shermans jüngerer Bruder John (1823–1900) ging in die Politik und bekleidete später verschiedene Ministerämter.
Senator Ewing verschaffte dem 16-jährigen Sherman eine Ernennung zum Kadetten an der United States Military Academy in West Point, in die er am 1. Juli 1836 eintrat. Dort teilte er sich ein Zimmer mit dem später ebenfalls bedeutenden Unionsgeneral George Henry Thomas, mit dem ihn eine enge Freundschaft verband. Sherman zeichnete sich durch gute akademische Leistungen aus und erhielt eine fundierte militärische sowie wissenschaftliche Ausbildung, begegnete jedoch dem strengen Disziplinarsystem der Akademie mit einer gewissen Gleichgültigkeit. Sein Mitkadett William Rosecrans erinnerte sich an ihn als „einen der klügsten und beliebtesten Kameraden“ sowie als „einen helläugigen, rothaarigen jungen Mann, der stets zu jedem Spaß bereit war.“ 1840 schloss Sherman die Offiziersausbildung erfolgreich ab und verließ West Point als Sechstbester seines Jahrgangs.
Nach seiner Graduierung trat Sherman am 1. Juli 1840 im Rang eines Leutnants in die United States Army ein. Er wurde zum 3rd Field Artillery Regiment abkommandiert und nahm während des Zweiten Seminolenkrieges (1835–1842) in Florida gegen die aufständischen Seminolen an seinen ersten Kampfeinsätzen teil. Anschließend war Sherman in Fort Moultrie unweit der Stadt Charleston, South Carolina, stationiert.
Während des Mexikanisch-Amerikanischen Krieges (1846–1848) wurde Sherman nicht im aktiven Kampfgeschehen eingesetzt. Gemeinsam mit seinen Kameraden, den späteren Generälen Henry Halleck und Edward Ord, umschiffte er an Bord der USS Lexington Kap Hoorn und sie erreichten am 28. Januar 1847 Monterey. In Kalifornien war Sherman Teil der amerikanischen Besatzungs- und Verwaltungsstruktur während und nach der Eroberung des Territoriums. Seine Aufgaben in den neu kontrollierten Gebieten waren überwiegend administrativer und logistischer Natur. Kalifornien war zu dieser Zeit ein strategisch wichtiges Ziel, da es den Zugang zum Pazifik sicherte. Den 1848 beginnenden Kalifornischen Goldrausch erlebte Sherman als Zeitzeuge mit, denn der unkontrollierte Bevölkerungszustrom (Forty-Niners) stellte die US-Militärverwaltung vor enorme Herausforderungen. Sherman selbst beteiligte sich erfolgreich an Bodenspekulationen.
Unter Beförderung zum Captain verließ Sherman Kalifornien und wurde 1850 an das Army's Commissary Department nach St. Louis, Missouri, versetzt.
Am 1. Mai 1850 heiratete Sherman in Washington, D. C. seine Pflegeschwester Eleanor Boyle Ewing (1824–1888). Da sein Pflege- und nunmehriger Schwiegervater mittlerweile als US-Innenminister amtierte, nahmen zahlreiche Persönlichkeiten aus der Politik an der Zeremonie teil, darunter US-Präsident Zachary Taylor sowie der Vizepräsident Millard Fillmore. Das Ehepaar hatte acht gemeinsame Kinder.
Aufgrund begrenzter Karrierechancen verließ Sherman 1853 auf eigenen Wunsch die Armee. Er kehrte nach San Francisco zurück und wurde Leiter einer Filiale der Privatbank Lucas, Turner & Co, die zunächst vom enormen wirtschaftlichen Aufschwung Kaliforniens profitierte, da der Goldrausch zu einem starken Zustrom von Kapital und Investitionen führte. Doch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen basierten auf unsicheren Spekulationen und erwiesen sich daher als instabil. 1855 geriet die Bank in Schwierigkeiten und Sherman verlor dabei einen Großteil seines persönlichen Vermögens. Nachdem die Filiale in San Francisco schließen musste, zog Sherman 1857 nach New York City, um die dortige Niederlassung zu leiten. Als die Bank während der Wirtschaftskrise von 1857 zusammenbrach, schloss er auch die New Yorker Filiale. 1858 war Sherman in Leavenworth, Kansas-Territorium, als Büroleiter der Rechtsanwaltskanzlei seiner Schwäger Hugh und Thomas Ewing, Jr. tätig. Er erhielt eine Zulassung als Anwalt, obwohl er kein formales Jurastudium absolviert hatte, war jedoch als Jurist nur wenig erfolgreich.
Am 2. Januar 1860 übernahm Sherman die Leitung des neu gegründeten Louisiana State Seminary of Learning & Military Academy in Pineville, Louisiana. Aus der Einrichtung ging die Louisiana State University hervor. Im Zuge der sich zuspitzenden Sezessionskrise verließ Louisiana die Union und trat den Konföderierten Staaten von Amerika bei, weshalb Sherman seinen Posten am 26. Januar 1861 niederlegte und in den Norden zurückkehrte.
Einen Monat nach Ausbruch des Amerikanischen Sezessionskrieges trat Sherman am 14. Mai 1861 wieder in das Unionsheer ein und erhielt im Rang eines Colonel das Kommando über das neu aufgestellte 13. US-Infanterieregiment. Mit seinem Regiment kämpfte Sherman am 21. Juli 1861 in der Ersten Schlacht am Bull Run, die mit einem überraschenden Sieg der Konföderierten-Armee endete und die Hoffnungen der Nordstaaten auf einen schnellen militärischen Sieg zunichtemachte.
Am 7. August 1861 zum Brigadegeneral befördert, übernahm Sherman das Kommando über das Department of the Cumberland in Louisville. Seine Aufgabe bestand darin, den strategisch wichtigen Grenzstaat Kentucky nach dessen Neutralitätserklärung militärisch zu sichern, Truppen zu organisieren und mögliche Angriffe der Konföderation abzuwehren. Angesichts der angespannten Lage, des hohen organisatorischen Drucks und seiner Einschätzung, dass die eigenen Kräfte den konföderierten Truppen deutlich unterlegen seien, geriet Sherman im Herbst 1861 in eine schwere psychische Krise. Zeitgenössische Berichte sprechen von einem Nervenzusammenbruch, der durch Überarbeitung, pessimistische Lageeinschätzungen sowie Kritik aus Politik und Presse verstärkt wurde. Am 9. November 1861 wurde er von seinem Kommando entbunden und zog sich zur Genesung vorübergehend nach Ohio zurück.
Nachdem Ulysses S. Grant die Eroberung von Fort Donelson gelungen war, wurde Sherman am 1. März 1862 seinem Wunsch entsprechend unter Grant zu dienen, zur Tennessee-Armee versetzt und erhielt den Befehl über die 5. Division. Sherman kämpfte mit seiner Division in der Schlacht von Shiloh (6./7. April 1862), die sich zu einer der verlustreichsten des Krieges entwickelte. Obwohl Sherman vom Angriff der Konföderierten unter P.G.T. Beauregard unvorbereitet getroffen wurde, sammelte er seine Division und führte einen geordneten, kämpfenden Rückzug durch, der dazu beitrug, eine katastrophale Niederlage der Union abzuwenden. Durch persönlichen Mut und Führungskunst hatte er seine Truppe zusammengehalten und damit ein schnelles Vorrücken des Gegners verhindert. Auch am zweiten Tag der Schlacht spielte er eine wichtige Rolle bei der erfolgreichen Gegenoffensive der Union. In Shiloh wurde Sherman zweimal verwundet – an der Hand und an der Schulter – und drei Pferde wurden unter ihm erschossen. Seine Vorgesetzten Grant und Halleck lobten seine Leistungen und nach der Schlacht erhielt Sherman, mit Wirkung vom 1. Mai, die Beförderung zum Generalmajor. Dieser Erfolg trug wesentlich dazu bei, sein Selbstvertrauen zu stärken und seine persönliche Sicht auf den Bürgerkrieg sowie seine eigene Rolle darin zu verändern.