An diesem Tag

William Morris

Englischer Künstler und Designer, Dichter, Romancier, Übersetzer und sozialistischer Aktivist (1834–1896)

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William Morris (* 24. März 1834 in Walthamstow; † 3. Oktober 1896 in London) war ein britischer Maler, Architekt, Dichter, Kunstgewerbler, Ingenieur und Drucker. Er war einer der Gründer des Arts and Crafts Movement und ein früher Vertreter der sozialistischen Bewegung in Großbritannien.

William Morris wurde am 24. März 1834 im Elm House in Walthamstow bei London geboren, damals noch ein kleines Dorf jenseits der Großstadt. Sein Vater war Partner in einer Börsenmaklerfirma und hinterließ nach seinem Tod 1847 der Familie ein großes Vermögen. Die Kindheit von William Morris verlief glücklich, er zeigte jedoch noch nicht seine künstlerische Begabung. Im Alter von 13 Jahren besuchte Morris das neu gegründete Internat Marlborough College, das viel Wert auf Freiheit legte und weniger auf Disziplin achtete. Dort lernte er Handarbeiten und kam mit der High-Church-Bewegung in Kontakt. Er verließ das Marlborough College in der Absicht, ein Theologiestudium anzutreten und Priester zu werden.

Mit dem Frühjahrs-Trimester 1853 nahm William Morris das Studium am Exeter College der University of Oxford auf, an dem zu dieser Zeit die Lehre und Disziplin nicht besonders ernst genommen wurden. Sein Tutor sprach William Morris jeden literarischen Geschmack ab und bescheinigte ihm keine besonders hohe Intelligenz.

William Morris war von der Stadt Oxford begeistert, den Universitätsbetrieb schätzte er jedoch weniger. Im ersten Semester freundete er sich mit Edward Burne-Jones an, der sein engster Freund während des Studiums blieb, da beide nicht viel mit ihren Mitstudenten gemeinsam hatten. Burne-Jones machte Morris mit seinen ehemaligen Mitschülern von der King Edward’s Grammar School in Birmingham bekannt, die am Pembroke College studierten und in deren Gesellschaft er sich wohlfühlte.

Dort wurde er von den Ideen John Ruskins beeinflusst und schloss neben Burne-Jones mit Dante Gabriel Rossetti, Ford Madox Brown, und Philip Webb Freundschaft. Er traf dort auch Jane Burden, seine zukünftige Frau, die aus der Arbeiterklasse stammte. Ihre blasse Haut und das kupferrote Haar galten Morris und seinen Freunden als Zeichen ausgesprochener Schönheit, die später in Porträts von Morris und Dante Gabriel Rossetti ihren Ausdruck fand.

Als sie 1856 nach London zogen, übernahmen Morris (Spitzname „Topsy“) und Edward Burne-Jones (genannt „Ned“) die Räume am Red Lion Square, die Rossetti sich mit Walter Deverell geteilt hatte. Da es keine Möbel gab, machte sich Morris ans Werk, Tische, Stühle, Schränke und eine Sitzbank zu entwerfen, die ein Tischler dann vor Ort herstellte. Rossetti beschrieb sie als „stark mittelalterlich“ und überredete Burnes-Jones und Morris, diese mit ihren Gemälden zu verzieren. Auch Rossetti steuerte Entwürfe bei. Dieses wachsende Interesse an der Handwerkskunst des Einzelnen führte 1861 schließlich zur Firma Morris & Co.

Morris und Burne-Jones gehörten bereits zu der Nachfolge-Generation der Präraffaelitischen Bruderschaft. Sie lehnten industrielle Entwürfe und Architektur ab und suchten eine Rückkehr zur individuellen Handarbeit; sie sahen den Handwerker als Künstler. Damit begründeten sie die Arts und Craft Bewegung.

William Morris war zuerst in einem Architektenbüro angestellt, fühlte sich dann aber mehr und mehr zur Inneneinrichtung und Dekoration hingezogen. Zusammen mit Philip Webb baute er das Red House in Bexleyheath, Kent, sein Hochzeitsgeschenk für Jane. Hier nahmen auch seine Designideen erste Gestalt an.

1858 erschien seine erste Gedichtsammlung unter dem Titel The Defense of Guenevere and other Poems. Dabei handelt es sich um die erste Veröffentlichung von Gedichten der englischen Präraffaeliten überhaupt, die von den Kritikern zunächst entweder nicht zur Kenntnis genommen oder aber scharf kritisiert wurden. Im Laufe der 1860er Jahre begann Morris mit den Arbeiten an einem umfassenderen dichterischen Werk, das in vier Bänden unter dem Titel The Earthly Paradise zwischen 1868 und 1870 veröffentlicht wurde und an die Struktur der Canterbury Tales von Geoffrey Chaucer angelehnt ist. In alternierender Folge werden klassische und nordirische mythologische Geschichten im Jahreskreis arrangiert. Diese erfolgreiche vierbändige Sammlung begründete Morris’ Ruf als renommierter Dichter und führte 1877 zu zwei Nominierungen für die angesehene Stelle als Professor of Poetry in Oxford einerseits sowie die Nachfolge von Alfred Tennyson als poet laureate andererseits. Morris lehnte jedoch diese beiden Berufungen ab.

Zentrale Stoffquellen in dem poetischen Werk von Morris sind die mittelalterliche Welt sowie verschiedene mythologische Stoffsammlungen. Auch in seinen zahlreichen Prosaübersetzungen von Sagas aus dem Isländischen seit 1869 und des Beowulf 1895 sowie in seinen Versübersetzungen der Aeneis Vergils von 1876 und der Odyssee Homers von 1887 ist sein ausgeprägtes Interesse an der Mythologie deutlich zu erkennen. Wie auch in seiner Vertiefung in die alten Formen des Kunsthandwerks zeigt sich in Morris’ literarischem Schaffen das Bemühen, alte Formen, Texte und Stoffe wieder zum Leben zu erwecken und sie weiterzuentwickeln.

William Morris heiratete Jane Burden am 26. April 1859 in der St Michael’s Church, Oxford.

Im Red House kamen zwei Töchter zur Welt, Jane Alice (Jenny), geboren im Januar 1861, und Mary (May) (März 1862–1938), die Herausgeberin der Werke ihres Vaters wurde.

Nachdem die Familie das Red House in Upton, Bexleyheath aufgeben musste, zogen sie nach London und wohnten von 1865 bis 1872 Queen Square, Bloomsbury.

Die Firma und sein Büro richtete er am Red Lion Square No. 26 ein, wo sich hinter dem Haus die Werkstätten befanden.

Später lebten sie auch im Sommerhaus Kelmscott Manor, in der Nähe von Lechlade in Gloucestershire, das heute der Society of Antiquaries of London gehört und der Öffentlichkeit zugänglich ist. Zwischen 1871 und 1874 wohnte auch Dante Gabriel Rossetti dort, der Jane als Modell für Porträts wählte und mit dem sie eine Liaison hatte. Morris entfloh dieser Situation nach Island, wo er sich Kenntnisse über isländische Legenden erwarb. Diese bildeten später eine Grundlage seiner Romane und Dichtungen.

Wie viele seiner Zeitgenossen kannte und liebte Morris das Leben auf dem Land. Er liebte das Fischen in der Themse und insbesondere Blumen und Vögel, die in vielen seiner Arbeiten vorkommen – jedoch war er auch glücklich, wenn er sie mit seinem Gewehr in Stücke zerschoss. Er hatte eine gewalttätige Seite und in seinen unkontrollierbaren Wutausbrüchen, in denen er fast ohnmächtig wurde, manifestierten sich wahrscheinlich die epileptischen Gene mütterlicherseits, die später bei seiner Tochter Jenny tragischerweise zu Tage traten.

Im Jahr 1861 gründete er die Firma Morris, Marshall, Faulkner & Co. gemeinsam mit Charles Joseph Faulkner (1833–1892), Peter Paul Marshall (1830–1900), Dante Gabriel Rossetti, Edward Burne-Jones, Ford Madox Brown und Philip Webb, in der Möbel, Wanddekorationen und Glasgemälde hergestellt wurden. Rossetti und Madox Brown verließen 1874 die gemeinsame Firma; Morris blieb jedoch und arbeitete dort sein ganzes Leben lang. Die Firma änderte allerdings von Zeit zu Zeit ihren Namen. Der bekannteste ist Morris and Company. Seine Entwürfe werden heute noch unter Lizenz von den Londoner Firmen Sanderson and Sons und Liberty vertrieben. Messrs. Morris & Co. eröffneten 1881 in New York eine Zweigstelle, die von Elliot & Godwin am Union Square geführt wurde. Sie führten eine exzellente Auswahl von Teppichen, Tapeten, Tapisserien und Wandbehängen in unterschiedlichen Farben.

In den 1870er Jahren widmete Morris sich gleichermaßen wiederum seinem literarischen Schaffen. 1873 entstand sein in der Form des vorelisabethanischen Dramas verfasstes Versdrama Love is Enough or the Freeing of Pharamond, A Morality mit der Bearbeitung einer Geschichte aus den walisischen Mabinogion sowie einer Neugestaltung der isländischen Völsunga-Saga, The Story of Sigurd the Volsung and the Fall of the Niblungs, die er 1870 ins Englische übersetzt hatte und deren Stoff er bereits zuvor in The Earthly Paradise verwendet hatte. Diese Werke wurden von seinen Zeitgenossen abgelehnt und erst in den 1920er Jahren wieder rezipiert.

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