William Hogarth, FRSA (* 10. November 1697 in London, England; † 26. Oktober 1764 ebenda) war ein englischer sozialkritischer Maler und Grafiker, der eine Vorliebe für satirische bildliche Darstellungen hatte. Er gilt neben Thomas Gainsborough und Joshua Reynolds als bedeutendster englischer Maler des 18. Jahrhunderts. Als Vorläufer der modernen Karikaturisten prangerte er in Gemälden und Kupferstichen, die oft als mehrteilige Bildergeschichten erschienen, die Sitten und Gebräuche seiner Zeit schonungslos und mit beißender Ironie an.
William Hogarth wurde als Sohn des verarmten Lateinlehrers Richard Hogarth geboren. Als Knabe war er sogar genötigt, durch den Verkauf von Hausmitteln, die seine Mutter selbst herstellte, mit für den Familienunterhalt zu sorgen, weil sein Vater mit seiner Geschäftsidee eines Kaffeehauses, in dem nur lateinisch gesprochen werden durfte, Pleite gemacht hatte und für Jahre im berüchtigten Londoner Schuldgefängnis „Fleet Prison“ einsaß. Seine Lehre konnte er demzufolge erst in später Jugend antreten.
Hogarth absolvierte zuerst eine Ausbildung zum Silbergraveur und Kupferstecher, fertigte im Auftrag seines Meisters Ellis Gamble kommerzielle Visitenkarten, kleine Wappen und dergleichen an, lehnte aber diese für ihn stupide Tätigkeit schon früh ab und fühlte sich zur „höheren“ Kunst berufen. Wenig später studierte er daher Malerei an einer privaten Londoner Akademie und trat auch in die im Privathaus des Hofmalers Sir James Thornhill betriebene Mal- und Zeichenschule ein. Hier verliebte er sich in Thornhills Tochter Jane, entführte und heiratete sie heimlich 1729. Mit seinem Schwiegervater kam es deswegen für kurze Zeit zum Zerwürfnis, doch wenig später, als seine Erfolge als Künstler offensichtlich wurden, wieder zur Aussöhnung.
Um 1720 machte sich Hogarth als Kupferstecher selbständig. Zu seinen ersten eigenständigen Arbeiten gehörten grafische Satiren auf den Südsee-Aktien-Schwindel (The South Sea Scheme, ca. 1721), seine Satire auf die Maskeradenbälle und Opernaufführungen der Zeit (Masquerades and Operas, 1724) oder das Londoner Theaterwesen (A Just View of the British Stage, 1724).
Als Kupferstecher machte sich Hogarth in Londoner Künstlerkreisen erstmals 1726 mit seinen 12 großformatigen Illustrationen zu Samuel Butlers in Knittelversen verfasster, antipuritanischer Abenteuergeschichte des Antihelden Hudibras (1726) einen Namen.
Nachdem der Künstler bei seinem Schwiegervater und durch Selbststudium das nötige Rüstzeug auf dem Gebiet der Malerei erworben hatte, entstanden seit den späten 1720er Jahren seine Gruppenporträts englischer Familien, die „Konversationsstücke“ (conversation pieces) genannt werden. Hierzu gehören A Musical Party (1730, Fitzwilliam-Museum, Cambridge), The Assembly at Wanstead House (1729–31, Philadelphia Museum of Art), The Wollaston Family (1730, Privatbesitz) oder The Fountaine Family (1730–32, Philadelphia Museum of Art). Solche Auftragsarbeiten dienten vorrangig dem Gelderwerb.
Gemalte und gestochene Moralstücke: die „Modern Moral Subjects“
Berühmt wurde Hogarth aber vor allem durch seine moralischen Bilderfolgen, die modern moral subjects. In diesen schildert er zum einen das Leben einer Prostituierten von ihrer Ankunft als naives Mädchen in London, über ihren Auf- und Abstieg als Hure bis zu ihrem frühen Tod wegen einer Geschlechtskrankheit (A Harlot’s Progress in sechs Bildern, 1731–32; Gemälde 1755 verbrannt), zum andern den Lebenslauf eines Wüstlings, der das Erbe seines Vaters durch sein kostspieliges Leben, etwa seine regelmäßigen Kontakte zu Huren und den Besuch von Spielhöllen, verprasst und im Irrenhaus endet (A Rake’s Progress in acht Bildern; Gemälde 1733–34, Sir John Soane’s Museum, London; Kupferstiche 1735), oder aber die unglückliche, von den Eltern zwangsweise arrangierte Ehe des Sohns eines verarmten Adligen mit einer reichen Bürgertochter, die für beide Vermählten tödlich endet (Marriage A-la-Mode in sechs Bildern; Gemälde 1743–44, National Gallery, London; Kupferstiche 1745). Die Kupferstich-Versionen dieser Gemälde wurden in ganz Europa verbreitet. Georg Christoph Lichtenberg schrieb Ende des 18. Jahrhunderts seine berühmten, ganz im satirischen Geiste der Kupferstiche verfassten deutschen Kommentare zu diesen Werken (G. C. Lichtenbergs ausführliche Erklärung der Hogarthischen Kupferstiche, 1794–99). Wegen der Popularität der Hogarthschen Stiche kursierten schon früh zahlreiche Fälschungen und Raubdrucke, gegen die der Künstler 1735 in England ein Urheberrechtsgesetz (englisch copyright law) erwirkte, das auch heute noch seinen Namen trägt (Hogarth Act).
Mit zahlreichen weiteren Gemälden und vor allem Kupferstichen prangerte er die Moden, Sitten und sozialen Missstände in England an. 1738 erschienen die Bilder der vier Tageszeiten (The Four Times of the Day), die kontinentale barocke Darstellungen von Tages- oder Jahreszeiten mit britischer Alltagserotik verknüpfen, im selben Jahr seine Satire auf vagabundierende Schauspielerinnen, die sich für ihren Auftritt als „Göttinnen“ in einer Scheune umkleiden müssen (Strolling Actresses Dressing in a Barn), 1741 die Darstellung eines vom Straßenlärm belästigten Musikers (The Enraged Musician), 1747 in zwölf Szenen die unterschiedlichen Lebensläufe eines fleißigen und faulen Lehrlings (Industry and Idleness), in denen gezeigt wird, wie der faule Lehrling zum Verbrecher wird und am Galgen endet, der fleißige Lehrling dagegen die Tochter seines Meisters heiratet und letztlich zum Londoner Bürgermeister aufsteigt. Dem Problem des Alkoholismus in London sind die beiden Stiche Beer Street und Gin Lane (1751) gewidmet.
Mit Tierquälerei, Diebstahl, Mord und der anatomischen Sektion der Leiche des gehenkten Mörders durch brutale Chirurgen beschäftigen sich die Vier Stufen der Grausamkeit (The Four Stages of Cruelty, Kupferstiche von 1751). Die Bestechungsmethoden während des Wahlkampfes in England nehmen die vier Bilder der Election-Serie (1755–1758) aufs Korn.
Misserfolge als Historienmaler
Während Hogarth mit seinen Kupferstichserien, die zum Vorbild für die moderne Karikatur wurden, großen Erfolg hatte, blieben seine Gemälde im Stil der traditionellen religiösen Historienmalerei erfolglos. Sowohl seine Darstellungen des Teichs von Bethesda und des Barmherzigen Samariters (1735–37) für das St Bartholomew’s Hospital, als auch die des kleinen Moses für Thomas Corams Foundling Hospital (Moses Brought to Pharaoh’s Daughter, 1746) oder des Paulus für Lincoln’s Inn (Paul before Felix, 1748) erhielten von Kritikern höchstens ein bescheidenes Lob und fanden zumeist wenig Anklang.
Diese Misserfolge in der traditionellen, idealisierenden Malerei waren wohl auch mit ein Grund dafür, dass er sich schon früh der „komischen Historie“ zuwandte und zum comic history painter wurde, wie sein Freund Henry Fielding meinte. Sein Hang zur Satire drückt sich auch darin aus, dass er mit ironischem Akzent in viele seiner Bilder Anspielungen auf die Gemälde berühmter anderer großer Meister der Malerei integrierte.
Den damals weit verbreiteten Vorurteilen seiner Zeit folgend gab Hogarth in manchen seiner Bilderfolgen in den dargestellten Juden gelegentlich auch antisemitische Klischees und Stereotype wieder. So stellt er in der zweiten Szene der Serie A Harlot’s Progress (1732) einen reichen, lüsternen Juden wenig schmeichelhaft neben seiner Mätresse dar. Und in An Election (1754) tauchen Juden als geschäftstüchtige Händler auf, die auch mit christlichen Symbolen Handel treiben.
Aus Opposition gegen die Einflüsse der kontinentalen Kunst machte sich Hogarth für eine nationale englische Schule der Malerei als Alternative zur damals beliebten französischen und italienischen Historienmalerei stark, stieß aber damit bei vielen anderen englischen Künstlern und Kunstkennern auf Widerstand. Dennoch versuchte er, den Geist einer demokratischen Zeichen- und Malschule in der von ihm mitgeleiteten St. Martin’s Lane Academy eine Zeitlang weiterzuführen.
Hogarth schuf im Laufe seines Lebens auch zahlreiche Porträts seiner Zeitgenossen. In den 1740er Jahren entstanden etwa die Bildnisse des Schiffskapitäns Thomas Coram (1740, Foundling Museum) und des Schauspielers Garrick in the Character of Richard III (1745, Walker Art Gallery, Liverpool). Zu seinen weiteren, hervorragenden und für die damalige Zeit ungewöhnlichen Bildnissen zählen die undatierten sechs Köpfe seiner Diener (Tate Britain, London) und das ebenfalls undatierte, unvollendet gebliebene, impressionistisch wirkende Porträt eines „Krabbenmädchens“ (The Shrimp Girl, National Gallery, London).