William Hilsley, geborener William Josef Hildesheimer (geboren am 15. Dezember 1911 in London; gestorben am 12. Januar 2003 auf Schloss Beverweerd in Werkhoven in der Provinz Utrecht, Niederlande) war deutsch-britischer Komponist, Musiker und Musikpädagoge. Er wuchs in Deutschland auf, emigrierte dann in die Niederlande, wo er auch – nach seiner Internierung in Deutschland – weiterhin lebte. Bekannt geworden ist er vor allem durch seine in den Internierungslagern komponierten und dort auch aufgeführten Werke.
Schulzeit und Studium in Deutschland
William (Billy) Hilsley, der Name, unter dem er bis heute als Musiker und Komponist in Erinnerung geblieben ist, wurde 1911 als William Josef Hildesheimer in London geboren. Seine jüdischen Eltern, die sich kurz nach seiner Geburt scheiden ließen, waren Adolf Hildesheimer (geboren 1860) und seine Frau Frida (1875–1952), geborene Heimann. Aus der Ehe stammt mindestens noch der 1901 geborene Sohn Kurt.
1914 verließ Frida Hildesheimer mit den Söhnen Kurt und William England und zog nach Berlin. Hier besuchte William später das Hohenzollerngymnasium, wo er in den Inflationsjahren auch in den Genuss der Quäkerspeisung kam und damit zu seiner „ersten und lebensverändernde Begegnung mit den Quäkern“. Eine weitere „lebensverändernde“ Begegnung fand ebenfalls in diesen Jahren statt. Wolfgang Frommel „lernte den 13-jährigen Billy und dessen Mutter Frida Hildesheimer durch das mit ihnen befreundete Schauspielerehepaar Paul und Lotte Bildt in Berlin kennen“. Frommel schrieb dazu am 17. Februar 1924 in einem Brief an seine Eltern:
„So bin ich heuer täglich fast mit dem kleinen Billi Hildesheimer zusammen, arbeite mit ihm Französisch und erlebe menschlich die unerhörtesten Wunder.“ William Hilsley lebte damals mit seiner Mutter im Bayerischen Viertel von Berlin, in dem viele prominente Juden lebten. „Die Mutter hatte bei einem Schüler von Liszt studiert; Menschen aus dem Stefan-George-Kreis oder der Kulturminister Becker gingen im Haus ein und aus.“ „Frida liebte ihren Sohn und seinen Erzieher Wolfgang [Frommel] mit gleicher Heftigkeit und Hingabe.“ Friedrich W. Buri, der 1937 für einige Zeit bei Frida Hildesheimer wohnte, schreibt, dass sie eine begehrte Englischlehrerin gewesen sei: „Sie gab Privatstunden und Kurse für kleine Gruppen von jüdischen Menschen, die so bald wie möglich Deutschland verlassen wollten, um in ein Land auszuwandern, wo sie Englisch würden sprechen müssen. Fridas Schnellkurse waren im Berliner Westen berühmt, es drängten zu ihnen mehr Schüler, als sie unterbringen konnte.“
Die Lebenswege von Wolfgang Frommel und William Hilsley waren von da an eng miteinander verbunden, so eng, dass ihre Beziehung oft mit denen innerhalb des George-Kreises verglichen wird: „Darüber hinaus scharten Gothein u. F. einen bünd. Kreis um sich, der dem George’schen im Ansatz ähnelte (mit Achim und Hasso Akermann, Cyril Hildesheimer u. a.).“
Hilsley verließ zunächst Berlin und besuchte die Schule Schloss Salem, wo er 1930 das Abitur ablegte. Anschließend kehrte er nach Berlin zurück und studierte an der Staatlichen Akademie für Kirchen- und Schulmusik. Spätestens jetzt war Hilsley in den Kreis um Wolfgang Frommel, der 1934 bei Frida Hildesheimer wohnte fest integriert und gehörte zu Frommels ständigen Begleitern. Auch die Freundschaft zu Adolf Wongtschowski (‚Buri‘, 1919–1999) muss in dieser Zeit entstanden sein, denn „neben Billy Hildesheimer, den er [Frommel] als Hauslehrer noch in den 20er Jahren unterrichtete, wurde Buri der aufmerksamste jüdische Zögling dieser Zeit“.
Der im Jahre 2002 von seinen ehemaligen Schülern immer noch „verehrte 91-jährige Musiklehrer Billy Hilsley“ verließ im Jahr 1935 Deutschland und ging als Musiklehrer an die Quäkerschule Eerde. Wie es dazu kam, ergibt sich aus dem Nachlass von Hildegard Feidel-Mertz im Deutschen Exilarchiv. Dort befindet sich das Transkript eines Tonbandinterviews mit William Hilsley vom 30. März 1981. Er erzählt darin unter anderem, wie er durch Eva Warburg nach Eerde vermittelt worden sei, mit deren Schwester Ingrid er gemeinsam die Schule in Salem besucht hatte. Evas und Ingrids jüngere Schwester Noni war Schülerin in Eerde. Ihr Cousin, Max A. Warburg, war dort Lehrer.
Am 28. Januar 1935 kam Hilsley in Eerde an, und was Katharina Petersen, die damalige Schulleiterin, ihm anbieten konnte, war nicht umwerfend: No salary, but pocket money, a room of his own, food and laundry. […] We have a piano and a grand piano. […] How the school will survive financially is quite uncertain, but if you have the courage to join us, please do. Der junge Flüchtling aus Nazi-Deutschland blieb.
1962 erinnert sich Katharina Petersen noch immer mit sehr viel Enthusiasmus an Billy Hilsley:
Katharina Petersen legte 1938 die Schulleitung nieder und kehrte nach Deutschland zurück. Ihr Nachfolger als Schulleiter wurde Kurt Neuse, doch wurde er es nur kommissarisch, und dieser provisorische Status wurde nie geändert. Hans A. Schmitt, früher selber Schüler in Eerde und später deutsch-amerikanischer Historiker, vermutet, was der Grund dafür gewesen sein könnte:
Dank dieser Haltung von Kurt Neuse blieben Billy Hilsley noch zwei Jahre Zeit bis fears of war susperseded fears of moral contamination. Er konnte weiterhin seine Gabe entfalten, „Musik nicht zum Spiel werden zu lassen, sondern so zu lehren, daß ernste und gründliche Arbeit geleistet wurde, sowohl für den Hausgebrauch wie für Konzerte, zu denen Gäste eingeladen wurden, wie für die kleinen Kammermusiken, zu denen Laienmusizierende, Klavier- und Geigenspieler aus der Umgegend magnetisch von ihm angezogen, kamen. Das Allerschönste war, daß neben dem Ästhetischen seines Musizierens und Lehrens auch heilende Kräfte entbunden wurden. Er fand heraus, was in den Jungen und Mädchen steckte, regte an, gab Selbstvertrauen wieder, wo sie zerstört waren.“
Nicht weniger beeindruckt und beeindruckend beschreibt Buri das Wirken seines Freundes Hilsley („Cyril“):
Nach der deutschen Besetzung der Niederlande 1940 versuchten Hilsley, Frommel und Buri von Scheveningen aus nach England zu fliehen. Sie verwarfen den Plan und tauchten in Amsterdam unter, wo Frommel Suizidgedanken äußerte. Nachdem die Freunde ihm das ausgeredet hatten, gingen sie nach Eerde zurück. Hier wurde der britische Staatsbürger William Hilsley am 25. Juli 1940 verhaftet. Er beschrieb das später wie folgt:
Hilsley wurde zunächst im niederländischen Lager Schoorl interniert, bevor er zusammen mit anderen britischen Nicht-Kombattanten in ein ziviles Internierungslager im Deutschen Reich verlegt wurde. Dieses Lager befand sich in Tost in Oberschlesien, wo er bis zum Frühjahr 1942 blieb. Zur gleichen Zeit wie er war dort auch der Schriftsteller P. G. Wodehouse interniert, von dem in diesem Zusammenhang der Ausspruch überliefert ist: „Wenn das Oberschlesien ist, fragt man sich, was Niederschlesien sein muss …“
Hilsley, der seine musikalische Prägung auf seine Schulzeit in Salem zurückführte, begann seine „Karriere“ als Lagermusiker zunächst mit der Aufführung von klassischer Musik. Nach einem heftigen Streit mit anderen Mitgefangenen versuchte er sich dann an anderen Sachen: Pantomimen, Märchenaufführungen mit Musik und Kostümen, Kabarett, Musical. Er sah seine Aufgabe darin, die anderen Internierten durch Musik in eine fröhliche Stimmung zu bringen. Und er begann zu komponieren.
Sein Status als Zivil-Internierter gewährte ihm einen gewissen Schutz und auch größere Bewegungsfreiheit. Das Lager wurde von Hilfsorganisationen aus neutralen Ländern überwacht und die Gefangenen were encouraged to develop leisure activities including a variety of educational, theatrical, and musical Programs. Hilsley machte von den Möglichkeiten regen Gebrauch und spielte regelmäßig Klavier. In vier verschiedenen Lagern baute er eine blühende Musikszene mit anderen Internierten auf. Since Hilsley was adept at various aspects of musical production and staging, he immediatly became involved in preparing concerts an staged cabaret shows.