William Coddington (* um 1601 in Marston, England; † 1. November 1678 in Newport, Rhode Island) war ein englischer Jurist und Politiker. Er fungierte als Vizegouverneur und Gouverneur der Colony of Rhode Island and Providence Plantations.
England und Massachusetts Bay Colony
William Coddington, wahrscheinlich der Sohn von Margaret und Robert Coddington, wurde in der Regierungszeit von Elisabeth I. in der Grafschaft Lincolnshire geboren. Sein mutmaßlicher Vater war ein wohlhabender Yeoman. Der junge Coddington besaß in Rhode Island ein Siegelring mit den Initialen R.C., wahrscheinlich von seinem Vater. Seine Ausbildungsstätte ist nicht bekannt. Er muss aber eine gute Ausbildung genossen haben, was durch seine Korrespondenz und seine beträchtliche Beherrschung des englischen Rechts aufgezeigt wurde. Als junger Mann heiratete er um 1626 seine erste Ehefrau Mary. Es besteht die Vermutung, dass es sich dabei um Mary Burt handelte, da Coddington seine Cousine Burt einmal in einem Brief erwähnte. Das Paar bekam zwei Söhne, welche in der St. Botolph’s Church in Boston (Lincolnshire) getauft wurden. Die beiden Söhne verstarben aber in der Kindheit und wurden dann auf dem Gelände derselben Kirche begraben. Im Jahr seiner Heirat, 1626, umging der König von England, Karl I., das Parlament durch die Erhebung einer Zwangsanleihe, um neue Geldmittel zu beschaffen. Coddington war einer von vielen Puritanern, die sich weigerten diese königliche Anleihe zu bezahlen. Sein Name stand im folgenden Winter auf einer entsprechenden Liste.
Am 18. März 1629/1630 wurde Coddington zu einem Massachusetts Bay Assistant (Magistraten) gewählt, während er sich noch in England aufhielt. Im Folgemonat segelte er mit der Winthrop Flotte nach Neuengland. Seine erste Ehefrau verstarb während des ersten Winters in Massachusetts. Er kehrte 1631 an Bord der Lion nach England zurück, wo er die nächsten zwei Jahre verblieb. Während dieser Zeit heiratete er seine zweite Ehefrau Mary Moseley in Terling (Essex), welche ihn 1633 nach Neuengland begleitete. Sie ließen sich im Sommer in Boston nieder.
Coddington war ein führender Händler in Boston. In der Folgezeit erbaute er dort das erste Backsteinhaus. Er wurde jedes Jahr von seiner Ankunft in Neuengland an bis 1637 zum Assistant (Magistraten) gewählt. Zwischen 1634 und 1636 war er Treasurer in der Kolonie und 1637 Abgeordneter für Boston. Er fungierte 1634 als Stadtrat in Boston und diente in den Jahren 1636 und 1637 in mehreren Ausschüssen, welche Grundstücksgeschäfte beaufsichtigten.
Als Mitglied der Gemeinde von Boston konnte er der Ankunft von einem der bekanntesten puritanischen Geistlichen, John Cotton, beiwohnen, der 1633 in der Kolonie ankam. Die beiden Männer waren seit ihrer Zeit in England Freunde. In einem Brief von 1630 arrangierte Cotton, dass ein Fass von Mehl an Coddington gesandt wurde, welcher sich zu jener Zeit in Salem aufhielt. Cotton trat eine Stelle als Geistlicher in der Gemeinde von Boston an. Er stieß dabei zu dem bereits anwesenden Geistlichen John Wilson hinzu. Zwischen den beiden Geistlichen herrschte ein theologischer Unterschied. Anne Hutchinson, eine theologisch scharfsinnige Hebamme, die ein Ohr für viele Frauen in der Kolonie hatte, unterstützte Cotton offen und verurteilte die theologischen Ansichten von Wilson sowie der anderen Geistlichen in der Kolonie. Die unterschiedlichen religiösen Auffassungen führten schließlich zu öffentlichen Debatten. Als Folge davon kam es zu der sogenannten Anabaptisten-Kontroverse, die aber in der jüngsten Zeit auch als Free Grace Controversy bezeichnet wird. Viele Gemeindemitglieder von Boston fanden das Moralgesetz von Wilson und seine Doktrin „evidencing justification by sanctification“ (Werkbund) als unangenehm. Hutchinson erzählte ihren Anhängern, dass Wilson „the seal of the Spirit“ fehlt. Die theologischen Ansichten von Wilson stimmten mit denen aller anderen Geistlicher in der Kolonie überein bis auf Cotton, welcher „the inevitability of God's will“ (Gnadenbund) betonnte im Gegensatz zum Preparationismus (Werkbund). Die Gemeindemitglieder von Boston, alle bis auf fünf, welche Hutchinsons Ansichten unterstützten, folgten Cotton. Daher begannen sie die Predigten von Wilson zu stören. In diesem Zusammenhang suchten sie sogar Entschuldigungen, um zu gehen, als Wilson aufstand, um zu predigen oder zu beten.
Im Mai 1636 erhielten die Bostoner einen neuen Verbündeten, als Reverend John Wheelwright aus England ankam und sich sofort mit Cotton, Hutchinson und anderen Free Grace Advocates abstimmte. Einen weiteren Impuls für die Befürworter der Free Grace Theologie kam im selben Monat, als der junge Aristokrat Henry Vane zum Kolonialgouverneur gewählt wurde. Vane war ein starker Unterstützer von Hutchinson, hatte aber auch seine eigenen theologischen Vorstellungen, die nicht nur als unorthodox, sondern radikal galten.
Als die Anabaptisten-Kontroverse ihren Anfang nahm, wurde Coddington von den Freemen der Kolonie zum Magistraten gewählt. Wie viele Gemeindemitglieder von Boston stellte er sich direkt auf die Seite der Free Grace Befürworter. Ende 1636 war die theologische Spaltung so groß geworden, so dass das General Court einen Fastentag einberief, um bei der Lösung der kolonialen Differenzen zu helfen. Während des einberufenen Fastentages, 19. Januar 1637, hielt Wheelwright am Nachmittag die Predigt vor der Gemeinde von Boston. Für die puritanischen Geistlichen war die Predigt „censurable and incited mischief.“ Während die kolonialen Geistlichen durch die Predigt beleidigt wurden, waren die Free Grace Befürworter ermutigt. Sie wurden in ihrem Widerstand gegen die offiziellen Geistlichen immer lauter. Nicht nur Kolonialgouverneur Vane begann die Lehren der kolonialen Geistlichen herauszufordern, sondern auch die Unterstützer von Hutchinson weigerten sich während des Pequot-Krieges von 1637 zu dienen, da Wilson der Kaplan des Feldzugs war. Die Geistlichen waren besorgt, dass der deutliche Widerstand von Hutchinson und ihren Unterstützern den „Puritan's holy experiment“ zu bedrohen begann.
Bereits März 1637 begann sich die politische Stimmung gegen die Free Grace Befürworter zu drehen. Wheelwright wurde in diesem Monat für seine Predigt am Fastentag wegen Missachtung und Aufruhr vor Gericht gestellt und in einer knappen Abstimmung verurteilt, aber nicht bestraft. Bei den Parlamentswahlen im Mai 1637 wurde John Winthrop zum neuen Kolonialgouverneur gewählt und löste Henry Vane im Amt ab. Daneben wurde Coddington und alle anderen Magistraten in Boston durch die Freemen in der Kolonie abgewählt, welche Hutchinson und Wheelwright unterstützten. Coddington wurde danach durch die Town Boston zum Abgeordneten gewählt. Im Sommer 1637 segelte Vane zurück nach England und kehrte nie mehr zurück. Mit seiner Abreise war die Zeit reif für die orthodoxe Gruppierung mit dem Rest ihrer Free Grace Rivalen zu verhandeln. Die aggressiven Kampfansagen der Free Grace Befürworter ließen die Kolonie in einem Zustand der Uneinigkeit. Winthrop realisierte folgendes:
Daher entschied er sich für ein hartes Vorgehen, unterstützt durch die Mehrheit der Kolonisten. Die Wahlen im Oktober 1637 brachten sogar noch mehr Veränderungen, mit einem großen Wechsel der Abgeordneten am General Court. Im Gegensatz zu dem Rest der Kolonie wurde Boston weiterhin durch starke Free Grace Befürworter vertreten. Coddington war einer der drei Abgeordneten.
Das Herbstgericht, welches am 2. November 1637 einberufen wurde, verurteilte Wheelwright. Er wurde verbannt und sollte die Kolonie innerhalb von 14 Tagen verlassen. Mehrere andere Unterstützer von Hutchinson und Wheelwright wurden ebenfalls verurteilt. Man verhängte verschiedene Urteile. Anne Hutchinson sollte die nächste sein. Am 7. November 1637 kam sie vor Gericht. Den Vorsitz hatte Kolonialgouverneur Winthrop. Sie wurde angeklagt der „traducing [slandering] the ministers“ und anderer Anklagepunkte. Einer der Abgeordneten von Boston wurde entlassen, so dass die Town nur noch von zwei Abgeordneten vor Gericht vertreten wurde und zwar Coddington und einem anderen Abgeordneten. Der Prozess dauerte zwei Tage lang. Coddington coachte Hutchinson wahrscheinlich am Ende des ersten Tages in Rechtsfragen. Während des ersten Tages verlief es gut für Hutchinson, wohingegen sie es am zweiten Tag für die Ankläger deutlich einfacher machte. Sie drohte dem Gericht mit einem eigenen Gerichtsverfahren. Außerdem behauptete sie die Quelle ihrer Inspiration göttliche Offenbarungen wären und drohte dem Gericht mit der Verhängung eines Fluches. Die Fassungslosigkeit des Gerichts führte zu einer sofortigen Verurteilung. Cotton versuchte zu Hutchinsons Verteidigung zu kommen, aber er wurde von den Magistraten verfolgt, bis Whinthrop die Befragung absagte. Bei der Abstimmung betreffend der Verurteilung zur Verbannung sprachen sich nur Coddington und der andere verbliebene Abgeordnete von Boston dagegen aus. Winthrop verlas das Urteil: