Willi Forrer (* 3. Juli 1935 in Wildhaus, St. Gallen; † 24. März 2026) war ein Schweizer Skirennfahrer. Er hatte seine Stärken in der Disziplin Abfahrt und nahm 1960 an den Olympischen Winterspielen in Squaw Valley teil. 1962 gewann er die Hahnenkammabfahrt in Kitzbühel.
Willi Forrer wuchs als mittleres von sieben Geschwistern auf einem Bauernhof im Wildhauser Oberdorf auf. Sein Vater arbeitete als Bauer, Akkord-Holzer, Skilehrer und Bergführer, seine Mutter war Bäuerin und Trachtenstickerin. Das Skifahren erlernte er auf einem Hügel hinter seinem Toggenburger Elternhaus. Während seiner aktiven Laufbahn arbeitete Forrer von April bis November als gelernter Ski-Wagner in einer Skifabrik.
Ende der 1950er- und Anfang der 1960er-Jahre gehörte Willi Forrer vor allem in der Abfahrt zu den weltbesten Skirennfahrern. Zwischen 1957 und 1962 startete er jährlich bei den Hahnenkammrennen in Kitzbühel, siebenmal trat er zu den Lauberhornrennen in Wengen an. Im Februar 1958 nahm er an den Weltmeisterschaften in Bad Gastein teil, wo er als Abfahrtsvierter hinter Toni Sailer, Roger Staub und Jean Vuarnet die Bronzemedaille um 0,4 Sekunden knapp verpasste. 1959 gewann er in seiner Paradedisziplin den ersten von insgesamt vier Schweizer Meistertiteln. Bei den Olympischen Spielen in Squaw Valley wurde Forrer erneut Vierter in der Abfahrt. Zwei Jahre später feierte er seinen grössten Erfolg bei der Hahnenkammabfahrt, die er als dritter Schweizer für sich entscheiden konnte. Bei den Weltmeisterschaften 1962 in Chamonix setzte sich seine Pechsträhne fort, und er belegte zum dritten Mal hintereinander bei einem Grossereignis Abfahrtsrang vier. Im Riesenslalom wurde er Elfter. Nach öffentlicher Kritik an der Führung des Schweizer Skiverbandes (der Blick titelte «Es ist etwas faul im Schweizer Sport») wurde Forrer von diesem für zwei Jahre gesperrt und liess seine Rennkarriere in Kanada ausklingen.
Ein Trainerangebot des kanadischen Verbandes lehnte Willi Forrer ab, weil seine junge Ehefrau nicht auswandern wollte. Seit seiner Kindheit betätigte sich Forrer als Brauchtumsmaler und verarbeitete dabei traditionelle Motive aus dem Toggenburg und dem Appenzellerland. Nachdem er mit seiner zweiten Ehefrau Johanna von 1990 bis 2008 in British Columbia gelebt hatte, kehrte das Paar in Johannas Heimatort Klosters zurück.
Willi Forrer starb im März 2026 im Alter von 90 Jahren und wurde auf dem Waldfriedhof Davos beigesetzt.
Einer seiner Nachfolger in der Schweizer Abfahrtsmannschaft, René Berthod, nannte Forrer einen «Wilden» und einen «Draufgänger». Neben dem Hahnenkammsieg bleiben vor allem seine vierten Plätze bei Grossanlässen in Erinnerung. An den Weltmeisterschaften 1987 in Crans-Montana tröstete er den Mitfavoriten Franz Heinzer, der dort wie Forrer 25 Jahre zuvor zum dritten Mal hintereinander WM-Vierter in der Abfahrt geworden war.
Squaw Valley 1960: 4. Abfahrt, 20. Riesenslalom
Bad Gastein 1958: 4. Abfahrt, 21. Riesenslalom
Squaw Valley 1960 : 4. Abfahrt, 20. Riesenslalom
Chamonix 1962: 4. Abfahrt, 11. Riesenslalom
4 Schweizer Meistertitel (Abfahrt 1959, 1960 und 1962, Kombination 1962)
Kanadischer Meister im Riesenslalom 1964
insgesamt 20 internationale Rennsiege
Willi Forrer in der Datenbank des Internationalen Skiverbands (englisch)
Willi Forrer in der Datenbank von Olympedia.org (englisch)