Karl Wilhelm „Will“ Vesper (* 11. Oktober 1882 in Barmen; † 11. März 1962 auf Gut Triangel bei Gifhorn) war ein deutscher Schriftsteller, Literaturkritiker und Nationalsozialist.
Will Vesper wurde als Sohn des aus Münden (Waldeck) stammenden Landwirts Karl Wilhelm Vesper (1856–1937) und dessen Frau Anna, geb. Schlotzhauer, in Barmen geboren, wo er Volksschule und Gymnasium besuchte und 1904 das Abitur ablegte. Anschließend studierte er an der Ludwig-Maximilians-Universität München Geschichte und Germanistik. Ab 1906 war er beim Verlag C. H. Beck als literarischer Beirat und Übersetzer tätig. Im selben Jahr heiratete er Käte Waentig (* 1879 in Zittau), die ältere Schwester des späteren Höri-Künstlers Walter Waentig. Sie illustrierte einige seiner Werke, zum Beispiel Die Ernte aus acht Jahrhunderten deutscher Lyrik (1906–1908). 1913/14 war er in Florenz. Am Ersten Weltkrieg nahm Vesper von 1915 bis 1918 zuerst als Infanterist und gegen Kriegsende als „wissenschaftlicher Hilfsarbeiter“ im Generalstab teil. 1919 zog er mit seiner ersten Frau nach Meißen. Im Januar 1921 unternahm er eine Reise durch das faschistische Italien, die ihn über Südtirol nach Neapel führte, und teilte seine anerkennenden Eindrücke in der Tagespresse mit.
Nach einer zweijährigen Tätigkeit als Leiter des Kulturteils der Deutschen Allgemeinen Zeitung von 1918 bis 1920 betätigte Vesper sich von 1923 bis 1943 als Herausgeber der Zeitschrift Die schöne Literatur (ab 1931 unter dem Titel Die Neue Literatur), die zur führenden NS-Literaturzeitschrift wurde. Seine eigenen Rezensionen schrieb er unter dem Pseudonym „Jörn Oven“. Im Gau Sachsen wurde Vesper zudem Landesleiter der Reichsschrifttumskammer. Daneben veröffentlichte er eigene Romane, Erzählungen und Gedichte. Seine Werke befassten sich überwiegend mit der deutschen Vergangenheit und vor allem der germanischen Urzeit. In ihnen vertrat er eine dezidiert nationalistische Auffassung, die ihn, zusammen mit einer Glorifizierung und Verherrlichung der Liebe zu Scholle, Mutterschaft und Krieg, als Repräsentanten der NS-Ideologie prädestinierten. Sein bekanntestes Werk, Das harte Geschlecht, über die Christianisierung Islands erschien 1931 und wurde im Mai 1933 im Völkischen Beobachter als „blutsatt durchtränkter Nordlandroman“ gefeiert.
Bereits Anfang der 1930er Jahre konnte Vesper vom Bertelsmann-Verlag als Autor gewonnen werden.
Zum 1. Dezember 1931 trat Vesper, der laut Thomas Mann schon „immer einer der ärgsten nationalistischen Narren“ gewesen war, in die NSDAP ein (Mitgliedsnummer 767.969). Nach dem Ausschluss missliebiger Schriftsteller aus der Sektion Dichtkunst der Preußischen Akademie der Künste, wie Thomas Mann, Leonhard Frank und Alfred Döblin, rückte Vesper am 5. Mai 1933 neben Hans Friedrich Blunck, Hans Carossa, Hans Grimm und anderen in die Dichterakademie ein, wo er aktiv an den Vorbereitungen zu den Bücherverbrennungen teilnahm. Bei der Verbrennung als „undeutsch“ verhöhnter Literatur am 10. Mai 1933 in Dresden hielt Vesper die Festrede. Er gehörte auch zu den 88 Schriftstellern, die im Oktober 1933 das „Gelöbnis treuester Gefolgschaft“ für Adolf Hitler unterzeichneten.
Ebenfalls ab Oktober 1933 schrieb er regelmäßig Artikel für die nationale, die Stellung des starken Staates betonende Wochenzeitschrift Deutsche Zukunft. In seiner Literaturzeitschrift Die Neue Literatur übte Vesper eine Art private Nachzensur aus, indem er Schriftsteller und Verlage, die nicht seinen persönlichen Vorstellungen entsprachen, regelrechten Diffamierungskampagnen aussetzte. Im Februar 1937 erschien beispielsweise ein vom nationalsozialistischen Rassismus geprägtes Pamphlet, in dem Vesper gegen „jüdische“ Verleger wetterte: „Wenn ein deutsches Mädchen ein Verhältnis mit einem Juden hat, so werden beide wegen Rassenschande mit Recht verurteilt. Wenn ein deutscher Schriftsteller und ein deutscher Buchhändler ein Verhältnis mit jüdischen Verlegern eingeht – ist das nicht eine weit schlimmere und gefährlichere Rassenschande?“
Da Vesper auch vor Angriffen auf die staatliche Schrifttumslenkung nicht zurückschreckte, verlor er zunehmend an Rückhalt, sodass er sich 1936 von seinen Ämtern auf das Gut seiner zweiten Frau Rose Vesper (verwitwete Rimpau) in Triangel bei Gifhorn zurückzog. Hier betätigte er sich als Landwirt, gab aber bis zum Jahre 1943 weiterhin seine Literaturzeitschrift heraus. Vesper stellte sich wie kaum ein anderer Schriftsteller in den Dienst der NS-Propaganda und polemisierte, neben reiner Parteidichtung und zahlreichen „Führergedichten“, besonders aggressiv gegen nicht genehme Schriftstellerkollegen, vor allem gegen Exilanten. Ein Beispiel dafür: Vesper hetzte im Februar 1937 gegen
Bereits 1935 hatte Vesper in einem Alleingang versucht, auf die „national“ gesinnten Autoren des österreichischen Zsolnay Verlags einzuwirken, da dieser ein „Judenverlag“ sei.
Nach dem Krieg war Vesper als Herausgeber im Bertelsmann-Verlag tätig. Er engagierte sich weiterhin in rechtslastigen Kreisen durch Lesungen auf Dichtertagen bei Hans Grimm („Volk ohne Raum“) in Lippoldsberg sowie auf dem Gut seiner Frau in Triangel bei Gifhorn. Im Park des Gutes ließ er Katzen als „die Juden unter den Tieren“ erschießen. Am 11. März 1962 starb er auf dem Gutshof.
In der Sowjetischen Besatzungszone wurden mehrere Werke von Vesper auf die Liste der auszusondernden Literatur gesetzt. Dies gilt auch für die österreichische Liste der gesperrten Autoren und Bücher.
Vespers Sohn Bernward wurde als Schriftsteller und als Verlobter der Terroristin Gudrun Ensslin bekannt. In seinem Roman Die Reise (1977) hat er unter anderem das Verhältnis zu seinem Vater aufgearbeitet.
Hartmann von Aue: Lieder, Der arme Heinrich (Nachdichtung), 1906
Tristan und Isolde (Nacherzählung), 1911
Parzival (Nacherzählung), 1911
Martin Luthers Jugendjahre, 1918
Das Buch vom lieben Weihnachtsmann, 1920
Die Nibelungensage (Nacherzählung), 1921
Daniel Defoe. Leben und Abenteuer des Robinson Crusoe (Bearbeitung), 1922