An diesem Tag

Wilhelmine von Preußen (1709–1758)

Tochter von Friedrich Wilhelm I., Markgräfin von Brandenburg-Bayreuth

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Friederike Sophie Wilhelmine von Preußen bzw. Wilhelmine von (Brandenburg-)Bayreuth (* 3. Juli 1709 in Berlin; † 14. Oktober 1758 in Bayreuth) war das älteste von zehn überlebenden Kindern des „Soldatenkönigs“ Friedrich Wilhelm I. und Sophie Dorothea von Hannover. Sie wurde als zukünftige Königin von England erzogen, musste aber letztendlich – nach jahrelangem Hin und Her – Friedrich III. von Brandenburg-Bayreuth heiraten und wurde als dessen Ehefrau Markgräfin. Literarische, historische, sowie musikhistorische Bedeutung erlangte sie u. a. durch den Briefwechsel mit ihrem Bruder Friedrich dem Großen und durch die Veröffentlichung ihrer Memoiren, die durch ihre teils unverblümten Schilderungen des Lebens am preußischen Hofe von besonderem kulturgeschichtlichem Wert sind. Besonders als Kunstmäzenin, Komponistin und Opernintendantin prägte sie in bedeutendem Maße das kulturelle Leben der Stadt Bayreuth bis in die heutige Zeit. Das von ihr initiierte Markgräfliche Opernhaus wurde 2012 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erhoben.

Die am 3. Juli 1709 geborene Wilhelmine Sophie Friederike wurde am 12. Juli evangelisch getauft. Ihre Taufpaten waren die anlässlich des sogenannten Dreikönigstreffens bei Friedrich I. von Preußen (Wilhelmines Großvater) in Berlin anwesenden Monarchen August der Starke von Sachsen und König von Polen-Litauen sowie König Friedrich IV. von Dänemark-Norwegen.

Wilhelmine wuchs am spartanisch geführten Hof ihres Vaters, des Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I., als ältestes überlebendes Kind auf – wie ihre Memoiren verdeutlichen, in einer problembelasteten Umgebung. Sie wurde schon als Kind zum Spielball politischer Ambitionen. Zunächst strebten beide Eltern für sie die Ehe mit dem britischen Thronfolger an (ihre Mutter Sophie Dorothea war Tochter des englischen Königs Georg I.), weshalb die achtjährige Prinzessin mit ihrem Cousin Friedrich Ludwig von Hannover, damals Herzog von Gloucester und ab 1729 15. Prince of Wales, verlobt wurde. In der Folge entstanden politische und familiäre Zwistigkeiten, unter denen Wilhelmine zunehmend zu leiden hatte. Die Mutter, die andere kulturelle Bedürfnisse hatte als ihr Ehemann, der König, verfolgte konsequent den Wunsch nach einer Verbindung mit dem ihr eng verwandten englisch-hannoveranischen Königshaus weiter, während sich der Vater zu einer Annäherung an das Haus Habsburg entschloss, um seine Treue dem deutschen Kaiser (damals Karl VI.) gegenüber zu zeigen. So wurde Wilhelmines erste Verlobung kurz vor der bald darauf folgenden Hochzeit mit dem Bayreuther Markgrafenprinzen Friedrich aufgehoben. Diese familiären und diplomatischen Gegensätze sowie erlittene körperliche und seelische Traumata als Kind durch die Erzieherin Caterina Leti und als Jugendliche durch ihre Eltern hat Wilhelmine in ihren Memoiren aus unmittelbarer Erlebniswelt drastisch wiedergegeben.

Detailliert schildert sie als Markgräfin von Bayreuth – der Zeitpunkt der Niederschrift der Memoiren ist nicht angegeben – die Probleme mit Caterina Leti. Von 1712 bis 1721 wurde Wilhelmine von dieser Italienerin, deren Vater Gregorio Leti (1630–1701) ein Historiker und Romanautor war, erzogen und unterrichtet. Sie wird als schön, blenderisch, kokett, boshaft und ränkesüchtig beschrieben. Unter ihr hatte das Kind fast genauso zu leiden wie unter den Eltern.

Wilhelmine vermutete, dass diese Frau sie wegen ihres italienischen Geistes piesackte, doch es gab einen triftigen Grund: Die Frau war von zwei Ministern des Königs, Friedrich Wilhelm von Grumbkow und Fürst Leopold von Anhalt-Dessau, bestochen worden, die beide Ehepläne von Wilhelmines Mutter und deren Vater, König Georg I., zu hintertreiben und auch Wilhelmines Vater in diese Richtung zu beeinflussen. Die Leti versuchte, das Kind für eine Ehe mit dem Markgrafen Friedrich Wilhelm von Schwedt zu erwärmen, einem Neffen des Alten Dessauers, und horchte es über die Gespräche seiner Eltern aus. Als das Kind schließlich auf Weisung seiner Mutter diesbezüglich nur noch auswich, wurde es tagtäglich gequält.

Offensichtlich gab es Ausfälle der Leti, wenn sie ihre Mission, das Kind auszuhorchen, nicht erreichen konnte. Wilhelmine wagte sich niemandem anzuvertrauen und brach schließlich mit einer Gallenkolik zusammen. An der nachfolgenden Gelbsucht laborierte sie monatelang. Die Mutter schien von den Qualen ihres ältesten Kindes bis dahin nichts gemerkt zu haben.

Gemeinsam mit ihrem Bruder Friedrich lebte Wilhelmine zudem in der Obhut der nur Französisch sprechenden Marthe de Roucoulle, einer in Frankreich geborenen Hugenottin, die schon beider Vater als Gouvernante betreut hatte. Sie erklärte der Mutter, dass Wilhelmine auf diesem Wege wahrscheinlich eines Tages zum Krüppel geschlagen werde. In der Folge wurde die Leti auf Betreiben des Königs im Jahr 1721 durch Dorothea Luise von Wittenhorst-Sonsfeld – von Wilhelmine und ihrem Bruder Friedrich liebevoll „Sonsine“ genannt – ersetzt. Ihr gelang es, das verschüchterte Kind zu beruhigen und sein Vertrauen zu erhalten. Sie hatte großes pädagogisches Geschick und förderte Wilhelmine sehr im schulischen und musikalischen Bereich. Bis zu ihrem Tod 1746 in Bayreuth, wohin sie mit Wilhelmine nach deren Hochzeit gezogen war, stand sie loyal zu der ihr schon als Kind Anvertrauten.

Aus Wilhelmines Briefen an ihren Vater ist erkennbar, dass sie anfangs ein gutes Verhältnis zu ihm hatte, er weilte aber nur selten bei seiner Familie. Hauptsächlich litt sie, wie offenbar die ganze Familie, unter seinen Launen. Zu ihrem nächstjüngeren Bruder Friedrich, mit dem sie, mit Förderung ihrer Mutter, ihr Interesse für Musik und Wissenschaft teilte, hatte sie eine außergewöhnlich enge Beziehung, die bis zu ihrem Tod anhielt. Musikalische Begabung zeigten beide Kinder, Wilhelmine bereits mit sechs Jahren (1715) durch Tanzen und Cembalospiel, das die Mutter begeisterte. Die Kinder verbündeten sich gegen den Vater, der musische Beschäftigungen, insbesondere des Kronprinzen, nicht leiden konnte und mit unduldsamer Strenge den Sohn zu seinem Ebenbild formen wollte. Die Tätlichkeiten gegen beide Kinder, die von Wilhelmine beschrieben wurden, wie beispielsweise Stockschläge und an den Haaren durchs Zimmer Schleifen, beschäftigen bis heute die Historiker.

Der Kronprinzenprozess von 1730

Nach dem missglückten Fluchtversuch ihres Bruders am 5. August 1730, bei dem ihm Hans Hermann von Katte wegen der immer unerträglicher werdenden Zerwürfnisse mit seinem Vater zur Seite stand, wurde Wilhelmine als Mitglied im Freundestrio der Mitwisserschaft eines „Desertions-Komplottes“ verdächtigt und in ihrem Gemach im Schloss eingesperrt. Ihr Bruder, der „Deserteur“, kam nach Küstrin als Gefangener, und Katte, „der Komplotteur“, wurde verhaftet. Es kam zum staatserschütternden Kronprinzenprozess, der in ganz Europa Kreise zog.

Die Geschwister wurden danach über ein Jahr lang streng isoliert festgehalten. Ihr Vater König Friedrich Wilhelm I. hatte nicht nur mit Kreuzverhör, Festungshaft und Folter (gegen Friedrich) gedroht, sondern mit der Hinrichtung beider Geschwister. Im Falle des Hans Hermann von Katte, zu dem Wilhelmine möglicherweise eine Liebesbeziehung hatte, machte er nach dem Urteilsspruch des Kriegsgerichts, der auf lebenslange Festungshaft lautete, von seinem Recht auf Urteilsschärfung Gebrauch: Da das Kriegsgericht der Aufforderung des Königs, den Beschluss zu ändern und „Recht zu sprechen“ – er wünschte die Todesstrafe – nicht nachkommen wollte, verschärfte er das Urteil im Alleingang auf Tod durch Enthaupten, was damals beispiellos war und in ganz Europa diskutiert wurde. Seine beiden Kinder blieben verschont, aber sie trugen ihr Leben lang am tragischen Schicksal ihres Freundes.

Aufgrund dieses Prozesses setzte der König in der Folge die Verheiratung seiner Tochter Wilhelmine mit verschärften Maßnahmen durch: Minister von Grumbkow hatte Wilhelmines Hofmeisterin Dorothea Luise von Wittenhorst-Sonsfeld zu informieren, ihren Schützling so zu bearbeiten, dass sie dem väterlichen Befehl Folge leiste, um den Familienfrieden wiederherzustellen. Sonsfeld selber wurde angedroht, im „Spinnhaus für öffentliche Huren“ eingekerkert zu werden, gelänge ihr dies nicht. Danach setzte der König, ihr Vater, schließlich durch, dass sie nach jahrelangem entwürdigendem Hin und Her Friedrich von Brandenburg-Bayreuth heiratete.

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