Wilhelm von Grumbach (* 1. Juni 1503 in Rimpar bei Würzburg; † 18. April 1567 in Gotha) war ein fränkischer Reichsritter.
Ihm gehörten zahlreiche Güter zwischen Schweinfurt und Würzburg wie auch das Schloss Grumbach in Rimpar mit umliegenden Gütern. In die Geschichte ging er wegen der Grumbachschen Händel ein, die sich aus einer lehensrechtlichen Auseinandersetzung mit den Fürstbischöfen von Würzburg zu einer das ganze Reich belastenden Krisensituation entwickelten.
Wilhelm von Grumbach entstammte dem Geschlecht der Herren von Grumbach, die eine Linie des fränkischen Uradelsgeschlechts Wolfskeel waren. Er gehörte zur Rimparer Linie dieses Rittergeschlechts, das rund um Schloss Grumbach sowie zwischen Würzburg und Schweinfurt ansehnliche Besitzungen hatte, sodass die Grumbachs zu den bedeutendsten und reichsten Vasallen des Hochstifts Würzburg gehörten, dem sie zwei Bischöfe und zahlreiche Domherren gestellt hatten. Wilhelms Eltern waren Conrad von Grumbach und Eva, geborene von Schwaigern. Seine Erziehung erhielt Wilhelm von Grumbach zunächst am Hof des Fürstbischofs von Würzburg, Lorenz von Bibra. Entscheidender war jedoch sein Aufenthalt am Hofe der Markgrafen Georg von Brandenburg-Ansbach und Kasimir von Brandenburg-Kulmbach, der ihm nicht nur eine gute Bildung, sondern auch weitreichende Beziehungen einbrachte. Wilhelm heiratete 1523 Anna von Hutten, Tochter des Hans von Hutten zu Frankenberg und der Barbara, geborene von Wallenfels zu Katschenreuth. Das Ehepaar hatte acht Kinder.
Im Bauernkrieg kämpfte Wilhelm von Grumbach 1525 an der Seite des Markgrafen Kasimir von Brandenburg-Kulmbach. Später erhielt er das wichtige Amt Cadolzburg. Markgraf Georg von Brandenburg bestimmte Grumbach 1540 zum Begleiter seines Mündels Albrecht Alcibiades bei der Reise nach Gent an den Hof Kaiser Karls V. Der Kaiser soll Grumbach den Eintritt in seine Dienste angeboten haben. Bei der Teilung des fränkisch-hohenzollernschen Gebiets zwischen dem jungen Markgrafen Albrecht Alcibiades und seinem Onkel war Wilhelm 1541 als Berater beteiligt.
In den späten 1530er Jahren, als Wilhelm schon einflussreiches Haupt der fränkischen Ritterschaft war, führte er mit seinem Lehensherrn, dem Fürstbischof Konrad II. von Thüngen, eine erbitterte Auseinandersetzung um den Gramschatzer Wald. Als er 1540 am Hofe Karls V. die Nachricht vom Tod des Bischofs erhielt, eilte er nach Würzburg, um Einfluss auf die bevorstehende Bischofswahl zu nehmen. Er erreichte, dass nicht sein Gegner Melchior Zobel von Giebelstadt, sondern der ihm nahe stehende Konrad III. von Bibra gewählt wurde, dessen Wahl auch Landgraf Philipp von Hessen unterstützte. Bibra legte den Lehensstreit bei, verlieh Wilhelm von Grumbach 1542 die Ämter Dettelbach und Stadtschwarzach, trat ihm einen Schuldbrief Philipps von Hessen über 10.000 Gulden ab und ernannte ihn 1543 zum Hofmarschall des Hochstifts.
Als Konrad von Bibra 1544 starb, konnte Grumbach nicht verhindern, dass Melchior Zobel zum Bischof gewählt wurde. Der hatte aber vor seiner Wahl Grumbach zugesichert, als Bischof alles anzuerkennen, was sein Vorgänger zu seinen Gunsten getan hatte.
Die Grumbachschen Händel entwickelten sich aus der lehensrechtlichen Auseinandersetzung zwischen Wilhelm von Grumbach und dem Würzburger Bischof Melchior Zobel zu einem Konflikt, der weite Teile der Ritterschaft erfasste und die Verfassung und den Frieden des Reichs bedrohte.
Auseinandersetzung mit Fürstbischof Melchior Zobel
Schon bald nach seiner Wahl brach Bischof Melchior Zobel sein Versprechen, die zwischen Grumbach und Zobels Vorgänger getroffenen Vereinbarungen einzuhalten. Er forderte die 10.000 Gulden zurück, denn diese Schenkung seines Vorgängers an Grumbach sei ohne Zustimmung des Domkapitels erfolgt. Wilhelm von Grumbach zahlte 3.000 Gulden bar und stellte für den Rest einen Schuldschein aus. 1545 trat er von seinem Amt als Hofmarschall des Hochstifts Würzburg zurück. Im Schmalkaldischen Krieg diente Grumbach 1546 unter Albrecht Alcibiades und warb für den Kaiser ein Heer von 8.000 Reitern und 10.000 Landsknechten an. Dafür belohnte Karl V. ihn mit einer Anweisung auf die Stadt Königsberg in Bayern, die Grumbach für 100.000 Gulden an Albrecht Alcibiades abtrat. 1551 übergab Wilhelm von Grumbach alle bischöflichen Lehensgüter seinem Sohn und stellte sich ganz in den Dienst des Markgrafen Albrecht Alcibiades, der ihn zum Statthalter in Kulmbach ernannte.
Durch diesen Wechsel verband sich Wilhelm von Grumbach mit einem Fürsten, der in der ersten Hälfte der 1550er Jahre Krieg und Verwüstung über Franken brachte. Markgraf Albrecht beteiligte sich am Fürstenaufstand. Um bei den Verhandlungen für den Passauer Vertrag seinen Forderungen Gehör zu verschaffen, schickte er Wilhelm von Grumbach mit zwei weiteren Vertrauten nach Passau, die Mission blieb aber erfolglos. Albrecht begann daher auf eigene Rechnung den Zweiten Markgrafenkrieg. Sein Ziel war die Errichtung eines Herzogtums Franken unter den Hohenzollern, und zu diesem Zweck belagerte er Nürnberg, überfiel die Bistümer Bamberg und Würzburg, verwüstete Dörfer und Städte und forderte beträchtliche Geldzahlungen und Abtretung von Landbesitz. An diesen Kämpfen nahm Wilhelm von Grumbach nicht teil. Vielmehr wandte sich Melchior Zobel 1552 an Grumbach und beauftragte ihn, bei dem Markgrafen zu vermitteln. Grumbach erreichte eine Minderung der erpresserischen Forderungen, und Zobel stimmte am 21. Mai 1552 dem Vertrag mit dem Markgrafen zu. Als Gegenleistung musste Zobel am 11. Juni das Kloster Maidbronn und sechs Dörfer vertraglich an Grumbach abtreten (Sulzwiesen, Erbshausen, Hausen, Bergtheim, Oberpleichfeld, Kürnach). Der Wert dieser Überschreibung mit allen Rechten und den gesamten Einnahmen betrug etwa 80.000 Gulden.
Diese beiden Verträge wurden in der Folgezeit zum Gegenstand erbitterter Auseinandersetzungen. Karl V. erkannte den Vertrag mit dem Markgrafen nicht an, verhängte die Reichsacht über ihn und forderte den zögernden Zobel unter Strafandrohung zur Annullierung der Verträge auf. Davon gab Zobel auch Wilhelm von Grumbach am 15. September Kunde und forderte ihn zur Restitution auf, der Grumbach am 7. Oktober nachkam. Zobel erneuerte daraufhin dessen Stiftslehen und erließ ihm die Schuld von 7.000 Gulden. Als aber der Kaiser bei der Belagerung der Festung Metz Ende Oktober 1552 auf den Beistand der Truppen von Albrecht Alcibiades angewiesen war, machte er einen Rückzieher und bestätigte nun den Vertrag zwischen Bischof und Markgraf vom 21. Mai. Diese Cassatio cassationis verwirrte die Lage vollkommen. Zobel klagte daraufhin gegen den Markgrafen vor dem Reichskammergericht und erreichte im Dezember ein mandatum de non offendendo, das dem Markgrafen die Umsetzung seiner Drohungen untersagte. Zobel, von Papst Julius III. zur Unnachgiebigkeit ermahnt, schloss mit anderen Fürsten am 6. Mai 1553 ein Bündnis zum Schutz des Landfriedens, das sich 1556 dem Landsberger Bund anschloss. Karl V. empfahl einen friedlichen Vergleich, aber beide Seiten beharrten auf ihrem Standpunkt. Im Juni nahm Zobel an der erfolglosen Belagerung Schweinfurts teil, konnte aber wenigstens Grumbachs im Würzburgischen gelegenen Güter in Besitz nehmen. Grumbach strengte daraufhin beim Reichskammergericht einen Restitutionsprozess an und erreichte ein Mandat zur Wiedereinsetzung in seine Würzburgischen Besitzungen. Doch Bischof Zobel gab trotz des kaiserlichen Befehls die von ihm verheerten und besetzten Güter nicht heraus. Jetzt glaubte Ritter Grumbach, ein Recht zu haben, den Bischof zu Befolgung der von Kaiser und Reich erlassenen Befehle zu zwingen. Er berief sich damit auf das alte Rechtsinstitut der Fehde, und so begannen die Grumbachschen Händel.
Nun versuchte Grumbach sich des Bischofs von Würzburg zu bemächtigen. Am 15. April 1558 verkleideten sich Christoph Kretzer, Amtsverweser von Stadtschwarzach, Diener und engster Vertrauter Wilhelms, und seine Helfer als Frankfurter Kaufleute und warteten auf Bischof Melchior Zobel von Giebelstadt an der Alten Mainbrücke, damals dem einzigen Flussübergang. Wilhelm von Grumbach hatte zwar alle Vorbereitungen getroffen, war jedoch nicht persönlich zugegen. Der Bischof kam von der Burg herab geritten, um zum Dom oder zur gleich nebenan liegenden Regierungskanzlei am Kürschnerhof zu gelangen. Die Wegelagerer warteten auf den Bischof in der Gaststätte „Zum Rebstock“ in der Zeller Straße. Gegen 10 Uhr kam die Gruppe in die Nähe der „Tellsteige“ und wurde von Kretzer mit seinen Leuten höflich begrüßt. Unter dem Mantel zog Kretzer jedoch eine Pistole oder ein Gewehr hervor und erschoss den Bischof und zwei seiner Begleiter, die Hofherren Fuchs von Wonfurt und Carl von Wenkheim. Kretzer und seine Leute entkamen unerkannt. Da Wilhelm eigentlich den Bischof lebend in seine Rimparer Burg bringen wollte, um Lösegeld zu erzwingen, gehen Geschichtsforscher von einer unter Alkoholeinfluss missglückten Entführung aus. Der neue Fürstbischof Friedrich von Wirsberg nahm die Verfolgung auf. Kretzer wurde an der französischen Grenze im Schloss Schaumburg im damaligen Lothringen gefangen genommen, gestand 1558 die Tat, erhängte sich aber, bevor ihm der Prozess gemacht werden konnte, eine andere Überlieferung sagt, er sei an den Folgen der Misshandlungen seiner Bewacher gestorben.