An diesem Tag

Wilhelm Taurit

Evangelisch-lutherischer Geistlicher, deutsch-baltischer Märtyrer

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Wilhelm Taurit (* 20. Septemberjul. / 2. Oktober 1870greg. im Pastorat auf der Insel Dahlen bei Riga, Gouvernement Livland, Russisches Kaiserreich; † 23. Novemberjul. / 6. Dezember 1906greg. im Pastorat auf Dahlen), mit vollem Namen Wilhelm Gotthard Adolf Taurit, lettisch Vilhelms Taurītis, war ein deutsch-baltischer Pastor. Er gilt als evangelisch-lutherischer Märtyrer und wird in Oskar Schaberts Baltischem Märtyrerbuch erwähnt.

Die Datumsangaben in diesem Artikel richten sich, wenn nicht anders angegeben, für den Zeitraum bis 1918 nach dem julianischen Kalender.

Wilhelm Taurit verbrachte seine ersten Jahre als Sohn des Pastors Karl Taurit und Nachfahre mehrerer Generationen von Pastoren auf der großen Düna-Insel Dahlen. Danach, von 1882 bis 1885, besuchte er die Zinksche Schule in Riga. Dann ging er ab der Tertia von 1886 bis 1888 in das Rigaer Gouvernementsgymnasium, das von Krannhals geleitet wurde. Die Zulassung zum Abitur erhielt er nach nur einjährigem Besuch der Prima, was eine Seltenheit war. 1889 arbeitete er nach dem Abitur zunächst als Hauslehrer in Riga.

Er immatrikulierte sich dann zum zweiten Semester 1889 an der Kaiserlichen Universität Dorpat zum Studium der Theologie. Erst während dieses Studiums fand er zum christlichen Glauben. Schon in seinem ersten Semester trat er am 30. Oktober 1889 in den theologischen Verein ein, 1891 wurde er dessen Bibliothekar, 1892 Protokollführer, 1893 dessen Präses. Er galt als fleissiger Student, womit er eine umfassende theologische Bildung erreichte. 1893, nach 4 ½ Jahren, schloss er sein Studium als Kandidat der Theologie ab. Mit Ausnahme der Dogmengeschichte, wo seine Leistungen mit „recht gut“ bewertet wurden, erreichte er in allen Fächern eine sehr gute Abschlussnote. 1894 bestand er seine Prüfung vor dem Konsistorium in Riga.

Sein praktisches Jahr verbrachte er 1894 bis 1895 zunächst in Neu-Pebalg in Livland bei Emil Kaehlbrandt, dem Propst von Wenden, der sich in gesetzterem Alter, aber auf dem Höhepunkt seiner Tätigkeit befand. Diese Zeit sollte einen maßgeblichen Einfluss auf Taurits spätere Amtsführung haben. Kaehlbrandt galt als charakterstark, tiefgläubig, liebevoll, aber auch streng.

Danach kehrte Wilhelm Taurit in sein Elternhaus nach Dahlen zurück, wo er den Rest seines Probejahres bei seinem Vater verbrachte, und wurde am 11. Juni 1895, nach dem Tod seines Vaters, von Generalsuperintendent Hollmann in Riga zum Nachfolger seines Vaters ordiniert.

Taurit war als konservativ einzustufen. Die Insel Dahlen hatte, wohl auch aufgrund ihrer damaligen Abgelegenheit, eine fast patriarchale Gesellschaftsstruktur beibehalten, mit dem Pfarrer an der Spitze. Zu dieser Gesellschaftsordnung, die sich Taurit bemühte aufrechtzuerhalten, gehörte auch, dass Kinder zunächst von ihren Müttern nach einem festgelegten Lehrplan unterrichtet werden mussten und dann vor der Einschulung vom Pastor geprüft wurden. Bei 95 % der Kinder auf der Insel wurde noch so verfahren. Die Prüfungen fanden jährlich im Pastorat statt.

Taurits Predigten, die er auswendig und akzentfrei auf Lettisch hielt, waren wissenschaftlich fundiert, aber allgemeinverständlich. Auch seine deutschsprachigen Predigten hatten guten Zulauf. Seine Predigtvorbereitung war sehr sorgfältig, der Vortrag sprachlich einwandfrei. Er schätzte eine gebildete Zuhörerschaft. Er selbst galt als fröhlich und gebildet. Sein bevorzugter Bibelvers war „Nichts kann uns scheiden von der Liebe Gottes“.

Ebenso wie sein Vater hielt Taurit in der Urlaubszeit Strand-Gottesdienste ab, am selben Sonntag einmal in deutscher und einmal in lettischer Sprache.

Am 8. Dezember 1896 erstattete Taurit Bericht auf dem Unterstützungskassenfest in der Rigaer Martinskirche.

Am 10. August 1897 hielt er die deutsche Predigt anlässlich des 150-jährigen Kirchenjubiläums in Lennewarden.

Am Montag, dem 16. Februarjul. / 28. Februar 1898greg., hielt er den ersten Vortrag zugunsten der offenen Armenpflege in der Aula der Rigaer Stadt-Realschule über das Thema „Die moderne Theologie“.

Am Sonntag, dem 8. Augustjul. / 20. August 1899greg. ab 10 Uhr, half Wilhelm Taurit Erwin Gross, der 1920 im Gefängnis der Bolschewiki starb, bei der Ausrichtung eines Bibelfestes im Ausflugsort Katlekaln.

Am 16. September 1898 heiratete er Magdalena Flora Luise Kählbrandt.

Herausgeber der Mitteilungen und Nachrichten

Im Jahre 1900 wurde Wilhelm Taurit als Nachfolger von Theodor Taube, der später (1919) von Bolschewiki erschossen wurde, verantwortlicher Redakteur und Herausgeber der Mitteilungen und Nachrichten für die evangelische Kirche in Rußland, dem wichtigsten lutherischen Kirchenblatt und der einzigen kirchlichen Monatsschrift in Russland, womit sein Einfluss nun weit über seine Gemeinde hinausreichte. Hier arbeitete er nicht nur als Redakteur, sondern auch als Autor zahlreicher eigener Artikel zu seinen Spezialgebieten. Sein Interesse und seine Begabung lagen vor allem im Bereich der Exegese des Neuen Testaments und der Dogmatik. Sowohl als Prediger als auch als Autor galt er als objektiv. Probleme zu suchen und skeptisch vorzugehen, lag ihm nicht; seinen Glauben gründete er klar auf die Person Christi. Er galt als ausgeglichen, mit zunehmendem Alter auch als mehr und mehr abgeklärt. Zu fast allen Konferenzen, die im Rigaschen Sprengel abgehalten wurden, steuerte er Referate und Vorträge bei. Propst Ludwig Zimmermann schätzte ihn sehr. Auch wenn er an der Synode teilnahm, wurde ihm, obwohl er noch jung war, aufmerksam zugehört. Wenn Taurit seine Meinung äußerte, war oft nichts mehr hinzuzufügen. Wer sich ihm entgegenstellte wurde scharf bekämpft, wobei er sich aber fair verhielt. Nur wenn andere selbst hinterhältig vorgingen, blieb er unbeirrt bei seiner Meinung. Mehrmals war angedacht, ihn an eine städtische Kirche zu berufen; bei den entsprechenden Wahlen verfehlte er aber immer knapp die Mehrheit. Er akzeptierte das mit den Worten

Damit blieb er seiner Gemeinde erhalten, der er autoritär aber auch liebevoll vorstand, und in der er sein Martyrium erleiden sollte.

Am Mittwoch, dem 26. Septemberjul. / 9. Oktober 1901greg., referierte er auf der livländischen Predigersynode in Wolmar über die Ferienkurse, an denen im Sommer 15 Prediger teilgenommen hatten, und über Jesu Aussagen über die Ur- und Patriarchen-Geschichte.

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