Wilhelm Schott (* 3. September 1802? in Mainz; † 21. Januar 1889 in Berlin) war ein deutscher Orientalist, Sinologe und Finnougrist.
Wilhelm Christian Schott wurde als Sohn des Kaufmanns Johann Christian Schott und dessen Frau Elisabeth (geb. Wahl, verw. Holzmann) geboren. In manchen Quellen und Dokumenten taucht auch ein anderes Geburtsdatum auf, doch gilt das Jahr 1802 mittlerweile als gesichert. Nach dem Schulabschluss studierte er ab 1819 zunächst Theologie in Gießen, wechselte aber 1821 nach Halle, um sich dort Sprachstudien zu widmen. Sein Hauptinteresse galt den orientalischen Sprachen und 1823 wurde er mit einer Arbeit über die Sunna promoviert.
Im selben Jahr, 1823, waren ihm zwei chinesische Matrosen (Fung Asseng und Fung Ahok), die durch eine Reihe von Zufällen nach Deutschland gekommen waren, zur Betreuung anvertraut worden. Dadurch wurde sein Interesse am Chinesischen geweckt, so dass er sich nun der Sinologie zuwandte. Im Jahre 1826 habilitierte er sich in Halle mit einer Arbeit „über die Natur der chinesischen Sprache“ (De indole linguae Sinicae dissertatio).
1830 wechselte Schott nach Berlin, wo er zunächst in der Königlichen Bibliothek für die chinesische Büchersammlung verantwortlich war. 1832 habilitierte er sich für die Berliner Universität mit einer Vorlesung über das Wesen der chinesischen Schrift. Ab 1833 hielt er an der Berliner Universität Vorlesungen zur chinesischen Sprache und Philosophie. 1838 erhielt er dort eine außerordentliche Professur „für das Fach des Chinesischen, der tatarischen und anderer ostasiatischer Sprachen“.
1840 erhielt Schott einen Ruf nach Sankt Petersburg, den er jedoch ablehnte. Er hätte sich verpflichten müssen, sein Leben lang dort zu bleiben, aber Russlands Hauptstadt erschien ihm „ein bisgen verzweifelt kalt“, wie er im Oktober 1840 an seinen Kollegen Hans Conon von der Gabelentz schrieb.
Schott blieb für den Rest seines Lebens in Berlin, wo er bis ins hohe Alter (Wintersemester 1883/84) Vorlesungen abhielt. 1841 wurde er zum Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften ernannt – im gleichen Jahr wie Jacob und Wilhelm Grimm, mit denen er kollegial verbunden war.
1843 wurde Schott zum Ehrenmitglied der Gelehrten Estnischen Gesellschaft in Tartu gewählt, 1850 zum korrespondierenden Mitglied der Finnischen Literaturgesellschaft in Helsinki. Seit 1858 war er Mitglied der Ungarischen Akademie der Wissenschaften in Budapest. 1873 wurde Schott Mitglied der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft, aus der er 1884 jedoch wieder austrat. Seit 1872 war Schott Ehrenmitglied der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte.
1861 heiratete Schott Elise Wilhelmine Auguste Meyer. Kinder sind aus der Ehe nicht hervorgegangen.
In seinen ersten Jahren in Halle konzentrierte sich Schotts Lehrtätigkeit auf das Hebräische und Arabische, da es für Chinesisch kaum Interessenten gab. In Berlin sind dann seit 1833 Veranstaltungen zum Chinesischen nachgewiesen. Gleichzeitig begannen auch Lehrveranstaltungen zum Türkischen und Tatarischen. Bald kamen auch Mandschurisch, Mongolisch, Persisch, Tibetisch und Japanisch hinzu. Dabei handelte es sich sowohl um Vorlesungen als auch um Sprachlehrveranstaltungen und grammatische Übungen, wobei letztere häufig privatissime gegeben wurden.
Seit dem Wintersemester 1846/1847 breitete Schott seinen Themenkreis auch auf die finnougrischen Sprachen aus, indem er Vorlesungen über das Kalevala und die finnische Sprache anbot. Von nun ab gab es in Berlin in jedem Jahr Lehrveranstaltungen zur Finnougristik, obwohl dies Fach nicht zu Schotts Lehrauftrag gehörte und es als solches noch gar nicht existierte.
Durch seine zahlreichen Publikationen auf sinologischem und orientalistischem Gebiet wurde Schott zu einem der wichtigsten Vertreter dieser Disziplinen im deutschsprachigen Raum. Insgesamt sind von Schott über 600 Publikationen bekannt – von der mehrere hundert Seiten umfassenden Monografie bis zu zwanzigzeiligen Kurzrezensionen. Ungefähr ein Drittel dieser Publikationen befasst sich mit finnougristischen Themen, weswegen Schotts Klassifizierung auch als Finnougrist berechtigt erscheint.
So ist bereits seine Monografie von 1836, die den Titel Versuch über die Tatarischen Sprachen trägt, wichtig für die Finnougristik, da Schott hier auf die typologische Ähnlichkeit zwischen den Turksprachen und den finnougrischen Sprachen hinweist. Ebenfalls wichtig ist Schotts Abhandlung De lingua Tschuwaschorum von 1841, da er hier erstmals den Nachweis erbringt, dass das Tschuwaschische nicht zum Kreis der finnisch-ugrischen, sondern zu den Turksprachen gehört.
Auch in seiner Schrift Über das Altai’sche oder Finnisch-Tatarische Sprachengeschlecht von 1849 ging Schott ausführlich auf die Parallelen zwischen diesen beiden Sprachfamilien ein. Somit ist sein Ruf als Begründer der Hypothese von der ural-altaischen Urverwandtschaft sicherlich begründet. Außerhalb der Sprachwissenschaft hat sich Schott auch intensiv mit literarischen und Kulturstudien befasst.
Schott war an zwei wichtigen Publikationsorganen beteiligt, in denen er auch viele seiner Beiträge unterbrachte. Zum einen war dies das Archiv für wissenschaftliche Kunde von Russland von Georg Adolf Erman, zum zweiten das Magazin für die Literatur des Auslandes. In ersterem veröffentlichte er wissenschaftliche Beiträge und lieferte häufig auch Übersetzungen aus dem Russischen. Sein Beitrag zur Wissenschaft besteht daher nicht nur in eigenständigen Forschungen, sondern auch in der Vermittlung ausländischer Forschungsergebnisse an ein deutsches Publikum. Im Magazin brachte er eher populärwissenschaftliche Artikel, Literaturrezensionen oder auch Übersetzungen. Gerade für die finnougristischen Beiträge von Schott sind diese beiden Organe wichtig gewesen da annähernd sieben Achtel seiner relevanten Beiträge in diesen beiden Periodika erschienen sind.
Schott als Vermittler estnischer und finnischer Literatur nach Deutschland
Obwohl Ungarisch die erste finnougrische Sprache war, mit der sich Schott befasst hatte, ist in seinen Publikationen später eindeutig eine Vorliebe für finnische und estnische Themen erkennbar. Zum Finnischen hat Schott 70 Beiträge verfasst, von denen sich ein gutes Dutzend mit dem Kalevala und der finnischen Volksdichtung im Allgemeinen beschäftigt. Darüber hinaus hat er aktuelle finnische Literatur rezensiert und im Magazin auch finnische Märchen in deutscher Übersetzung gebracht.
Zur estnischen Literatur liegen rund 50 Beiträge von Schott vor, wobei es sich auch um Darstellungen zur Folklore oder bloß eine Zeitschriftenschau handeln kann. Aber auch durch die bloße Rezension von Publikationen aus Estland wurde Schott zum Vermittler dieser bis dahin in Deutschland unbekannten Literatur. Intensiv beschäftigte er sich mit Friedrich Reinhold Kreutzwalds Epos Kalevipoeg, dem er sogar eine eigene Studie widmete, die bis heute zu den ausführlichsten deutschsprachigen Abhandlungen zum Thema zählt.
Streit mit Heinrich Julius Klaproth und Anton Schiefner