Wilhelm Schmied (* 13. April 1910 in Dresden; † 7. Dezember 1984 in Sangerhausen) war ein deutscher Maler und Grafiker des Sozialistischen Realismus.
Schmied war der Sohn des Dekorationsmalers Wilhelm Schmied und seiner Ehefrau Ella Schmied, geborene Winkler. Er verbrachte seine Jugendjahre in Riesa, besuchte dort von 1916 bis 1924 die Volksschule und absolvierte von 1924 bis 1927 in Dresden eine Lehre als Dekorationsmaler und Lackierer mit anschließenden Gesellenjahren ab 1927 in Nürnberg, Staffelstein und Schkeuditz. Er studierte unter anderem 1930 ein Semester an der Kunstgewerbeschule in Nürnberg und erhielt Weiterbildungen an der Burg Giebichenstein Halle bei Charles Crodel.
Zum 1. Mai 1933 trat er der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 2.772.719). 1934 legte er seine Meisterprüfung als Malermeister in Halle/Saale ab und war als solcher bis 1940 mit einem eigenen Malergeschäft in Sangerhausen tätig. In diese Zeit fiel auch seine Heirat mit Johanna Lutze aus Schkeuditz 1934 und die Geburt der Tochter Ursula (1936–2014), später selber Malerin. 1940 wurde er in die Wehrmacht einberufen und geriet während des Zweiten Weltkriegs in Gefangenschaft.
Nach seiner Entlassung am 30. Januar 1946 in Passade und seiner Rückkehr Anfang März 1946 arbeitete er wieder in seinem Malergeschäft. 1946 begann er seine freiberufliche Tätigkeit mit autodidaktischer Weiterbildung als Maler und Grafiker und wirkte seit 1948 freischaffend in Sangerhausen. 1947 trat er der Liberal-Demokratischen Partei Deutschlands bei.
1948 wurde er Mitglied der Kunstkammer Sachsen-Anhalt. Er gehörte zu den ersten bildenden Künstlern, an die ab 1949 die Generaldirektion des Mansfeld-Kombinats Aufträge erteilte und die zur künstlerischen Arbeit in die Betriebe gingen. Er leitete dann u. a. langjährig den ab 1954 bestehenden Mal- und Zeichenzirkel des „Thomas-Müntzer-Schachtes für Bildnerisches Volksschaffen“, in dem er Laien, Arbeiter, Hausfrauen und Schüler im Sinne des „Bitterfelder Weges“ weiterbildete, darunter ab 1958 den jungen Einar Schleef, und nahm an der zweiten Bitterfelder Konferenz vom April 1964 teil. Neben seinem eigenen künstlerischen Schaffen war er in verschiedenen Gremien und Verbänden aktiv, wie etwa 1965 im Beirat für bildende Kunst zur Planung der neu entstehenden Halle-Neustadt. Von 1959 bis 1973 war Schmied Vorsitzender des Verbandes Bildender Künstler (VBK) des Bezirkes Halle. Ab 1970 war Schmied Außerordentliches Mitglied der Akademie der Bildenden Künste der DDR, ab 1974 bis zu seinem Tod Ordentliches Mitglied. Christa Böhme zählte zu seinen Schülerinnen.
Schmieds Grab befindet sich auf dem Friedhof in Sangerhausen.
1951 gewann Schmied den Wettbewerb zur künstlerischen Ausgestaltung des Maxim-Gorki-Theaters in Magdeburg, entwarf 1952 aber auch die Fenster zu Weihnachten, Karfreitag/Ostern und Pfingsten im Chorraum der Jacobikirche in Sangerhausen, und illustrierte Christa Wolfs 1962 im Mitteldeutschen Verlag erschienene Moskauer Novelle. Er beteiligte sich an allen zentralen Ausstellungen in der DDR, erhielt zahlreiche Kunst-am-Bau-Aufträge, die er im Stil des Sozialistischen Realismus ausführte, aber auch Anfang der 1970er Jahre den Auftrag zur Gestaltung eines monumentalen Wandbildes zum Gedenken an die Zwangsarbeiter in der Gedenkstätte in der Heimkehle bei Uftrungen. Er schuf eine Vielzahl von Gemälden, Grafiken, dekorativen Putzarbeiten an Gebäuden und großformatigen Mosaiken. Darüber hinaus faszinierten ihn besonders die Städte- und Landschaftsansichten des Mansfelder Landes sowie die Küstenlandschaft der Ostsee und die Region um Ahrenshoop, die er in seinem umfangreichen Werk von Grafiken, Aquarellen sowie Ölgemälden festhielt. Schmied führte außerdem in den 1960er- und 1970er-Jahren Studienreisen in verschiedene sozialistische Länder und nach Ägypten durch, von denen er eine Vielzahl an Motiven mitbrachte und in späteren Bilderzyklen umsetzte.
Schmieds Wirken befand sich in Übereinstimmung mit der Kunstdoktrin der DDR als ideologisch begründete Stilrichtung der Kunst des 20. Jahrhunderts und den Vorgaben des Kulturbundes der DDR. So erläuterte er bereits 1954 seine Ansichten im Artikel Die Deutsche Demokratische Republik - die Pflegestätte unserer nationalen humanistischen Kultur und Förderin der bildenden Künstler in den „Heimatblättern des Kreises Sangerhausen – Kulturspiegel“, dessen „Redaktionskommission“ er angehörte: „Die deutschen Menschen fordern von den Künstlern zeitnahe, realistische Kunstwerke. (...) Nur der Künstler, welcher mit der Arbeit und dem Leben seines Volkes verbunden ist, kann die Forderung der Gesellschaft erfüllen und Werke schaffen, die in Form und Inhalt zeitnah und realistisch sind“.
Das Organ des Zentralkomitees der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) Neues Deutschland bezeichnete ihn 1983 als „eine fest umrissene Künstler-Persönlichkeit unseres Landes, deren Profil unverkennbar ist, und er hat viel Wichtiges dazu beigetragen, dass das Kunstschaffen der DDR seinen spezifischen, sozialistischen Charakter erlangte“. „Mit seinen überdimensionalen Wandmosaiken avancierte Schmied in der DDR schnell zum gefragten Künstler“. Gemälde Schmieds gehörten u. a. zur Ausstattung eines Konferenzraums im Palast der Republik. Als Vertreter des Sozialistischen Realismus gehörte er zu „den politisch ambitionierten Malern“, die mit zahlreichen staatlichen Preisen geehrt wurden. Daneben sind seine Werke heute hauptsächlich von kulturhistorischem Interesse. „Schmieds Bilder, zu DDR-Zeiten gestaltet, […] sind wertvolle Dokumente, die Sangerhausen aus der Sichtweise eines Künstlers im Sozialismus zeigen.“ Er schuf Werke, „die sich mit den Kupferschächten, den Bergleuten und der vom Bergbau geprägten Kulturlandschaft dieser Region beschäftigen“. Schmied „hat die bildende Kunst in der DDR wesentlich mitgeprägt. Mit seinen Industrielandschaften, Stadtansichten und Landschaftsbildern dokumentierte er die durch den Menschen hervorgerufenen Veränderungen und wurde so zum Zeitzeugen einer entwickelten Industriegesellschaft“, „zum Chronisten der tief in das Leben der Bewohner der Städte und Dörfer des Mansfelder Landes eingreifenden gesellschaftlichen und wirtschaftsstrukturellen Veränderungen“.
Seine Werke befinden sich unter anderem beim Wilhelm-Schmied-Verein zur Förderung seines künstlerischen Erbes e. V., in der Akademie der Künste Berlin, der Kunsthalle Rostock, im Museum Junge Kunst Frankfurt/Oder, im Schlossmuseum Bernburg, in der Galerie Neue Meister der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, im Museum Weißenfels, im Kunstfonds des Freistaates Sachsen in Dresden, im Kreisheimatmuseum Bad Frankenhausen, auf Burg & Schloss Allstedt, im der Kunstsammlung Gera und im Kunstmuseum Moritzburg Halle. Das Spengler-Museum Sangerhausen besitzt unter anderem die Ölgemälde Sangerhäuser Blumenstrauß und Goldene Aue sowie weitere frühere Landschaftsbilder und Stillleben aus der Zeit, als er Wohnraumschmuck malte. Viele seiner Auftragsarbeiten befinden sich eingelagert in Archiven, wie im Berliner Kunstdepot des Bundesverwaltungsamtes, die Werke aus dem Bestand der ehemaligen Mansfeld-Galerie im Kreisarchiv des Landkreises Mansfeld-Südharz (Depot Sangerhausen-Othal), im Mansfeld-Museum und zehn Gemälde im Kunstarchiv Beeskow, die heute „fast nur noch von kulturpolitischem Interesse sind“.
Hauptsächlich in Sangerhausen hat Schmied bleibende Spuren durch seine Kunst am Bau hinterlassen. Zusammen mit Karl Erich Müller schuf er eine Reihe von Mosaiken und Wandbildern, etwa 1955 das Paracelsus-Mosaik für das chemische Institut der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und 1958 ein Kachelwandbild für den Speisesaal der Leunawerke „Walter Ulbricht“. Ab 1970 verwendete er für diese Aufträge, dem Vorbild Willi Neuberts folgend, auch Industrie-Email. Hierbei wird farbiges Email auf Stahlplatten aufgetragen und die so entstandenen Emailplatten zu großflächigen Werken zusammengesetzt.
1963 erstellte er in dem neu errichteten Bahnhofsgebäude von Sangerhausen ein 4,00 × 20,00 m großes Wandmosaik mit dem sozialistischen Realismus verpflichteten Bildmotiven („Landwirtschaft und Industrie im Kreis Sangerhausen“), das heute noch besichtigt werden kann. Die „durch das Streben nach Monumentalität charakterisierte typisierende Darstellungsweise“ findet sich auch in diesem Werk, das für die Stadt typische Handwerke und Berufe zeigt. Ein weiteres großes Wandmosaik aus dem Jahr 1970 befand sich in der Süd-West-Siedlung, nahe dem Atelier von Wilhelm Schmied in der Wilhelm-Koenen-Straße, an der nach Juri Alexejewitsch Gagarin benannten Polytechnischen Oberschule (ab 1990 bis zum Abriss „Schiller-Gymnasium“) in Sangerhausen. Es behandelte das Thema „Raumfahrt“. Als die Schule 2011 abgerissen wurde, wurde auch das damals schon beschädigte Wandbild, das nicht unter Denkmalschutz stand, zerstört. Erhalten geblieben sind indes die zeittypischen Sgraffiti an der Fassade der Berufsschule in der Karl-Liebknecht-Straße und an Hauswänden, in Tür- und Fensterwölbungen der Westsiedlung „Am Bergmann“, die 1952 von einem Künstlerkollektiv um Schmied gefertigt wurden. Bei der Stadtsanierung 2014 wurden sie restauriert.