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Wilhelm Sauer (Orgelbauer)

Deutscher Orgelbauer aus der Zeit der Romantik und Spätromantik

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Wilhelm Carl Friedrich Sauer (* 23. März 1831 in Schönbeck; † 9. April 1916 in Frankfurt (Oder)) war ein bedeutender deutscher Orgelbauer aus der Zeit der Romantik und Spätromantik.

Wilhelm Sauer wurde als jüngerer Sohn des Schmiedes Ernst Sauer (1799–1873) und dessen Ehefrau Johanna Christina, geb. Sumke (1800–1882), in Schönbeck bei Friedland in Mecklenburg-Strelitz geboren. Der Vater hatte 1835 mit einer als Autodidakt gebauten Orgel für seinen Wohnort großes Aufsehen erregt. Der Großherzog gab ihm daraufhin ein Stipendium mit der Auflage, sich als Orgelbauer ausbilden zu lassen, was in Ohrdruf geschah.

Als Wilhelm sieben Jahre alt war, zog die Familie in die benachbarte Stadt Friedland in Mecklenburg um, wo der Vater ein Fabrikationsgebäude errichtete und mit dem gewerblichen Orgelbau begann. Dort verlebte Wilhelm Sauer seine Jugendjahre, besuchte das Gymnasium in Friedland, machte 1849 Abitur und nahm ein Studium an der Berliner Bauakademie auf. Nach zwei Semestern brach er dieses ab und machte eine Lehre als Orgelbauer bei seinem Vater. 1851 diente er beim Militär.

Wanderjahre und Tätigkeit in Deutsch Krone

Danach war Wilhelm Sauer „außer Landes“. Er arbeitete (um 1852/1853) als Geselle bei Aristide Cavaillé-Coll in Paris, dem bedeutendsten Orgelbauer seiner Zeit, bei Eberhard Friedrich Walcker in Ludwigsburg und wohl auch in der Schweiz und in England.

1854 kehrte er nach Friedland zurück und wirkte am Neubau der Orgel für die örtliche Marienkirche unter seinem Vater mit. Als dieser 1855 eine Filiale im westpreußischen Deutsch Krone eröffnete, übergab er die Leitung dem Sohn Wilhelm. Dieser muss zu dieser Zeit bereits seine Meisterprüfung gemacht haben.

Orgelbau-Anstalt in Frankfurt (Oder)

Am 1. März 1856 gründete Wilhelm Sauer eine Filiale in Frankfurt (Oder). Diese befand sich zunächst in Räumen des Gasthauses Zum Goldenen Löwen in der Crossener Straße 3 in der Dammvorstadt (heute Słubice, ul. 1 Maja). Später gründete er dort die Wilhelm Sauer Orgelbau-Anstalt Frankfurt A. O.

1860 gründete Wilhelm Sauer eine Zweigniederlassung in Königsberg. Diese wurde später (nach 1871?) wieder aufgegeben, als die Verkehrsverbindungen besser geworden waren. In Ost- und Westpreußen wurden bis 1910 über 130 Orgeln gebaut.

1866 kaufte Wilhelm Sauer das Grundstück Park 13 (heute Paul-Feldner-Straße 13) in der Gubener Vorstadt mit einer Fabrikantenvilla. Dort ließ er Werkstätten und einen Orgelsaal errichten. 1884 wurde er zum Königlichen Preussischen Hof-Orgelbauer ernannt. Ende des 19. Jahrhunderts arbeiteten etwa 120 Mitarbeiter in der Firma.

Am 1. Oktober 1910 verkaufte Wilhelm Sauer die Firma an seinen Geschäftsführer und Stellvertreter Paul Walcker. 1917 übergab Paul Walcker die Firma an seinen Neffen Oscar Walcker. Der Standort in Frankfurt (Oder) blieb bis 1994 bestehen und wurde dann nach Müllrose verlegt. Seit 2000 besteht eine selbstständige Firma W. Sauer Orgelbau Frankfurt (Oder).

Am 9. April 1916 starb im Alter von 85 Jahren Wilhelm Sauer in Frankfurt (Oder). Er wurde auf dem Friedhof der Stadt begraben. Sein Grabstein ist im heutigen Kleistpark erhalten.

Ehe, Familie, Charakterisierung

Im Jahr 1859 heirateten Wilhelm Sauer und Minna Auguste Penske († 1876), Tochter eines Kantors. Der Ehe entstammte die Tochter Johanna (1859–1887).

1878 heiratete Sauer in zweiter Ehe Anna Bauer (* 18. Januar 1848; † 11. August 1924), Tochter eines Brauereibesitzers und Stadtrates in Potsdam. Mit ihr hatte er die Söhne Wilhelm (1879–1962) und Franz Gustav Adolf (1883–1945; verschollen). Sein Enkel Wolfgang Sauer (1920–1989) wurde Professor für deutsche Geschichte an der University of California, Berkeley.

Wilhelm Sauer sei nach Aussage eines alten Mitarbeiters der Firma Sauer, der ihn noch persönlich gekannt hatte, ein „stille[r] Mann, der in jeder Situation stets sachlich, korrekt und freundlich war“ gewesen. Sein ganzes Schaffen folgte folgendem Wahlspruch:

1899: Verdienstorden für Kunst und Wissenschaft

1905: Medaille für Kunst und Wissenschaft

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