An diesem Tag

Wilhelm Leber

Deutscher Stammapostel der Neuapostolischen Kirche

Anúncio

Wilhelm Leber (* 20. Juli 1947 in Herford) war seit seiner Amtseinführung am 15. Mai 2005 (Pfingsten) in Fellbach der achte Stammapostel der Neuapostolischen Kirche und löste damit Richard Fehr als Amtsinhaber ab. Am 19. Mai 2013 wurde er von seinem Nachfolger Jean-Luc Schneider in den Ruhestand versetzt.

Wilhelm Leber wurde am 20. Juli 1947 in Herford, Nordrhein-Westfalen, in ein neuapostolisches Elternhaus geboren und kannte schon von Kindheit und Jugend an die Familie des damaligen Stammapostels Bischoff. Nach dem Abitur 1965 studierte er Mathematik an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main und University of Waterloo (Kanada). 1973 bis 1977 arbeitete er als Assistent an einem betriebswirtschaftlichen Lehrstuhl an der Universität Hamburg.

1975 promovierte er zum Doktor der Naturwissenschaften (Dr. phil. nat.) über das Thema Konvergenzbegriffe für lineare Operatoren und Stabilitätsaussagen. Von 1977 bis 1991 war er für eine hamburgische Lebensversicherung tätig.

Am 9. September 1990 wurde Wilhelm Leber zum Apostel des Bezirks Bremen ordiniert, seit 1991 arbeitet er ausschließlich für die Neuapostolische Kirche.

Sein Aufgabenbereich erweiterte sich um die Bezirke Hamburg (22. November 1992), Mecklenburg-Vorpommern (16. Januar 1994) (diese drei Bezirke bilden derzeit die Gebietskirchen Norddeutschland) und Nordrhein-Westfalen (1. Januar 2003). Außerdem war er sechs Jahre lang für die Koordinationsgruppe der Kirche (Beratungskomitee) und fünf Jahre für die Gruppe Kirchenstrategie (Finanzen) tätig.

1972 heiratete er Barbara Bischoff, eine Enkelin des Stammapostels Johann Gottfried Bischoff (1871–1960). Aus der Ehe gingen ein Sohn und eine Tochter hervor.

Heute lebt er mit seiner Familie in Buchholz in der Nordheide.

Am 19. Mai 2013 wurde Stammapostel Wilhelm Leber in den Ruhestand versetzt. Sein Nachfolger ist der Franzose Jean-Luc Schneider.

Entwicklungen in seiner Amtszeit

Als Stammapostel Fehr in den Ruhestand trat, gab es weltweit etwa 10.850.000 neuapostolische Christen. Bis zum 31. Dezember 2007, also eineinhalb Jahre unter Stammapostel Wilhelm Leber, stieg die Mitgliederzahl auf 11.239.935, also etwa um 3,6 %, was einer mehr als halbierten durchschnittlichen Zuwachsrate im Vergleich zu Amtsvorgänger Fehr entspricht. Ein Grund dafür war, dass unter den vorherigen Stammaposteln intensivere Missionsarbeit betrieben worden war, die unter Leber aber zurückging.

Vielmehr legte Stammapostel Leber in erster Linie Gewicht auf eine Konsolidierung und Reorganisation der Kirche, was die Gemeinden, Amtsträger und Finanzen betraf.

Daher war eine der wichtigen Entwicklungen unter Wilhelm Leber die Verselbstständigung der Gebietskirchen. Jüngere Kirchen in afrikanischen Staaten, die zuvor von etablierten Kirchen in Europa oder Amerika aus betreut worden waren, gingen in die Betreuung regionaler Gebietskirchen über. Zur Umsetzung wurden sogenannte „Bezirksapostelhelfer“ beauftragt. Einer der ersten war der später zum Bezirksapostel ernannte Shadreck Mundia Lubasi, der für Ostafrika mit zwei Millionen neuapostolischen Christen in Kenia, Tansania und Uganda zuständig war. Die Leitung der zuvor von Süddeutschland aus betreuten Kirchen in Madagaskar mit 60.000 Mitgliedern ging in die Hände von Bezirksapostel Johann Kitching, der den Bezirk Südostafrika betreute.

Kircheninternes und Öffentlichkeitsarbeit

Stammapostel Leber strebte besonders danach, die Neuapostolische Kirche von innen nach außen in Lehre und Einssein zu stärken. Dazu wurden Lehrseminare durchgeführt sowie ein neues Selbstbild der Kirche definiert. Damit sollte eine klar strukturierte Öffentlichkeitsarbeit durch Prospekte oder öffentliche Auftritte ermöglicht werden. Außerdem erhoffte man sich davon einen Abbau von Vorurteilen anderer Konfessionen und einen höheren Bekanntheitsgrad in Europa.

Zudem zeigte sich die Neuapostolische Kirche an einer Aussöhnung und gemeinsamen Geschichtsaufarbeitung mit der Vereinigung Apostolischer Gemeinden interessiert. Mit Aussteigern und Kritikern wurden Dialoge initiiert.

Schon sein Amtsvorgänger, Stammapostel Fehr, rief am 28. Oktober 1999 die Projektgruppe Ökumene ins Leben. Der ökumenische Dialog selbst wurde jedoch erst unter Leber richtig gefördert. Vorsitzender der Projektgruppe Ökumene wurde Apostel Volker Kühnle (Süddeutschland, Nürtingen), der im November 2007 in Wuppertal einen vielbeachteten Vortrag zu diesem Thema hielt.

Seit Stammapostel Leber erkannte die Neuapostolische Kirche Taufen anderer christlicher Konfessionen an, sofern sie im Ritus der Trinität durchgeführt wurden.

Andreas Fincke, Mitarbeiter in der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen, veröffentlichte die Broschüre Und sie bewegt sich doch – Neues von der Neuapostolischen Kirche. Er stellte darin ebenso wie der Religionsbeauftragte der EKS, Georg Schmid, die Entwicklung der Kirche positiv dar, nicht zuletzt wegen der Vorgänge im Bereich Ökumene. Die Neuapostolische Kirche ihrerseits betont jedoch, dass die Aussage der Heilsnotwendigkeit der Apostel nie durch Ökumene relativiert würde. Fincke sagte, es sei ein großes Problem, dass die Neuapostolische Kirche heute noch im Alltag stark benachteiligt werde. Nach zwanzigjährigen Sondierungen und Gesprächen wurde die Neuapostolische Kirche 2019 als Gastmitglied in die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) aufgenommen.

Anúncio

Bald in der World in Stories App

Audio, Offline-Download, keine Werbung und mehr.

Premium entdecken
Wilhelm Leber | World in Stories