Wilhelm IV. (englisch William IV; vormalig HRH The Prince William Henry, Duke of Clarence and St Andrews, Earl of Munster; * 21. August 1765 in Buckingham House, London; † 20. Juni 1837 auf Windsor Castle, Berkshire) war von 1830 bis 1837 König des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Irland sowie in Personalunion König von Hannover. Er entstammte dem Haus Hannover und war der dritte Sohn von König Georg III. Seine Regierungszeit war geprägt von bedeutenden innenpolitischen Reformen, insbesondere der Verabschiedung des Reformgesetzes von 1832 (Reform Act), das eine Neuordnung des britischen Wahlrechts einleitete und als wichtiger Schritt zur Demokratisierung des politischen Systems gilt. Ebenso fiel die Abschaffung der Sklaverei im Britischen Empire (Slavery Abolition Act) in seine Regierungszeit.
Aufgrund seiner früheren Laufbahn in der Royal Navy erhielt Wilhelm IV. den Beinamen „Sailor King.“ Mit seinem Tod 1837 endete in Großbritannien die Herrschaft des Hauses Hannover in direkter männlicher Linie; ihm folgte seine Nichte Victoria als Königin nach. In Hannover hingegen trat aufgrund der dort geltenden Erbfolgeregelungen sein Bruder Ernst August I. die Nachfolge an.
Prince William Henry (deutsch Wilhelm Heinrich) wurde am 21. August 1765 in Buckingham House geboren. Er war der dritte Sohn von König Georg III. und dessen Gemahlin Sophie Charlotte zu Mecklenburg-Strelitz. In der Thronfolge stand er nach seinen älteren Brüdern Georg (dem späteren König Georg IV.) und Friedrich August an dritter Stelle. Als Oberhaupt des Hauses Hannover vereinigte Georg III. in Personalunion die Kronen Großbritanniens und Irlands mit der Kurwürde von Braunschweig-Lüneburg („Kurhannover“), die 1814 zum Königreich Hannover erhoben wurde. Der Neugeborene wurde am 20. September 1765 in der Great Council Chamber des St James’s Palace durch den Erzbischof von Canterbury getauft. Zu seinen Taufpaten zählten die Onkel väterlicherseits William Henry, Duke of Gloucester and Edinburgh, und Henry, Duke of Cumberland and Strathearn, sowie Augusta von Hannover, seine Tante väterlicherseits.
Das Königspaar pflegte ein vergleichsweise zurückgezogenes und familienorientiertes Leben, das sich vor allem in den königlichen Residenzen Kew Palace, Windsor Castle und der White Lodge im Richmond Park abspielte. Das aufwendige höfische Zeremoniell in London wurde weitgehend gemieden.[^4] William Henry wuchs gemeinsam mit seinen zahlreichen Geschwistern in dieser Umgebung auf. Von Geburt an stand er unter der Obhut königlicher Gouvernanten, bis 1772 der Schweizer Offizier David Budé die Aufsicht über seine Ausbildung und die seines jüngeren Bruders Edward übernahm. Die von Georg III. persönlich festgelegten Erziehungsrichtlinien betonten Pflichtbewusstsein, Disziplin und religiöse Frömmigkeit. Die Unterrichtspraxis entsprach den Erziehungsidealen des späten 18. Jahrhunderts, die stark von militärischer Strenge geprägt waren. Körperliche Züchtigung galt als legitimes Mittel zur Durchsetzung von Gehorsam. Budés Programm umfasste neben körperlicher Ertüchtigung auch Sprachunterricht und Grundbildung. Der geistliche Hoflehrer George Majendie unterrichtete William Henry in Französisch, Latein, Mathematik, Religion und Geschichte.
Aufgrund des schlechten Verhältnisses von Georg III. zu seinem ältesten Sohn Prinz Georg war der Monarch bestrebt, seine jüngeren Söhne dem Einfluss des Thronfolgers zu entziehen. Eine Karriere in der Royal Navy, die traditionelle Laufbahn nachgeborener Prinzen, sollte den rebellischen Wilhelm disziplinieren. In Begleitung seines Hauslehrers trat er im Juni 1778 als Midshipman in die Naval Academy in Portsmouth ein.
1779 wurde er dem Geschwader von Admiral Robert Digby zugewiesen und diente auf der Prince George. Sein Tutor war Richard Goodwin Keats, mit dem Wilhelm lange freundschaftlich verbunden war. Am 12. Januar 1780 nahm Wilhelm an der siegreichen Seeschlacht bei Kap St. Vincent teil. Während des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges war Wilhelm 1781/82 fünf Monate lang in New York stationiert, ab 1782 diente er auf der Barfleur unter Admiral Samuel Hood in der Karibik und den Westindischen Inseln. Auf Jamaika und Kuba nahm er Repräsentationsverpflichtungen wahr und lernte Horatio Nelson kennen. Während seiner Verwendung in der Royal Navy nahm Wilhelm leutselige Umgangsformen sowie Seemannseigenschaften an. Er fiel immer wieder durch Disziplinlosigkeiten auf, trank, war an Schlägereien beteiligt und besuchte regelmäßig Bordelle.
Im Juni 1783 schickte sein Vater Wilhelm zu weiteren Ausbildung an den Hof seines Bruders Frederick Augustus, der in Osnabrück als Fürstbischof residierte. Ohne wirkliches Betätigungsfeld verbrachte Wilhelm zwischen 1783 und 1785 zwei unglückliche Jahre in Osnabrück und Hannover, wobei er sich vornehmlich dem Glücksspiel und der Jagd widmete. Daneben unternahm er mit seinem Erzieher Bildungsreisen in die Schweiz, nach Preußen und Schlesien, traf den preußischen König Friedrich II. und Kaiser Joseph II. Nach seiner Rückkehr nach London legte er am 15. Juni 1785 vor einem Kollegium der Admiralität seine Offiziersprüfung ab. Obwohl er zwei Jahre lang nicht zur See gefahren war, erhielt Wilhelm sein Offizierspatent und wurde zum Lieutenant ernannt, einen Rang, den er ohne seine königliche Herkunft wohl nicht erreicht hätte. Am 10. April 1786 erhielt Wilhelm das Kommando über die Fregatte Pegasus und wurde bis zum Dezember 1787 in der Karibik und nordamerikanischen Gewässern eingesetzt. Wilhelm, der trotz unzureichender Ausbildung zum Kapitän zur See befördert worden war, führte seine Mannschaft mit harten Disziplinarmaßnahmen (z. B. Auspeitschung), was ein denkbar schlechtes Verhältnis zu seinen Schiffsoffizieren zur Folge hatte. 1788/89 befehligte er die Andromeda.
Georg III. verlieh Wilhelm am 16. Mai 1789 die Titel des Duke of Clarence and St Andrews und Earl of Munster. So erhielt er einen Sitz im House of Lords, ein Appartement im St James’s Palace sowie eine jährliche Apanage von 12.000 Pfund Sterling. Wilhelm, inzwischen zum Konteradmiral befördert, zog sich nun aus dem aktiven Dienst zurück.
Nach seinem Abschied von der Royal Navy im Jahr 1790 widmete er sich hauptsächlich dem Privatleben auf seinem Landsitz Bushy House, einem Anwesen im weitläufigen Bushy Park südwestlich von London. Zwischen 1791 und 1811 hatte er eine Mätresse, die irische Schauspielerin Dorothea Jordan. Das Paar hatte zehn illegitime Kinder, die den Familiennamen FitzClarence erhielten und von der britischen Thronfolge ausgeschlossen waren. Wilhelm trennte sich im Jahr 1811 von Jordan, die auf der Flucht vor ihren Gläubigern verarmt in Frankreich verstarb. Seinen Kindern, die durch Amt oder Heirat hohe Stellungen in der Verwaltung und der Aristokratie erlangten, schenkte er seine väterliche Zuneigung.
Wilhelm, der politisch den Whigs nahe stand, schloss sich im Oberhaus der Opposition gegen die Regierung William Pitts an. Zunächst sprach er sich gegen eine Beteiligung Großbritanniens an den Koalitionskriegen gegen das revolutionäre Frankreich aus, änderte 1794 jedoch seine Haltung, indem er nun vehement für eine Kriegsbeteiligung eintrat. Aufgrund seiner wechselhaften Haltung wurde Wilhelm kein aktives Marinekommando übertragen. Er bekämpfte im Parlament die Sklavenemanzipation (Abolitionismus), wobei er sich auf seine in Übersee gesammelten Erfahrungen berief, und nannte deren Fürsprecher Fanatiker oder Heuchler. Er trat für die Extravaganzen seines ältesten Bruders ein, dessen Schulden das Parlament wiederholt beschäftigten. Wilhelm, der von Zeitgenossen als wenig geistreich und nur mäßig gebildet wahrgenommen wurde, erhielt aufgrund seiner schlechten Manieren in diesen Jahren den Beinamen Silly Billy (etwa Dummer Willi, das Wort hat in der Bedeutung Kindskopf Eingang ins englische Vokabular gefunden).
Ab 1811 übte Wilhelms ältester Bruder Georg, der Fürst von Wales, als Prinzregent die Amtsgeschäfte für den regierungsunfähigen Vater, Georg III., aus. Georg ernannte Wilhelm am 23. Dezember 1811 zum Admiral of the Fleet, ein Ehrenrang, den ausschließlich Mitgliedern der königlichen Familie trugen.