Wilhelm II. von der Mark (* 14. Oktober 1542 in Lummen; † 1. Mai 1578 in Lüttich) war Admiral der Wassergeusen und Gouverneur von Holland. In der niederländischen Geschichte ist er bekannter als Willem van der Mark, genannt „Lumey“ (Lummen). Sein vollständiger Titel lautete Graf Willem van der Mark, Baron von Lumey, Herr von Seraing, Borset und Minderlecht, Erbvogt von Franchimont und Fürst des Heiligen Römischen Reiches.
Von der Mark war der älteste Sohn des Grafen Johanns (Jan) II. von der Marck zu Lumey (* 1500; † 15. Dezember 1552) und dessen Ehefrau Margareta (geborene van Wassenaer; † 24. März 1557), eine Tochter des Johann (Jan), Burggraf von Leiden († 4. Dezember 1523) und ein Urenkel des Grafen Wilhelm I. von der Mark. Er war ein Cousin ersten Grades von Heinrich von Brederode. Er gehörte zur Linie der Herren von Lummen des Hauses Mark. Sein Vater hatte festgelegt, dass bei seinem Tod die Erbherrschaft Lummen in der Provinz Limburg Wilhelm, das Land um Seraing-le-Château seinem zweiten Sohn Georg von der Marck und das Patronatsrecht von Franchimont sowie weitere Güter in der Region Lüttich und an der Maas seinem jüngsten Sohn Philipp von der Marck vererbt werden, daher wurde er auch „Wilhelm de Lumey“ genannt.
Bereits als Heranwachsender wurde er nach dem Tod der Mutter in der Gegend um Schloss Seraing für seine Grausamkeit und Plünderungen bekannt, weil er als ältester Sohn der Familie die komplette Erbschaft für sich beanspruchte, zumal es zu jener Zeit im Fürstentum Lüttich unüblich war, die Erbgüter unter allen Söhnen aufzuteilen. Dieses Vorgehen führte dazu, dass ihm am 3. April 1557 schließlich Lummen, das Gut Seraing-le-Château und das Patronatsrecht von Franchimont zugesprochen wurden und seine Brüder ihr Apanage verzichteten. Am 8. Juni 1563 übertrug ihm Georg im Tausch gegen eine Pension von 800 Brabanter Gulden formell alle seine Rechte an Seraing, trat in den Johanniterorden ein und reiste nach Malta. Bruder Philipp schlug eine kirchliche Laufbahn ein. Er hatte zudem einen unehelicher Bruder Herculès de la Marek, der ihn bei seinen Raubzüge unterstützte.
Ab Februar 1559 verteidigte der Graf von der Mark seine Herrschaftsrechte in Lummen, die zu einem Viertel zum Herzogtum Brabant gehörten, gegen Leopold von Belgien, Herzog von Brabant. Er war berüchtigt für seine Rücksichtslosigkeit und die Missachtung jeglicher Gesetze, die nicht seinen eigenen Interessen dienten. Jeden Versuch benachbarter Herren, sich seinen Herrschaftsansprüchen zu widerstehen, endete in gewaltsamen Auseinandersetzungen. Ab 1564 häuften sich seine tyrannischen Taten und seine besondere Abneigung galt zunächst den Gerichtsbeamten, so soll er im Januar 1566 einen Vogt, der ihm eine Vorladung zuzustellen wollte schwer verprügelt und anschließend gezwungen haben, das Papier herunterzuschlucken. Um seinen verschwenderischen Lebensstil zu finanzieren, lieh er sich Geld oder führte Plünderungen durch.
Am 4. Juni 1565 gehörte er in Lüttich einer Versammlung an, die den Ritterstand und die Gründung eines Fürstentums planten. Er bekannte sich, geprägt durch seine Erziehung durch einen katholischen Mönch, zum reformierten Glauben und schloss sich im Januar 1566 dem Adelspakt um Heinrich von Brederode an, nahm am 14. Juli der Generalversammlung von Sint-Truiden teil und engagierte sich leidenschaftlich im Kampf gegen den spanischen König Philipp II. Im Jahr 1566 war er daran beteiligt in Lüttich einen Aufstand anzuzetteln und half den Calvinisten in die Stadt Hasselt einzunehmen. Er scharte eine Söldnertruppe um sich, unternahm Raubzüge und verbreitete so Angst und Schrecken. Herzogin Margarethe von Parma wandte sich an Fürstbischof Gerard van Groesbeeck, um diesen zu drängen, den Aktivitäten des Herrn von Lummen Einhalt zu gebieten. Dieser ließ ihr daraufhin übermitteln, dass
Tatsächlich wollte der Bischof von Lüttich einen offenen Krieg mit der Familie de la Marck, die inzwischen großen Einfluss und viele Anhänger hatte vermeiden.
Graf von der Mark war einer der Teilnehmer am niederländischen Aufstand und gehörte zu den Geusen, welche zuerst die Waffen ergriffen und schloss sich 1568 Prinz Wilhelm von Oranien an. Graf von der Mark befehligte während des Feldzugs in den Niederlanden eine Reitertruppe. Nach der Ermordung der Grafen Lamoral von Egmond und Philippe von Hoorn schwor er angeblich, Bart und Haar nicht eher zu scheren, bis er den Tod der beiden Adligen gerächt habe. Mit seinen Reitern verübte er zahlreiche Gräueltaten an Geistlichen und soll nicht nur ein Nonnenkloster in Huy und ein Kloster am Ufer der Maas geplündert, sondern auch einen Mönch von einem Frachtschiff geholt und hinter seinem Pferd bis nach Huy geschleift haben. Er plünderte insbesondere Kirchen und Klöster auf grausame Weise, wobei er Priester und Mönche misshandelte. Der unglückliche Ausgang des Feldzugs des Prinzen von Oranien führte zur Auflösung seiner Truppen.
Im Herbst 1568 erfuhr er bei einem Aufenthalt in Aachen von dem Urteil des Herzogs von Alba vom 28. September, das ihn zur Verbannung und zur Konfiszierung seines Besitzes in den Niederlanden verurteilte. Von dort aus begab er sich mit einer Kompanie leichter Kavallerie, um gegen Lüttich zu marschieren und einen offenen Krieg gegen sein eigenes Land zu führen. Am 14. März 1569 wurde er auch vom Lütticher Ratsherrengericht zu ewiger Verbannung, dem Verlust seiner Lehen und der Konfiszierung seines Besitzes verurteilt und begab sich über Emden nach England.
Anfang 1572 wurde von der Mark von Wilhelm von Oranien dem Oberadmiral de Lumbres unterstellt und als Admiral an die Spitze der Wassergeusen gesetzt. Gemeinsam mit Willem Bloys van Treslong und Lenaert Jansz de Graeff als Unterführer eroberte er am 1. April 1572 die Stadt Den Briel an der Maasmündung, in der er sich bereits einige Monate zuvor aufgehalten hatte.
Er wollte die Stadt eigentlich plündern und dann aufzugeben, aber drei Tage nach der Eroberung versuchten die Spanier unter der Führung von Maximilien de Hénin, Graf von Boussu die Stadt zurückzuerobern und es gelang von der Mark diesem Angriff standzuhalten, so dass sich die feindlichen Truppen schließlich zurückzogen. Bis Juni blieb er in Den Briel. Anschließend wurde er vom Prinzen von Oranien in die erste Ständeversammlung in Dordrecht berufen, wo er als Gouverneur von Holland anerkannt wurde und eine Zusage von 40.000 Gulden für die geplante Belagerung von Amsterdam. Die Belagerung Amsterdams musste er jedoch erfolglos abbrechen, da ihm, nach seiner eigenen Darstellung, die zugesagte Unterstützung vorenthalten wurde. Am 9. Juli 1572 ließ er in der Provinz Zuid-Holland 19 Priester, die sogenannten Märtyrer von Gorkum, hinrichten. Ab Herbst 1572 brachte er Schoonhoven (er soll auch dort zwei Mönche getötet haben), Rotterdam, Delft, Schiedam und andere Städte in die Gewalt der Oranier. Die Versuche auch Haarlem und Oudewater zu erobern scheiterten jedoch.
Er ließ Cornelis Musius, Prior des Sint Agathakloosters, in Delft gefangen nehmen und nach Leiden bringen, wo er grausam gefoltert und hingerichtet wurde, da von der Mark ihn verdächtigte, er habe den Fürsten von Oranien vergiften wollen. Der Fürst, der Musius sehr schätzte, hatte einen Boten nach Leiden geschickt, um dessen Freilassung und Rückführung nach Delft zu erwirken. Graf von der Mark, der davon erfuhr, verbot indessen die Öffnung des Stadttores und zog die Hinrichtung vor. Seine Grausamkeiten gegenüber den Geistlichen brachte ihm den Hass und die Verachtung der Katholiken, aber auch von weiten Teilen der Anhänger des Fürsten von Oranien ein. Gegen ihn wurden zahlreiche Beschuldigungen vorgebracht, was schließlich 1573 zu seiner Verhaftung führte. Am 24. Januar 1573 entzog ihm der Fürst von Oranien all seine Ernennungen und Befehle, setzte ihn als Gouverneur und der Graf musste sich in der Gerichtsverhandlung am 20. Februar in Gouda verteidigen. Er wurde wieder freigelassen, setzte 1574 von Lüttich aus den Kampf gegen die Spanier mit eigenen Truppen fort. Er stellte ein kleines Heer auf, um ausstehenden Zahlungen, die ihm seiner Meinung nach zustanden, einzutreiben. Er eroberte er ’s-Hertogenrade und das Dorf Heerle. Sieben Tage nach einem gemeinsamen Essen mit dem Grafen von Rennenberg starb er an einer Vergiftung. Sein Bruder Philipp von der Marck ließ ihn ehren- und würdevoll neben seinen Vorfahren in der Baronie Lumey beisetzen. Er starb unverheiratet und kinderlos.