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Wilhelm Hyacinth (Nassau-Siegen)

Fürst von Nassau-Siegen

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Wilhelm Hyacinth von Nassau-Siegen (* 7. April 1666 in Brüssel; † 18. Februar 1743 in Hadamar) war von 1699 bis zu seiner Absetzung 1707 Fürst von Nassau-Siegen.

Er führte auch den Titel Prinz von Oranien, um entsprechende Erbansprüche geltend zu machen, die er aber nicht realisieren konnte. Seine kurzzeitige Besitznahme des Fürstentums Orange wurde 1702 von König Ludwig XIV. gewaltsam beendet. Seine Herrschaft in Siegen war von Verschwendung, exorbitanter Besteuerung, Willkür und Grausamkeit geprägt. Nach Volksaufständen und einem Justizmord wurde er 1707 von Kaiser Joseph I. abgesetzt. 1711 erbte er einen Anteil am Fürstentum Nassau-Hadamar; in seinem letzten Lebensjahr wurde er ab Februar 1742 dort Allein-Regent.

Herkunft und Herrschaftsantritt

Wilhelm Hyacinth war der einzige Sohn des katholischen Fürsten Johann Franz Desideratus von Nassau-Siegen (1627–1699) und dessen zweiter Ehefrau, Eleonore Sophie von Baden († 1668), Tochter des Markgrafen Hermann Fortunat von Baden-Rodemachern. Der Vater war dreimal verheiratet und hatte 23 Kinder; er lebte hauptsächlich in den spanischen Niederlanden, in Brüssel sowie auf Schloss Ronse. Im Jahr 1695 wurde Brüssel während des Pfälzischen Erbfolgekriegs von den Franzosen beschossen und Wilhelm Hyacinth siedelte in das Obere Schloss nach Siegen über. Der Ort war im gleichen Jahr Opfer eines großen Feuers geworden, bei dem 350 Gebäude niederbrannten, darunter zwei Kirchen und der Nassauer Hof (an dessen Stelle danach das Untere Schloss entstand).

Am 17. Dezember 1699 starb sein Vater in den Niederlanden und Wilhelm Hyacinth wurde Mitherrscher in Nassau-Siegen. Die seit 1648 als Kondominium dreigeteilte Herrschaft gehörte ihm nur zu einem Drittel, während zwei Drittel dem reformierten Neffen Friedrich Wilhelm I. Adolf gehörten. Dieser war erst 11 Jahre alt und hatte schon jahrelang unter der Regentschaft von Wilhelm Hyacinths Vater gestanden; Wilhelm Hyacinth setzte die Regentschaft nun zunächst fort, wobei es zu erheblichen Spannungen mit der Mutter des jüngen Fürsten, Ernestine Charlotte von Nassau-Dillenburg, und später mit diesem selbst kam.

Hoffnung auf die oranische Erbschaft

Bereits als Erbprinz hatte Wilhelm Hyacinth, wohl auch im Vertrauen auf die ihm zufallende Erbschaft, eine verschwenderische Hofhaltung betrieben. Seine Hoffnung hatte sich dabei nicht so sehr auf das väterliche Erbe, ein bescheidenes Drittel des Fürstentums Nassau-Siegen sowie den flämischen Besitz, gerichtet. Der damals letzte Vertreter der Linie Nassau-Oranien, Statthalter der Vereinigten Niederlande und zugleich englische und schottische König Wilhelm III. von Oranien war kinderlos geblieben. Als Nachfolgerin in England stand seine Schwägerin, die spätere Queen Anne, fest. Aber er hatte umfangreiche Besitzungen in den Niederlanden, in Südfrankreich (Orange/Oranien) und in Deutschland. Auf dieses erhebliche Erbe hoffte Wilhelm Hyacinth, der unter den verbliebenen deutschen Linien des Hauses Nassau sich eine gewisse Seniorität zumaß. Wilhelm III. setzte jedoch den reformierten Johann Wilhelm Friso von Nassau-Dietz aus der benachbarten Linie der Fürsten von Nassau-Dietz und Erbstatthalter in Friesland als seinen Universalerben ein.

Auch sein väterliches Erbe sollte Wilhelm Hyacinth nicht ungeschmälert zufallen. Sein Vater hatte in dritter Ehe Isabella Clara Eugenia de la Serre geheiratet und ihr sowie ihren Kindern ein großzügiges Vermächtnis (1100 Taler p. a. für sie, je 500 Taler für die drei Söhne und je 200 Taler für seine fünf Töchter) hinterlassen. Wilhelm Hyacinth klagte vor dem Reichskammergericht gegen dieses Vermächtnis und unterlag dort 1702.

Im gleichen Jahr starb König Wilhelm III. im Londoner Kensington Palace. Daraufhin reiste Wilhelm Hyacinth nach Paris, um sich die Unterstützung Frankreichs hinsichtlich seiner Erbansprüche zu sichern. Solche machten weiterhin Johann Wilhelm Friso von Nassau-Dietz aufgrund des Testaments Wilhelms III. sowie König Friedrich I. in Preußen als nächster Verwandter des verstorbenen Königs geltend. Wilhelm Hyacinth setzte seine Hoffnung darauf, dass König Ludwig XIV., nach langjährigen Kriegen gegen England und Holland, den zu erwartenden Statthalter der Niederlande, Johann Wilhelm Friso, nicht unterstützen werde, sondern ihn als Katholiken und potentiellen Verbündeten. Doch schätzte der König ihn politisch und militärisch als zu schwach ein, um als Verbündeter zu taugen; außerdem wollte er das südfranzösische Fürstentum Orange selbst einkassieren. In Verkennung dessen reiste Wilhelm Hyacinth weiter nach Orange und verkündete dort seine Inbesitznahme. Ludwig XIV. erklärte daraufhin den Bourbonen-Prinzen Condé, dessen deutsche Frau mit den Oraniern weitläufig verwandt war, zum rechtmäßigen Erben des Fürstentums Orange und besetzte es militärisch. Condé überschrieb das Fürstentum wiederum der Krone Frankreichs. Mit dem Frieden von Utrecht 1713 wurde die Herrschaft Frankreichs dort endgültig festgelegt. Wilhelm Hyacinth führte nun aber zur Betonung seiner Erbansprüche weiter den „Prätentionstitel“ Prinz von Oranien. Die Hofhaltung, mit der er seinen Anspruch auf die oranische Erbschaft unterstreichen wollte, die Reisen und Geschenke kosteten weit mehr, als die Einnahmen aus dem Fürstentum Nassau-Siegen erbrachten. Er verschuldete sich daher bei den Frankfurter Bankiers De Rhön und Schonemann gegen die Verpfändung der Dörfer Wilnsdorf und Wilgersdorf mit 20.000 Talern und erhöhte die Steuern im ganzen Land. Eine weitere Einnahmequelle (die seinen Ruf im Lande weiter zerstörte) waren Strafgelder in unerhörter Höhe.

Als bloßer Mitherrscher eines winzigen Territoriums versuchte er, einen despotischen Absolutismus zu verwirklichen und war damit zum Scheitern verurteilt. Sein Jähzorn und Ehrgeiz waren auch in der eigenen Familie gefürchtet. In seiner Exzentrik wies er Ähnlichkeiten mit seinem zwielichtigen Urgroßvater Eduard Fortunat von Baden auf. 1706 leistete er sich in Aachen einen Gewaltexzess gegen den Kutscher des Marquis de Merode-Westerlo. Als sein Cousin (und Mit-Regent), der protestantische Fürst Friedrich Wilhelm I. Adolf von Nassau-Siegen sein Missfallen erregte, ließ Wilhelm Hyacinth die Kanonen seines Oberen Schlosses auf den Sitz seines Cousins im Unteren Schloss richten, um seine Macht zu demonstrieren. Zwischen den beiden regierenden Fürsten kam es zu ständigen Querelen. Unter anderem ließ Wilhelm Hyacinth eine Mauer mit bewachtem Tor mitten in der Stadt errichten, um seinen Teil abzutrennen. Auf der den Hasengarten abschließenden Mauer erbaute er einen abgeflachten Turm, auf dem eine Marienstatue stand, weshalb sie im Volksmund „die platte Merge“ genannt wurde. Der Turm war mit zwei Kanonen ausgestattet, die auf das Untere Schloss gerichtet waren. Friedrich Wilhelm trug seine Klage in der Ständeversammlung des Niederrheinisch-Westfälischen Reichskreises vor. Als Wilhelm Hyacinth 1705 am Wiener Hof um Unterstützung seiner Erbansprüche warb, besetzten von seinem Vetter herbeigerufene preußische und nassauische Truppen Siegen. Das Volk nutzte die Unterstützung zum Aufstand und plünderte und entwaffnete das Obere Schloss.

Die Reihe der Klagen über das Verhalten des Fürsten riss nicht ab. Am 15. Juli 1706 wurde Siegen erneut, diesmal im Auftrag des Reichshofrats, bei dem die Bürger der katholischen Stadthälfte Beschwerde geführt hatten, durch Truppen aus Pfalz-Neuburg und Preußen besetzt. Wilhelm Hyacinth flüchtete zu seinem Neffen (Sohn seiner Schwester) Franz Alexander nach Hadamar. Der Kanzler Wilhelm Hyacinths, de Colomba, der an der Gewaltherrschaft wesentlichen Anteil hatte, wurde verhaftet und später (mit Urteil vom 20. Dezember 1710) lebenslang aus dem Reich verbannt. Wilhelm Hyacinth erließ am 8. November 1706 ein Edikt, wonach jedem ausreichend vermögenden Bürger, der die exorbitanten Steuern nicht zahlen wollte, der Kopf abzuschlagen sei. Die Aufstände gegen seine Herrschaft gingen weiter. Am 29. März 1707 ließ Wilhelm Hyacinth einen mutmaßlichen Anführer der Aufständischen, Friedrich Flender von der Hardt ohne jegliche Verhandlung enthaupten.

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Wilhelm Hyacinth (Nassau-Siegen) | World in Stories