Wilhelm Friedrich Rochus Graf zu Lynar, zumeist Wilhelm-Friedrich Graf zu Lynar, (* 3. Februar 1899 in Berlin; † 29. September 1944 in Berlin-Plötzensee) war ein Gutsbesitzer, Landwirt, Reserveoffizier und Beteiligter am Attentat vom 20. Juli 1944 gegen Hitler.
Wilhelm Friedrich (genannt Wilfried) war der Sohn von Rochus Graf zu Lynar (1857–1928) und dessen erster Ehefrau Elma Gräfin von Klinckowström (1876–1919). Er hatte drei jüngere Schwestern, Edelgard, sie heiratete Wilhelm Graf zu Lynar (1891–1955); Freda (1903–1945), sie blieb unvermählt, und Hilde, verheiratet mit Gerd Graf Finck von Finckenstein-Trossin (1892–1945).
Er selbst heiratete am 3. Mai 1923 in Semlow Ilse Gräfin von Behr-Negendank (* 17. September 1898 in Plennin; † 21. November 1984 in Brelingen). Das Paar hatte folgende Kinder:
Rochus-August (* 1924–1945), als Oberfeldwebel im Krieg gestorben
Friedrich-Casimir (* 1925–1993), Fähnrich z. See, Pastor, ⚭ 1954 Maria Gräfin von Hohenthal (1926–1985)
Elma Cecilie Hilde (* 1927–2023), Gärtnerin
Luise Friederike Mathilde (* 1930–2024), Säuglingsschwester
Guido Friedrich Johann August Magnus Leonhardt (* 1932–2023), Kaufmann in Brasilien, nach 1990 Lübbenau
Christian (* 1934–2000), Landwirt, nach 1990 Lübbenau
Wilhelm Friedrich war ein Patensohn von Kaiser Wilhelm II. Er absolvierte sein Abitur in Luckau und wurde dann Fahnenjunker im Leib-Garde-Husaren-Regiment in Potsdam. Nach dem Ersten Weltkrieg erlernte er Land- und Forstwirtschaft. Nach seiner Heirat 1923 zog er auf das Gut seiner Familie in Tornow. Nach dem Tod seines Vaters Rochus Friedrich 1928 übernahm er die Verwaltung des Familienbesitzes und zog als letzter Herr der Freien Standesherrschaft auf das Schloss Lübbenau. Im Jahre 1930 verlegte die Familie, inzwischen Eltern von vier Kindern, ihren Wohnsitz auf das ebenfalls im Familienbesitz befindliche Gut Seese. Einer Familientradition folgend wurde er bald Rechtsritter des Johanniterordens, der Beitritt erfolgte bereits 1929 als Mitglied der Brandenburgischen Provinzial-Genossenschaft.
Er wurde Mitglied der deutsch-nationalen Organisation Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten, stand jedoch dem Nationalsozialismus skeptisch gegenüber. Lynar war Reserveoffizier der Wehrmacht im Panzer-Regiment 6 in Neuruppin. Während des Zweiten Weltkrieges war er Major und für das Personalwesen zuständiger Stabsoffizier beim Generalkommando in Berlin. Später war er Adjutant des in der Führerreserve stehenden Generalfeldmarschalls Erwin von Witzleben, der dann auf Gut Seese wohnte.
Wilhelm Friedrich Graf zu Lynar war über die früheren Attentatspläne in Kreisen der militärischen Opposition informiert. Lynar stellte sein Schloss Seese für die Treffen der Verschwörer um Claus Schenk Graf von Stauffenberg zur Verfügung. Er hatte Kontakte zu Fritz Jaeger und zu Ludwig Gehre, der die Verbindung zu Henning von Tresckow herstellte. Am 20. Juli 1944 begleitete Lynar seinen früheren Vorgesetzten Erwin von Witzleben in den Bendlerblock. Nach dem gescheiterten Attentat wurden dieser und Lynar in Seese von der Gestapo verhaftet. Kurz vor dem Zugriff verbrannte Lynar sein Gästebuch und verhinderte damit weitere Verhaftungen. Am 29. September 1944 verurteilte der Volksgerichtshof Wilhelm Friedrich Graf zu Lynar zum Tod; noch am selben Tag wurde er in Plötzensee gehängt. Die Witwe mit ihren vier Söhnen und zwei Töchtern wurde enteignet.
Am im Familienbesitz befindlichen Schloss Lübbenau gibt es eine Gedenktafel für Wilhelm Friedrich Graf zu Lynar.
In der Kirche Lübbenau erinnern ein Kreuz sowie eine Tafel an ihn.
Hans Friedrich von Ehrenkrook, Jürgen von Flotow: Genealogisches Handbuch der Gräflichen Häuser. B (Briefadel). 1960. Band II, Band 23 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke Verlag, Limburg/Lahn 1960, ISSN 0435-2408, S. 219–221.
Peter Hoffmann: Widerstand, Staatsstreich, Attentat. Der Kampf der Opposition gegen Hitler. Piper, München 1969. Weitere Auflage, u. a. (Piper TB), München 1985. ISBN 3-492-00718-X.
Hans-Adolf Jacobsen (Hrsg.): Spiegelbild einer Verschwörung. Die Opposition gegen Hitler und der Staatsstreich vom 20. Juli 1944 in der SD-Berichterstattung. Geheime Dokumente aus dem ehemaligen Reichssicherheitshauptamt. 2 Bände. Stuttgart 1984.
Beatrix Gräfin zu Lynar: Was ist aus dem Schloss und seinen Herren geworden? In: Gabriela Müller: Geschichte der Stadt Lübbenau/Spreewald – 20. Jahrhundert -, Hrsg. Stadt Lübbenau, 2004, S. 254 ff.