An diesem Tag

Wilhelm Friedrich Lutz

Deutscher evangelischer Theologe und früher Kritiker der Hexenverfolgung

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Wilhelm Friedrich Lutz (Lucius, Luzius) von Ehingen (* 7. März 1551 in Tübingen, Herzogtum Württemberg; † 17. April 1597 in der Reichsstadt Nördlingen) war ein lutherischer Theologe und früher Kritiker der Hexenprozesse.

Wilhelm Friedrich Lutz war der Sohn von „Artium Liberalium Magister“ Wendel(in) genannt Lutz von Ehingen (um 1527–1561) aus Gernsbach in der Grafschaft Eberstein und (⚭ 1550) Ursula Isenmann oder Eisele (um 1529–1581), Tochter von Herrenschmied Sixt Conrad Eyselin († vor 1550) und Ursula Isenmann (Eisenmenger) aus Schwäbisch Hall.

Wilhelm Friedrichs Vater Wendel Lutz hatte 1543 in Heidelberg, 1545 bis 1548 in Wittenberg und 1548/49 in Tübingen studiert und war dann einige Jahre Sekretär bei dem Markgrafen Ernst von Baden (1482–1553), der in Pforzheim residierte. 1550/51 lebte er in Gartach am Leinberg (heute Kleingartach) und war beim Reichstag in Augsburg anwesend. 1551 hielt er sich mit seiner Familie in Tübingen auf, wo Wilhelm Friedrich geboren wurde. Sein Wahlspruch war „Patientia Malorum Omnium Victrix (= Geduld ist Siegerin über alle Übel)“.

Wendel Lutz wurde später Stadtschreiber der Freien Reichsstadt Biberach an der Riß. Im Juni 1553 reist er mit dem Biberacher Bürgermeister Jakob Eggelsbach (1504/05–1584) an den kaiserlichen Hof in Brüssel; 1555 begegnet Wendelin Lutz als Stadtschreiber von Biberach auf dem Augsburger Reichstag. Noch im selben Jahr wurde er Stadtschreiber der Freien Reichsstadt Nördlingen. 1557 beurkundete er in Schloss Alerheim als Nördlinger kaiserlicher „Notarius“ das Testament des Grafen Ludwig XV. von Oettingen-Oettingen (1486–1557).

Wilhelm Friedrich Lutz besuchte die Lateinschulen in Nördlingen, wohin seine Eltern 1555 übersiedelt waren, und ab 1559 in Lauingen bei dem Präzeptor Mag. Andreas Hefelin (*um 1504; † 1588). Ab 1561, nach dem Tod des Vaters, bereitete ihn sein Großonkel Johann Isenmann (um 1495–1574), der erste evangelische Abt des Klosters Anhausen an der Brenz, auf das Studium vor. Anhausen war seit 1556/58 eine der neun niederen Klosterschulen des Herzogtums Württemberg. Wilhelm Friedrichs Mutter Ursula Isenmann, verw. Lutz, heiratete 1563 in zweiter Ehe den ebenfalls gerade verwitweten Lodweber Georg (Jörg) Schmidt genannt Haider († 1588), 1569 bis 1588 Bürgermeister von Nördlingen.

Während des Reichstags im April/Mai 1566 und noch einige Monate danach hielt sich Lutz in Augsburg auf und lernte dort insbesondere Personen aus dem Umkreis des Humanismus kennen wie Hieronymus Wolf (1516–1580), Wilhelm Xylander (1532–1576), Caspar Peucer (1525–1602), Karl von Utenhove (1536–1600), Johann Kielmann (Cüelman) (1525–1591), Georg Meckhardt (um 1510–nach 1562), Johannes Ramus (1535–1578) und Georg Heumann.

Anlass der Reise nach Augsburg war, dass dort am 24. Mai 1566 dem Stiefvater von Lutz, Georg Heyder, vom Kaiserlichen Rat und Reichsvizekanzler Johann Ulrich Zasius (1521–1570) ein Wappenbrief erteilt wurde.

Schon vor seiner Immatrikulation hielt Lutz sich im Herbst 1566 in Esslingen auf, wohin die Tübinger Universität 1566/67 wegen der Pest verlegt worden war. Er traf dort die Burgunder Protestanten Guillaume de Saulx, Comte de Ligny, Seigneur d’Orain, und Jean de Saulx, Comte de Ligny, Seigneur d’Orain, an.

Am 15. April 1567 immatrikulierte er sich als „Wilhelmus Fridericus Lucius Tubingensis“ und studierte Philosophie und Theologie.

In Esslingen und Tübingen hörte er die Theologen Jacob Andreae (1528–1590), Jacob Heerbrand (1521–1600) und (Theodor) Dietrich Schnepf (1525–1586), aber auch die Juristen Anastasius Demler (1520–1591) und Johann Hochmann (1528–1603), den Ethiker Samuel Heiland (Haylandt) (1533–1592), den Historiker und Poeten Nicodemus Frischlin (1547–1590), den Mediziner und Philosophen Jakob Degen (Schegkius) (1511–1587), den Mediziner Johannes Vischer (1524–1587) und den Mathematiker und Mediziner Samuel Eisenmenger (Siderocrates) (1534–1585).

Bakkalaureus und Magister artium

Lutz wurde am 30. März 1568 Bakkalaureus und erwarb am 2. August 1570 den Magistergrad.

Tübingen war um 1570/75 die bevorzugte Universität der innerösterreichischen Protestanten, die zu dieser Zeit etwa 80–90 % des österreichischen Adels stellten. Lutz lernte 1570–1572 während seiner Studienzeit Angehörige der führenden österreichischen Familien kennen.

aus Oberösterreich: Markus (Marx) von Hohenfeld (Höhenfelder) (um 1550–um 1571), Achaz von Hohenfeld, Herr zu Aistersheim und Almegg (1551–1603), Georg Reinprecht (Rupert) von Polheim und Wartenburg (1558–1608), Johann Adam Hofmann, Freiherr von Grünbüchel und Strechau († 1597), Andreas Wolff Freiherr von Polhaim und Parz zu Ottenschlag (1557–1592) und Johannes von Schifer (1558–1616),

aus der Steiermark: Andreas von Windisch-Grätz, Freiherr von Waldstein und Thal († 1600), Georg Sigismund von Mindorf zu Feistriz und Hohenbrugg (Hochenbrueck), Ehrenreich Ungnad Freiherr von Sonneck (vor 1556–1598), Bernhardin von Mindorf zu Feistriz und Hohenbrugg († nach 1613) und Christoph von Rathmannsdorf († 1610),

aus Kärnten: Richard (Reinhard) von Liechtenstein-Murau († 1594) und Sigismund (Sigmund) von Liechtenstein-Murau († 1614),

aus Krain: Andreas von Auersperg, Herr von Schönberg und Seisenberg (1556–1593).

Im Herbst 1569 und im Sommer 1571 reiste Lutz jeweils über Anhausen nach Oettingen und Nördlingen, wo er sich noch im Oktober 1571 aufhielt. In Anhausen traf er Georg Sutor, Friedrich Schütz († 1590) und Daniel Reypchius (um 1546–1612), in Oettingen seinen späteren Schwager Jakob Moser (1527–1595) und den Juristen Heinrich Stemler († nach 1608), in Nördlingen lernte er seinen späteren Widersacher, den Syndikus Sebastian Röttinger (1537–1608), und Petrus Schumann (1533–1589) kennen.

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