Wilhelm Julius Foerster (* 16. Dezember 1832 in Grünberg in Schlesien; † 18. Januar 1921 in Bornim) war ein deutscher Astronom, Wissenschaftsorganisator, Wissenschaftspublizist und Pazifist. Er war von 1865 bis 1903 Direktor der Berliner Sternwarte und lehrte von 1858 bis 1920 an der Berliner Universität.
Auf seine Initiative entstanden das Astrophysikalische Observatorium und später der Einsteinturm in Potsdam, das Astronomische Recheninstitut und das Königlich Preußische Geodätische Institut in Berlin. Er war wesentlich beteiligt an der Einrichtung des Internationalen Breitendienstes, der Einführung des metrischen Systems und eines europäischen Mess- und Eichwesens. Er war ab 1869 Mitglied und von 1891 bis 1920 Vorsitzender des internationalen Maß- und Gewichtskomitees (CIPM). Ab 1870 war er Direktor der Normal-Eichungs-Kommission, der obersten Eichbehörde des Norddeutschen Bundes bzw. ab 1871 des Deutschen Reichs. Er war Mitbegründer der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt, der Astronomischen Gesellschaft und der Urania (Berlin).
Foerster war der zweite Sohn des Tuchfabrikanten Friedrich Foerster und dessen Ehefrau Hulda Foerster, geborene Seydel. Seit 1868 war er mit Ina Foerster (1848–1908), der jüngsten Tochter des Geodäten Friedrich Paschen, verheiratet. Sie hatten drei Söhne und zwei Töchter. Ihr erster Sohn war der Philosoph und Pazifist Friedrich Wilhelm Foerster (1869–1966), ein Gegner des Nationalsozialismus. Der zweite Sohn war der Staudenzüchter und Naturphilosoph Karl Foerster (1874–1970). Der dritte Sohn, Ernst Foerster (1876–1955), war Schiffskonstrukteur bei Blohm & Voss, Chef des Schiffswesens der Hamburg-Amerika-Linie sowie Herausgeber der Zeitschrift Werft, Reederei, Hafen.
Von Friedrich Wilhelm und Karl Foerster sind Erinnerungen an ihr Elternhaus überliefert.
Wilhelm Foerster besuchte ab 1847 das Maria-Magdalenen-Gymnasium in Breslau. 1850 bis 1852 begann er das Studium der Astronomie an der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin bei Johann Franz Encke. 1852 bis 1854 studierte er an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn bei Friedrich Wilhelm August Argelander Mathematik, Physik, Kunstgeschichte und später Astronomie. 1854 wurde er zum Dr. phil. promoviert. Nach dem Studium diente er als Einjährig-Freiwilliger. Den Dienst kommentierte er später so:
Friedrich-Wilhelm-Universität zu Berlin
Im Jahre 1858 habilitierte sich Foerster an der Berliner Universität, wurde 1863 zum außerordentlichen Professor für Astronomie und 1875 zum ordentlichen Professor. Dort blieb er bis 1920, insgesamt 62 Jahre. Zu seinen Doktoranden zählten unter anderem Paul Kempf, Hans Battermann, Alfred Wegener, Karl Friedrich Küstner, Georg von Struve, Ernst Becker, Karl Wilhelm Valentiner und Viktor Knorre.
1891/92 wurde er Rektor der Universität. Seine Rektoratsrede befasste sich mit dem Thema „Über die Stellung der Astronomie innerhalb der Naturwissenschaften und zu den Geisteswissenschaften im Universitäts-Unterricht“. Als Rektor engagierte sich Foerster für die studentische Selbstverwaltung und das Zurückdrängen des Einflusses der korporierten Studenten. Jahre später (1910) schaute er in einer Rede vor der Finkenschaft, einem Zusammenschluss nichtkorporierter Studenten zurück auf dieses Bemühen:
Tätigkeit an der Berliner Sternwarte
Von 1855 an arbeitete Foerster als zweiter Assistent und seit 1860 als erster Assistent von Johann Franz Encke, dem Direktor der Berliner Sternwarte, dessen Stellvertretung er seit 1858 wahrnahm und dem er nach seinem Tod 1865 im Amte nachfolgte.
Eine seiner ersten Aufgaben als Leiter der Sternwarte war die Erneuerung und Modernisierung des Instrumentariums. So wurde der Fraunhofer-Refraktor, mit dem Johann Gottfried Galle im Jahre 1846 den Planeten Neptun entdeckt hatte, überarbeitet und ein 7″-Meridiankreis in Auftrag gegeben und aufgestellt. Zu seinen weiteren Aufgaben gehörte die Organisation des Zeitdienstes, die genaue Gradmessung (Längen- und Breitengrade) und die Überwachung des Erdmagnetismus. Foerster ließ die Uhr der Sternwarte mit elektrischen Kontakten versehen und sandte mittels Kabel genaue Zeitsignale zur Berliner Zentraltelegrafenstation.
Er hatte bei zwei Aufenthalten in England 1851 und 1859 das System der elektrischen Zeitübertragung von Jones Pate kennen gelernt. Das nutzte er für die sekundengenaue Anzeige auf den Berliner Normaluhren. Alle zwei Sekunden erhielten die Pendel der öffentlichen Uhren von der Präzisionsuhr in der Sternwarte einen elektrischen Impuls.
Das Bemühen um Genauigkeit und Finanzierung der Normaluhren beschäftigte ihn aber weiter. 1883 regte er die Aufstellung weiterer Normaluhren und die Gründung einer Centralen Uhren-Gesellschaft an, ein Jahr später die Aufstellung gemeinnütziger URANIA-Säulen, „kleine Uhrentürme mit Anzeige für Wettervorhersagen und den Mondstand sowie lehrreiche Informationen über Astronomie, Meteorologie, Hydrologie und Geologie“, ganz im Sinne seiner populärwissenschaftlichen Bestrebungen. „Zusätzlich boten die Säulen Platz für den Fahrplan der Eisenbahn oder Hinweise auf den Weg zur nächsten Feuermeldestelle, Post oder ‚Sanitätswache‘.“ Mit ihrer Aufstellung wurde 1891 begonnen.
Schließlich war es die Normal-Zeit GmbH (später Telefonbau und Normalzeit bzw. Telenorma), die für die öffentlichen Uhren in Berlin zuständig war und deren Zentrale über eine direkte Kabelverbindung zur Königlichen Sternwarte verfügte, womit Foerster „sichergestellt“ hatte, „dass die öffentlichen Uhren auch nach seinem Ausscheiden als Direktor der Königlichen Sternwarte dem Ideal höchster Genauigkeit verpflichtet blieben“.
Zusammen mit Otto Lesser entdeckte er 1860 den Asteroiden (62) Erato. Wilhelm Foerster hatte entscheidenden Anteil an der Erforschung der Leuchtenden Nachtwolken, die ab 1885 beobachtet wurden. Sein Mitarbeiter Otto Jesse studierte sie über mehrere Jahre. 1890 wurde Friedrich Simon Archenhold Mitarbeiter der Sternwarte und errichtete im Auftrag von Foerster am Halensee im Grunewald eine fotografische Außenstelle für Aufnahmen von kosmischen Nebeln.
Bis 1889 gehörte die Königliche Sternwarte zur Preußischen Akademie der Wissenschaften, wurde dann aber der Friedrich-Wilhelm-Universität angeschlossen, die die Sternwarte schon seit ihrer Gründung mit nutzte.
Zum 1. Oktober 1903 gab Förster sein Amt als Direktor der Berliner Sternwarte auf, die übrigen öffentlichen Ämter übte er jedoch weiterhin aus.
Wissenschaftsorganisatorische Initiativen