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Wilhelm Christian Justus Chrysander

Deutscher Theologe

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Wilhelm Christian Justus Chrysander (* 9. Dezember 1718 in Göddeckenrode; † 10. Dezember 1788 in Kiel) war ein deutscher lutherischer Theologe, Mathematiker und Orientalist.

Wilhelm Christian Justus Vorfahren hießen ursprünglich Mangold (Goldmann). Sein Ur-Ur-Großvater Magister Johann Chrysander, ein gekrönter Dichter in Berlstedt, hatte den Familiennamen, als Gelehrtennamen gräziert und an seine Nachkommenschaft übertragen. So erhielt Wilhelm Christian Justus Ur-Großvater Christian, welcher als Kantor an der Michaeliskirche in Erfurt arbeitete und als Rektor der Schule in Ohrdruf starb, ebenfalls den Nachnamen Chrysander. Dieser gab ihn dessen Sohn Christoph Jakob (* September 1640 Ohrdruf; † 24. September 1720 in Abbenrode) weiter, welcher ab dem 6. Juni 1659 in Helmstedt studierte und als Pfarrer in Abbenrode wirkte. Aus dessen Ehe mit Genoveva Ritter, stammt neben neun weiteren Kindern unter anderem Wilhelm Christian Justus Vater Christoph Heinrich Chrysander (* 2. April 1680 in Abbenrode; † 23. März 1728 in Göddeckenrode). Dieser hatte das Gymnasium in Quedlinburg besucht, am 8. Juni 1699 an der Universität Halle, sowie am 17. September 1701 an der Universität Helmstedt studiert und wurde Pfarrer in Göddeckenrode. Aus seiner am 14. Mai 1715 geschlossenen Ehe mit Lucia von Pauli (* 20. April 1690 in Braunschweig; † 7. April 1769), die Tochter des Braunschweiger Ratsherrn Julius von Pauli, stammen vier Söhne und drei Töchter. Darunter befand sich unter anderem Wilhelm Christian Justus.

Die erste Ausbildung empfing Wilhelm Christian Justus im Elternhaus und durch Privatlehrer. Nach dem Tod des Vaters wurde er auf die Schule nach Hornburg geschickt. Ab dem 29. Mai 1731 besuchte er die Aegidienschule in Braunschweig und ab dem 28. Juni 1732 das Martinsgymnasium ebenda. In Braunschweig erhielt er zudem eine musikalische Ausbildung, wechselte 1735 an die Klosterschule Ilfeld, wo er mit Erlaubnis des Administrators des Klosters Ilfeld Gerhard Andreas von Reiche (* 20. Januar 1691 in Hannover; † 30. Juli 1770 in Ilfeld) die dortige Klosterbibliothek benutzen konnte. Mit umfangreichen Kenntnissen ausgestattet bezog er 1738 die Universität Halle, kam im Haus von Christian Benedikt Michaelis unter und konzentrierte sich vor allem auf das Studium der Philosophie, der Orientalistik und Theologie. Hierzu besuchte er vor allem Vorlesungen von Alexander Gottlieb Baumgarten zur Philosophie und Logik, bei Georg Friedrich Meier beschäftigte er sich mit Metaphysik, Mathematik und Naturrecht, von Johann Gottlob Krüger, Christian Wolff und Christian Gottlob Semler (* 26. November 1715 in Halle (Saale); † 1782) erhielt er weitere Einblicke in die Naturlehre.

In das theologische Seminar aufgenommen, machte er sich bei Christian Benedikt Michaelis, Johann Heinrich Callenberg und Johann David Michaelis mit den morgenländischen Sprachen vertraut, erhielt von Siegmund Jakob Baumgarten weitere Einblicke in die Kirchengeschichte, wurde von Joachim Lange in Dogmatik und theologischer Ethik geschult und setzte sich bei Benedikt Gottlieb Clauswitz mit der evangelischen Streittheologie auseinander. Zur Bereicherung seines Wissens absolvierte er juristische Vorlesungen bei Johann Gottlieb Heineccius, zur Physiologie bei Johann Heinrich Schulze und erhielt von dem Rabbiner Abraham Treliz eine umfangreiche Kenntnis des Judentums und deren Talmud. Am 22. November 1738 wurde er Mitglied der lateinischen Gesellschaft, wurde Zensor der Gesellschaft und erhielt die Aufsicht über die Bibliothek derselben. Am 27. September 1741 verließ er Halle, reiste über Leipzig, Merseburg, Wolfenbüttel an die Universität Helmstedt, wo er sich am 2. November 1741 immatrikulierte. Hier wurde Johann Lorenz von Mosheim sein theologischer Ausbilder, bei Johann Nicolaus Frobesius vervollständigte er seine Kenntnisse zur Experimentalphysik und Metaphysik, bei Julius Karl Schläger erweiterte er sein Wissen über jüdische Altertümer und übte sich bei Christoph Timotheus Seidel im Predigen.

Am 20. September 1742 erwarb er sich den akademischen Grad eines Magisters der philosophischen Wissenschaften und habilitierte sich im Folgejahr als Magister legens. Am 18. April 1744 wurde er als Kollaborator des Hauptpastors Christoph Timotheus Seidel an der Stephanskirche in Helmstedt berufen, wozu er am 4. Mai desselben Jahres in Wolfenbüttel vom Oberhofprediger Philipp Ludwig Dreyßigmark (* 14. April 1676 in Volkmerode; † 23. August 1750 in Riddagshausen) seine theologische Prüfung ablegte und am 11. August ordiniert wurde. Neben seiner theologischen Verpflichtung, hielt er in Helmstedt Vorlesungen. Am 28. Oktober 1747 erhielt er zudem die Erlaubnis theologische Vorlesungen zu halten, jedoch folgte er einen an ihn am 1. März 1750 erfolgten Ruf als Professor der Philosophie, der Mathematik und der morgenländischen Sprachen, sowie außerordentlicher Professor der Theologie an die Universität Rinteln. In Rinteln wurde er am 7. April 1751 Doktor der Theologie und übernahm zudem am 20. Juni desselben Jahres eine ordentliche theologische Professur. Als Konrad Friedrich Ernst Bierling 1755 starb, rückte Chrysander in die zweite theologische Professur in Rinteln. Am 2. Februar 1768 erhielt er einen Ruf als erster Professor der Theologie und Philologie an die Universität Kiel, wo er Schleswig-hollsteiner Konsistorialrat wurde.

Zu seinen Werken zählen neben vielen weiteren eine Jüdisch-Teutsche Grammatick und ein Werk über den Unterricht vom Nutzen des Juden-Teutschen, die als Hilfsmittel für den Sprachunterricht gedruckt wurden. Sie enthalten sowohl Wörterlisten der hebräisch-deutschen Hybridbildungen und der romanischen und slawischen Elemente im Vokabular, als auch eine umfassende Bibliographie jiddischer Bücher aus dem 15. und 16. Jahrhundert.

Chrysander verheiratete sich am 7. Januar 1752 in Celle mit Dorothea Maria Louise Haccius (* 4. Oktober 1731 in Ratzeburg; † 20. Januar 1785 in Kiel), die Tochter des Pfarrers in Ratzeburg Johann Jacob Haccius (* 18. Oktober 1700 in Ratzeburg; † 30. Dezember 1770 in Lübeck) und dessen am 26. Oktober 1730 geheirateten Dorothea Johanette von Wüllen (* 15. Januar 1714 in Lauenau; † 13. Januar 1785 in Gestorf). Aus der Ehe stammen Kinder. Von diesen kennt man:

Ludwig Johann Christoph Chrysander (* 3. August 1753 in Rinteln; † 28. Januar 1789 in Probsteierhagen) Pfarrer Probsteierhagen, verheiratet mit Anna Katharina Hirschfeld

Dorothea Luise Charlotte Chrysander (* 17. April 1758 in Rinteln; † 20. April 1758 ebd.)

Christoph Daniel Wilhelm Chrysander (* 18. Dezember 1761 in Rinteln; † 16. November 1764 ebd.)

Ferales numeri quibus funeri etc. Nordhausen 1738

Taedae iugales. Halle (Saale) 1738 (ein Griech. Hochzeitgedicht, Online)

Oratio graeca valed. in Paed. Ilefeld. de numinis timore filiali ad Ps. 111, 10. Halle (Saale) 1739

Oratio de sortibus veterum. Halle (Saale) 1740 (Online)

Oratio de sortibus : qua in consessu Societatis Latinae, quae Halae floret, habita. Halle 1740 ()

Memorabilia anni 1740, metro decantata. Halle (Saale) 1741

Commentat. de patiiciis medici aevi. Halle (Saale) 1741

Diss. de longaevitate ante-diluvianorum. Halle (Saale) 1741 (Online)

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