Alfred Wilhelm Anschütz, auch Willy Anschütz (* 24. September 1870 in Halle (Saale); † 15. August 1954 in Kiel), war ein deutscher Chirurg und Hochschullehrer.
Wilhelm Anschütz studierte Humanmedizin an den Universitäten Halle, Marburg und Tübingen, wo er 1896 zum Dr. med. promoviert wurde. Nach Stationen in Halle und Dresden wurde Anschütz 1898 in Breslau Assistent von Johann von Mikulicz, bei dem er sich 1902 mit seiner Forschungsarbeit über die Resektion der Leber habilitierte. In Breslau schlichtete er eine kurzdauernde Auseinandersetzung seines Kollegen Ferdinand Sauerbruch mit Mikulicz, nachdem dieser „Ferd“ Sauerbruch als „Hochstapler“ bezeichnet hatte. 1905 heiratete er Hilda von Mikulicz (1881–1954), die älteste Tochter seines Chefs. Das Paar hatte drei Kinder: Henriette (1907, Kinderärztin), Hans Gerhard (1908–1937), August (1917, Marinestabsarzt) und den späteren Internisten Felix Anschütz.
1906 zum a. o. Professor ernannt, vertrat Anschütz 1907 den Chirurgischen Lehrstuhl der Philipps-Universität Marburg. 1908 folgte er als Ordinarius dem Ruf der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel auf ihren renommierten Lehrstuhl. Georg Ernst Konjetzny war einer seiner Schüler. Sein bedeutendster Schüler war Gerhard Küntscher.
Als „Vater der Studenten“ gründete er in der Not nach dem Ersten Weltkrieg 1921 die Schleswig-Holsteinische Studentenhilfe. 1909, 1911, 1913, 1922, 1928 und 1935 leitete er die 2., 8., 14., 24., 36. und 51. Tagung der Vereinigung Nordwestdeutscher Chirurgen. 1930 wurde er Präsident der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. 1938 gab er das Ordinariat ab. Wilhelm Fischer folgte ihm nach.
Er trat zum 1. Mai 1933 der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 2.734.327).
Nach Willy Anschütz ist das Anschütz-Zeichen, eine Aufblähung des Blinddarms bei tiefsitzendem Darmverschluss, benannt.
Bei Wilhelm Anschütz habilitierten sich für Chirurgie:
Max Brandes (1912, Chirurgie und Orthopädie)
Max Grauhan (1922, Chirurgie und Urologie), a.o. Professor in Kiel
Carl Mau (1923, Chirurgie und Orthopädie)
Alfred Beck (1924, Chirurgie und Röntgenologie), Chef im Ev. Krankenhaus Düsseldorf
Hugo Puhl (1929), beratender Chirurg der Wehrmacht beim WBK Kassel
Kurt Lindemann (1932, Chirurgie und Orthopädie)
Wilhelm Siemens (1935), a.o. Professor in Halle
Ehrenmitglied der Vereinigung Nordwestdeutscher Chirurgen
Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina (1930)
Ehrenmitglied der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie
Ehrenbürger der Stadt Kiel (zum 80. Geburtstag)