Die Wilhelm-Foerster-Sternwarte in Berlin ist eine der größten und traditionsreichsten Volkssternwarten Deutschlands und auch für spezielle Teleskope und einige Forschungsthemen bekannt. Die zum Gedenken an den deutschen Astronomen Wilhelm Foerster benannte Einrichtung hat den internationalen Code 544.
Die denkmalgeschützte Anlage befindet sich auf dem Insulaner, einem Trümmerberg im Berliner Ortsteil Schöneberg, Bezirk Tempelhof-Schöneberg. Sie liegt 78,4 m ü. NHN; die geografischen Koordinaten sind .
Etwas westlich am Fuße des Insulaners (Munsterdamm 90) befindet sich das seit Sommer 2023 umbaubedingt geschlossene Planetarium am Insulaner mit der astronomischen Bibliothek. Alle Einrichtungen gehören zur 2016 gegründeten Stiftung Planetarium Berlin. Seit 1991 steht die Sternwarte unter Denkmalschutz und feierte 2023 ihr 60-jähriges Bestehen. Sie blickt bisher auf mehr als 1,5 Millionen Besucher zurück.
Gründung und Aufbaujahre (1947–1970)
Am 15. Oktober 1947 gründeten Hans Mühle und Hans Rechlin das Wilhelm-Foerster-Institut (Sternwarte Berlin-Süd). Als offizielle Gründung gilt die Erteilung des Gewerbescheins durch die Alliierte Kommandantur. Die Namensgebung Wilhelm-Foerster-Institut geht zurück auf Richard Sommer (1888–1982). Er war ein Schüler von Wilhelm Foerster und langjähriger Leiter des Planetariums am Bahnhof Zoo und der Archenhold-Sternwarte.
Der erste Standort der Sternwarte war das Kasino des ehemaligen Generalkommandos in der Ruine General-Pape-Straße 2 in Schöneberg. Nach dem Abtragen der Trümmer konnte die Halbruine mit einem Vortragsraum für etwa 40 Personen, ein Büro mit Bibliothek, einer Werkstatt, einem Fotolabor und zwei Beobachtungsplattformen ausgestattet werden. Bald wurden die ersten Schulklassen mit Vorträgen und Führungen betreut. Beobachtet wurde mit selbstgebauten 7- und 8-Zoll-Fernrohren.
Im Oktober 1949 wurde die astronomische Arbeitsgemeinschaft der Archenhold-Sternwarte und die Astronomiekurse der Volkshochschule Tempelhof ins Wilhelm-Foerster-Institut verlegt. Im Januar 1951 konnte der beschädigte Bamberg-Refraktor im zerstörten Uraniagebäude in der Invalidenstraße abgebaut und in die General-Pape-Straße gebracht werden.
Am 8. Juni 1953 wurde der jetzige Verein Wilhelm-Foerster-Sternwarte e. V. gegründet. Das Institut wurde dabei in den Verein überführt. Zu den ersten Mitgliedern gehört seit 1954 der spätere Astrophysiker Roland Wielen. 1955 wurde das große Linsenfernrohr, der 12-Zoll-Bamberg-Refraktor dort aufgestellt. Von 1957 bis 1962 war der Astronom Joachim Herrmann wissenschaftlicher Leiter der Sternwarte.
Im November 1961 erfolgte die Grundsteinlegung der neuen Sternwarte auf dem Insulaner. Im Jahr 1962 erfolgte eine Generalüberholung des Fernrohrs durch die Firma Askania in Mariendorf. Am 30. Januar 1963 fand die Eröffnung der Sternwarte in dem neuen Gebäude statt. Der Bamberg-Refraktor steht in der Elf-Meter-Kuppel, in der Fünf-Meter-Kuppel der 6-Zoll-Schreiber-Refraktor und auf der Plattform ein 7-Zoll-Teleskop. Damit war die Sternwarte die größte Volkssternwarte der Bundesrepublik Deutschland.
Nach der Grundsteinlegung des Planetariums am Insulaner am 15. November 1963 erfolgte die Eröffnung am 16. Juni 1965. 1966 bekam der – liebevoll „Bambi“ genannte – Bamberg-Refraktor eine fahrbare Beobachtungstreppe. Die Treppe hat ein Gewicht von 718 kg und kostete 3344 Mark (kaufkraftbereinigt in heutiger Währung: rund 8.000 Euro).
Zwischen 1967 und 1968 wurde der 6-Zoll-Doppelrefraktor mit Zeiss-B-Objektiv komplett neugebaut (frequenzgesteuerter Antrieb – später Umbau auf Schrittmotore).
Seit 1969 beheimatete die Sternwarte die Satellitenwarte der TU Berlin, von der aus unter anderem auch mit dem am 17. Juli 1991 gestarteten TUBSAT-A Funkverbindung aufgenommen werden konnte.
Ausbau der Sternwarte (1970–1990)
Im Jahr 1971 wurde ein 75-cm-Aluminiumspiegel mit 5780 mm Brennweite von der Sternwarte Mailand als Leihgabe übernommen. 1973 wurde das zerlegbare 75-cm-Spiegelteleskop vollständig aus Aluminium gebaut. Das gesamte Instrument hat ein Gewicht von nur 360 kg und ist transportabel. So kam es unter anderem bei einer Sonnenfinsternis-Exkursion am 30. Juni 1973 nach Mauretanien zum Einsatz.
Ab August 1972 begann auf dem Insulaner der Bau eines separaten Gebäudes mit einer Sieben-Meter-Kuppel. Am 9. November 1973 wurde der 75-cm-Spiegel anlässlich eines Besuchs von Bundespräsident Gustav Heinemann offiziell eingeweiht.
Von 1973 bis 1986 wirkte der Rundfunkjournalist und Raumfahrtexperte Harro Zimmer als Vorstand im Verein. Er gehörte zu dessen Gründungsmitgliedern und beteiligte sich im Rahmen des US-amerikanischen Moonwatch-Programms in leitender Position an den Beobachtungen von Satellitenorbits.
Der Berliner Astronom und Hochschullehrer Fritz Hinderer hielt in den 1980er Jahren mit Hilfe der technischen Einrichtungen des Vereins zahlreiche Praktika für seine Studierenden ab.
Ab 1982 wurde ein Spezial-Sonnenteleskop gebaut. Dieses befindet sich auf dem Dach des Planetariumsanbaus. Es dient der Projektion des Sonnenbildes an die Planetariumskuppel. 1988 wird das Instrument in Betrieb genommen. Wegen erheblicher technischer Mängel ist es mittlerweile nicht mehr in Betrieb.