Ein Wiki (hawaiisch für „schnell“) ist eine Website, deren Inhalte von den Besuchern nicht nur gelesen, sondern auch direkt im Webbrowser bearbeitet und geändert werden können (Web-2.0-Anwendung).
Das Ziel ist häufig, Erfahrung und Wissen gemeinschaftlich zu sammeln (kollektive Intelligenz) und in für die Zielgruppe verständlicher Form zu dokumentieren. Die Autoren erarbeiten hierzu gemeinschaftlich Texte, die ggf. durch Fotos oder andere Medien ergänzt werden (kollaboratives Schreiben, E-Collaboration). Ermöglicht wird dies durch ein vereinfachtes Content-Management-System, die sogenannte Wiki-Software oder Wiki-Engine.
Die Abbildung rechts oben zeigt den Wikitext dieser Wiki-Seite im Bearbeitungs-Modus.
Der Miterfinder der Wikis, Ward Cunningham, wählte den Namen Wiki wegen einer Reise nach Hawaii. Bei der Ankunft am Flughafen auf Oʻahu sah er die Bezeichnung Wiki Wiki für den dortigen Schnellbus. Dabei übernahm er die Verdoppelung, die im Hawaiischen für eine Steigerung („sehr schnell“) steht. Cunningham betrachtet Wiki als eine Abkürzung für den eigentlichen Namen seines Wikis, WikiWikiWeb.
Es gibt keine allgemein anerkannte Definition für Wikis und keine Einigkeit darüber, welche Merkmale ein Wiki ausmachen. Manche der in der Literatur angeführten Merkmale sind unbestimmt (wie „Einfachheit“) oder nicht ausschließlich für Wikis bedeutsam (wie die Versionierung von Seiteninhalt). Beispielsweise ist eine Verlinkung der Seiten zum Hypertext typisch für viele Wikis, aber nicht zwingend: Ein Wiki kann auch wie ein Handbuch mit einer allgemeinen Gliederung organisiert sein. Weitere diskutierte Merkmale heißen Offenheit, Kollaboration und Selbstbestimmtheit.
In ihrem 2001 veröffentlichten Buch „The Wiki Way: Quick Collaboration on the Web“ beschrieben Bo Leuf und Wiki-Miterfinder Ward Cunningham die grundlegenden Eigenschaften eines Wikis (frei übersetzt) wie folgt:
„Ein Wiki lädt alle Nutzer – nicht nur Experten – ein, jede Seite zu bearbeiten oder neue Seiten innerhalb des Wikis zu erstellen, und das nur mit einem standardmäßigen 'schlichten' Webbrowser ohne zusätzliche Add-ons.“
„Ein Wiki fördert sinnvolle thematische Verknüpfungen zwischen verschiedenen Seiten, indem es die Erstellung von Seitenlinks intuitiv einfach macht und anzeigt, ob die gewünschte Zielseite existiert oder nicht.“
„Ein Wiki ist keine sorgfältig gestaltete Website, die von Experten und professionellen Autoren erstellt und für Gelegenheitsbesucher konzipiert wurde. Stattdessen sucht es die Einbindung der typischen Besucher/Nutzer in einen fortlaufenden Prozess der Schöpfung und Zusammenarbeit, der die Landschaft der Website ständig verändert.“
Andrew Lih etwa definiert das Wiki-Konzept knapp als die „radikale Idee, es jedem zu erlauben, jede Seite einer Website offen zu bearbeiten“. Für Ebersbach, Glaser und Heigl ermöglicht Wiki-Software „die Entstehung assoziativer Hypertexte mit nicht-linearen Navigationsstrukturen.“ Ziko van Dijk definiert:
Von der Definition hängt ab, welche kollaborativen Systeme man einbeziehen möchte, unabhängig davon, ob sie den Ausdruck „Wiki“ im Namen führen oder nicht. Systeme für die Geschäftswelt, die sogenannten Enterprise-Wikis, ermöglichen es oftmals, zum Beispiel auch geschlossene Kommunikationsräume für Kleingruppen einzurichten oder einen eingebauten Kalender zu verwenden. Florian L. Mayer spricht hier von „Komplettsystemen mit Wiki-Funktionalität“.
Als wesentlicher Unterschied zu anderen Content-Management-Systemen (CMS) bietet Wiki-Software weniger Gestaltungsmöglichkeiten für Layout und Design der Webseiten. Primäre Funktion ist hingegen ein Bearbeitungsmodus für jede Wiki-Seite, der es auch einem Neuling erlaubt, ohne große Einarbeitung Text und Inhalt der Seite zu ändern. Hierzu wird die Wiki-Seite im Bearbeitungsmodus häufig in einem WYSIWYG-Editor geöffnet oder in einer einfach erlernbaren, vereinfachten Auszeichnungssprache (beispielsweise Wikitext) angezeigt (oder wahlweise beides). Beide Varianten ermöglichen in der Regel insbesondere Schriftauszeichnung, Verlinkung, Listen und Aufzählungen sowie teils auch die Möglichkeit von Transklusionen für wiederholende Inhalte.
Im Unterschied zu den Content-Management-Systemen mit ihren teils genau geregelten Arbeitsabläufen (englisch workflows) etwa in Redaktionssystemen, setzen Wikis auf die Philosophie des offenen Zugriffs: idealerweise kann jeder Nutzer jeden Eintrag lesen und bearbeiten. Wikis gelten als gegenüber einem klassischen CMS dann im Vorteil, wenn eine hohe Anzahl an Nutzern Informationen einstellt, so dass im Medium eine kritische Masse erreicht wird und es zu einem „Selbstläufer“ wird. Es gibt aber auch Wiki-Systeme, die eine Zugriffssteuerung (etwa via Access Control List) für bestimmte Seiten und Benutzergruppen (z. B. Abteilungen eines Unternehmens) erlauben.
Eine wesentliche Funktion der meisten Wiki-Produkte ist die Versionsverwaltung, die es den Nutzern im Fall von – durch den offenen Zugriff kaum vermeidlichen – Fehlern oder Vandalismus erlaubt, eine frühere Version einer Seite schnell wiederherzustellen.
Wie bei Hypertexten üblich, sind die einzelnen Seiten eines Wikis durch Querverweise (Hyperlinks) miteinander verbunden; dabei dient der Titel einer Seite meist auch als Linkadresse. Links auf nichtexistente Seiten werden dann nicht als Fehler angezeigt, sondern es erscheint ein Formular, um die neue Seite anzulegen. Eine Vernetzung mit anderen populären Wiki-Diensten wird teils durch sog. InterWiki-Verweise ermöglicht.