Wieland Förster (* 12. Februar 1930 in Dresden) ist ein deutscher Bildhauer, Zeichner, Maler und Schriftsteller.
Wieland Förster wurde als fünftes und letztes Kind eines Kraftfahrers und einer kaufmännischen Angestellten in Dresden-Laubegast geboren. 1935 starb sein Vater an einem Kriegsleiden, wodurch die Familie in finanzielle Not geriet, die vor allem durch die Umsicht der Mutter überwunden werden konnte. Es gelang ihr, die Kinder von der Indoktrinierung der Nationalsozialisten fernzuhalten. Ihr Sohn Wieland lehnte das Nazisystem ab und weigerte sich, sich zu uniformieren und an den geforderten Diensten teilzunehmen. Von 1936 bis 1944 besuchte er die Volksschule.
1944 trat er eine Lehrstelle als Technischer Zeichner und Rohrleger bei den Wasserwerken der Stadt Dresden an. Nach einem vierwöchigen Straflager der Hitlerjugend meldete er sich freiwillig als Luftschutzhelfer, um sich jedem weiteren Dienst straflos zu entziehen. Der Umgang mit der Technik während seiner Lehrzeit brachte ihn sprunghaft voran, so dass er am Ende des ersten Lehrjahres in die Vorbereitungsklasse der Ingenieursfachschule delegiert wurde. Eingezogen zum Volkssturm, erlitt Förster am 7. Oktober 1944 bei einem Bombenangriff der Alliierten ein Kriegstrauma und erlebte später den Großangriff amerikanischer und englischer Bomber am 13. Februar 1945 auf Dresden. Im Chaos nach dem Angriff entzog er sich dem Volkssturm und verharrte bis zum Kriegsende am 8. Mai 1945 in seiner Wohngegend.
Am 17. September 1946 ließ ihn ein kommunistischer Landrat, um in den Besitz der Wohnung der Familie Förster zu kommen und um ihn als Zeugen seiner kriminellen Handlungen zu beseitigen, wegen angeblichen Waffenbesitzes dem sowjetischen NKWD übergeben. Nach dreimonatigen nächtlichen Verhören wurde Förster Mitte Dezember von einem sowjetischen Militär-Tribunal (SMT) zu siebeneinhalb Jahren Zwangsarbeit in Sibirien verurteilt, jedoch wegen seiner Auszehrung als transportuntauglich befunden und in das sowjetische Speziallager Nr. 4 Bautzen abgeschoben. Dort erkrankte er u. a. an Tuberkulose und wurde am 21. Januar 1950 nach einer vom Internationalen Roten Kreuz angedrohten Akteneinsicht über einen Hinterausgang ohne Papiere und offizielle Begnadigung entlassen.
Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde Förster als Opfer des Stalinismus anerkannt.
1950 legte Wieland Förster die Prüfung als Technischer Zeichner für Maschinenbau ab, arbeitete jedoch bis 1953 in der Planabteilung der Wasserwerke. Während dieser Zeit versuchte er sich in zahlreichen künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten (Schreiben, Musik, Theater, Werbung). Im Herbst 1952 nahm er schließlich am öffentlichen Abendakt der Hochschule für Bildende Künste in Dresden teil, deren Lehrer dieses Streben unterstützten.
Nachdem ihm sein Betrieb wegen Verbürgerlichung die zum Studium erforderliche Delegierung an die Dresdner Hochschule für Bildende Künste verweigert hatte, legte Förster in eigener Verantwortung die Aufnahmeprüfung für das Studium ab. Im Herbst 1953 begann er Bildhauerei bei Walter Arnold und dessen Assistenten Gerd Jaeger sowie Hans Steger zu studieren. Die Ausbildung in Dresden zielte auf ein neoklassizistisches Formenprogramm, gestützt auf den obligatorischen Zeichenunterricht nach Gipsabgüssen und nach der Natur sowie ein Anatomie- und Kunstgeschichtsstudium.
Bereits Anfang des zweiten Studienjahres suchte Wieland Förster den Kontakt zu Vertretern der verbotenen klassischen Moderne, besuchte Bernhard Heiliger in West-Berlin. Walter Arnold, selbst ein kenntnisreicher Handwerker, half einigen wenigen Studenten, denen er politisch vertraute, mit Hilfe seiner Erfahrungen bei Hermann Haller und Charles Despiau, ihren Blick auf das Wesenhafte der figürlichen Bildhauerei zu vertiefen. Für die Aufgabe Porträt nach Foto im dritten Studienjahr wählte Förster den damals verfemten Bertolt Brecht, den er kurz vor dessen Tod 1956 bei den Proben zu Leben des Galilei am Berliner Ensemble erlebt hatte. Für das Diplom schuf Förster für das Kulturhaus in Neustadt in Sachsen die Plastik einer Frau.
Im Diplomjahr 1958 bewarb er sich um ein dreijähriges Meisteratelier an der Deutschen Akademie der Künste in Ost-Berlin bei Gustav Seitz, der jedoch im gleichen Jahr nach Hamburg ging. Um in Berlin bleiben zu dürfen, ging er zögernd auf sein Anraten ein und wurde 1959 Meisterschüler von Fritz Cremer.
Nach 18 Monaten, im Jahr 1961, wurde seine Meisterschülerzeit wegen Formalismus vorzeitig gekündigt. Er erhielt aber die Erlaubnis, in einem Atelier der Akademie seine überlebensgroße Figurengruppe Völkerfreundschaft unter Studenten, 1961/62 (Wettbewerbspreis der Technischen Universität) für Dresden auszuführen.
In völliger Zurückgezogenheit schuf sich Wieland Förster ab 1961 in einem Berliner Ladenatelier die Möglichkeit, sein plastisches Werk aufzubauen. 1991 musste er sein 16 m² großes Gipslager in einen Hinterhof umsiedeln, wo, nach schwerer Herzerkrankung, sein Spätwerk entstand. Die großen Sandsteinskulpturen arbeitete er auf seinem Grundstück bei Oranienburg in Brandenburg.
Förster war bis 1990 Mitglied des Verbands Bildender Künstler der DDR und ab 1974 ordentliches Mitglied der Akademie der Künste der DDR. Dort war er von 1979 bis 1990 als 5. Vizepräsident zuständig für die Ausbildung von Meisterschülern. 1985 wurde er zum ordentlichen Professor ernannt.
Förster hatte in der Zeit der DDR im In- und Ausland eine außerordentlich große Zahl von Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen, u. a. von 1962 bis 1988 von der Fünften Deutschen Kunstausstellung bis zur X. Kunstausstellung der DDR in Dresden, 1986 an der Biennale Venedig und 1987 in Bonn und Mannheim an der Ausstellung Bildhauerkunst aus der Deutschen Demokratischen Republik.
Seit 1991 ist Förster Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland. Im gleichen Jahr trat er aus der Akademie der Künste wegen für ihn mangelnder Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit aus.
1992 wurde das Wieland Förster Archiv an der Akademie der Künste Berlin eingerichtet. 1996 war er Gründungsmitglied der Sächsischen Akademie der Künste Dresden.
2001 schloss Wieland Förster einen Vertrag über die Wieland-Förster-Stiftung an den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden mit der Schenkung von 58 Plastiken.
Förster lebt in Wensickendorf (Ortsteil von Oranienburg) in einem Seniorenwohnheim. Seine Frau Angelika (* 1941) verstarb 2023.
Wieland Förster schuf ab 1960 lithografische Arbeiten, ab 1962 Radierungen und erste Plastiken für den öffentlichen Raum. In den folgenden Jahren unternahm Förster einige Arbeitsreisen ins Ausland, von denen besonders ein Aufenthalt in Tunesien im Jahr 1967 von großem Einfluss auf Försters Schaffen als bildender Künstler war. In den Jahren 1968 bis 1973 verhängten staatliche Stellen der DDR aus ideologischen Gründen Ausstellungsverbote gegen Förster und behinderten die Arbeit des Künstlers. 1974 wurde er dank der Unterstützung Konrad Wolfs Mitglied der Ost-Berliner Deutschen Akademie der Künste und konnte (organisiert von Rudolf Tschäpe) seine erste große Werkausstellung in Potsdam im alten Observatoriumsbau auf dem Telegraphenberg veranstalten.