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Western

Filmgenre

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Der Western ([ˈwɛstɐn], [ˈvɛstɐn]) ist ein Kino-Genre, in dessen Mittelpunkt der zentrale US-amerikanische Mythos der Eroberung des Wilden Westens der Vereinigten Staaten im 19. Jahrhundert steht. Entsprechende Werke der Literatur werden meist als Trivial- oder Unterhaltungsliteratur gewertet (siehe auch Wildwestroman). Wesentliche Merkmale sind Handlungsort und Zeit: der westliche Teil des nordamerikanischen Kontinents während seiner Einnahme durch von Osten kommende europäische Siedler.

Western sind Filme über Konflikte, die sich an der frontier ereignen, der imaginären Grenze, die sich durch die Besiedlung Amerikas durch europäische Einwanderer immer weiter nach Westen und Norden schob. Eine Reihe von Filmen erzählt von kämpferischen Auseinandersetzungen mit den Indianern, sowie Kopfgeldjägern oder diversen Konflikten mit dem Gesetz.

Inhaltlich geht es dabei oft um die Durchsetzung der amerikanischen Rechtsordnung, die wirtschaftliche Erschließung durch die Kolonisation und die Einführung ihrer Wert- und Moralvorstellungen. Weitere Motive sind Lynch- und Selbstjustiz, sowie Überfälle und Sühne von Verbrechen.

Der klassische Western ist in seinen handelnden Figuren, erzählenden Elementen, Orten und Stilmitteln stark festgelegt. Im Mittelpunkt stehen meist der gute, zuweilen naiv wirkende, aber wehrhafte Cowboy oder Sheriff und sein Konterpart, der skrupellose Bösewicht. Zwischen den Hauptakteuren steht häufig eine Frau, um die ein Kampf zumeist mit Revolvern oder Fäusten ausgetragen wird. Das Fort oder die kleine Stadt, der Saloon mit Whiskey und Kartenspiel, Pferde, Wagen, die weite Landschaft, die in gewaltigen Totalen eingefangen wird, und das Indianerdorf sind typische Orte der Handlung. Wichtige Elemente sind häufig auch ein Bankraub oder ein Postkutschenraub. Aufgelöst wird der Konflikt am Ende durch einen Shootout oder Showdown auf der Hauptstraße.

Zwei zentrale Motive sind dabei typisch für das Genre: zum einen die (Selbst-)Erfahrung an der Grenze, dem „Frontier Land“. Zum anderen die Erneuerung einer Gesellschaft durch Gewalt, die Wiederherstellung einer neuen, vitaleren und zivileren Ordnung, nachdem die alte Ordnung durch Gewalt zerstört wurde. Die vier Phasen der Geschichte der Eroberung des Westens – frühes Vordringen in die Wälder des Ostens während der englisch-französischen Besatzung mittels Pfadfindern und Indianer-Scouts, Landnahme des Westens durch Planwagen-Trecks und kleine Siedler, Übergang zur zivilisierten Gesellschaft und schließlich Beendigung der Entwicklung durch Eisenbahnbau, Indianerkriege und Bürgerkrieg – schlagen sich in den einzelnen Filmen entsprechend nieder.

Allen vier Phasen gemeinsam ist das Spannungsfeld zwischen dem Faustrecht einerseits und dem es ablösenden Prinzip des staatlichen Rechts als Grundlage einer zivilisierten Gesellschaft andererseits. Dieses Spannungsfeld greift der Endzeit-Western auf, der in einer meist nicht näher bezeichneten Zukunft nach einer auch meist nur angedeuteten apokalyptischen Katastrophe angesiedelt ist. Ist im klassischen Western der Westen noch nicht zivilisiert, ist er es im Endzeit-Western nicht mehr (wobei ein Endzeit-Western nicht zwingend „im Westen“ angesiedelt sein muss). Auf beiden Prämissen baut die (Wieder-)Herstellung einer gesellschaftlichen Ordnung auf, in der zunächst das Recht des Stärkeren gilt, mit dem Ressourcen erkämpft werden: Im klassischen Western sind es z. B. die Ressourcen Siedlungsgebiet (Landnahme) und Bodenschätze (Goldrausch), im Endzeit-Western geht es zum Beispiel um Wasser oder Benzin. So unterscheidet sich der Endzeit-Western vor allem in Bezug auf die Zeit der Handlung und daraus folgend dem Interieur, Kostümen etc., die grundlegenden Erzählstrukturen, Themen und Motive bleiben sich aber gleich. Ein anschauliches Beispiel findet sich in Mad Max II – Der Vollstrecker: Dort greift eine Horde Punks auf Motorrädern einen fahrenden Tanklastzug an. Ersetzt man gedanklich die Punks durch Banditen, die Motorräder durch Pferde und den Tanklastzug durch Postkutsche, Planwagen oder Eisenbahn, könnte die Sequenz genauso gut in einen klassischen Western passen.

Am 1. Dezember 1903 kam mit Der große Eisenbahnraub der erste Western ins Kino, zu einer Zeit also, als es den wilden Westen fast noch tatsächlich gab. Von da an liefen jede Woche neue, zumeist einfache Produktionen im Stile von Broncho Billy in den Kinos an, die sich auf die action- und gewaltgeladene Konfrontation zwischen den Hauptfiguren konzentrierten und sich wenig mit Psychologie, komplexen Charakteren und Handlungen beschäftigten.

Bis in die siebziger Jahre hinein kann man den Western als das wichtigste Genre der Filmproduktion der USA bezeichnen, wobei die 1940er und 1950er Jahre als die Hochphase des klassischen Western gelten.

Die Ikonografie des frühen Western hat besonders von dem Maler Frederic Remington (1861–1909) gelebt, der seinerseits die Fotografien Eadweard Muybridges kannte. Ford schätzte später diese „volkstümliche und unakademische, aber durchaus artifizielle Ästhetisierung des Traditionellen“ seiner Werke, wie auch Hawks eine umfangreiche Sammlung von Drucken und Gemäldekopien nach Werken von unter anderem Remington und Charles M. Russell besaß. Ford übernahm Remingtons Kadrierung und die Behandlung des Raumes seiner Bilder. Der Maler Charles Schreyvogel, der sein Handwerk noch als Zuschauer in Buffalo Bills Wild-West-Show lernte, nahm auf monumentalen Leinwänden die Wirkungsweise des Filmbilds vorweg. Die Maler Thomas Moran und Albert Bierstadt waren lyrischer, zugleich aufrichtiger.

Mit nur drei Western gelang es John Ford, das Genre grundsätzlich zu verändern. Ist sein Darsteller John Wayne zuerst noch ein makelloser Held oder väterlicher Offizier, bleibt am Ende von Der schwarze Falke, einem der komplexesten und vielschichtigsten Western, nur ein rachsüchtiger Einzelgänger, der genauso verloren und heimatlos ist wie die von ihm erbittert gejagten Feinde. Von nun an konnte es keine einfache Schwarz-Weiß-Zeichnung der Protagonisten mehr geben.

Eine davon optisch und inhaltlich deutlich zu unterscheidende Sonderrolle nehmen die 1962 mit Der Schatz im Silbersee beginnenden Karl-May-Verfilmungen der im wilden Westen spielenden Romane von Karl May ein, die sich neben der durch die anderen Drehorte bedingten Bildästhetik auch durch ein deutlich indianer-freundlicheres Bild von den US-amerikanischen Produktionen abheben und in denen vor allem die Heldenfiguren Winnetou und Old Shatterhand beispielhaft für die mögliche Verständigung zwischen Indianern und Bleichgesichtern stehen. Noch deutlicher auf die Seite der Indianer schlugen sich die 1966 mit Die Söhne der großen Bärin beginnenden DEFA-Indianerfilme.

Aufgrund der Unverrückbarkeit seiner Elemente nahm der Western zunehmend eine Entwicklung nach innen, in die Tiefe. Dies geschieht oft durch fast unmerkliche Verschiebungen. Der Showdown in Spiel mir das Lied vom Tod steht immer noch im Zentrum des Films, untersucht man jedoch die Szene genau, stellt man fest, dass das anachronistische Duell zwischen Henry Fonda und Charles Bronson nicht auf der Hauptstraße der Stadt stattfindet – dort wird gerade die Eisenbahn gebaut, Symbol für die neue Zeit –, sondern auf einem Nebenschauplatz, dem Hinterhof einer Farm.

Ohne Orte, Figuren und Handlungsablauf anzutasten, entstanden der epische, der psychologische Western und schließlich, Anfang der 1960er nahtlos an das Ende des klassischen Westerns anknüpfend, der Spätwestern und Italowestern, die wesentlich schonungsloser, zynischer und auch zuweilen realistischer mit ihrem Sujet umgehen. So waren die 1960er Jahre qualitativ und quantitativ die große Zeit des Westerns. In den 1970er-Jahren entstanden außerdem vielfach sogenannte „Prügel-Western“, die einen parodistischen Charakter aufweisen, wie etwa die Filme mit dem Duo Bud Spencer und Terence Hill. Auch im Heimatland des Westerns, den USA, halbierte sich in den 1970ern die Produktion gegenüber dem vorangegangenen Jahrzehnt und schließlich versetzte das Debakel um Michael Ciminos Heaven’s Gate 1980 dem Genre – zumindest auf der Kinoleinwand – den Todesstoß: Dessen Misserfolg führte dazu, dass Produzenten während der 1980er-Jahre zunächst die Finger vom Thema Western ließen. 1985 gab der Western mit Silverado und Pale Rider – Der namenlose Reiter zwar noch einmal ein kurzes Zwischenspiel, 1988 gefolgt von Young Guns – Sie fürchten weder Tod noch Teufel, aber erst der nicht nur kommerzielle, sondern auch an sieben Oscars messbare Erfolg von Der mit dem Wolf tanzt rehabilitierte den Western kurzzeitig. Zu dem von manchem erhofften Revival des Genres kam es allerdings nicht: Zwar wurde in der ersten Hälfte der 1990er Jahre wieder ein knappes Dutzend mehr oder weniger bedeutende Western produziert (darunter zum Beispiel Erbarmungslos und Dead Man), danach dann aber fast 10 Jahre lang gar keine mehr.

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