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Werner Krauß (Schauspieler)

Deutscher Schauspieler (1884–1959)

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Werner Johannes Krauß (* 23. Juni 1884 in Gestungshausen bei Coburg; † 20. Oktober 1959 in Wien) war ein deutsch-österreichischer Schauspieler. Er galt als charismatisches Genie und größter Schauspieler seiner Zeit mit unglaublicher Verwandlungskunst, war jedoch Antisemit und infolge seiner Nähe zum Nationalsozialismus als Person sehr umstritten.

Am 23. Juni 1884 wurde Werner Johannes Krauß im Pfarrhaus in Gestungshausen geboren, wo sein Großvater Pfarrherr war.

Der Sohn des Postbeamten Paul Krauß und dessen Ehefrau Karoline, geborene Wust, verbrachte den größten Teil seiner Kindheit und Jugend in Breslau. Ab 1898 besuchte er die evangelische Präparandenanstalt in Breslau und ab 1901 das Lehrerseminar im oberschlesischen Kreuzburg.

Wegen seiner Auftritte als Statist beim Breslauer Lobe-Theater wurde er 1902 vom Unterricht suspendiert. Er entschied sich für den Schauspielerberuf und erhielt seine erste Rolle an der Wanderbühne Wagner in Breslau. 1903 gab er sein Debüt am Stadttheater von Guben. Ohne Ausbildung musste er sich zunächst mit kleinen Aufgaben bei Wanderbühnen zufriedengeben, dazu kamen Auftritte an den Stadttheatern von Magdeburg und Bromberg (1905/06). 1907 bis 1910 war er am Theater Aachen tätig, 1910 bis 1912 in Nürnberg, 1912/13 am Künstlertheater München.

Von Alexander Moissi empfohlen, engagierte ihn Max Reinhardt 1913 am Deutschen Theater Berlin. Zunächst nur als zweite Besetzung oder in kleineren Rollen beschäftigt (Lindekuh in Frank Wedekinds Musik 1913, König Claudius in Shakespeares Hamlet, 1913, Mephisto in Goethes Faust 1913, Franz Moor in Schillers Die Räuber 1914), spielte er sich schnell nach vorne. 1915 wurde er einberufen, nach dreimonatigem Dienst als Seekadett in Kiel aber wieder entlassen.

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs stieg Werner Krauß zum bewunderten Theater- und Filmstar auf. Er verkörperte die großen Figuren des Theaters wie Hamlet oder Wallenstein, seine besondere Spezialität war aber die Darstellung von Finsterlingen wie Mephisto, Franz Moor in Die Räuber, Jago in Othello oder Shylock. 1922 spielte er in August Strindbergs Ein Traumspiel den Dekan, den Quarantänemeister, den Kohlenträger, den Polizisten und den Magister. Von 1924 bis 1926 war er am Staatstheater, 1926 bis 1931 am Deutschen Theater sowie 1928/29 am Burgtheater und 1931 bis 1933 wieder am Staatstheater engagiert. Im Jahr 1929 wurde Werner Krauß zum Vorstandsmitglied der neu gegründeten Vereinigung Berliner Bühnenkünstler gewählt.

Anfang der 1930er Jahre spielte Werner Krauß am Deutschen Theater Berlin in zwei Uraufführungen Rollen, die zu seinen erfolgreichsten wurden: den Schuster Wilhelm Voigt in der Uraufführung von Der Hauptmann von Köpenick im Stück von Carl Zuckmayer am Deutschen Theater in Berlin (1931, Regie: Heinz Hilpert) und den Matthias Clausen in Gerhart Hauptmanns Vor Sonnenuntergang (Regie Max Reinhardt). Im September/Oktober 1933 gastierte Krauß mit Vor Sonnenuntergang auch in London (in englischer Sprache). An den verschiedenen Bühnen trat Werner Krauß als Bruno Mechelke in Gerhart Hauptmanns Die Ratten auf und war auch als Babberley in Charleys Tante zu sehen. Bis 1938 führten ihn Gastspiele regelmäßig nach Amerika, wo er auf New Yorker Bühnen zu sehen war, etwa 1924 in Max Reinhardts Inszenierung von Karl Gustav Vollmoellers Pantomime Das Mirakel.

Im Januar 1933 trat Krauß ein Engagement am Burgtheater in Wien an. Eine seiner ersten Rollen war der Napoleon in Hundert Tage von Benito Mussolini und Giovacchino Forzano (den er 1934 auch im Film spielte), woraufhin er vom ‚Duce‘ empfangen wurde. Kurz darauf kam es zum Zusammentreffen mit Propagandaminister Joseph Goebbels, der ihn zum stellvertretenden Präsidenten der Reichstheaterkammer und 1935 zum Mitglied des Reichskultursenats ernannte, er und Hitler etablierten Werner Krauß als wichtigen Kultur-Repräsentanten des NS-Regimes. Sein letzter Auftritt am Burgtheater war im Dezember 1933 als Wallenstein.

1937 kam es bei den Salzburger Festspielen zur letzten Zusammenarbeit mit dem jüdischen Regisseur Max Reinhardt, in dessen Faust-Inszenierung in der Felsenreitschule Krauß den Mephisto spielte. In Salzburg hatte Krauß bei Reinhardt im Jedermann auf dem Domplatz auch schon den Tod gespielt (1949 spielte er dort den Teufel). Am 15. Juni 1937 spielte Krauß am Düsseldorfer Schauspielhaus die Uraufführung des Goya-Dramas Genie ohne Volk von Viktor Warsitz für die „4. Reichstheaterwoche“ unter der Regie von Walter Bruno Iltz.

Werner Krauß galt als einer der herausragenden Schauspieler seiner Zeit. Elisabeth Bergner nannte ihn den „größten Schauspieler aller Zeiten“ und „dämonisches Genie“. Der Kritiker Siegfried Jacobsohn schrieb 1924: „Vor diesem Reichtum an Phantasie verharrt man geblendet und hingerissen“, und Max Reinhardt beschrieb Krauß als Schauspieler „mit einer sich seltsam mitteilenden autosuggestiven Kraft. Man ist festgehalten von einer unsichtbaren Kraft, körperlich berührt. Sein Gesicht füllt das Theater.“

Friedrich Weissensteiner schrieb: „Werner Krauß besaß eine ungeheure Suggestionskraft, er war ein Verzauberer, ein Magier, der das Publikum in seinen Bann ziehen und hypnotisieren konnte. Um einen Charakter darzustellen oder eine Situation blitzschnell zu erhellen, brauchte er einfach nur da zu sein.“ Marcel Reich-Ranicki in seiner Autobiographie Mein Leben: „Wenn Gründgens auf der Bühne erschien, begann er gleich zu agieren: Aus seinen Blicken und Bewegungen, aus Worten und Wendungen, aus plötzlichen Pausen und unerwarteten Beschleunigungen ergab sich dann auf wunderbare Weise eine so suggestive wie originelle Figur. Wenn Krauss auf die Bühne kam, war die Figur, die er spielte, sofort da – ohne daß er etwas gesagt oder getan hätte.“

Auf die Frage, warum er Schauspieler geworden sei, antwortete Krauß: „Um nicht ich zu sein“; seine Schauspielerei beschrieb er wie folgt: „Ich muss es hinter mir geigen hören wie der Tod, wenn ich spiele. Dieser zweiten Stimme hinter meinem Ohr spreche ich nach. Wenn ich aber die leiseste Schwankung zwischen dem Geigenton und meiner Melodie und meinem Rhythmus spüre, dann weiß ich, dass ich mich nicht in der Gewalt habe, dass meine Saiten nicht gespannt sind und ich nicht gestimmt bin.“

Der Schauspieler Oskar Werner, der eigentlich Bschließmayer hieß, nannte sich aus Verehrung für sein Bühnenidol Werner Krauß Oskar Werner.

Da Werner Krauß am Deutschen Theater in Berlin von Max Reinhardt meist nur als zweite Besetzung oder in kleineren Rollen beschäftigt wurde, wandte er sich Anfang 1916 dem Film zu. Nach seinem Debüt als Dapertutto in Hoffmanns Erzählungen von Richard Oswald, waren es zunächst vor allem die populären Genres des Trivialfilms, Melodramen, Detektivgeschichten und Sitten- und Aufklärungsfilme, in denen er mitwirkte. Meist spielte er darin verkommene Fieslinge: einen Sadisten mit Stiefeln und Peitsche in Dida Ibsens Geschichte (1918), einen chinesischen Rauschgifthändler in Opium (1919) oder einen mordlüsternen Krüppel in Totentanz (1919). 1918 spielte er in Das Tagebuch einer Verlorenen (Regie: Richard Oswald) sowie dem antifranzösischen Historienfilm Der Friedensreiter (1918/19) (Regie: Hans Werkmeister).

Seinen internationalen Durchbruch schaffte Werner Krauß 1920 mit dem legendären Stummfilm Das Cabinet des Dr. Caligari (Regie: Robert Wiene), wo er an der Seite von Conrad Veidt in Mimik und Körpersprache ganz in der Darstellung des Schaustellers/Irrenarztes Caligari aufging, der Autorität und Subordination in einem verkörperte. Die von Lotte H. Eisner unter dem Begriff „Die dämonische Leinwand“ zusammengefasste Epoche des deutschen Films der 1920er Jahre fand in der Folge in Krauß einen ihrer wichtigsten Schauspieler. Der Stummfilm ermöglichte es ihm, seiner Fähigkeit zur totalen Identifikation mit den Rollen, seiner Lust an der Verwandlung und seiner Begabung, allein durch physische Präsenz zu wirken, Ausdruck zu verleihen.

Ebenfalls 1920 spielte Krauß den Koch in Carl Froelichs Die Brüder Karamasoff nach Fjodor Dostojewskij, ein Jahr später den Robespierre in Dimitri Buchowetzkis Danton, 1921 den Lord William Hamilton in Richard Oswalds Lady Hamilton. Persönlich hob Krauß die Arbeit mit Lupu Pick an dem Kammerspiel Scherben (1921) hervor, wo er die dumpfe, depressive Studie eines Bahnwärters ablieferte, der zum Mörder des Verführers seiner Tochter wird. 1922 war er der Jago in Dimitri Buchowetzkis Othello nach Shakespeare und Nathan in Manfred Noas Nathan der Weise nach G. E. Lessings Drama. 1923 spielte er unter der Regie von Hans Behrendt den liberalen Hauslehrer in dem Melodram Alt-Heidelberg und wieder mit Robert Wiene I.N.R.I., wo er an der Seite von Asta Nielsen und Henny Porten den Pontius Pilatus spielte. Er war der Frauenmörder Jack the Ripper in Leo Birinskis Das Wachsfigurenkabinett und in Georg Wilhelm Pabsts Die freudlose Gasse an der Seite von Greta Garbo 1925 der Fleischermeister, der seine Vorräte nur gegen Liebesdienste herausgibt, sowie in dem psychoanalytischen Stummfilm Geheimnisse einer Seele (1926, Regie: G. W. Pabst), in dem er nuancenreich den Chemiker Martin Fellmann verkörpert, hinter dessen bürgerlicher Fassade verborgene traumatische Ängste und Obsessionen zu Tage treten. 1925 spielte Krauß den Orgon in Friedrich Wilhelm Murnaus Molière-Verfilmung Tartüff mit Emil Jannings in der Titelrolle und 1926 drehte er mit Jean Renoir Nana nach Émile Zolas 9. Band des Romanzyklus Rougon-Macquart. Es folgten Kreuzzug des Weibes (1926, Regie: Martin Berger) und Die Hose (1927), nach Carl Sternheim, als Theobald Maske. In Henrik Galeens Der Student von Prag (1926) spielte Krauß den Wucherer Scapianelli und in Lupu Picks Napoleon auf St. Helena (1929) Napoleon Bonaparte.

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