Werner Herzog (* 5. September 1942 in München) ist ein deutscher Regisseur, Produzent, Schauspieler, Synchronsprecher und Schriftsteller. Er zählt zu den bedeutendsten Vertretern des internationalen Autorenfilms und des Neuen Deutschen Films. Die Zeitschrift Time zählte ihn im Jahr 2009 zu den 100 einflussreichsten Personen der Welt.
Werner Herzog wurde als Sohn von Dietrich Herzog (1910–1989) und dessen Frau Elisabeth Herzog geborene Stipetić (1912–1984) in München geboren. Seine Mutter stammte aus einer kroatischen Offiziersfamilie. Sein Großvater väterlicherseits war der Philologe und Archäologe Rudolf Herzog, der Bekanntheit durch die Ausgrabung des Asklepieions auf der Insel Kos erlangte. Werner Herzog hat einen älteren Bruder und den jüngeren Halbbruder Hartwolf „Lucki“ Stipetić, der bis heute mit ihm als Produzent zusammenarbeitet, sowie die jüngere Schwester Sigrid Herzog, die als Regisseurin tätig ist. 1948 ließen sich seine Eltern scheiden und er hieß fortan bürgerlich Werner Stipetić. Seinen vorherigen Namen Werner Herzog wählte er später als Künstlernamen für sich als Filmemacher. Er sei seinem Vater nie nahe gewesen, fand aber nach eigener Aussage zu Beginn seiner Karriere, dass dieser Name besser klingt für einen Filmemacher.
Herzog wuchs bis zu seinem 11. Lebensjahr im oberbayerischen Dorf Sachrang unweit der Grenze zu Österreich auf, wohin die Familie vor den Bombenangriffen auf München geflohen war. Nach der Scheidung der Eltern zog er mit der Mutter nach München und besuchte dort ein humanistisches Gymnasium. Zeitweise lebte er mit seinem Vater und dessen zweiter Frau in Wüstenrot bei Heilbronn und besuchte das Heilbronner Theodor-Heuss-Gymnasium. Mit 14 Jahren konvertierte Herzog zum Katholizismus. 1956 trampte er durch Jugoslawien und Griechenland und arbeitete mit 17 Jahren einige Monate in Manchester.
Kurzzeitig bewohnte er mit seiner Familie in der Elisabethstraße in München eine Pension zusammen mit Klaus Kinski, der bereits zu dieser Zeit mit exzentrischen Allüren auffiel. Während der Gymnasialzeit arbeitete Herzog in Nachtschicht als Punktschweißer in einer Stahlfabrik. Im Jahr 1961 machte er am Maximiliansgymnasium in München das Abitur und studierte, neben seinen ersten Filmproduktionen, Geschichte, Literatur und Theaterwissenschaft an der Universität München. Werner Vordtriede war einer seiner Lehrer. Ein Fulbright-Stipendium, das er nach einer Woche abbrach, brachte ihn an das Filmseminar der Duquesne University nach Pittsburgh in den Vereinigten Staaten.
Im Jahr 1962 veröffentlichte Herzog als 19-Jähriger seinen ersten Film, den zwölfminütigen Kurzfilm Herakles. 1963 gründete er seine Produktionsfirma „Werner Herzog Filmproduktion“ in München. Seinen ersten abendfüllenden Spielfilm Lebenszeichen drehte Herzog im Alter von 24 Jahren. Für diesen Film erhielt er finanzielle Unterstützung vom Kuratorium junger deutscher Film. In der Kategorie „Bester erster Film“ wurde ihm dafür ein Deutscher Filmpreis verliehen; der Film erschien 1968.
Ende 1974 ging er in 22 Tagen zu Fuß von München nach Paris, um die kranke Filmkritikerin Lotte Eisner zu besuchen und sie damit – in seiner Sichtweise – zu retten; darüber schrieb er das Buch Vom Gehen im Eis und sprach auch das entsprechende Hörbuch ein.
Bei den Internationalen Filmfestspielen von Berlin 2010 bekleidete Herzog das Amt des Jurypräsidenten. 2012 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse verliehen.
Aus Herzogs erster Ehe entstammt der Sohn Rudolph Herzog, der ebenfalls als Regisseur, Drehbuchautor und Produzent tätig ist. Aus einer Beziehung mit der Schauspielerin Eva Mattes stammt die Schauspielerin Hanna Mattes, die als Stiftungsrätin der Werner Herzog Stiftung fungiert. Die zweite Ehe ging Herzog im Jahr 1987 ein, zwei Jahre später wurde der gemeinsame Sohn geboren.
Im Jahr 1996 zog Herzog nach Los Angeles. 1999 heiratete er die russisch-amerikanische Photographin Elena Pisetski.
Viele seiner Filme drehte Werner Herzog auf Englisch. In fünf seiner bekanntesten Filme besetzte er die Hauptrolle mit Klaus Kinski. Über die oftmals schwierige Beziehung der beiden drehte er 1999 den Dokumentarfilm Mein liebster Feind.
Werner Herzogs Werk umfasst neben seinen Spielfilmen zahlreiche dokumentarische Arbeiten. Nach Cobra Verde (1987) drehte er nur noch wenige Spielfilme, aber zahlreiche Dokumentationen für Fernsehen und Kino. Auch in früheren Jahren drehte er regelmäßig Dokumentarfilme. Im vielleicht bemerkenswertesten davon, Gasherbrum – Der leuchtende Berg über eine Doppel-8000er-Besteigung von Reinhold Messner und Hans Kammerlander, findet Herzogs Verständnis vom Dokumentarfilm Ausdruck. Er verweigert sich dem Direct Cinema und der Einschätzung, dass Kameras Authentizität reproduzieren könnten. Vielmehr geht es in den dokumentarischen Arbeiten auch immer um die eigene Perspektive auf den Gegenstand, um Herzog selbst also. Dies geht so weit, dass er manchen dokumentierten Personen Wörter und Aussprüche in den Mund legt und die Arbeiten zudem stark ästhetisiert.
Im Rahmen der Arbeiten an seinem Film Aguirre, der Zorn Gottes hatte sich Herzog am 24. Dezember 1971 am Flughafen von Lima bemüht, für sich und sein Drehteam Plätze auf dem später verunglückten LANSA-Flug 508 zu bekommen, nachdem am Vortag alle Flüge auf dieser Strecke wetterbedingt ausgefallen waren – der Flug am 24. war ausgebucht, sodass sie der Katastrophe entgingen. Jahrzehnte später drehte er nach persönlichen Gesprächen mit Juliane Koepcke, der einzigen Überlebenden dieses Fluges, seinen 2000 erschienenen Dokumentarfilm Julianes Sturz in den Dschungel über dieses Unglück und Koepckes Rettung.
Der Kurzfilm Werner Herzog Eats His Shoe dokumentiert Herzogs Einlösen einer Wette. Herzog ermutigte damit Errol Morris, seinen ersten Film Gates of Heaven (Pforten des Himmels, 1978) tatsächlich fertigzustellen. Herzog kochte seine Schuhe und aß einen bis auf die Sohle auf. Regie führte Les Blank, der 1982 auch eine vielgerühmte Dokumentation über die beschwerlichen Dreharbeiten von Fitzcarraldo drehte (Die Last der Träume). Eine Version mit Jason Robards und Mick Jagger musste aufgrund einer Krankheit von Jason Robards und Auftrittsverpflichtungen von Mick Jagger 1981 halbgedreht aufgegeben werden, ehe eine neue Version mit Klaus Kinski fertiggestellt wurde.
Mitte der achtziger Jahre wandte er sich der Oper zu und debütierte 1985 mit der Inszenierung von Ferruccio Busonis Doktor Faust am Teatro Comunale in Bologna. Bekannt wurde er durch seine Aufführungen von Wagner, insbesondere Lohengrin bei den Bayreuther Festspielen im Jahr 1987 und Beethovens Fidelio an der Mailänder Scala.
Im Jahr 2009 erhielten Herzogs Spielfilme Bad Lieutenant – Cop ohne Gewissen und Ein fürsorglicher Sohn Einladungen in den Wettbewerb der 66. Filmfestspiele von Venedig. Damit ist Herzog der zweite Filmemacher, der mit zwei Werken um den Goldenen Löwen konkurrierte.
Am 18. September 2012 führte Herzog bei einem Konzert der amerikanischen Rockband The Killers in New York Regie. Das Konzert wurde live im Internet übertragen.
Auf der New Yorker Whitney Biennale 2012 stellte Herzog die Videoinstallation Hearsay of the Soul (Hörensagen der Seele) vor. 2015 wurde die Arbeit im Rahmen einer Sonderausstellung in Köln gezeigt.
Herzog ist international für sein besonderes Englisch bekannt, in dem er zum einen mit einem reichen Wortschatz bevorzugt bedeutungsschwere Wörter wählt, aber mit einem harten, deutschen Akzent spricht. Für englischsprachige Produktionen hatte er aufgrund dessen schon eine Vielzahl von Gastauftritten als Synchronsprecher und in kleinen Rollen. Den Simpsons lieh er im englischen Original dreimal seine Stimme: 2011 in der 15. Folge der 22. Staffel einem deutschen Pharmaunternehmer, der später als Augustus Glupsch identifiziert wird, 2019 in der 23. (und letzten) Folge der 30. Staffel sowie 2020 in der 15. Folge der 31. Staffel. Für das englische Original von Rick and Morty sprach er 2015 in der 8. Folge der 2. Staffel einen Alien.